Gut gelöscht, Kröter!

 

Bekanntlich habe ich am 29.12. einen Text zu einem Artikel in der Zeitschrift „Tangodanza“ verfasst. Dort hatte es der Internist Dr. Stefan Senger unternommen, die momentane Pandemie ziemlich zu verharmlosen. Dies habe ich kritisch kommentiert. Es aber nicht in Frage gestellt, ob das Tangoblatt einen solchen Betrag veröffentlichen soll oder darf – schon deshalb, weil sonst wieder das Gedöns um angeblich unterdrückte Meinungsfreiheit losgeht. Da kann ich ziemlich liberal sein.

https://milongafuehrer.blogspot.com/2020/12/aus-medizinischer-sicht.html

Kurz darauf hat auch der Blogger Thomas Kröter einen Text dazu veröffentlicht, in dem er mit dem Artikel des Arztes eher rustikaler umgeht. Er findet auch, die Tangodanza hätte ihn nicht veröffentlichen sollen. Da war er weniger liberal.

http://kroestango.de/aktuelles/die-verquerdenker-sind-unter-uns/

Auf seinem Blog gibt es nun eine Menge Kommentare, unter anderem auch vom Autor des Tangodanza-Artikels, der Kröter vorwirft, ihn „missverstanden“ zu haben. Ich kenne das Argumentationsmuster: Wenn man da renitent bleibt, kommt die nächste Stufe: „Du willst mich nicht verstehen.“ Im dritten Schritt wird einem dann meist die Diskussionswürdigkeit entzogen.

Ich halte mich mit Kommentaren auf Kröters Blog sehr zurück – er schreibt ja auch keine bei mir. Ein dortiges, 1362 Wörter langes Elaborat eines gewissen „Robert“ reizte mich dann doch zu einer kurzen Anmerkung. Warum? Der Schreiber plustert sich mit seinen wissenschaftlichen Kenntnissen und Leistungen schon ziemlich auf. Kostprobe: 

„Ich bin Mikrobiologe und habe 30 Jahre lange unterrichtet im Bereich Biologie, Biochemie und in Medizinische Themen (Pathologie, Pharmakologie, Med. Terminologie, Grundlagen Ernährung) an Gymnasien und Berufsschulen. Über 20 000 Menschen durfte ich unterrichten. Dabei war es mir stets ein Kernanliegen, den Leuten auch zu vermitteln kritisch, sachlich zu bleiben, auch bei umstrittenen Themen damals zur Gentechnik, Gentherapie, zur Ökologie oder zum Prionenskandal usw.“

Fest ins Querdenker-Repertoire gehört natürlich auch, sich am Berliner Virologen Christian Drosten abzuarbeiten:

„Zu meinen Zeiten an der Uni Zürich hätte sich jeder Student oder Doktorand mit blossen Behauptungen an einem Seminar lächerlich vor allen gemacht. Da wurde man gepiesackt mit Fragen wie ‚Können Sie das belegen?‘ , ‚Aufgrund welcher Daten behaupten Sie das?‘… schon eine irreführende grafische Darstellung hatte kritisches Nachfragen seitens des Prof. zur Folge.
Nun werden in Regierungsnähe agierende Forscher einfach als ‚die Wissenschaft‘ verkauft. Kritisches Hinterfragen nicht erlaubt.
Die Deutsche Bundesregierung scheint auf…-mal überlegen….richtig EINEN Virologen zu hören, Herrn Dr. Drosten, ein Typ ohne jede klinische Erfahrung, der ein lediglich Spezialist ist auf einem Gebiet (und ich könnte nun alle andere Fachrichtungen aufzählen, die hier betroffen sind, inkl. Themen wie Diabetes oder Statistik).“

http://kroestango.de/aktuelles/die-verquerdenker-sind-unter-uns/#comments

Bei einem derartig heftig geschlagenen Rad hätte ich schon gerne mal recherchiert, mit welchen wissenschaftlichen Meriten sich der Schreiber in seiner Vita bekleckert hat. Geht aber nicht, wenn man nur den Vornamen kennt. 

Also verfasste ich gestern Nacht einen Einzeiler des Inhalts, „Roberts“ wissenschaftliche Verdienste würden mich noch mehr beeindrucken, wenn er auch einen Nachnamen habe.

Heute früh stellte ich fest, dass Thomas Kröter meinen Kommentar freigeschaltet hatte. Heute Nachmittag verschwand er mit der Anmerkung:

„Statements zur Frage, ob Robert seinen Klarnamen sagen soll, hab ich gelöscht.“   

Daher schrieb ich heute Abend dazu:

„Das ist halt der Unterschied zwischen unseren Blogs, lieber Thomas: Ich lösche Beiträge ohne Klarnamen, du solche, die sein Fehlen thematisieren. Das Weitere demnächst auf meiner Seite.“

Soeben kam die Antwort von Thomas Kröter: 

„Ach Gerhard, woher weißt Du denn, dass ich nicht weiß, wer Robert ist? Zum Glück ist das nicht der einzige Unterschied zwischen uns und unseren Sites.“

Das stimmt sicher – und ich muss auch nicht alles wissen. Nicht mal, wer der komische „Robert“ (oder welchen Namen er auch missbrauchen sollte) ist. Ich habe ja nicht beansprucht, dass der schwadronierende Herr seinen Klarnamen nennen soll oder gar muss. Mich überzeugt es halt nicht, wenn jemand sich als „freiheitlicher Kritiker“ aufführt, aber zu feige ist, sich zu identifizieren. Aber offenbar ist es schon unstatthaft, eine fehlende persönliche Vorstellung ironisch anzumerken.

