Schmähungen mit Schmäh

 

Derzeit wird gegen mein Tangoblog wieder einmal eine größere Kampagne gefahren. Ich bin das seit langer Zeit gewöhnt:

Empöreria-Shitstorms erlebte ich mehrfach – beispielsweise, als ich den Cabeceo-Workshop einer populären DJane und Veranstalterin verblödelte. Tenor: Ich würde hochheilige argentinische Traditionen schmähen.

Ähnlich die große Beleidigungs-Suada: Ich gehe anderen Personen gezielt an die Ehre und sei daher zum Abschuss durch beliebige Kränkungen freigegeben.

Juristische Wehklagen: Wiederholt wurde mir in großem Stil vorgeworfen, ich würde unerlaubt aus privaten Facebook-Gruppen zitieren bzw. Zitate „aus dem Zusammenhang reißen“. Rechtliche Schritte blieben aber bislang aus.

Diskriminierung nach Geschlecht, Rasse und Alter: Ich sei halt ein „alter, weißer Mann“ mit eh begrenzter Lebenserwartung, der sich nochmal wichtig machen wolle. Wer könne einem solchen verbitterten Zausel schon glauben!

GEMA-Betrug durch Nichtanmeldung der Wohnzimmer-Milonga, versäumte Deklaration der Einnahmen (?) beim Finanzamt

Kompetenz-Argumentantion: Ich habe mich seit vielen Jahren der Weiterentwicklung im Tango entzogen und könne daher nicht ernsthaft mitreden, schon gar nicht musikalisch. Wird gerne von Tangolehrern und Musikern verwendet.

Provinzler-Vorwurf: Ich sei im Tango kaum über mein Kuhdorf hinausgekommen und habe daher keine Ahnung von der großen, weiten Welt unseres Tanzes.

Die Zensur-Schmähung: Missliebige Ansichten würden von mir gnadenlos gelöscht und so die Wahrheit unterdrückt.

Psycho-Diagnosen, die gemeinhin zwischen Tourette-Syndrom und Narzissmus schwanken - auf jeden Fall soll ich mich in Behandlung begeben!

Immerhin ist die momentane Kampagne relativ neu. Tenor: Die von mir veröffentlichten Zugriffs-Statistiken auf mein Blog seien maßlos überhöht. In Wahrheit lese (bis auf den jeweiligen Kritiker) kaum jemand mein Blog – und wenn schon, dann die Kommentare.

Besonders hervorgetan haben sich dabei die folgenden Personen:

Sören Gibser-Jensen

Marvin Wenkel

Hermann Lainer

Simone Löffler

Nach meinen Recherchen stelle ich fest: Im Tangozusammenhang wissen die Suchmaschinen zu diesen Namen rein gar nichts. Bei Marvin Wenkel wurde mir ein CB-Funker angeboten, den Namen Hermann Lainer trägt ein Schwarzwälder Chorsänger, unter „Sören Gibser-Jensen“ Fehlanzeige – nur die Suchbegriffe „Simone Löffler Tango“ förderten immerhin Kabarettistisches zu Tage:

Drehstuhl TANGO TG 23: Sinnlichkeit auf 5 Rollen

Kann ein Drehstuhl sinnlich sein? Leidenschaft, Präzision, Eleganz und Klarheit - was für den ausdrucksstarken argentinischen Tanz gilt, war auch die Maßgabe bei der Entwicklung des Drehstuhls TANGO 23. Und wenn die genannten Eigenschaften Sie ansprechen, dürfte dieser Schreibtischstuhl Sie begeistern.“

https://www.loeffler.de/shop/buerostuehle/loeffler-tango-23

Letztere Dame versorgte mich heute immerhin mit vier Links, welche ihrer Ansicht nach Aufklärung lieferten: Für alle die wissen wollen, warum Zugriffe auf eine Website mit Besuchern nichts zu tun haben und um ein Vielfaches höher sind.“

