Die guten alten Wendezeiten
Wie kam es eigentlich, dass bei uns die einst bunte Tangoszene auf „traditionell“ eingenordet wurde? Nach der heute verbreiteten Lesart war es einfach das Publikum, welches zunehmend einsah, der wahre und richtige Tango sei halt der, wie er seit Generationen auf den Tanzflächen in Buenos Aires praktiziert wird. Oder man das jedenfalls behauptet.
Der Zeitzeuge Klaus Wendel ist inzwischen bemüht, die Tango-Anfangsjahre in Deutschland als Chaos zu beschreiben:
„Es war eine Aufbruchszeit, bunt, chaotisch, inspirierend – aber tanztechnisch vorsintflutlich. (…) Wir tanzten ohne Ronda, wir zerrten an Partnern herum, wir missverstanden Führung als Durchsetzungsmechanik.“
Kein Zweifel: Da musste eine Kursänderung her! Versehentlich entschlüpft Wendel ein Stück Wahrheit:
„Besonders hart traf es diejenigen, die sich nicht anpassen wollten oder konnten. Wir kennen solche Leute (oder auch nur einen ganz bestimmten).“
https://www.tangocompas.co/die-gnade-der-spaeten-tango-geburt/
Ja, Anpassung war noch nie meine Stärke. Vor allem, wenn man sie mir aufzwingen wollte. Und wir haben uns damals auf dem Parkett nicht so blöd angestellt, wie es anscheinend die Kollegen in Wendels Berliner Anfangsjahren unternahmen.
Ich habe in einer größeren Zahl von Artikeln dargelegt, dass der Umschwung zum rein traditionellen Tango keine „Abstimmung mit den Füßen“ war, sondern oft von wenigen „Aktivisten“ forciert wurde.
Hautnah erlebte ich es in meiner Heimatstadt, als sich dort 2014 ein Tangoverein gründete – seither wird, mit großem Aufwand, der sicherlich verdienstvoll ist, fast ausschließlich der traditionelle Tango angeboten.
https://in-tango.de/ueber-uns/
Ein ganz ähnliches Bild in Augsburg, wo man einen bestehenden Tangoverein auf Kurs brachte, indem man Leute mit anderem Geschmack rausekelte. Einen „Zeitzeugen-Bericht“ habe ich schon vor vielen Jahren veröffentlicht:
https://milongafuehrer.blogspot.com/2016/06/gastbeitrag-von-peter-und-alessandra.html
Gegen mein Blog werden immer wieder Kampagnen gefahren, um eine Stimme für Tango-Vielfalt unglaubwürdig zu machen. Und wenn das nichts hilft, setzt man sogar juristische Schritte ein:
https://milongafuehrer.blogspot.com/2026/05/vom-strafbewehrten-unterlassen.html
Klar, in der Regel bemüht man sich, solche Dinge möglichst geräuschlos hinter den Kulissen durchzuziehen. Nicht immer gelingt das.
Vor Jahren schrieb mir ein DJ:
„Seit etwas mehr als
einem Jahr lege ich mit meiner Frau einmal im Monat 50/50 auf. Was ich in den
ersten Veranstaltungen erlebt habe, kann man nur als Hass bezeichnen. Ein
Tango-Taliban kam zu unserer ersten Veranstaltung und brüllte vor der Lokalität
herum, dass man das SO nicht machen kann und redete auf Gäste ein, die Milonga
zu wechseln und auf eine gleichzeitig laufende klassische Milonga zu gehen.
Auch einen Monat später kam der gleiche Gast und führte sich genauso auf.
Müßig zu erwähnen, dass diese Person noch nie aufgelegt hat.
Einige wenige Tangotänzer, die auch schon mal in Argentinien waren, haben sich
darüber geäußert, dass man SO nicht auflegen kann. Aber die bleiben dann
einfach weg.
Zum Glück ist der Veranstalter ruhig geblieben und hat Nerven bewiesen.
Zwischenzeitlich hat sich unser Programm etabliert und ist immer gut besucht,
auch wenn taggleich klassische Konkurrenzmilongas laufen. Es hat eine
Abstimmung mit den Füßen stattgefunden. Vielleicht liegt es daran, dass wir für
unsere Gäste berechenbar sind und unser Programm über die Monate die gleiche
Struktur hat.
Wer es nicht mag, bleibt weg. Wer es mag, wird nicht enttäuscht.
Mir würde es jedenfalls nicht im Traum einfallen, eine EdO-Milonga zu
kritisieren und den Kastenteufel vor der Halle zu spielen. Das schaffen nur
Taliban.
Grüße aus Heidelberg
Werner Albrecht“
Schlechte alte Wende(l)zeiten?
