Eine Frau, die verboten werden soll


„Satiren, die der Zensor versteht, werden mit Recht verboten.“
(Karl Kraus)

Ich gestehe, beim Erscheinen weiblicher Kabarettisten im Fernsehen meist reflexartig nach der Fernbedienung zu greifen (von Ausnahmen wie Monika Gruber einmal abgesehen). Was ich sonst zu hören bekäme, ist oft mühsam – vielleicht, weil Frauen das Aggressive, Abgründige und Bittererböse nicht wirklich liegt. Tapfer versuchen sie dann auf der Bühne, die Irrtümer der Zeit zu geißeln – eher Pflichtübung denn wahre Leidenschaft. Oder sie begeben sich auf das oft beackerte Feld der Geschlechter-Beziehungen. In dem Fall schalte ich endgültig um.

Daher verließ ich eine meiner Lieblingssendungen, „Nuhr im Ersten“, meist kurz vor Schluss, da als letzte Nummer üblicherweise Lisa Eckhart drohte. Was dieser Paradiesvogel bot, war mir denn doch zu abgedreht.

Näher beschäftigte ich mich erst neulich mit der Künstlerin, als das „Harbour Front Literaturfestival“ sie vom Wettbewerb um den Klaus-Michael Kühne-Preis auslud. Sie war dort mit ihrem Debüt-Roman „Omama“ unter die letzten Acht gekommen. Der Grund: angebliche antisemitische Tendenzen in ihren Kabarett-Texten. Zwei der anderen Kandidaten weigerten sich, mit ihr zusammen aufzutreten. Und die Betreiber des Veranstaltungslokals „Nochtspeicher“, mitten im St. Pauli-Kiez, hatten Sorge, der „Schwarze Block“ der „Antifa“ könnte die Lesung sprengen.

Die Veranstalter plagte zwar das schlechte Gewissen, hier der möglichen Gewalt zu weichen, aber da könne man halt nichts machen. Aufmerksam wurde ich auf diesen Skandal durch Dieter Nuhr, der auf seiner Facebook-Seite schrieb:

„Wer Lisa Eckhart Antisemitismus vorwirft, muss entweder geistesgestört sein oder böswillig. Ich fürchte, bei einigen ist es eine Mischung aus beidem.
Sie steht als Künstlerin mit einer verstörenden Kunstfigur auf der Bühne, die eine Performance abliefert, die an Relevanz und Irritation nichts zu wünschen übrig lässt. Der Künstlerin Lisa Eckhart ist Antisemitismus völlig fremd. Die Anschuldigung ist eine lächerliche Diffamierung.“

Sein Resümee:
„Der Protestmob auf der Straße entscheidet also darüber, wer hier bei uns seine Kunst ausüben darf.“
     
Ja, so ist es wohl. An Stelle der Organisatoren hätte ich erstmal die beiden Herrschaften rausgeschmissen, die sich weigerten, mit Lisa Eckhart aufzutreten. Respekt für die Kunst von Kollegen ist das Mindeste, was einen Literaturpreisträger auszeichnen sollte. Und vielleicht könnte sich der Hamburger Senat einmal ernsthaft mit der Frage beschäftigen, ob in gewissen Stadtteilen der Pöbel bestimmt, wo es lang geht.

Da ich mich nun genügend geärgert hatte, befasste ich mich näher mit der Kabarettistin:

Lisa Eckhart (bürgerlich Lisa Lasselsberger), geboren und aufgewachsen in der Steiermark, Ende 20, studierte Germanistin und Slawistin, von über 20 Schauspielschulen abgelehnt, erfolgreich dann als Poetry-Slammerin, bisher zwei Kabarett-Soloprogramme, Auftritte im Fernsehen, seit 2015 mit Preisen überhäuft.
https://de.wikipedia.org/wiki/Lisa_Eckhart
 
Nebenbei: Beim Vorsprechen wählte die Kandidatin oft den Mephisto" aus Faust und erhielt angeblich den Rat, doch lieber das Gretchen" darzubieten. Gut, dass wir in der Kunst solche Experten haben... 

