Haue auf dem Parkett
Cuentan que fue la piba
de arrabal,
la flor del barrio aquel que amaba un payador.
Sólo para ella cantó el amor
al pie de su ventanal;
pero otro amor por aquella mujer,
nació en el corazón del taura más mentao
que un farol, en duelo criollo vio,
bajo su débil luz, morir los dos.
Man erzählt sich, es sei das Mädchen aus dem Vorort gewesen,
die Blume jenes Viertels, die ein Straßenmusiker liebte.
Nur für sie sang er Lieder der Liebe
am Fuße ihres großen Fensters;
doch eine andere Liebe zu dieser Frau
entstand im Herzen des berühmtesten Stierkämpfers,
der wie eine Straßenlaterne beim kreolischen Duell sah,
wie die beiden in ihrem schwachen Licht starben.
(Juan Rezzano, Lito Bayardo: „Duelo criollo“, 1928)
https://www.todotango.com/musica/tema/649/Duelo-criollo/
Wie uns manche Tangotexte erzählen, muss es zu den „guten, alten Zeiten“ unseres Tanzes gelegentlich hoch hergegangen sein: Man prügelte sich schon mal auf dem Parkett oder zog gar das Messer.
Ich habe einmal recherchiert, wie es heute auf deutschen Tanzflächen zugeht. Fest steht jedenfalls, dass auch dort gelegentlich die Polizei eingreifen muss:
· Mit Schürfwunden und einem blauen Auge endete eine Feier in Ansbach. Auf der Tanzfläche sei es zu einer Rempelei zwischen einem 28-Jährigen und einem 25-Jährigen gekommen, die schließlich in einem immer aggressiver werdenden Handgemenge endete. Den Angaben zufolge sollen sich sieben bis acht Menschen eingemischt haben. Einer der Beteiligten wurde in Gewahrsam genommen.
https://web.de/magazine/regio/bayern/rempelei-tanzflaeche-artet-verletzte-42382010
· Ebenfalls in Ansbach (?) gerieten in einer Diskothek ein 29-jähriger und ein 27-jähriger Mann aneinander. Der Jüngere holte während eines Streits plötzlich aus und schlug seinem Kontrahenten mit der Faust mitten ins Gesicht. Eine 29-jährige Frau wollte den Streit schlichten wurde ebenfalls im Gesicht getroffen.
Auch auf Faschingsfeiern geht es nicht immer lustig zu: Eine 21-Jährige wurde von einer Gruppe Jüngerer geschubst – die junge Frau stürzte und zog sich durch Scherben eine tiefe Schnittwunde am Bein zu. Sie kam ins Krankenhaus. Unterdessen versuchte eine Gleichaltrige zu schlichten, dabei kassierte sie einen Schlag ins Gesicht. Sie wurde leicht verletzt. Die Polizei fahndete nach einer etwa 16-Jährigen, die ein blaues Prinzessinnenkleid mit pinken Schuhen trug.
https://www.radiogong.com/marktbreit-schlaegerei-auf-faschingsfeier-147381/
· Auf der Tanzfläche einer Diskothek in Aurich gerieten zwei Frauen aneinander, wobei eine mit einer Kopfnuss traktiert wurde. Die Begleiter der Damen fetzten sich dann noch mit zwei Männern vom Sicherheitsdienst. Ergebnis: vier Verletzte und ebenso viele Strafanzeigen.
· Auf einem Fest rempelte ein 23-Jähriger versehentlich eine Frau an und geriet deshalb in eine Auseinandersetzung mit einer Gruppe von Männern. Er und ein Security-Mitarbeiter wurden mit Schlägen und Tritten angegriffen. Der junge Mann kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus.
· In Lichtenfels verlagerte sich ein Wortgefecht zwischen vier Männern von der Tanzfläche nach draußen und wurde handgreiflich. Einer der Herren kriegte eins auf die Nase. Näheres ist noch unklar.
In München kam es in einer Bar am Maximiliansplatz zu einer Auseinandersetzung, bei der ein 34-Jähriger die Freundin eines anderen Gastes auf dem Parkett mit hochgezogenem T-Shirt belästigt haben soll. Als der schließlich dazwischenging, kriegte er von seinem Widersacher einen heftigen Kopfstoß. Er blutete aus Mund und Nase, auch ein Schneidezahn wurde beschädigt. Urteil: 5400 Euro Geldstrafe.
Am „Märchenwald“ von Groß Woltersdorf wurde ein 25-Jähriger von einem 10 Jahre Älteren auf dem Parkett angerempelt und geschlagen. Auch der Bruder des Täters mischte mit. Die Freundin des Attackierten wurde ebenfalls leicht verletzt.
In einem Musikclub in Bruchsal wurde die Ehefrau eines Gastes von einer vierköpfigen Männergruppe verbal belästigt. Als der Mann einschritt, bekamen er und die Gattin Prügel von den anderen Herren. Beide Partner erlitten Verletzungen. Zwei der vier Angreifer konnten von der Polizei gestellt werden, die anderen sind flüchtig. Einer der Ausreißer trug angeblich ein T-Shirt mit der Aufschrift „FBI“.
https://landfunker.de/schlaege-auf-der-tanzflaeche-verletzte-im-bruchsaler-musikclub-fabrik/
Mehrere ausgelassen feiernde junge Damen bekamen es in einer Disco mit einer anderen Frauengruppe zu tun, die sie durch „Nachtanzen“ provozierte. Alsbald flogen die Fäuste. Eine 22-Jährige wurde mehrfach getroffen und musste ärztlich behandelt werden. Die Täterin ist flüchtig.
https://www.wndn.de/flash-handfeste-frauenschlaegerei-auf-der-tanzflaeche/
Verhaltensbiologisch ist natürlich klar, dass es sich bei einer Tanzfläche um einen Balzplatz handelt, bei dem auch in der Vogelwelt die Kampel einander die Federn zausen. Meist geht es – wen wundert’s – um die Weiber.
Wie aber der letzte Fall beweist, ziehen die Damen heute emanzipatorisch nach: Auch Gretchen schwingen mal die Faust.
Interessant finde ich, dass die Schuldigen in der Regel noch vor dem Eintreffen der Polizei flüchten. Man weiß also durchaus, dass man Unerlaubtes getan hat. Aber die ererbten Gene sind halt stärker.
Das höchst Erfreuliche: Von Schlägereien auf den Milongas fand ich keinerlei Pressenotiz. Offenbar fehlen die auslösenden Belästigungen und Rempeleien, auch wenn darüber öfters geklagt wird. Schützen die geheiligten Códigos vor Auseinandersetzungen?
Ich könnte mir allerdings auch vorstellen, dass im Tango das Durchschnittsalter zu hoch ist, um zu körperlichem Gerangel einzuladen. Stattdessen zofft man sich im Internet – also quasi Maus statt Messer.
Es wird also nicht nötig sein, bei Tangoveranstaltungen eine „Messer-Verbotszone“ einzurichten. Es bleiben nur nostalgische Erinnerungen an die gute, alte, blutrünstige Zeit.
In dem 2009 herausgekommenen Film „Der letzte Applaus“ sang die damals 85-jährige Inés Arce das Lied vom traditionellen Messerduell:
https://www.youtube.com/watch?v=5HB6WDVPJfs&list=RD5HB6WDVPJfs&start_radio=1
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