Pimmelgate und Streisand-Effekt


Andy Grote (SPD) ist seit 2016 Hamburger Innensenator. Das muss man erstmal schaffen! Allerdings hat er diese Zeit nicht ohne etliche Affären überstanden: Beispielsweise nahm er es während der Corona-Zeit mit dem Feiern nicht so genau. Nun, es gibt Schlimmeres…

Leider warf er solche Verstöße anderen vor, so dass ein böser Bube 2021 den auf den Politiker gemünzten Satz ins Netz stellte:

„Du bist so 1 Pimmel“

Da griff der gelernte Jurist zum Strafantrag, und in der Folge setzte es beim Übeltäter eine Hausdurchsuchung.

Das Medienecho war riesig – selbst die New York Times und die Washington Post berichteten über die Affäre. In ganz Hamburg tauchten Aufkleber und Graffiti auf, die das „Pimmelgate“ beschworen. So hatten (fast) alle ihren Spaß, und das Verfahren gegen den Schöpfer des Spruchs wurde wegen „mangelnden öffentlichen Interesses“ (?) eingestellt. Schlimmer: Das Hamburger Landgericht stellte dann auch noch fest, dass die Hausdurchsuchung rechtswidrig und unangemessen war.  

https://de.wikipedia.org/wiki/Andy_Grote

https://www.youtube.com/watch?v=Mof1WoJXNn8

Die Älteren unter uns mögen wehmütig an einen Vorgänger Grotes zurückdenken: Helmut Schmidt. Ob der auch so ein Gedöns veranstaltet hätte?  

Dabei hätte Grote nur an den bekannten „Streisand-Effekt“ denken müssen, um die Folgen zu ahnen.

In Kurzform: 2003 hatte ein Fotograf eine Fülle von Aufnahmen der kalifornischen Küste veröffentlicht, um die Folgen der Erosion darzustellen. Nebenbei erwähnte er, dass auf einem Foto auch die Villa der amerikanischen Schauspielerin Barbara Streisand zu sehen sei. Die sah dadurch die Sicherheit ihrer Familie gefährdet und verklagte den Übeltäter auf 50 Millionen Dollar Schadenersatz.

Dadurch ging das Bild, für das sich vorher kein Schwein interessiert hatte, viral durch die Decke. Es wurde millionenfach verbreitet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Streisand-Effekt

Angesichts dieses Effekts wurde mir erst klar, dass es ein Riesen-Fehler war, Klaus Wendels Beschreibung meiner Person („wütender Pinscher“) mit Humor zu nehmen. Viel besser wäre es gewesen, daraus ein Riesen-Bohei zu machen. Vielleicht hätte es sogar zu einer Hausdurchsuchung bei ihm gereicht – aber dazu bin ich wohl nicht prominent genug, und er auch nicht.

Immerhin hatten meine Illustratorin Manuela Bößel und ich gestern viel Spaß, als sie versuchte, das „Pinscher-Thema“ grafisch umzusetzen. Was herauskam, gefiel uns jedenfalls besser als die KI-gestützten „Wachturm-Bildchen“ des Kollegen Wendel:

Für die nicht-bayerischen Leser: Die Feststellung, dass jemand „scho' a Hund“ sei, ist diesseits des Mains nicht als Beschimpfung, sondern als Kompliment gemeint. Sie bestätigt dem Adressaten eine Mischung aus Schlauheit, Mut und Skrupellosigkeit. Ohne diese Kombination kann man in der bayerischen Politik nicht reüssieren.

Harald Schmidt lehrt uns: Was man nicht verbergen kann, muss man ausstellen. Dann bin ich lieber ein Pinscher als ein Pimmel!

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Kommentare

  1. Kollege Wendel zitiert nun Barbra Streisand mit den Worten: „Pinscher sind auch nur Menschen“. Keine Ahnung, woher er das hat!
    Ich habe nachgesehen: Die Schauspielerin besitzt keine Pinscher, sondern weiße Hunde der Rasse Coton de Tuléar (Baumwollhund).
    Na ja. Zitate sind halt nicht seine Stärke…

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