Wendels Windmühlen
Meine derzeit ziemlich irren Zugriffszahlen haben meinen Kollegen Wendel offenbar in helle Aufregung versetzt. Obwohl er sich ja seit langer Zeit nicht mehr zu mir und meinen Arbeiten äußern will, hat er mir nun erneut einen ganzen Artikel gewidmet:
„Rondas, Códigos und andere Windmühlen“ – Untertitel: „Von einem, der auszog die Tango-Welt zu missionieren“.
Schon da komme ich ins Grübeln: Anderen seinen Glauben aufzudrücken ist das Gegenteil der Aufklärung, also des „Denke selbst, bevor es andere für dich tun“ (Kant in der Fassung von Vince Ebert). Wendel ist da von der gegenteiligen Fraktion: Wer nicht so denkt wie er, kriegt zumindest einen dämlichen Don Quichote-Vergleich aufgedrückt. Gerne auch mehrfach. Originell!
Was den Kollegen anscheinend nicht ruhen lässt: Seit einiger Zeit explodieren die Zugriffszahlen meines Blogs – warum auch immer. Mehrfach habe ich betont, dass ich davon die Inhalte meiner Texte nicht abhängig mache. Ich würde ebenso schreiben, wenn es nur ein paar Dutzend Klicks wären. Die Reaktionen Wendels aber lassen sich nur als Panik beschreiben. Rauf und runter bezweifelt er die Gültigkeit solcher Zahlen – die er als irrelevant sieht. Ja, und? Wozu dann die Aufregung? Wenn das alles nur Bots und Suchmaschinen sind, muss er doch keine Angst vor der Verbreitung meines Blogs haben!
Der Kollege schreibt von „mehrmaligen Warnungen unsererseits“. Aha, wer schreibt denn da noch mit? Ich kann jedenfalls versichern: Jede Zeile, die ich veröffentliche, stammt nicht von Ghostwritern, sondern ausschließlich von mir.
Wendel regt sich auf, weil meine Frau in einem Kommentar von „kritischer Distanz“ spricht. Wenn die Entwicklung im Tango schon lange in eine völlig andere Richtung als vor 20 und mehr Jahren läuft, finde ich diese Haltung nicht verwunderlich.
Der Autor schreibt selber, man dürfe sich bessere Informationen zur gebotenen Musik wünschen. Nur vom Wünschen allein wird es halt nicht besser. Man müsste die Wünsche auch erfüllen. Oft wüssten die Veranstalter selber nicht so genau, was der DJ auflegen werde. Gut, man könnte ihn vorher fragen. Aber warum sich die Mühe machen?
Man könne das alles auch „eine Nummer kleiner“ sehen, so der Kollege. Also offenbar als „kritisches Distänzchen“. Mehr ist anscheinend nicht drin.
Wendel schildert wortreich, wie heterogen sich die Szene darstelle. Ich will da nicht grundsätzlich widersprechen. Andererseits ist sie aber auch manipulierbar. Weil man, wie in jeder Sekte, sehr vorsichtig mit grundlegenden Zweifeln sein sollte. Vieles im Tango muss man heute glauben. Das fördert die Macht von Glaubenslehrern.
„Traditionalismus mit Kampfauftrag“ brauchen sich nicht viele zu Eigen machen. Wenige müssen es nur aggressiv genug tun. Ich könnte einige Dutzend „Ayatollahs“ aufzählen, die mir auf meinem Blog in all den Jahren schon „Kommentar-Schlachten“ lieferten. Oder Tangoszenen umgepolt haben.
Wendel sieht eine „schlicht gewachsene Praxis“. Wer die Pflänzchen angebunden hat, kümmert ihn nicht.
Klar: Nicht nur Mehrheiten können irren. Natürlich erst recht auch Einzelpersonen wie ich. Allerdings werde ich mich nicht geißeln, nur weil irgendein ausgetickter Ablassverkäufer das fordert!
Ein „Bedrohungsszenario“ bauen andere. Beeindrucken lasse ich mich dadurch nicht.
Kein Wendel-Artikel, der nicht noch einen „Nachtrag“ angehängt kriegt: Klar, auch Dieter Nuhr muss es nun büßen, dass ich ihn unterstützt habe.
Ich glaube, was Kollegen Wendel und mich unterscheidet, ist eine andere Herangehensweise: Mir fällt es nicht schwer, etwas zu unterstützen, das ich selber so nicht geschrieben hätte. Oder weil es sogar jemand sagt, mit dem ich generell nicht übereinstimme. Niemand ist so genial, dass er stets blendende Texte schreibt. Oder so doof, dass er ausnahmslos Unsinn verbreitet.
Wenn der Kollege wenigstens gelegentlich mal differenzieren würde, könnte das seine Argumente stärken. Stattdessen muss er stets draufschlagen. Was ich veröffentliche, ist halt immer schlecht. Ohne Ausnahme. Dann wird bis zur Besinnungslosigkeit an den Windmühlen gedreht. Auch so kann man Wind machen.
Aber ich habe kein Recht, mich zu beklagen. Ein Rumpelstilzchen als Gegner ist ein Geschenk, für das man dankbar sein muss!
Quelle: https://www.tangocompas.co/rondas-codigos-und-andere-windmuehlen/
![]() |
| Dudlometer * Grafik: www.tangofish.de |



Wieder mal die Verdrehung in die Opferrolle: „Wer mit Zahlen prahlt, sollte sich nicht wundern, wenn jemand nachrechnet.“
AntwortenLöschenÜber diese differenzierte Kritik muss ich erstmal länger nachdenken!
Löschen