„Eine Venusfliegenfalle im Gemüsebeet des Kabaretts“ nennt sie der „Spiegel“ in einem Artikel. Äußerlich eine Femme fatale im Fin de Siècle-Look, arrogant-abgehoben, gesten- und geistreich. Förderpreise bezeichnet sie als „Demütigung“, ihrem Publikum macht sie es nicht leicht, wenn sie es schon wie folgt begrüßt:

„Dass ich heute hier sein darf, freut mich sehr… für Sie.“ Und:
„Sie jubeln mir zu, diese Deutschen! Einer an Kunstschulen abgelehnten, grantelnden Österreicherin. Sie lernen einfach nicht dazu!"

Zu ihrem zweiten Programm, „Die Vorteile des Lasters“, schreibt sie:

„Es war nicht alles schlecht unter Gott. Gut war zum Beispiel, dass alles schlecht war. Denn alles, was man tat, war Sünde. Wir waren alle gute Christen und hatten einen Heidenspaß. Die Hölle zählte Leistungsgruppen, Ablässe waren das perfekte Last-Minute Geschenk und lasterhaft zu sein noch Kunst.“
Was ist nun das Antisemitische an der Künstlerin? Vorgeworfen wird ihr vor allem ein Auftritt in der WDR-Satiresendung „Mitternachtsspitzen“ Ende 2018. Nach immerhin anderthalb Jahren formierte sich nun die Empörung.
Bezeichnend ist, dass ich lange suchen musste, bis ich den inkriminierten Text fand – in der Presse abgedruckt wurde er selten und dann nur in Auszügen. Teilweise musste ich ihn vom YouTube-Video abschreiben:

Eckhart fragte, ob die MeToo-Bewegung nicht antisemitisch sei, da Harvey Weinstein, Woody Allen und Roman Polanski Juden seien. Dann sinniert sie:

„Finden Sie dieses ‚MeToo‘ nicht auch antisemitisch? Es ist ja wohl nur gut und recht, wenn wir den Juden jetzt gestatten, ein paar Frauen auszugreifen. Mit Geld ist ja nichts gutzumachen. [...] Doch MeToo trifft nicht nur Juden, sondern neuerdings auch Schwarze wie Morton Freeman und Bill Cosby sowie den Schwulen Kevin Spacey. Wenn jetzt noch ein Rollstuhlfahrer einer Dame zu lange aufs Gesäß schaut (was zugegeben in seiner Position nicht zu tun sehr schwierig ist), oder noch besser: Wenn ein Mann, der zuvor eine Frau war, sein chirurgisch konstruiertes Tartar von Gemächt ungefragt voll Nostalgie an seinem einstigen Geschlecht reibt, was tun wir dann? Was tun, wenn die Unantastbaren beginnen, andere anzutasten? Der feuchte Albtraum der politischen Korrektheit – die heilige Kuh hat BSE“ (…)
Und Schwule, die sich an Knaben vergreifen, sollten dies doch „bitte nur im Schoß der Kirche“ tun.
„Am meisten enttäuscht es von den Juden, da haben wir immer gegen den dummen Vorwurf gewettert, denen geht es nur ums Geld, und jetzt plötzlich kommt heraus, denen geht es wirklich nicht ums Geld, denen geht es um die Weiber, und deswegen brauchen sie das Geld. Da haben wir unsere Schützlinge endlich aus den Fängen der Rechten befreit, und dann tun sie sowas."



Ah so. Also, wenn schon, war das nicht nur gegen Juden gerichtet, sondern auch gegen Schwarze, Schwule, Transsexuelle, Behinderte, die Kirche und auch ein bisschen die Hindus.

Eckharts Attacken sind also viel breiter gestreut. Vor allem aber sind sie eine Kritik am Schubladendenken, das sie bitterböse karikiert. Ein Mensch richtet individuell Böses an, und nicht, weil er zu einer bestimmten Gruppe gehört. Und diese Einsicht ist das Gegenteil von Diskriminierung.

Dirk Peitz meint dazu in der „Zeit“:
„Die sogenannte Cancel Culture ist ein Gespenst heutiger Tage. Es besteht im Wesentlichen aus dem Gerücht, dass Menschen mit missliebigen politischen Ansichten heutzutage ausgegrenzt würden bis hin zur Vernichtung ihrer beruflichen Existenz.“

Nun, Kabarettisten sind halt, im Gegensatz zu angestellten Redakteuren, Freiberufler, die von Corona schon genügend gebeutelt werden. Wenn ihnen nun durch Aktivitäten der Gesinnungspolizei weitere Auftritte verlorengehen, ist das Gespenst aus meiner Sicht ziemlich real.

