Musikalisch tanzen – in der Theorie
Der Blogger-Kollege Helge Schütt versorgt uns nicht gerade mit vielen Artikeln zum Tango – eher dürfen wir täglich auf Facebook oft mehrere Kommentierungen des Weltgeschehens zur Kenntnis nehmen:
https://www.facebook.com/helge.schutt.7
Nun hat er ein Seminar von Joaquín Amenábar besucht – der war Professor für Bandoneon und ist Autor des Buches „Zur Musik tanzen!“.
https://joaquinamenabar.com/de/joaquin/
So direkt übereilt finde ich das Thema nicht – immerhin hat der Argentinier sein (in mehrere Sprachen übersetztes) Werk bereits 2009 herausgebracht.
Unter dem etwas trockenen Titel „Zur Systematik der Tango Schritte“ klärt uns Helge nun über die Lehre des Meisters auf, die „einen ganz anderen Blick auf die Schrittfolgen im Tango“ vermittle und die er „gedanklich erst einmal sortieren“ müsse.
Bedauerlicherweise verfasste er bereits jetzt einen Text dazu.
Schütt erklärt uns drei „Systematiken“:
Im Tanzschul-Modus lerne man halt Schritte, von einfachen bis zu sehr schwierigen. Irgendwann komme man damit an seine „körperlichen Grenzen“. Wie viele Folgende beherrschten beispielsweise die „Hebefigur mit Helikopter“?
https://www.youtube.com/shorts/JaA6ZMZDC-k
Ich sehe hier in anderer Hinsicht Probleme: Würde eine Tänzerin das Hubschraubern beherrschen, bekäme das Paar auf den üblichen Milongas wahrscheinlich Hausverbot…
Der Autor fragt mit Recht: Muss man – vor allem als Hobbytänzer – sowas können? Klar, eher nicht! Mal abgesehen davon, dass eine durchschnittliche Tanguera in knappen Hotpants eher ungünstig wirken könnte…
Als weitere „Systematik“ nennt uns Helge die „Matrix“ und nimmt auf die Bücher von Mauricio Castro Bezug. Man müsse sich anschauen, welche Schritte „rein mathematisch überhaupt möglich“ seien. Es gehe darum, „dass die Schritte des Führenden komplett unabhängig sind von den Schritten der Folgenden.“
Okay, das sehe ich auf fast jeder Milonga. Besonders begeistert bin ich davon nicht. Und Mathe war nie mein Lieblingsfach.
So – jetzt aber! Wir warten doch ungeduldig auf die Weisheiten von Maestro Amenábar:
Dessen Konzept beruhe auf dem Ansatz, dass es beim Tango „nicht auf den Rhythmus“ ankomme. Der sei nämlich „bei allen Tangos im 4/4 Takt gleich“.
Nun verstehe ich, was mich auf vielen Milongas so unendlich langweilt!
Leichte Bedenken kommen mir aber angesichts der Fachbegriffe: Gibt es nicht einen wesentlichen Unterschied zwischen Takt und Rhythmus? Aber gut – musiktheoretisch bin ich eine Flasche – kann man ja öfters nachlesen!
Wie weiter mit dem Meister?
„Das bedeutet, dass er die Tango Schritte daraufhin untersucht, zu welcher Musik sie tanzbar sind.“ Halte ich für sehr vernünftig!
- „Im ersten Schritt wird die Musik analysiert und man muss verstehen, wann welche Akzente gesetzt werden und welche Änderungen im Tempo vorgenommen werden.
- Anhand des so gefundenen Musters werden die passenden Schritte ausgewählt.“
Ach, diese ganze Planerei lenkt mich aber total vom Tanzen ab! Aber ich weiß schon, dass ich wohl wieder mal was „nicht verstanden“ habe!
Man beachte aber: „Der Nachteil ist, dass man die Musik schon sehr gut kennen muss, wenn man sie konsequent auf alle Schritte anwenden möchte.“
Moment – jetzt verstehe ich, wieso viele DJs immer wieder dieselben Titel auflegen – muss einem doch gesagt werden!
Aber Amenábar wisse auch hierzu einen „Trick“: „Wenn man nicht so genau weiß, was die Musik fordert, dann sollte man sehr einfache Schrittfolgen nutzen, die man jederzeit abbrechen kann, wenn die Musik nicht zur geplanten Schrittfolge passt.“
Oder einfach ‚ne Pause machen – ist doch derzeit im Tango schwer angesagt!
Ich weiß nur nicht, was es bringt, im Tango unentwegt vom einen Propheten zum nächsten zu ziehen und jedes Mal zu verkünden, einer Erleuchtung anheimgefallen zu sein! Wie wäre es stattdessen, auf eigene tänzerische Erfahrungen zu bauen? Vielleicht mit einer Partnerin auf dem Parkett statt im Seminar vor der Wandtafel?
Okay, Schütt endet diplomatisch: Jede der drei Systematiken habe ihr Gutes.
Mit diesen Erweiterungen „explodiere“ das eigene Repertoire, und man sei jederzeit in der Lage, „auf jede Musik angemessen zu reagieren“. Na, wollen wir hoffen, dass wir nach der Explosion die Trümmer unseres Repertoires nicht mühsam zusammensuchen müssen!
„Sogar dann, wenn man kurzfristig seinen Plan ändern muss, weil sich die Musik ändert oder die Folgende ihre eigenen Vorstellungen in den Tanz einbringt.“
Man muss beim Tango halt stets mit dem Schlimmsten rechnen!
Quelle: https://helgestangoblog.blogspot.com/2026/01/zur-systematik-der-tango-schritte.html
Zuletzt noch ein Blick in den Unterricht des Meisters:

Hier ganz aktuell ein Kommentar von Helge Schütt:
AntwortenLöschenLieber Gerhard,
Da hast Du wohl zu wenig recherchiert: Band 2 von „Zur Musik tanzen“ ist erst im November 2024 erschienen.
Liebe Grüße,
Helge
Lieber Helge,
Löschendanke für den Hinweis!
Ich habe allerdings nicht ersehen können, in welcher Weise das Einfluss auf deinen Artikel hatte.
Beste Grüße
Gerhard