Wie es bei den Maestros zugeht
Als Blogger bin ich im Tango stets auf der Suche nach interessanten Geschichten – die sind für mich viel wichtiger als längelange Fachabhandlungen über Triangulation und andere Themen der höheren Tanzgeometrie.
Daher bin ich Kollegen Wendel wirklich dankbar für ein Erlebnis, das er aktuell in einem sehr langen Aufsatz zum 90. Geburtstag der Tangolegende Eduardo Arquimbau geschildert hat. Hier nur in Kurzform – bei Bedarf kann man es in seinem Artikel nachlesen:
Der Maestro war, ohne seine Gattin und Stamm-Tanzpartnerin Gloria, zu Gast auf einer Kölner Milonga namens „Petit Prince“. Die dortige Veranstalterin kündigte dem Publikum eine Showeinlage von ihr mit dem Maestro an – freilich ohne diesen vorher über sein Glück aufgeklärt zu haben. Es kam, wie es kommen musste: Arquimbau, der nie ohne seine Gattin showtanzte, lehnte ab – und auch Wendel und sein Begleiter, die ersatzweise angefragt wurden, taten desgleichen.
Wer blöd dasaß, war die Veranstalterin – und natürlich das Publikum.
https://www.tangocompas.co/eduardo-arquimbau-wird-90-ein-leben-fuer-den-tango/ „Ein unvergesslicher Abend im Petit Prince in Köln“
Es war natürlich hoch bescheuert von der Gastgeberin, einen Showtanz anzukündigen, ohne den Tanzpartner vorher gefragt zu haben. Ich finde es jedoch fast ebenso deppert, sich dem Auftritt derartig holzig zu verweigern. Ein Gentleman lässt eine Dame nicht im Regen stehen – never ever!
Bei Bedarf hätte der Meister das unverschämte Weib ja hinterher unter vier Augen zusammenstauchen können.
An der Stelle des argentinischen Stars hätte ich halt dem Publikum die Umstände erklärt – und dass man nun nur einen improvisierten Tanz und keine choreografierte Spitzenleistung erwarten dürfe. Das hätte seine Sympathiewerte wohl erheblich gesteigert.
Aber klar – ein Tangostar hat immer recht. Der Kleine Prinz aber hätte sich weinend davongemacht…
Wendel verbindet seine Erinnerung noch mit einer anderen Geschichte: Der Maestro tanzte – man lese und staune – an diesem Abend sogar mit einer völligen Anfängerin:
„Er führte sie so einfühlsam, dass sie seinen Bewegungen folgen konnte, obwohl sie die entsprechenden Schrittfolgen gar nicht kannte. Er stellte sich ganz auf ihre Möglichkeiten ein und ließ durch seine Führung einen gemeinsamen Tanz entstehen. Das war für mich eine der eindrucksvollsten Demonstrationen seines außergewöhnlichen tänzerischen Könnens.“
Obwohl ich mich natürlich in keiner Weise mit den Fähigkeiten des Meisters vergleichen kann: Solche eigenen Erlebnisse mit Anfängerinnen habe ich mehrfach geschildert – man muss halt das mittanzen, was die Frau macht. Wendel hat solche Erfahrungen als unbedeutend abgetan – klar, wenn sie von mir stammen, müssen sie ja falsch sein!
Ein solches Beispiel zeigt die Denkweise des Kollegen: Es kommt nicht darauf an, was jemand macht, sondern wer. Je nachdem kann es dann toll oder grundfalsch sein.
Was ich aus dieser Geschichte mitnehme: Was könnte sich im Tango ändern, wenn die Spitzenkräfte mal mit ihren Schülerinnen und Schülern tanzen würden!
Von Max Frisch stammt der Satz:
„Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand!“
https://zitate.net/wahrheit-zitate
Und hier noch ein Showtanz von Eduardo und Gloria aus dem Jahr 1985. Die Musik klingt irgendwie nach Piazzolla – aber wahrscheinlich täusche ich mich…
https://www.youtube.com/watch?v=AQZrNrYj8vA
P.S. Gerade nachgeschaut: Die "Milonga loca" ist tatsächlich von Piazzolla.
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Aktuell schreibt mein Kollege: „Inzwischen habe ich den Eindruck, dass Ihnen ohne Klaus Wendel langsam der Stoff ausgeht.“
AntwortenLöschenhttps://www.tangocompas.co/friedensangebot-abgelehnt/
Ach, süß…
Wäre bei insgesamt über 2400 Veröffentlichungen nicht ganz unerwartet.
Da kann ich nur flehentlich bitten: Möglichst noch mehr Artikel wie den obigen – dann habe ich keine Sorge.
Aber zur Beruhigung: Zirka 2300 handeln nicht von ihm. Da ist eine gewisse Auswahl möglich…
Klaus Wendel hat auf meinen Text nun mit einem Tobsuchtsanfall reagiert:
AntwortenLöschenhttps://www.tangocompas.co/wenn-der-milongafuehrer-dem-maestro-tango-erklaert/
Na ja, same procedure...
Von einem Tobsuchtsanfall hab ich bei Wendel nichts bemerkt. Er hat Ihnen nur klar und unverhohlen mitgeteilt, was Sie wieder alles vermasselt haben. Übrigens ist Ihr Text wieder mal ein ziemlicher Ausrutscher.
AntwortenLöschenNa ja, wenn man einem anderen mitteilt, was er wieder alles vermasselt hat, ist das natürlich der Beginn einer wunderbaren Freundschaft…
LöschenAber zur Beruhigung: Sie können nichts vermasseln oder ausrutschen – dazu reichen zweieinhalb Zeilen nicht.