Überhaupt staune ich schon, woher manche Politiker und Journalisten ihren Satirebegriff beziehen. So meinte der frühere Grünen-Abgeordnete Volker Beck, Lisa Eckhart biete „ein Potpourri aus antisemitischen Klischees und schenkelklopfendem Humor“ an, „bei dem einem das Lachen nur im Halse stecken bleiben kann“. Er legte Programmbeschwerde beim WDR ein.

Und Samira El Ouassil schrieb im „Spiegel“:

„Die grundsätzliche Frage, die sich deutschsprachiges Kabarett also immer wieder stellen muss: Ist der gesellschaftliche Schaden, den ich durch ein ironisiert reproduziertes Ressentiment erzeuge, größer als die humoristische Aufklärung, die ich leiste, wenn ich dem Publikum vermeintlich den berühmt-berüchtigten Spiegel vorhalte?“

Mit Verlaub: nein, kein bisschen. Wie uns bereits Tucholsky vor gut 100 Jahren erklärte: „Die Satire muss übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht.“
Sie ist bissig, böse und aggressiv – und nicht, wie es Dieter Hildebrandt und Werner Schneyder einmal ausdrückten: „ein Bumslokal für den bessern Trieb“. Wenn einem also nicht gelegentlich das Lachen im Hals steckenbleibt, ist es keine – oder jedenfalls keine gelungene.

Daher liefert die Figur, mit der Lisa Eckhart die Bühne füllt, Satire von höchster Qualität. Sie denkt grundsätzlich vom anderen Ende her, verstrickt sich in Absurditäten und liefert uns am Schluss elektrisierende Einsichten.

Auch wenn mir daran nicht alles gefällt: Es ist mehr, als ich in hundert anderen Kabarettprogrammen schon vergeblich gesucht habe. Chapeau!

Nun wollen, so war heute zu lesen, die Verantwortlichen des Hamburger Literaturwettbewerbs der Autorin doch noch eine Lesemöglichkeit verschaffen. Ich vermute, in einem Stadtteil, wo die Gesetze noch gelten. Man darf gespannt sein.

Fest steht für mich jedenfalls: Der Zensor hat Eckharts Satire nicht verstanden. Dann darf er sie auch nicht verbieten.

P.S. Wer ihre beiden Soloprogramme noch nicht kennt:
https://www.youtube.com/watch?v=KWQxSPuEVgM&t=94s

Kommentare

  1. Mein lieber Herr Riedl,

    wenn Ihnen schon selbst keine vernünftigen Texte einfallen: Glauben Sie wirklich, dass das Abdrucken aus Kabarettprogrammen ohne Genehmigung erlaubt ist? Und geben Sie's doch zu: ohne Herrn Nuhr, wüssten Sie von Frau L.E. genau gar nichts. Auch über ihr Leben wissen Sie nichts. Sie haben den Text mit viel Auslassungen einfach aus Wikipedia kopiert - ohne Angabe der Quelle.

    Hier noch ein anderer Link zum Thema Urheberrecht:
    https://www.e-recht24.de/news/urheberrecht/8397-urteil-darf-man-fremde-texte-aus-dem-internet-verwenden.html

    Wird Ihnen aber völlig wurscht sein - denn Sie kennen sich ja im Urheberrecht sehr gut aus....

    P.S. Sie sollten sich einmal etwas mehr mit der österreichischen Kabarettszene auseinandersetzen!

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    1. Na ja, auf jeden Fall ist ja Lisa Eckhart Österreicherin. Und ja, doch: Seit Farkas, Leopoldi, Lohner und Qualtinger verfolge ich diese Szene seit Jahrzehnten.

      Und immerhin habe ich mir vor dem Verfassen des Texts die beiden Soloprogramme der Künstlerin angesehen (siehe Links am Ende des Artikels). Sie auch?

      Dank für den Hinweis auf den fehlenden Wikipedia-Link. Im Manuskript stand er, ist aber wohl irgendwie abhandengekommen. Hab‘s jetzt nachgetragen. Allerdings ist es nicht kopiert, sondern paraphrasiert.

      Für das, was Sie ansonsten behaupten, gilt der Satz des Physikers Wolfgang Pauli: Das ist nicht einmal falsch.

