Ergebnisse der Nachtarbeit
„Sprache ist eine Waffe. Haltet sie scharf. Wer schludert, der sei verlacht, für und für. Wer aus Zeitungswörtern und Versammlungssätzen seines dahinlabert, der sei ausgewischt, immerdar.“ (Kurt Tucholsky: „Mir fehlt ein Wort“, 1929)
https://www.textlog.de/tucholsky/kritiken-rezensionen/mir-fehlt-ein-wort
Ich bin wirklich hin- und hergerissen, ob ich jeden Depp wieder kommentieren lasse. Von der Erkenntnis her bringt es natürlich nichts – andererseits ist es schon süß, wieviel Mühe sich manche geben, um nun wirklich den ultimativen Verriss zu meiner Person in die Zeilen zu nageln. Schlaflosigkeit mag die Ursache sein.
Aber das alles kostet doch Zeit, die man eigentlich für den Sorgerechtsstreit, das Anti-Aggressionstraining oder den Bewährungshelfer benötigen würde!
Nein, diese glitzernden Karfunkel deutscher Prosa dürfen nicht im digitalen Nirwana verschwinden! Wenn ich das Geld hätte, würde ich sie von der ZDF-Pythia Marietta Slomka vortragen lassen. Dann passte der Tonfall zur Optik.
Die folgenden Zitate (natürlich ausnahmslos unter falschem Namen) stammen alle aus der vergangenen Nacht. So zwischen 23 und 2 Uhr morgens ist erfahrungsgemäß mit dem Niedergang von Schmähungen zu rechnen – vielleicht wegen Mangel an erotischem Erfolg oder Bier.
Viel Spaß also mit den tiefgründigen Analysen zu einem verhassten Spaßvogel!
„Da versuchen Menschen in der Community, die tiefe emotionale und soziale Essenz des Tangos in Worte zu fassen – und Sie stehen daneben und sezieren das Ganze mit der humoristischen Schärfe eines verbitterten Buchhalters. Dabei merken Sie vor lauter Zynismus gar nicht, wie kolossal Sie sich argumentativ selbst in den Fuß schießen“
Vorsicht! Für die Metapher „ins Bein schießen" hat der Wendel das Urheberrecht!
„Wer die Musik landauf, landab so unerträglich findet, aber trotzdem immer wieder auftaucht, leidet entweder an akutem Masochismus oder sucht schlicht die Provokation, um danach Material für sein Blog-Tagebuch zu haben.“
Das Zweite!
„Bleiben Sie ruhig auf Ihrer bayerischen Weide stehen und kauen Sie den immer gleichen, bitteren Zynismus wieder.“
Na, mach ich doch – muh!
„Lieber Riedl, es ist fast schon tragikomisch zu beobachten, wie verzweifelt Sie hier versuchen, die totale intellektuelle und soziale Isolation in der Tangoszene als triumphale ‚Aufklärung‘ umzudeuten.“
Ja, Tragikomik hilft der Satire meist sehr!
„In Wahrheit liefern Sie nur die verbitterte Polemik eines Mannes, der auf den Milongas dieser Welt keine Rolle mehr spielt und deshalb aus der Ferne den sauren Wein für ungenießbar erklärt.“
Na ja, ist doch saurer Wein auch, oder? Sie meinten wohl „angeblich saurer Wein“…
„Was für eine seltsame Politik verfolgen Sie eigentlich auf diesem Blog? Ist das feige Zensur oder wissen Sie auf unbequeme Fragen schlicht nicht mehr weiter? Es ist schon ein starkes Stück: In Ihren Artikeln im großen Stil über ‚Standgerichte‘, Meinungsfreiheit und fehlende Diskussionskultur zu schwadronieren, aber sobald fundierter Gegenwind aufzieht, die Löschtaste zu drücken.“
Ich verfolge gar keine Politik – sonst müsste ich ja den Wählern gefallen!
„Besonders perfide wird es, wenn Sie reale Grenzüberschreitungen und das Unbehagen von Frauen mit einer Altherren-Anekdote aus dem Fetisch-Club ins Lächerliche ziehen.“
Ja, aber welche Anekdoten soll ein alter Herr denn erzählen außer „Altherren-Anekdoten“? Bleiben wir doch mal logisch!
„Da draußen auf den echten Tanzflächen wird der klassische Tango der Epoca de Oro mit Herzblut, Respekt und nach den traditionellen Codigos gelebt – und im bayerischen Wohnzimmer sitzt derweil die selbsterklärte Ein-Mann-Jury im Ohrensessel und verteilt Zensuren.“
Einen Ohrensessel habe ich nicht, aber eine bequeme Couch, auf der ich regelmäßig nach 15 Minuten Fernsehkrimi einpenne – falls die ambulante Hauskatze das Möbel nicht vorher besetzt hat.
„Wer nicht lernt, kann sich natürlich auch nicht widersprechen.“
Volltreffer! Sind Sie da ganz von selber draufgekommen?
„Merken Sie eigentlich nicht, wie absurd Ihre Argumentation in der Luft zerbricht?“
Nein – ich bin eine Tango-Drohne!
„Die echte Avantgarde umarmt derweil das Leben und den Tango – während bei Ihnen nur die Verbitterung hart wird.“
Oh, jetzt wird es auch noch „galant“, wie man das im 19. Jahrhundert umschrieben hätte…
Aber auch hier erweist sich wieder: Das Einfachste ist oft das Beste!
„Kann es sein, Herr Riedl, dass Sie einfach nur strunzdumm sind?“
Klar – man sollte keine Person ausschließen!
So weit die heutigen Ergebnisse der Nachtarbeit. Wenn ich damit erreicht habe, geplagte Weibspersonen von erotischer Mehrarbeit zu verschonen, wäre das mein schönster Lohn!
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