Tangopekka – ein neuer Blog aus Münster

Der Autor selbst machte mich per Mail auf sein neu erschienenes Tangoblog aufmerksam: „Tangopekka – Blog über Tango Argentino in Münster“

Na gut – inhaltlich hat seine Seite mit der westfälischen Metropole kaum zu tun – außer, dass der Finne Pekka Tasala dort zu Hause ist, Tangounterricht anbietet und als Osteopath arbeitet.

https://www.osteopathietasala.de/

Auf den Autor aufmerksam wurde ich durch eine Mail, welche er offenbar an diverse Kollegen verschickte, und mit der er für sein Projekt warb.

Der Kollege hat einiges auf dem Kasten:

„Ich tanze seit 25 Jahren Tango, lebte für den Tango ein halbes Jahr in Buenos Aires, habe Tango unterrichtet in Finnland, der Schweiz, Buenos Aires, London und Münster. Vor 23 Jahren habe ich auf Spanisch eine Bachelor-Arbeit zum Thema Musikalität im Tango geschrieben.“

https://www.tangoinmuenster.de/tangounterrichtinmuenster#ueber-mich

Pekka bietet auch Tangokurse sowie Privatstunden an.

Knapp 20 Artikel hat er seit Juli dieses Jahres veröffentlicht. Das ist als Anfangs-Impuls beachtlich. Gut, schauen wir mal, wie es in zwei Jahren aussieht…

Nun habe ich mir zunächst einen seiner Texte genauer durchgelesen:

Was mir auf den ersten Blick auffiel, sind diese gruseligen KI-Grafiken, die derzeit schwer in Mode sind. Ich sage voraus, dass es nicht so bleiben wird!

Positiv ist der handliche Umfang der Texte. Stil und Ausdrucksweise sind klar, verständlich und ansprechend.

Nun zum Inhalt:

„Tango nach dem Boom: Eine Spurensuche“ betitelt der Autor seine Überlegungen, wieso die Tangoszene schon seit Längerem stagniert. Wenn er an die Zeit der Jahrtausendwende zurückdenke, sei unser Tanz damals deutlich populärer gewesen. Als Ursache sieht er, dass der „Tango nuevo“ in dieser Zeit stilbildend gewesen sei. (Gut, als Musik gab es den schon seit den 1950er Jahren – vielleicht meint er auch den Neotango).

Es habe eine „Aufbruchs- und Entdecker-Stimmung“ gegeben, die später durch traditionelle Vorstellungen gekontert wurde. Den Neuerern wurden „Hyperaktivität auf der Tanzpiste, und vor allem fehlendes Bewusstsein für die anderen Paare und fehlende Musikalität“ vorgeworfen.

Die „Wildheit aus den Nullerjahren“ sei verloren gegangen. Tja, wem sagt er das…

Der Autor zitiert einen bemerkenswerten Brief des Tango-Urgesteins Tete Rusconi von 2006, der heftig vor den Neuerungen warnte:

„Viele von denen, die heute unterrichten, müssten zuerst selbst lernen, Tango zu tanzen, damit sie anschließend mit ganzem Herzen lehren können – ohne ihre Schüler zu enttäuschen oder ihrem eigenen Ruf als Lehrer zu schaden. (...) Außerdem sollte man keine Musik tanzen, die kein Tango ist. Belügt euch in dieser Hinsicht weder selbst noch das Publikum.“

Als sich wichtige Figuren des Tango nuevo (Frumboli, Arce u.a.) gegen die von ihnen selbst gestartete Bewegung wandten, sei das Schicksal der Neuerungen besiegelt gewesen.

Es sei weniger über den Tango geschrieben worden, da es kaum Neues zu berichten gegeben hätte.

Okay, mein Blog mal ausgenommen…

Stilbildend seien auch die Tango-Weltmeisterschaften gewesen:  

Die „prägende Ästhetik im Tango“ habe sich von „Entspannung ausdrückenden wedelnden Armen“ hin zur engen Tanzhaltung entwickelt.

„Die neue, konservativere Botschaft vom ‚Zurück zu den Wurzeln‘ hatte sicher auch etwas Strengeres und zum Teil weniger Attraktives und half nicht immer, neue Schüler zu gewinnen.“ Ich finde, das ist sehr vorsichtig angedeutet!

Bereits vor der Pandemie sei der Tango in Europa „auf dem absteigenden Ast“ gewesen. Auch diese Einschätzung teile ich. Corona war nicht an allem schuld!

Pekka Tasala weist das auch an den Google-Trends nach.

Problematisch sieht er das zunehmende Durchschnittsalter im Tango – Süd- und Osteuropa ausgenommen.  Kleine Ansätze der Verjüngung gebe es auch bei uns.

Münster gehöre nicht dazu. Wie schade!

Quelle:

https://www.tangoinmuenster.de/tangopekka/warum-tanzt-niemand-mehr-tango

Unterm Strich:

Pekka Tasala kann sich auch auf Deutsch sehr gut ausdrücken und ansprechende Artikel schreiben. Wie man an Spurenelementen erkennt, verfügt er auch über Humor, den er mutig ausbauen sollte. Tango-Blogartikel sind keine Seminar- oder gar Bachelor-Arbeiten. In diese Gefahr geraten sie mitunter.

Was der  Autor in seinem Text zur Tango-Entwicklung der letzten 30 Jahre schreibt, entspricht im Wesentlichen meinem Blickwinkel – was aber keine Voraussetzung ist, sein Blog zu mögen.

Genug Können jedenfalls ist vorhanden, dass aus dem neuen Blog etwas werden könnte – Fleiß und Durchhaltevermögen vorausgesetzt. Ich werde ihn weiter beobachten.

Mit finnischem Tango hat diese Seite jedenfalls nichts zu tun – ich habe einmal gelesen, in diesem Metier komme es vor allem darauf an, dass der Sänger bei der Eins zuverlässig mit dem Knie an den Mikrofonständer stoße.

Dennoch als Video den berühmtesten finnischen Tango von Unto Mononen: „Satumaa“ („Märchenland“) – natürlich gesungen von Reijo Taipale:

  

https://www.youtube.com/watch?v=DkiFS0hsx0I&list=RDDkiFS0hsx0I&start_radio=1

P.S. Privaten Tangounterricht für Singles und Paare bietet Jochen Lüders: Tel. 0163 8720871 https://jochenlueders.de/?p=17381

Kommentare

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