      Ich weiß nicht, wie oft ich das Zitierrecht (insbesondere § 51 Urheberrechtsgesetz) schon erklärt habe: Natürlich darf ich nicht irgendwas einfach kopieren, um mir Arbeit zu ersparen. Aber wenn es zur Besprechung eines Themas dient, ist es erlaubt. Sonst gäbe es kaum eine Doktorarbeit.

      Lustigerweise sind die meisten Zitate zu Eckhart bereits vorher in der Presse erschienen. Die haben es dann wohl auch unerlaubt kopiert.

      Damit ich es nicht vergesse. Ein Zitat muss eine gewisse „Schöpfungshöhe" aufweisen, damit es urheberrechtlich geschützt ist. Sie selber dürfte man also jederzeit ohne Genehmigung zitieren.

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    2. Na, Herr Riedl: dann probieren's doch einmal einer meiner zahlreich urheberrechtlich geschützten Werke zu kopieren. Sie werden staunen, wie schnell Sie einen Prozess am Hals haben. Erst siebzig Jahre nach meinem Tod können's mit meinen Werken machen, was auch immer Sie wollen. So einfach ist das Urheberrecht.

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    3. Ach ja, noch etwas, Herr Riedl: Erst kürzlich (im Juni 2020) wurde über eines meiner Werke eine Magisterarbeit geschrieben. Auch wenn der Autor keine besondere Genehmigung gebraucht hätte, da - wie Sie ausnahmsweise richtig sagen - das Zitieren in einer wissenschaftlichen Arbeit erlaubt ist (sofern alle Regeln eingehalten werden - es gibt ja prominente Beispiele, wo aufgrund von Plagiatsvorwürfen ein akademischer Titel angefochten wurde), hat der Verfasser dennoch um Genehmigung angesucht. So benehmen sich halt zivilisierte Menschen. Sie schreiben hingegen keine wissenschaftliche Arbeit. Sie betreiben lediglich einen Blog, und da ist das hemmungslose Kopieren anderer Texte verboten. Auch wenn Sie anderer Meinung sind.

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    4. Keine Angst, ich kopiere Ihre Werke ganz bestimmt nicht!

      Und ich gebe es auch auf, Ihnen den Unterschied zwischen Kopieren und Zitieren zu erklären oder gar darauf zu hoffen, dass Sie mal eine meiner Fragen beantworten.

      Zum Beispiel: Wo steht denn, dass man nur in wissenschaftlichen Werken zitieren darf? Selbstredend gilt das ganz allgemein. Zeitungen zitieren, in Reden wird zitiert, in Büchern aller Art - und selbst in Kabarettprogrammen.

      Dass dies jeder kapiert, ist jedoch nicht Voraussetzung. Es gilt trotzdem.

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    5. Herr Riedl, es ist ganz einfach: Lassen Sie sich kompetent juristisch beraten, dann werden auch Sie es kapieren.

      P.S. es freut mich, dass Sie nicht vorhaben, meine Werke zu zitieren ‐ Ihr Zurückrudern nehme ich zur Kenntnis (Riedl: "Sie selber dürfte man also jederzeit ohne Genehmigung zitieren").
      Immerhin der Beginn einer gewissen 'Selbsterkenntnis'

      Schönen Tag noch!

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    6. Ich habe juristisch keine Probleme, daher sehe ich auch keine Notwendigkeit, mich anwaltlich beraten zu lassen. Sollte sich das ändern, sind Sie wahrscheinlich der Erste, der es erfährt.

      Und nein - ich hab doch nicht Ihre musikalischen Werke gemeint, sondern die Weisheiten, die Sie hier seit Jahren auf meinem Blog verkünden. Die habe ich übrigens schon öfters ungefragt zitiert. Ein bisschen Spaß muss die Satire ja machen.

