Schreckliche Äußerlichkeiten

 

Meine musikalischen Recherchen führen mich regelmäßig in die 1950-er und 60-er Jahre, oft auch zu den Schlager- und Revuefilmen der damaligen Zeit. Wenn man einmal vom verkitschten Blick auf Lebensweisen und Geschlechterbeziehungen absieht, beeindrucken mich an solchen Filmen drei Dinge:

·       die teilweise bis heute bekannten musikalischen Evergreens

·       der gigantische Spaß, den die Darsteller bei der Darbietung völligen Unfugs hatten

·       die Mode dieser Epoche

Damals kannte man für die Männer so genannte „Straßenanzüge“, da zumindest die besseren Herrn auch tagsüber nicht in kurzen Hosen, Socken und Sandalen herumrannten (außer vielleicht manchmal Komiker wie Heinz Erhardt). Und die Damen trugen natürlich Kleider und nicht diesen unglaublich hässlichen Beinschmuck unserer Tage.   

Gestern stieß ich auf eine Filmszene mit Peter Alexander, der mit routiniertem Charme eine unbekannte Schönheit anhimmelt. Gesungen wird die von Kurt Feltz verfasste deutsche Version von „Catch a falling Star“:

https://www.youtube.com/watch?v=sd1SaarsYuw

Leider ist der deutsche Text des Songs nicht halb so gut wie das englische Original. Aber haben Sie auf die damalige Mode geachtet? Und sie mit der heutigen verglichen?

Wenn ich derzeit sehe, wie sich Fernsehgrößen äußerlich darstellen, könnte ich regelmäßig in die Tischkante beißen. Daher habe ich einmal die (nach meinem Geschmack) zehn größten modischen Verirrungen unserer Tage zusammengestellt:

·       Männer-Anzüge mit Röhrenhosen und Jacketts, die kaum den Hintern bedecken

Die einstige Erkenntnis, Stoffe müssten „schön fallen“, scheint vergessen. Zudem sehen nun Männer ohne Übergewicht durch das knalleng geschnittene Zeugs so aus, als hätten sie eines. Ein Anblick wie die früheren Kommunionanzüge, aus denen man nach zwei Jahren schon rausgewachsen war.

·       Frauen in Presswurst-Jeans

Das noch schrecklichere Pendant in der Damenmode: Da kann der Hintern noch so ausladend sein (was ja im Einzelfall nicht unattraktiv sein muss) – der Schnitt ist im wahrsten Sinne „spannend“. Was früher der Rock oder das Kleid verdeckte, wird nun schonungslos offenbart. Der Superlativ des einschlägigen Grauens nennt man Leggins. Ich frage mich schon lange, wie man aus solchen Beinröhren ohne Gebrauchsanweisung wieder rausfindet…

Damenhosen können sehr elegant sein aber dann bitte in der entsprechenden Weite!

·       Sonennbrillen in der Frisur

Nach meiner naiven Beurteilung braucht man den Blendschutz nur bei starker Sonneneinstrahlung – und dann auf der Nase und nicht über dem Scheitel. Noch bescheuerter wirken solche Teile bei Männern, wo sie öfters auf der Glatze thronen. Oder im Ausschnitt des T-Shirts stecken. Die Botschaft soll wohl lauten: „Ich habe grade meine Jacht am Pier angebunden.“ In dem Fall könnte man über eine solche Trageweise diskutieren.

·       T-Shirts mit sinnfreiem Aufdruck

sieht man gerne auch in ausgebleichter Form nach hundert Waschprogrammen. Ich frage mich meist, welche Botschaft hier vermittelt werden soll. Wenn eine solche ersichtlich ist, bin ich beruhigt – im weiblichen Fall zum Beispiel die vor der Brust getragene Info: „Ich habe auch Augen, du Trottel!“ Oder natürlich der Klassiker: „Ja, das ist Tangokleidung!“

·       Männer mit Drei- bis Sechstagebart

Dieses auch als „Anmachbrösel“ bekannte Dekor ruft bei mir stets die Frage hervor: Pressiert es am Morgen so, dass man oft nicht mehr zum Rasieren kommt? Für mich lässt die Stoppelwüste jüngere Männer älter aussehen – und alte Säcke einfach grauenhaft. Merke: Wenn‘s zu einem richtigen Bart nicht reicht, sollte man solche Versuche einstellen!