Aha, also gar nichts… Ich habe mir die Mühe einer gründlichen Recherche gemacht:

https://www.akis.at/webalizer/

Das ist die Seite einer Web-Hosting-Firma aus Wien. Auf ihr werden lediglich Fachbegriffe wie „Hits“ (Zugriffe), „Files“ (Dateien) und „Visits“ (Besuche) allgemein erklärt.

https://www.novalnet.de/ecommerce-lexikon/hit

Hier gibt es Erläuterungen eines Zahlungsdienstleisters aus Unterföhring

„Die Anzahl der Zugriffe auf eine Webseite, auch ‚Hits‘ genannt, gibt an, wie oft die Elemente der Seite bzw. ihre Unterseiten von Besuchern im WWW aufgerufen wurden. Dabei wird jeder einzelne Zugriff, ganz gleich ob er auf eine HTML-Seite oder eine Grafik erfolgte, gezählt. So entstehen viele Hits pro Seitenaufruf. Es wird nicht unterschieden, ob diese Hits von einem oder mehreren Besuchern durchgeführt wurden.“

Die weiteren Seiten bieten keine zusätzlichen Aufschlüsse – es werden lediglich ähnliche Begriffserklärungen angeboten.

https://www.backslash.ch/blog/2009/11/30/Wie-lese-ich-eine-Besucherstatistik

Die Firma bietet Web-Betreuung an – Sitz: Frauenfeld (Schweiz). Ein Impressum fand ich nicht.

https://wissen.profihost.com/wissen/artikel/zugriffsstatistik-awstats-verstehen-und-interpretieren/

Die „Profi Host AG“ mit Sitz in Hannover bietet ebenfalls Web-Service an.

Da ich kein Computer-Experte bin, kann ich die Verlässlichkeit dieser Firmen-Angaben nicht beurteilen. Übrigens geht man auf keiner der Seiten auf das Problem der „Robots“ ein. Seltsam… Wie dem auch sei: Jeder Leser kann nun gerne die entsprechenden Links aufrufen und sich ein eigenes Bild machen.

Aus meiner amateurhaften Sicht kann ich nur sagen: Ich habe mir nie eingebildet, dass 400 Zugriffe täglich auch bedeuten, dass sich 400 verschiedene Personen (Leser) mein Blog anschauen. Vielleicht guckt jemand dreimal täglich rein, um zu sehen, ob es etwas Neues gibt – oder eine andere verschlingt nächtens gleich 15 der insgesamt der momentan über 1300 Texte hintereinander. Dann wird das wohl als 15 Zugriffe gewertet. Na und? Zeigt doch immerhin ein gesteigertes Interesse, oder? Andererseits kann ich nicht wissen, dass jeder Klick zum Lesen eines Artikels führt. Vielleicht hört jemand nach drei Zeilen entsetzt wieder auf – mag alles sein.

Übrigens gibt es wohl eine Menge Leser, die sich auch ältere Artikel ansehen. In den letzten 24 Stunden vermeldete mir die Blogstatistik immerhin über 50 Klicks auf Texte, welche nicht aus diesem Monat stammen, sondern teilweise mehrere Jahre alt sind.

Was wohl noch einigermaßen verlässlich ist, sind relative Veränderungen. Ich kann also erkennen, welche Veröffentlichung mehr oder weniger Interesse findet, und wie sich der allgemeine Zuspruch entwickelt. Und da kann ich im Moment mehr als zufrieden sein.

Dennoch betone ich immer wieder: Mir hat das Bloggen auch Spaß gemacht, als mir die Statistiken weniger als ein Zehntel der heutigen Zugriffe meldeten. Das Hängen an absoluten Zahlen macht nur unglücklich, weil es nach oben hin keine Grenze gibt: Wenn man zehntausend Zugriffe täglich hat, möchte man zwanzigtausend – und bei einer Million doch lieber zwei. An diesem Rennen nehme ich nicht teil.