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  2. Um nun endlich wieder zum zentralen Thema zu kommen: Der Wiener Zsolnay-Verlag, bei dem Lisa Eckhart ihren Debütroman verlegt, hat nun dem Hamburger Literatur-Festival endgültig abgesagt:

    „Aufgabe eines Verlags ist auch, seine Autoren und Autorinnen zu schützen.“ Das Hin und Her der vergangenen Wochen sei an der 27-Jährigen nicht spurlos vorbeigegangen. „Sie steht unter enormem Druck“, so der Verlagsleiter. Die Lesungen sollten nun, wie ich es vorhergesehen hatte, an einem anderen Ort stattfinden. Zu spät…

    Bemerkenswert auch die Stellungnahme der Präsidentin des PEN Clubs, Regula Venske:

    „Ob die Gewalt von rechten oder linken Extremisten, von religiösen Eiferern oder Psychopathen angedroht wird: Wir dürfen uns ihr nicht in vorauseilendem Gehorsam beugen.“
    Es könne auch nicht sein, dass sich für einen Preis Nominierte ihre Konkurrenten selbst aussuchen. „Wer mit einem Kollegen, einer Kollegin nicht auftreten will, muss selbst zu Hause bleiben und kann nicht dem Veranstalter vorschreiben, mit wem er oder sie zu lesen bereit ist oder wer weiter im Rennen bleiben darf“, heißt es vom PEN. Gerade am Umgang mit „trivialeren“ Kunsterzeugnissen zeige sich, wie es um Demokratie und Meinungsfreiheit steht.
    Quelle: https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.literaturfestival-harbourfront-laedt-eckhart-erneut-ein.fffe5f74-f406-4485-b314-f55e152bb32e.html

    Vielleicht überlegt man es sich ja beim nächsten Mal in Hamburg und anderswo, was Kunstfreiheit wirklich bedeutet. Ich halte diese Vorgänge, die sich ja derzeit in regelmäßiger Folge wiederholen, für beschämend.

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  3. Hallo Gerhard Riedl,
    interessanter Beitrag bzw, interessante Zusammenfassung von Medienberichten! Ich habe erst kürzlich einen Beitrag auf der NDR-Website gelesen, wo all diese Anschuldigungen ziemlich relativiert wurden. Aber anyway: für Lisa Eckart war diese Ausladung eine riesige Werbung, die ja auch großräumig medial ausgeschlachtet wurde.
    Abschließend kann man sagen, dass auch negative Berichterstattung (bzw. gerade diese!) sehr werbewirksam sein kann. Es ist halt auch eine Kunst, Skandale zu vermarkten. Das passt zu Lisa Eckart, die ja bisher bei uns kaum aufgefallen ist.
    Und noch eine Anmerkung:
    Die Kritik, Texte von Künstlern ungefragt wiederzugeben, teile ich mit dem - ich nenne es einmal so - seltsamen Kommentator vor mir. Ich kenne einen Sänger, der eine Anzeige bekommen hat, weil er eine Zeitungskritik auf seiner Homepage zitiert hat. Er musste aufgrund eines Gerichtsurteils dieses Zitat entfernen und Strafe bezahlen! Da gibt es nämlich Rechtsanwaltskanzlein, die das Internet akribisch nach Urheberrechtsverletzungen im Internet durchsuchen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie nicht in diese Falle geraten.
    Liebe Grüße,
    Heinz-Peter Sachs

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    1. Lieber Heinz-Peter Sachs,

      was Sie mit dem Beitrag auf der NDR-Website meinen, weiß ich nicht. Ich habe die Sache mit der Ausladung von Lisa Eckhart so dargestellt, wie sie in zahlreichen Presseartikeln behandelt wurde. Überwiegend wurde dieser Rückzieher der Veranstalter heftig kritisiert.

      Klar, solche Aktionen bringen Künstlern auch Aufmerksamkeit. Dennoch halte ich es für verfehlt, so zu argumentieren. Mit welchem Gefühl würden Sie in eine Lesung gehen, wenn Sie befürchten müssten, Polit-„Aktivisten“ könnten jeden Moment hereinplatzen und Randale veranstalten, Sie eventuell sogar physisch attackieren? Ich glaube nicht, dass Künstler sich diese Art von Werbung wünschen. Nach dieser Logik wäre es vielleicht noch publicity-trächtiger, verprügelt zu werden. Wie in den schlechten alten Zeiten, als gewisse Schlägertrupps Kabarett-Veranstaltungen stürmten. Würden Sie dann immer noch von einer „Vermarktung des Skandals“ sprechen?