·       Frauen mit wallender, torsobedeckender Frisur

Ich finde, solche Kreationen sehen nur einen Moment gut aus: Wenn sie der Coiffeur nach einer Stunde Herumpulens und Besprühens im Spiegel zeigt. Bereits draußen vor dem Salon und nach dem ersten Windstoß dagegen lautet die optische Botschaft: „Geh zum Friseur!“ Fernsehansagerinnen lassen dann gerne die eine Hälfte der Pracht Richtung Hintern hängen und die andere nach vorne: Geteiltes Leid ist doppeltes Leid!

Haare wachsen monatlich etwa einen Zentimeter: Misst dieser Keratin-Friedhof an die 40 Zentimeter, dann sind dessen Spitzen bereits seit mehr als drei Jahren tot. Ein Fall ausschließlich für die Rechtsmedizin…

Frauen mit kurzen Haaren können so sexy sein (seufz)…

·       Sneakers zu allem

Das früher mit Recht „Turnschuh“ geheißene Fußmöbel hat logischerweise seine Berechtigung dort, wo es dem Namen nach hingehört: in den Sport (oder Tanz). Völlig gaga hingegen finde ich es, wenn man es mit beliebiger Kleidung kombiniert. Derzeit sieht man haufenweise Männer mit Anzügen und weißen Tennisschuhen rumrennen – oder Damen im eleganten Outfit enden erdwärts in dem klumperigen Orthopädie-Hilfsmittel. Gruselig!

·       Senioren-Beige

Ergießt sich ein Rentnerbus an einer Autobahn-Raststätte, wird man als Betrachter von flächendeckender Kacki-Flut überrollt. Ältere Herren kompletteren die farbliche Einerlei-Wüste gerne noch mit Hosenträgern und einer feschen Schlägermütze. Warum wagen sich Senioren nicht mal an auffallendere Farben – oder modisches Schwarz? Soll die Tarnfärbung bei beginnender Inkontinenz von verräterischen Flecken ablenken?

·       Volljährige Menschen in kurzen Hosen

Mit diesem Beinkleid ist man im Garten, am Strand oder dem Sportplatz bestens bedient. An anderen Orten hingegen nicht! Gerade Männer jenseits der Fünfzig sollten der Öffentlichkeit den Anblick ihrer behaarten Stelzen dringendst ersparen – besonders, wenn das Arrangement dann noch in Socken und Sandalen endet. Und beim weiblichen Geschlecht sehen Hotpants lediglich bei Sportlerinnen unter 25 gut aus.

Schön sind dann Familienausflüge, bei denen Eltern und Kinder sehr ähnlich gewandet sind nur in unterschiedlichen Kliedergrößen.

Höllenartig wird der Anblick beim Freiluft-Tango, wenn Tänzer zur kurzen Cargo-Hose dann noch schwarze Tanzschuhe tragen. In dem Fall halte ich einen Korb für unvermeidlich!

·       Gefärbte Haare

sollten Schauspielerinnen und Schauspielern vorbehalten bleiben – wobei hier oft eine Perücke die weniger schlimme Variante darstellt.

Im restlichen Leben vermitteln sie nur eine Botschaft: Sie muten – im Vergleich zu den restlichen Bauteilen einer Person – halt völlig unpassend jünger an. Tipp: Wenn Sie das reale Alter einer Frau abschätzen wollen: Gucken Sie nicht zur Frisur, sondern auf die Hände und Unterarme (oder die Pocken-Impfnarbe)!

