Das Wort zum Samstag
Ein Blogger-Kollege schreibt, er habe sich von einem meiner Artikel zu einer „Kurznotiz“ inspirieren lassen. Er zitiert einen Satz von mir:
„In Bezug auf Frauen machen Männer überhaupt nichts ‚ohne Hintergedanken‘“.
Unter dem Titel „Körperkontakt im Tango Argentino“ schildert er dann ein Erlebnis auf einer Milonga: Ein eher akrobatisch tanzendes Paar zeigte öfters Hebefiguren, bei denen der Mann die mit kurzem Rock bekleidete Partnerin mit Griff zwischen die nackerten Oberschenkel anhob. Der Dame schien das zu gefallen, sie waren für mehrere Tandas auf dem Parkett.
Der Kollege möchte nun wissen, ob dieser Tanzstil für die Leserinnen und Leser „in Ordnung“ sei, und ob die Frauen mit so einem Mann tanzen wollten. Er freue sich über Rückmeldungen.
Letztere Frage kann ich wegen meines Geschlechts nicht beantworten. Und da ich wenig von „Ordnung“ im Tango halte, tue ich mich auch mit dem Rest schwer. Die beiden tanzen halt, wie es ihnen Spaß macht, so what? Da ich kein Augenzeuge bin, weiß ich nicht, ob es mir gefallen hätte.
Möglicherweise ist ein Portion Exhibitionismus im Spiel, weil man einen solchen Tanzstil auch noch mit einem kurzen Rock kombiniert. „Hintergedanken“ muss ich mir bei der Präsentation erfreulicher anatomischer Tatsachen aber keine machen. Da reicht ein vordergründiger Eindruck. Die beiden sollten sich nur nicht beschweren, genauere Blicke einzufangen. Andernfalls hätte man zumindest einen anderen Kleidungsstil wählen können.
Eine weitere Frage des Kollegen hat bei mir aber eine ziemlich flache Atmung erzeugt:
„An die Männer: Würdet ihr eure Ehepartnerin / Lebensgefährtin mit diesem Mann tanzen lassen?“
Da fühle ich mich schon in die Anschauungen der „Goldenen Ära“ des Tango zurückversetzt! Zur Information: Im 21. Jahrhundert verwaltet der Mann nicht mehr allein das Vermögen seiner Frau, bestimmt über die Kindererziehung und muss zustimmen, wenn sie ein Konto eröffnen, den Führerschein machen oder eine Arbeitsstelle antreten möchte. Das gilt jedenfalls im Zuständigkeitsbereich des deutschen Grundgesetzes.
Daher darf meine Frau auch allein darüber entscheiden, mit wem sie wie tanzen möchte. Mehr noch: Sie gestattet mir das ebenso!
P.S. Für Kenner und Genießer noch ein Beispiel zu den Hebefiguren, die hier wohl dadurch erleichert werden, dass die Dame wenig anhat. Zum Schluss aber sieht man: Alles nicht so einfach!
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