      Und was das andere Thema betrifft: Natürlich darf ich geistiges Eigentum anderer nicht einfach kopieren. Wenn ich mich aber inhaltlich mit einer Aussage beschäftige, darf ich sie zitieren. Ich habe dieses Thema wirklich rauf und runter auf meinem Blog besprochen, zum Beispiel hier:
      https://milongafuehrer.blogspot.com/2018/07/ubernahme-von-fb-kommentaren-in-blogs.html

      Googeln Sie einmal „Lisa Eckhart Absage“: Da finden Sie mindestens zwei Dutzend Presseartikel dazu, und fast keiner kommt ohne Zitate der Künstlerin aus. Klar. Weil man sie benötigt, um die Vorwürfe zu besprechen.

      Also, unbesorgt: Dieses Tangoblog gibt es nun seit Ende 2013, und ich habe noch nie eine Abmahnung, Zivilklage oder gar Strafanzeige erhalten. Vermutlich, weil ich legal agiere. Sollte ich mal solche Probleme kriegen, würde ich eine Medien-Kanzlei mit meiner Vertretung beauftragen. Und ausführlich über die Sache berichten. Das gäbe dann wohl auch Publicity. Dennoch strebe ich diese nicht an.

      Vielen Dank für den Beitrag und beste Grüße
      Gerhard Riedl

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    2. Hallo Gerhard Riedl,
      Sie brauchen in google nur eingeben: ndr lisa eckhard die konstruierte debatte um cancel culture. Dann sollten Sie alles finden können. Darüber, wie sich die Künstler fühlen, kann ich nichts sagen, da ich es einfach nicht weiß. Ich glaube aber, dass es Künstler gewohnt sind, mitunter attackiert zu werden, was natürlich nicht zu befürworten ist!
      Und bzgl. Urheberrecht habe ich nur das mitgeteilt, was ich vor etlichen Jahren von einem Bekannten erfahren habe. Aber ich muss mich korrigieren: Die Parteien haben sich verglichen. Es gab also keinen richterlichen Schuldspruch. Aber so klar und einfach, wie Sie die Angelegenheit darstellen, ist es wohl nicht.
      Liebe Grüße,
      Heinz-Peter Sachs

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    3. Lieber Hans-Peter Sachs,

      na gut, aber der NDR-Kommentator wirft ja nicht Lisa Eckhart vor, dramatisiert zu haben, sondern der Theaterleitung sowie dem Festival-Veranstalter. Okay, dann hätte man also die Lesung stattfinden lassen können. Wenn man aber noch die Bilder vom G20-Gipfel 2017 im Gedächtnis hat, sehe ich schon einen Grund, nervös zu werden. Ich glaube, solche Gefühle kann auch der nachvollziehen, welcher noch nie auf einer Bühne gestanden hat.

      Übrigens: Der obige NDR-Artikel enthält eine Fülle von Zitaten, natürlich mit Quellenangabe. Genau wie meiner. Wo ist der Unterschied?

      Obwohl ich keinerlei Interesse an juristischen Auseinandersetzungen habe, wünsche ich mir in solchen Stunden manchmal, eine Zivilklage zu kriegen. Dann hätte ich wahrscheinlich mal ein Urteil, das meine Rechtsauffassung bestätigt...

      Besten Dank und herzliche Grüße
      Gehard Riedl

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  4. Das ist ja schräg...ich war jetzt eine Weile tangoblog-abstinent und dachte, mal wieder schauen, was da los los ist. Ich finde einen Artikel, in dem ein Amateurtroll mehrmals peinlich beim Versuch scheitert, Herrn Riedl ins Bein zu beißen. Und der andere Dialog ist auch irgendwie schräg...also Frau Eckhart ist irgendwie schuld, weil ein paar Cancel-Kulturisten ihr Publicity verschafft haben? Nichts für ungut, mein Gefühl ist, sowas wie Corona-Koller zu beobachten...die Hilflosigkeit gegenüber einer fiesen Seuche entlädt sich ins Bestreben, irgendwo draufzuhauen, um doch noch ein Gefühl der Kontrolle zu bekommen.

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    1. Lieber Yokoito,

      na ja, Amateurtroll... der Herr begleitet mein Schaffen schon einige Jahre. Hat also mit Corona wenig zu tun. Zur Ausbildung einer, äh, randständigen Persönlichkeit braucht's kein Virus.

      Aber es stimmt schon: In dieser Krisenzeit werden die Ausraster häufiger. Und man hängt sich an jeden noch so dämlichen Aberglauben.

      Also: eine sehr spannende Zeit für Blogger!

      Danke und herzliche Grüße
      Gerhard

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