Ein etwas anderer Tanzlehrer

Auf den 33-jährigen Richard Hinsberger kam ich durch ein YouTube-Video. Schließlich entdeckte ich einen aktuellen Artikel der Saarbrücker Zeitung, kombiniert mit einem längeren Podcast, in dem die Journalistin Lena Ziegler sich fast eine Stunde lang mit dem Tanzlehrer unterhält.

Seine berufliche Laufbahn ist ziemlich ungewöhnlich: Die üblichen Schüler-Tanzkurse hat er nie gemacht. Dem jungen Mann, der oft zu Hause saß und wenig mit sich anfangen wusste, gab die Mutter schließlich den Tipp: Eine Tanzschule suchte neue Mitarbeitende und bot denen auch eine Ausbildung an. Hinsberger verkündete bei seiner Bewerbung: „Ich rocke euch hier die Tanzfläche.“ Er bekam die Stelle und ließ sich zum Tanzlehrer ausbilden.

Dabei achtet Hinsberger durchaus auf Umgangsformen: Jogginghosen beim Kurs sind ebenso tabu wie über die Stuhllehne geworfene Kleidung. Ein wenig Stil dürfe schon sein – daher schickt er manchmal Jugendliche zum Umziehen wieder nach Hause.

Sein Hauptpublikum besteht aber aus Menschen über 40. Häufiges Motiv sei das Abschalten von den Alltagsproblemen.

Dabei würden natürlich auch Beziehungskrisen deutlich. Bei den ersten Tanzschritten merke er schon, ob es zwischen den beiden harmoniere oder nicht. Trennungen habe er ebenso erlebt wie neue Paarbildungen.

Auch beim Führen und Folgen hat sich der Tanzlehrer von antiquierten Vorstellungen verabschiedet: Der Mann biete etwas, und die Frau nehme an – aber nur, wenn sie wolle. Es gehe nicht darum, jemand „durch eine Figur durchzuprügeln“.

Was sei der erste Satz, den er von weiblichen Neulingen im Kurs höre? „Mein Mann hat zwei linke Füße“.

Interessant wird das Gespräch dadurch, dass die Journalistin ebenfalls begeisterte Tänzerin ist, aber gesteht, sich nicht leicht führen zu lassen. Oft habe sie halt das Gefühl, es besser zu können als der Partner. Na gut – mein Rezept ist da: Machen lassen und ihr nicht im Weg stehen!

Frauen, so der Tanzlehrer, würden auf dem Parkett den ganzen Körper bewegen – Männer neigten dazu, das auf nur ein Körperteil zu beschränken. Ein interessanter Unterschied! Die Hauptaufgabe der Männer sei es, dass die Dame sich wohlfühle.    

Als Hinsberger sich selbstständig machte, vermied er große Risiken. Er suchte nach Räumlichkeiten, die während der Woche eh leer standen – beispielsweise Diskotheken. Statt einer Bezahlung bot er meist Gegenleistungen an, beispielsweise die Mithilfe am Wochenende.

Er lebe gerne in Deutschland, weil man als Existenzgründer auf Förderungen zurückgreifen könne, die es in vielen Ländern nicht gebe.

Im Internet ist er sehr aktiv, habe schon viele Videos veröffentlicht. Nicht glücklich ist er über den Ton, der dort oft herrsche.

Neue Ideen hätten es stets schwer: „Wenn ich etwas anders mache als die Norm, dann sind erstmal 84 Prozent gegen mich, aber damit komme ich klar […] und irgendwann kommen sie zu dir und finden es doch ganz cool.“

Hinsberger wünscht sich, dass die Menschen „einfach tanzen“. Und zwar nur für den Partner – „das ist dann ja scheißegal, wie es aussieht“.

Was für ihn Tanzen sei, wird er abschließend gefragt – und reagiert mit einem Wort: „Freiheit“.

Quelle:

https://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/podcast/saartalk-nextgen/podcast-tanzlehrer-richard-hinsberger-ueber-let-s-dance-no-gos-und-paare_aid-147296521

 

 https://www.youtube.com/watch?v=3qXReVfrsRc

P.S. Richard Hinsberger hat viele Lehrvideos veröffentlicht – bei Interesse einfach mal auf YouTube suchen!

Kommentare

  1. Wie nicht anders zu erwarten, muss Klaus Wendel nun auch diesen Beitrag kommentieren - obwohl er darin mit keinem Wort vorkommt.
    Aber klar: Wenn man einen Kollegen lobt, wird die Diva sofort eifersüchtig.
    https://www.tangocompas.co/aus-der-bloggerwelt-gerhard-riedl-und-die-zulassungsstelle-fuer-tango-blogger/#comment-1298

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    1. Grade erst im obigen Text gesehen: „Gerhard wiederum wirft mir einen Kasernenhof-Tonfall vor, ohne sich auch nur ein einziges Video meines Unterrichts angesehen zu haben.“
      Echt, gibt’s Videos von Wendels Unterricht? Super – wo? Ich bin gespannt!

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