Video: Milongas und Valses – klassisch und modern interpretiert

Nach dem Tango habe ich nun nach Milongas und Valses in zeitgenössischen Einspielungen gesucht – und sie teilweise mit den Arrangements historischer Orchester verglichen.

Nachdem jüngst meine Videos – speziell das erste zu den Phrasierungen – heftiger Kritik ausgesetzt waren, habe ich mir zu Beginn einen pubertären Scherz erlaubt, für den ich um Nachsicht bitte! Herzlichen Dank an meine Kamerafrau Manuela Bößel, auf deren Spontanreaktion ich nicht vergeblich hofte.

Ich meine, beim Vergleich zwischen den „alten“ und „neuen“ Stücken fällt zweierlei auf:

Während die „alten Meister“ bei den Tangos schon ziemlich viel Monoton-Schleppendes produzierten, enthalten ihre Walzer und Milongas öfters mehr Energie. Daher geht es mir gar nicht darum, das musikalische Schaffen der EdO pauschal schlecht zu machen.

Dennoch bleibt festzuhalten: Die neueren Einspielungen enthalten häufig Variationen, welche das Tanzen dazu schwieriger, aber auch viel interessanter machen. Wenn DJs wenigstens die eine oder andere Tanda mit modernen Aufnahmen spielen würden, käme mehr Leben in unsere Milongas.

Ich fürchte, einen Grund zu kennen, welcher das verhindert: Das Interesse für zeitgenössische Tangomusik und folglich auch das Wissen um die Vielfalt dieses kulturellen Angebots ist in der Szene wenig verbreitet. Ein Grund dafür ist wohl, dass es in dieser Sparte wesentlich schwieriger ist, fertige Playlists herunterzuladen. Da müsste man sich schon selber auf die Suche machen! Vielleicht darf ich dabei etwas helfen…

Bezeichnend dafür ist auch eine andere Beobachtung: Während über mein Video zu den Phrasierungen klassischer Tangos große Empörung herrschte, las ich zur folgenden Produktion mit modernen Aufnahmen kein Wort. Sehr selten verlautet auch Kritisches zu den derzeit 76 Playlists auf meinem Blog. Wohl deshalb, weil den Experten des Sechsachteltaktes die meisten der dort vorgeschlagenen Aufnahmen schlicht unbekannt sind. Nun könnte man die zwar bei Youtube oder in anderen Dateien heraussuchen – aber das würde die Zeit fürs gescheite Daherreden verringern…

In der Video-Beschreibung bei YouTube findet man jedenfalls die Links auf alle besprochenen Titel sowie einige Artikel von mir zu diesen Musikern.

Daher freue ich mich über die Minderheit, die sich bei mir gerne über modernen Tango informiert. Viel Spaß mit dem Video!

https://www.youtube.com/watch?v=fYr2MEGNK_Q

P.S. Ich entschuldige mich für einen fachlichen Fehler im Video: Der Chef des „Tango Spleen Orquesta“ heißt natürlich Mariano Speranza!

Kommentare

  1. Hallo Herr Riedl,
    danke für die Mühe, welche Sie sich mit dem Beitrag gemacht haben.
    Ein Tipp von mir: Wenn Sie wissen möchten warum Laurenz nicht zu den großen Orchestern gezählt werden kann, empfehle ich die Lektüre der Bücher von Michael Lavocah. Dort werden solche Fragen ausführlich geklärt.
    Ihr Egon Vogel

    P.S. was meinen Sie mit: "in Dateien heraussuchen?" Bei mir verhält es sich so, dass das was ich heraussuche die Datei ist, z.B.: eine MP3 oder Word Datei. Innerhalb dieser Datei würde ich auf Bits und Bytes stossen. Vielleicht meinten Sie Datenbanken?

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    1. Lieber Herr Vogel,

      danke für den Hinweis – aber mit dem Werk von Michael Lavocah habe ich mich schon beschäftigt. Vor mehr als fünf Jahren schrieb ich zu seinem ersten Buch eine Rezension:

      http://milongafuehrer.blogspot.com/2017/01/michael-lavocah-tango-geschichten-was.html

      Meines Erachtens bietet Herr Lavocah halt einen Katechismus: Man muss glauben, was er verkündet. Ich verlasse mich da lieber auf meinen persönlichen Musikgeschmack, statt meine Ansichten aus einem Buch zu beziehen.

      Und ja, was ich vergaß: Für mich gehört auch Osvaldo Fresedo in die erste Reihe. Aber dazu hat Lavocah sicher auch schon eine Botschaft formuliert.

      Was digitale Fachbegriffe angeht, haben Sie sicher Recht. Ich meinte nur, man könne sich meine Musikvorschläge auch mal im Internet heraussuchen und anhören. Zudem liefere ich ja viele Links auf die von mir empfohlene Musik.