Noch abartiger wirken Farbvarianten, welche im wirklichen Leben nur bei Paradiesvögeln und Chamäleons auftreten. Möglichst noch mit depperten Strähnchen.

Für mich als Tänzer kommt hinzu, dass ich dann für 15 Minuten meine Nase in einem Chemikalien-Friedhof (organische Schwefelverbindungen) parken darf. Liebe Tänzerinnen: Es hat einen klaren Grund, wieso eure Friseurinnen mit Handschuhen arbeiten, wenn sie euch die Chemie-Pampe auf die Kopfhaut schmieren!

Seltsam: Sonst geht der Trend doch zu „gesund“ und „bio“. Nur wenn es um die „Schönheit“ geht, wird jeder Kollateralschaden in Kauf genommen – auch subkutan injiziertes Nervengift oder Silikonkissen unter den Brustdrüsen. Entsetzlich!

Fazit

Meinen werten Kritikern, welche jede Zeile meines Blogs nach eventuellen „Fehlern“ oder „Beleidigungen“ durchsuchen, sei gesagt:

Ich habe hier lediglich meinen ganz persönlichen Geschmack dargetan. Jeder und jede darf, ja soll einen anderen haben. Und es sind, wie der Titel schon sagt, Äußerlichkeiten, die nichts über den Wert eines Menschen aussagen.

Wozu ich nur rate: Die Moden ändern sich, der persönliche Gusto hingegen könnte doch konstanter sein! Ich meine, es gibt für jeden Menschen ein optimales Outfit. Das sollte er nicht aufgeben, nur weil die Modefirmen zweimal im Jahr ihre Lager räumen wollen!  

„Fang dir einen fallenden Stern und steck ihn in deine Tasche“ könnte hierfür doch ein passendes Motto sein!             

Perry Como hatte 1957 seinen letzten Nummer eins-Hit mit dem Song von Paul Vance und Lee Pockriss:


https://www.youtube.com/watch?v=_VJlHWESyLI

Kommentare

  1. Guten Tag Herr Riedl,


    hoffentlich erlauben Sie, dass ich auch hier schreiben darf was mir nicht ganz gefällt.
 Wenn Sie so streng Urteile machen über andere muss ich sagen, daß ich (als Franzose) den Pullover , sie tragen, 
nicht als ganz gelungen finde. Er erinnert mich sehr an die deutschen Touristen mit Tennis Socken in Sandals. 
Diese sind für uns immer ein großes Amusement. Also gemeint die Touristen. 
Beim Thema sinnfreien Tshirts kann ich Ihnen nur zustimmen. Ich lache auch immer über Aufdruck wie: 
„Honolulu Surf Academie- best of the best 1956“ -sehen sie dazu den link

    

herzlich,
    

D Utrotel

    

https://www.youtube.com/watch?v=5KM8SfuJo6k



    https://newstral.com/de/article/de/1107240632/entlarvt-hochstapler-mit-miami-surf-club-shirt-war-nie-in-miami-surfen-postillon24-deckt-auf-



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    1. Lieber Herr Utrotel,

      na also: Sie lachen über gewisse Outfits – und ich wollte mit diesem Thema ebenfalls meine Leser amüsieren. So „streng“ waren meine Beurteilungen nicht gemeint.

      Selbstverständlich steht es Ihnen frei, meinen Pullover in dem verlinkten Video nicht zu mögen. Nur zur Beruhigung: Sandalen und Tennissocken besitze ich nicht.

      Meine modische Auswahl ist ja auch größer: Auf meinem Youtube-Kanal können Sie mich in 90 Videos mit durchaus unterschiedlicher Bekleidung sehen. Da dürfen Sie sich gern was raussuchen.

      Beste Grüße
      Gerhard Riedl

      https://www.youtube.com/channel/UCNQxzjgEVdis00XYsrU0sWg

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