Strandkorb-Gate

Ich gestehe, dass mir der CDU-Politiker Philipp Amthor mit seinem Erstkommunikanten-Image zunächst ein Lächeln entlockte.

Inzwischen hat der studierte Jurist aber eine bemerkenswerte Karriere hingelegt, er sitzt seit 2017 im Bundestag. Aktuell ist er Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit im Kanzleramt. Er zählt zum eher konservativen Flügel der CDU und pflegt ein gutes Verhältnis zu Kanzler Merz.

Amthor ist dafür bekannt, nicht nur in seinem Wahlkreis intensiv den Kontakt zu den Bürgern zu suchen, und wirkt stets freundlich und aufgeschlossen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Amthor

Kürzlich aber hat er mit Unerhörtem einen Shitstorm eingefangen: Er kaufte sich einen Strandkorb und ließ ihn auf dem Balkon vor seinem Büro aufstellen. Das vorpommersche Möbel sollte wohl auch ein Stück Heimat nach Berlin bringen. Dummerweise war das Resultat in der ZDF-Reihe „Inside CDU“ zu sehen.

https://www.youtube.com/watch?v=99nmffgLvDs&t=16s 

Leider hat der Politiker das Ding und dessen Transport wirklich selber bezahlt – wie neugierige Journalisten natürlich sofort recherchierten. Es war auch kein Luxusmodell, sondern ein „Original Heringsdorfer“ zum Preis von zirka 1600 Euro, gefertigt in Amthors Heimat.    

https://www.tagesspiegel.de/politik/dpa-er-wollte-nur-ein-stuck-heimat--und-erntete-spottamthor-will-strandkorb-selbst-bezahlt-haben-und-schickt-ihn-zuruck-16100746.html

Das reichte zunächst für einen Shitstorm. Von „spätrömischer Dekadenz“ war die Rede, von „sozialer Hängematte der Arrivierten“ – und davon, „wie weit sich Teile der politischen Elite inzwischen von der Lebensrealität vieler Bürger entfernt haben". Amthor solle „raus aus Berlin“.

https://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Nicht-Amthor-ist-das-Problem-sondern-das-Einknicken-vor-dem-Mob-id31360447.html

Inzwischen ließ der Gescholtene via Pressesprecher erklären, dass er die Kritik „sehr ernst“ nehme. Amthor hat das verdächtige Möbel nun einer sozialen Einrichtung in seiner Heimat gespendet.

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-10/philipp-amthor-strandkorb-kanzleramt-spende-ueckermuende-cdu-gxe

Interessant, dass aktuell die Stimmung ändert: Beim Nachrichtenportal ntv heißt es jetzt in einem Kommentar, nicht der Politiker sei das Problem, sondern „das Einknicken vor dem Mob“.

https://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Nicht-Amthor-ist-das-Problem-sondern-das-Einknicken-vor-dem-Mob-id31360447.html

Ich glaube nicht, dass solche Maulhelden auch nur die geringste Ahnung vom Arbeitstag eines Spitzenpolitikers haben – sonst könnten sie nicht so dumm daherreden und gezielt Neidkomplexe bedienen. Sicher – man kann und sollte sich auf die Seite von Geringverdienenden stellen. Aber nicht, indem man was über Strandkörbe in den Computer hackt.

In meiner kleinen Bloggerwelt kenne ich derartige Skandalisierungs-Versuche: Immer mal wieder hält man mir vor, mit meiner „üppigen Beamtenpension“ leicht reden zu haben. Ich denke aber gar nicht daran, mich dafür zu schämen, aus meinem Leben etwas gemacht zu haben. Obwohl ich keine reichen Eltern hatte und das Studium nur mit staatlichen Förderungen, Stipendien und privaten Nachhilfestunden über die Runden brachte.

Erst kürzlich warf mir ein Kommentator vor, ich würde „das Urheberrecht missachten“ und hätte ein Musikstück „gesetzeswidrig verwendet“. Folgerung: „Aber Gesetze sind dem Herrn ja egal.“

Da kläre ich doch gerne auf: Bei einem Video hatte ich eine Aufnahme des Gardel Klassikers „El día que me quieras“ verwendet. Das kollidierte wohl mit irgendwelchen Urheberrechten, woraufhin mein Beitrag auf YouTube gesperrt wurde.

Na gut – muss man halt die Abfolge in einem meiner Artikel nachlesen:

https://milongafuehrer.blogspot.com/2019/02/der-tag-dem-du-mich-bequatschtest.html

Klar, im Internet gibt es viele versteckte Urheberrechts-Fallen. Mir schien die Nutzung unproblematisch, da der Titel ja auf YouTube angeboten wurde und Komponist sowie Texter (Carlos Gardel, Alfredo Le Pera) schon mehr als 80 Jahre tot sind.

Die Folgerung, „Gesetze“ seien mir „egal“, ist jedoch einmal mehr der Versuch, meine Arbeit zu kriminalisieren. Und das war ja nicht die einzige solche Aktion.

Ich kann daher jedem – auch Philipp Amthor – nur raten, sich von solchen Intriganten nicht ins Bockshorn jagen zu lassen. An seiner Stelle hätte ich den „Skandal“ kalt lächelnd durchgestanden.

Und zum Trotz gibt es nun nochmal den wunderschönen Gardel-Hit:

https://www.youtube.com/watch?v=ubvfktaFkJ8&list=RDubvfktaFkJ8&start_radio=1

Kommentare

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