Ach, Herr Wendel…

nun haben Sie Ihre ganzen Hetz- und Schmähartikel über mich aus dem öffentlichen Angebot genommen (wobei die Links aber noch funktionieren) – und schon veröffentlichen Sie die nächste Philippika über mich:

https://www.tangocompas.co/wenn-der-milongafuehrer-dem-maestro-tango-erklaert/

Mein Sündenfall: Ich hätte eine international anerkannte Tangoberühmtheit belehrt, wie sie sich in einer bestimmten Situation „als Künstler und Gentleman“ hätte verhalten sollen.

Sie erweitern diese Behauptung sogar im Titel: „Wenn der Milongaführer dem Maestro Tango erklärt“.

In Wahrheit habe ich Eduardo Arquimbau gar nichts erklärt. Schon gar nicht den Tango. Der Mann wird 90 Jahre alt und dürfte sich kein bisschen für meine Gedanken interessieren, selbst wenn man sie ihm übersetzen würde.

Und ja, ich fand das geschilderte Verhalten des Tangolehrers ungeschickt. Dafür musste ich mich von Ihnen, Herr Wendel, zusammenstauchen lassen. Meine Vorstellung davon, was einen Gentleman kennzeichnet, nennen Sie „grandiosen Unsinn“. Gut, ich habe Damen gegenüber eine andere Einstellung.

Ich frage mich wirklich, was Sie dazu befähigt, mich wie einen Schulbuben abzukanzeln. Aber gut – man kennt Sie und dürfte wenig überrascht sein.

Wer heute in der Sekte, die sich Tango nennt, Zweifel an den Gottheiten äußert, muss gewärtig sein, als Häretiker zu gelten. Ich habe das seit Jahren eingepreist. Und ich werde nicht davon abgehen, in berühmten Tänzern ebenso wie in Anfängerinnen und Anfängern einfach Menschen zu sehen, welche auch mal in einer Weise auftreten können, die ich für kritikwürdig halte.

Wenn jemand eine beachtliche künstlerische Karriere hingelegt hat, verdient das Respekt – nicht aber den Anspruch, im Leben stets richtig gehandelt zu haben.

Ich kann auf eine Reihe von Erlebnissen zurückblicken, wo ich das Verhalten von Tango-Lehrkräften arrogant fand. Gut, vielleicht war eher Unsicherheit die Ursache. Dennoch hat es ihnen mehr geschadet als genützt.  

Andere mögen sich damit begnügen, bei einer Berühmtheit in geistiger Untermiete zu logieren. Meine Sache ist das nicht – ich benötige kein Über-Ich zur Stabilisierung meines kriselnden Selbstvertrauens.

Ich habe extra betont, dass ich meine tänzerischen Fähigkeiten nicht mit denen internationaler Tangostars gleichsetzen kann. Über diese Einschränkung setzen Sie sich hinweg und behaupten tapfer, ich würde es doch tun. Wieder einmal reden Sie Skandale herbei, wo keine sind.

Und was das geschilderte Tanzen mit einer Anfängerin betrifft: Auch da sei meine Methode meilenweit davon entfernt, was wahre Meister täten. Klar – es kann nur das stimmen, was Ihnen in den Kram passt: Die „geradezu monumentale Selbstgefälligkeit“ kommt wahrlich nicht von meiner Seite.

Wieder einmal erlauben Sie sich, meine Leistungen als Tänzer zu beurteilen: Das reicht von „bescheidenen tänzerischen Fähigkeiten“ bis zu „absoluter Stümperei“. Ja, was’n jetzt? Ganz klar scheinen Sie das nicht zu sehen – aber Hauptsache draufhauen! Offenbar benötigen Sie solche Attacken, um sich selber besser zu fühlen.

Eins ist jedenfalls klar: Wenn ich nach „Anerkennung heischen“ würde, dürfte ich kein solches Blog betreiben. Dann müsste ich mich, wie Sie, irgendwie zwischen Tradition und ein bisschen Fortschritt durchlavieren – immer in der Angst, Beliebtheit zu einzubüßen.

Dass Sie, Herr Wendel, ein „unfähiger Blogger“ sind, habe ich nie behauptet – auch nicht mit ähnlichen Worten. Oft – nicht immer – finde ich interessant, was Sie schreiben. Dann habe ich Lust, das zu besprechen. Aber das reicht Ihnen halt nicht: Sie erwarten demütige Anbetung – natürlich am liebsten von Leuten, die Ihnen fachlich das Wasser reichen können. Und wer dieser Gnade teilhaftig wird, bestimmen Sie.

Lieber Herr Wendel,

Sie bezeichnen meinen vorhergehenden Text als „einen der dümmsten Beiträge“ meines bisherigen Bloggerdaseins. Nett!

Wenn Sie das so sehen, frage ich mich halt, wieso Sie sich dann die Mühe einer solchen Analyse machen. In dem Fall könnten Sie doch in aller Ruhe darauf vertrauen, dass es der Rest der Leserschaft ebenso erkennt.

Ach, Herr Wendel...

P.S. Ich kann mich noch an ein Gespräch in unserer Tangofrühzeit erinnern: Eine Tangopaar erzählte uns, sie hätten Unterricht bei einem argentinischen Maestro genommen. Der ließ die Paare zunächst eintanzen und fragte nach kurzer Zeit unsere Bekannten: „Soll das etwa Tango sein?"

Ich schlug den beiden die Antwort vor: „Ja, klar – und wenn du es lernen willst, sag einfach Bescheid!" 

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