Ich frage mich nur, was manche Leute dazu bringt, mir mit geradezu erbitterter Bemühung ein ums andere Male nachweisen zu wollen, wie wenig Interesse an meinem Blog herrscht. Sprich: Muss keiner draufklicken, ist eh bedeutungslos!

Nach meiner Ansicht gibt es zwei Möglichkeiten:

Die angegebenen Namen sind echt. Dann sind es Menschen, die im Tango offenbar keine Rolle spielen – vielleicht noch nicht mal tanzen können. Als Motiv fällt mir in dem Fall nur ein, dass es sich um Menschen handeln muss, die im Leben gefühlt zu wenig Aufmerksamkeit bekommen und sich daher als schonungslose Kritiker und Experten beweisen müssen. Möglichst auf Seiten, die mehr gelesen werden als sie zugeben. Sonst wäre das Ganze ziemlich sinnlos.

Sollten die Namen falsch sein (und dazu tendiere ich), bekäme dieses Tun noch mehr Sinn. Zweifellos gehe ich mit meinen Texten gerade Menschen gewaltig auf den Zeiger, die mit dem Tango ein Geschäft machen wollen. Ich schildere halt die Verhältnisse in der Szene ziemlich realistisch, fernab der schillernden Verheißungen üblicher Werbeangebote.

Tangoanbieter trauen sich aber schon lange kaum noch, mir persönlich mit scharfen Angriffen zu kommen – macht sich schlecht fürs Verdienen. Tango ist ja sowas von achtsam… Da macht sich ein falscher Name oder ein angeworbener Lohnschreiber schon besser. Der setzt dann Gerüchte in die Welt, die ich mühsam korrigieren muss. Und irgendwas bleibt immer hängen…

Bleibt mir nur festzustellen: Bislang sind noch all diese Kampagnen gescheitert, haben mein Blog im Gegenteil bekannter gemacht. Daher werde ich weiterhin Satire, höheren Blödsinn, Informationen sowie Faktenchecks liefern und immer wieder die für mich wichtigste Frage im Journalismus stellen und beantworten: „Ist das wirklich so?“

Im Tango: meist nicht.

Foto: www.tangofish.de

P.S. Worterklärung:  In der österreichischen Umgangssprache bedeutet Schmäh sowohl „Kunstgriff“, „Trick“, „Schwindelei“ oder „Unwahrheit“ als auch „verbindliche Freundlichkeit“, „Sprüche“ und „Scherze“ – insbesondere in der Redewendung „einen Schmäh führen“.

https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Schm%C3%A4h

Kommentare

  1. Lieber Gerhard Riedl,
    wie ich sehe, stoßen meine Kommentare auf reges Interesse und die Zugriffszahlen erreichen Rekordwerte! Das freut mich.
    Durch die intensive Beratung von vielen Kunden habe ich es mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen zu tun. Die meisten sind interessiert und auf das jeweilige Thema fokussiert, einige wenige bleiben aber unbelehrbar und ewige Besserwisser. Unabhängig von Alter, Einkommen und Bildung hat diese Gruppe von Personen aber eines gemeinsam: Es wird viel geredet, obwohl nicht die geringste Fachkenntnis vorhanden ist. Bei dieser Gruppe ist halt Hopfen und Malz verloren.
    Ich wünsche einen schönen Sonntag!
    Hermann Lainer.

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    1. Lieber Herr Lainer,

      besten Dank für das differenzierte Eingehen auf meine Argumentation!

      Mir ist natürlich der Typus des nach aggressivem Rasierwasser duftenden Außendienstlers wohlbekannt, der mit seinem 5-er BMW vorfährt, mich zutextet und alles besser weiß. Insbesondere von Versicherungsvertretern.

      Glücklicherweise berät mich eine Web-Spezialistin, welche - vielleicht dank ihres Geschlechts - diese Eigenschaften nicht aufweist.

      Ebenfalls einen schönen Sonntag!
      Gerhard Riedl

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