      Aber das kommt eben davon, wenn man sich mehr mit Musik und Tanz statt mit digitalem Fachwissen beschäftigt…

      Besten Dank und freundliche Grüße
      Gerhard Riedl

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    2. Hallo Herr Riedel,
      
dann wollen wir mal hoffen, dass sie in keinen Disput mit Herrn Lavocah geraten. Er könnte fragen: “und, was machen Sie so?“.
Wenn man nach Ihrer Lesart Qualifikation nach der Anzahl der Buchveröffentlichungen beurteilt, liegt Herr Lavocah doch recht deutlich vorne. Dann wäre es anerkanntes Expertenwissen versus ihren „persönlichen Geschmack“. 
Darüber hinaus finde ich, dass Ihr Katechismus Vergleich hinkt. Der Katechismus bezieht die Legitimation für Seine Aussagen einzig und alleine aus dem Glauben an eine höher Macht- erklärt wird nichts.
 Herr Lavocah hingegen arbeitet seine Thesen auf eine Wissenschaftlich korrekte Art und Weise heraus und ist in der Lage seine Aussagen fundiert zu begründen. Bei Canaro z.B. wird über mehrere Seiten erklärt, abgewägt, nachgefragt, gegenübergestellt- bis es für den Autor und Leser keinen Zweifel mehr daran gibt, dass Canaro nicht zu den Big Four gehören kann- obwohl man es bei Ihm noch mehr erwarten würde als bei Laurenz. Aus meiner beruflichen Erfahrung funktioniert wissenschaftliches Arbeiten genau so. Dennoch möchte ich Sie nicht von Ihrem Gefühl dazu abbringen. Es ist schön, dass Sie sich auf Ihre Art und Weise sicher sind. 
Ich hatte Sie nur so verstanden, dass Sie an einer Antwort auf die von Ihnen gestellte Frage interessiert sind und entschuldige mich hiermit für die entstandenen Verwirrungen.


      Freundliche Grüße,
      

Egon Vogel

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    3. Lieber Herr Vogel,

      ich glaube nicht, dass ich in einen Disput mit Herrn Lavocah gerate. Er wird sich mit einem unbedeutenden Blogger nicht abgeben.

      Und wenn, könnte ich zurückfragen, was er denn so mache. Hat er ein abgeschlossenes Musikstudium? Ich habe im Internet nichts dazu gefunden. Ich würde auch nicht sagen, dass er wissenschaftlich arbeitet – eher ist er ein begeisterter Sammler der historischen Tangomusik.

      Ich nehme an, Sie haben meine Rezension seines ersten Buches gelesen. Darin schreibe ich:

      „Der größte Vorzug des Buches gerät allerdings gleichzeitig zum größten Problem: Lavocah ist ein glühender Aficionado einer ganz bestimmten Richtung der Tangomusik, was jegliche Objektivität im Keim erstickt – will sagen, er erspart uns sämtliche eigenen Entscheidungen, wie wir die einzelnen Interpreten und ihre Werke finden. Welcher Sänger, Pianist, Bandoneónspieler war der jeweils beste eines Orchesters? Lavocah sagt es uns – und derartig vorbestimmt werden es auch viele in den Hörbeispielen bestätigt finden. Kaum eine Zeile des Werkes kommt ohne Wertungen aus: Nicht die Musik erzählt uns etwas, sondern Lavocah!“

      Und was die Zahl der Buchveröffentlichungen betrifft; Bei mir sind es immerhin vier. Dennoch rate ich ab, das zum Maßstab für Qualität zu nehmen. Enid Blyton beispielsweise verfasste über 750 Romane. Weltweit liegen bei den Verkaufszahlen Werke wie die Mao-Bibel, der Koran und das Kommunistische Manifest ganz weit vorne.
      https://www.die-besten-aller-zeiten.de/buecher/faq/die-10-meistverkauften-buecher.html

      Für eventuelle zukünftige Kontakte schlage ich vor, sich von Nebenkriegsschauplätzen fernzuhalten und sich stattdessen auf das Thema meines jeweiligen Artikels zu beziehen. Dieses finden Sie in der Überschrift.

      Beste Grüße
      Gerhard Riedl

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  2. Hallo Herr Riedl.
    
verzeihen Sie wenn ich aufs Nebengleis geraten bin. Die Frage bezüglich Laurenz entstammte ja aber Ihrem Beitrag. 
Dennoch möchte ich Ihnen ein paar Zeilen dazu schreiben. Ob Sie sie veröffentlichen bleibt Ihnen überlassen.

    Wie schon angedeutet ist mein Eindruck von Herrn Lavocahs Schaffen ein Anderer als der Ihrige. Er hat mir geholfen besser zu hören was mir die Musik erzählt.
 Wenn ich mich richtig entsinne, haben Sie des öfteren, im Wettstreit um Qualifikation Ihre Buchveröffentlichungen ins Feld geführt. Soll jetzt diese Kategorie nicht mehr zählen?
Geht es jetzt nur noch um Abschlüsse, wie Ihren in Chemie? Ehrlich gesagt verstehe ich Ihren Begriff von „und was machen Sie so?“ jetzt gar nicht mehr. Abschluss zählt nicht (Romana Someir). Buchveröffentlichungen Zählen nicht (M. Lavocah). Ja was darfs denn dann sein? Ausser vielleicht einem persönlichen Gefühl. 

„Ich verlasse mich da lieber auf meinen persönlichen Musikgeschmack, statt meine Ansichten aus einem Buch zu beziehen.“ Als ich das laß, wurde ich an die Corona-Krise erinnert und auch hier sind wir unterschiedlich. Ich habe mich damals auf den Rat von Menschen mit vielen Abschlüssen und Publikationen verlassen anstatt auf meine persönlichen Vorlieben, Geschmäcker und Gefühle. Und ich bin gut damit gefahren. Zum Glück ist Tango da eine weitaus harmlosere Sache. 





    Auf jeden Fall bin ich froh, dass der Pilot, welcher mich in den Urlaub fliegen wird, sich nicht auf sein persönliches Aerodynamikgefühl verlässt, sondern seine Ansichten aus einem Handbuch oder Lehrbuch bezogen hat.

    Freundliche Grüße,
    

Egon Vogel

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    1. Dazu habe ich heute einen neuen Artikel veröffentlicht.

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