Na ja, das ist fast 10 Jahre her. Damals war der Optimismus noch berechtigt. Inzwischen habe ich nichts mehr von dieser Person gehört. Ich ahne, wieso.
Autor Wendel gibt sich nun alle Mühe, die „alten, wilden Tangozeiten“ schlechtzureden:
„Ich sah damals schon
Paare, die versuchten, zu Konzert-Nuevo ‚Tango‘ zu tanzen. Sie wollten es,
aber sie konnten es nicht.
Ich nannte es früh: ‚Tango-Bewegungen nachahmen, während Musik läuft.‘“
https://www.tangocompas.co/die-gnade-der-spaeten-tango-geburt/
Eine Lieblings-Formulierung des Autors, an der er sich immer wieder delektiert.
Man könnte es auch so formulieren:
„Argumente nachahmen, während man noch nachdenkt.“
![]() |
| Illustration: www.tangofish.de |



In der Sommer-Saure-Gurken-Zeit bleibt Ihnen wieder als Schreib- und Streitstoff mein Artikel-Archiv um wieder Ihr Lieblingsthema "Die bösen Leute des traditionellen Tangos wollen uns unterdrücken und sind Taliban." auf Ihren Blog schicken. Zum wievielten Mal eigentlich? Glauben Sie ernsthaft, sie könnten mit diesem Dauerbeschuss die Tango-Szene zu vielseitigerer Musik bekehren. Versuchen Sie es mal zu Abwechslung mit warmen Südwind, statt kaltem Nordwind, bei dem man seine Jacke lieber zumacht.
AntwortenLöschenUnd wieder einmal erzählen Sie hier Unsinn: Ich kann nur darauf hinweisen, dass die sehr treffende Beschreibung "Tango-Bewegungen nachahmen, während Musik läuft." von mir stammt und kein nachgeahmtes Argument ist. Viele haben diese als die zutreffendste Beschreibung empfunden und übernommen. Ich benutze sie seit 40 Jahren also seit meiner Anfangszeit in Berlin. Weit vor Ihren ersten Versuchen Tango zu tanzen.
Klaus Wendel
Lieber Herr Wendel,
Löschenich nutze die „Saure Gurken-Zeit“ recht intensiv. Vielleicht schauen Sie sich nochmal die Blog-Zahlen an, die ich gestern veröffentlicht habe.
Den Begriff „Taliban“ habe ich zitiert. Selber benutze ich ihn nicht.
Lesen Sie nochmal nach: Zitate erkennt man daran, dass sie zwischen zwei Anführungszeichen stehen.
Aber ja: Die Formulierung „Tango-Bewegungen nachahmen, während Musik läuft" stammt von Ihnen. Das ist ja das Schlimme! Sie benutzen den Spruch seit 40 Jahren und gefühlt in jedem zweiten Artikel. Davon wird er nicht besser.
Der Unterschied ist halt: Ich habe in meinem Artikel Tatsachen beschrieben. Ihnen fallen nur Sprüche und Behauptungen ein. Schade.
Sie verwechseln wie üblich Quantität mit Qualität: Die saure Gurkenzeit bezieht sich auf Ihre begrenze Themenauswahl. Man kann auch jeden Tag 1000x mal den selben Text veröffentlichen und es dann als Fleiß loben. Und Ihre Zugriffszahlen sind hier nur ein Verdachtsfall bezüglich Eigenlob und Vortäuschung von Relevanz.
AntwortenLöschenKlaus Wendel
Wenn Sie nochmal nachlesen möchten - es ging nicht um Zugriffszahlen, sondern um die Zahl der Kommentare: Bei mir im Juni 55, bei Ihnen 3.
Löschenhttps://milongafuehrer.blogspot.com/2026/06/kommentar-mangel.html
Auch persönlich gelüstet es Sie ja immer wieder, auf meiner Seite zu kommentieren. Umgekehrt tue ich das nicht.
Aber, wie gesagt, ich schreibe das nur für Leute, die durch Tatsachen noch erreichbar sind.
Auch bei den Kommentaren doch zu 90% Widerspruch und negative Kritik. Ist denn allein Aufmerksamkeit ein Qualitätsmerkmal? Wenn ich die Kommentare auf Ihrem Blog lese, legen sich viele Lesern aufgrund Ihre Beiträge mit Ihnen an. Provokation als Honigfalle? Haben Sie das nötig? Das wirkt, als würden Sie mit einer Pressluft-Hupe durch das Dorf laufen und warten, dass die Fenster aufgehen und die Tomaten fliegen.
AntwortenLöschenUnd Ihre Witzchen, dass Sie Meinung als Tatsachen verkaufen, sind doch auch wieder so ein Versuch.
Klaus Wendel