Interessieren würde mich allerdings, was in den Stunden zwischen Freischaltung und Löschung meiner Anmerkung passiert ist: Hat da Thomas Kröter per eigenem Grübeln erkannt, dass mein Kommentar unterdrückt gehört, oder hat ihm beim Nachdenken jemand beigestanden? Eventuell Kumpel „Robert“? Und Statements"? Hat es da mehrere gegeben? Wir werden es vermutlich nie erfahren.

Stinksauer bin ich allerdings aus einem umfassenden Grund: 

Seit ein anderer Feigling namens Cassiel vor zehn Jahren einen anonymen Vernichtungsfeldzug gegen mein Tangobuch inszeniert hat, kämpfe ich für ein personalisiertes Internet und musste mich dafür mit Hohn und Spott traktieren lassen.

Ich hatte die Hoffnung, dass in den letzten Jahren klar wurde, was namentlich unbekannte Posts in den sozialen Medien via Cybermobbing und Hate Speech für gesellschaftliche Schäden anrichten. Daher frage ich Thomas Kröter und andere: Wie viele anonyme Morddrohungen aus rechten Netzwerken dürfen es denn beispielsweise noch sein, bevor man im Internet eine Klarnamen-Pflicht einführt? Muss gerade bei Bloggern alles der Klickgeilheit geopfert werden – Hauptsache viele Kommentare, dann steigt auch die Leserzahl? 

Es geht aber weit blöder, wenn man auch noch mit Klarnamen versehene Anmerkungen löscht. Das ist überhaupt nicht liberal, sondern riecht ein wenig nach Nordkorea…

Wenn ich mir ansehe, welch bescheuerte Kommentare auf diese Weise oft zusammenkommen, bin ich jedoch überhaupt nicht neidisch. Thomas Kröter hat dafür nun Querdenker an der Backe. Das gönne ich ihm von Herzen.

Illustration: www.tangofish.de

Kommentare

  1. Thomas Kröter hat nun auf seinem Blog meinen Artikel verlinkt und schreibt dazu:

    „Ich hatte die Bemerkungen gelöscht, weil ich es nicht so gern habe, wenn die Debatte hier durch themenfremde Einlassungen befrachtet wird.“

    Dem widerspreche ich vehement: Ich habe die Kennzeichnung nur mit dem Vornamen kritisiert, weil „Robert“ sich seiner wissenschaftlichen Leistungen allzu sehr rühmte. Daher hätte es mich schon interessiert, das mal zu recherchieren, was halt nur mit dem Vornamen nicht geht. Was daran „themenfremd“ sein soll, erschließt sich mir überhaupt nicht.

    Wenn Thomas Kröter also meint, sich mit einem flotten Spruch über die angerichtete Sauerei retten zu können, täuscht er sich. Ich werde da, wie auch in anderen Fällen solcher Löschungen, hartnäckig bleiben.

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    1. Ich muss hier Thomas Kröter recht geben. Eine Diskussion, die sich nicht auf die Aussagen der Diskussionsteilnehmer bezieht, sondern auf die Person und seine mögliche Expertise, die man anhand von Recherche hinterfragen möchte, ist der eigentlichen Diskussion nicht mehr zuträglich, sie ufert dann aus und endet meist in persönlichen Angriffen. Man kann auch die Aussagen und eine gewisse Angeberei mit Fachwissen kritisieren, ohne den Nachnamen zu kennen, denn wir haben es in einem Blog doch nicht mit einer wissenschaftlichen Publikation zu tun, sondern lediglich mit einem privaten Blog, in dem alle eingeladen sind mit zu diskutieren. Auch wenn ich die Diskussion mit „offenem Visier“ (wie Sie es immer ausdrücken, Herr Riedl), auch vorziehe, sollte man doch die Kirche im Dorf lassen. Man kann gegenläufige Meinungen auch mal stehen lassen ohne sich in sie zu verbeißen.

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    2. Ich habe mich überhaupt nicht in die gegenläufige Meinung des Schreibers „verbissen“, sondern es lediglich bedauert, dessen Qualifikation nicht einschätzen zu können. Ehrlich gesagt beließ ich es dabei vor allem deshalb, weil mir der Text ebenso lang wie läppisch erschien. Aber das habe ich lieber nicht geschrieben – eben um die Debatte nicht zu verschärfen.

      Es wird Sie nicht wundern, dass ich bei meiner Meinung bleibe: Man muss ja meine Anfrage nicht passend finden – aber einen namentlichen Kommentar zu löschen mit Rücksicht auf jemand, der lieber anonym bleiben möchte, halte ich für ein starkes Stück.

      Nebenbei: „Eine Diskussion, die sich nicht auf die Aussagen der Diskussionsteilnehmer bezieht, sondern auf die Person und seine mögliche Expertise, die man anhand von Recherche hinterfragen möchte, ist der eigentlichen Diskussion nicht mehr zuträglich, sie ufert dann aus und endet meist in persönlichen Angriffen.“ Das aus Ihrem Munde, lieber Klaus Wendel, hat mich sehr amüsiert.

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    3. Es ist nicht nur aus meinem Munde, sondern aus aus Ihrem, denn sie scheinen sich oft auch mit vielen Autoren einiger Gegenargumente in Ihrem Blog darüber zu ärgern, wenn es nicht um Inhalte sondern um die Person geht.
      Ich zitiere aus einer Ihrer Antworten in einem Artikel von https://milongafuehrer.blogspot.com/2020/07/miss-vergnugen.html

      „Was soll man da sagen? Man hätte auf meine Rezension natürlich inhaltlich eingehen können. Viel einfacher ist es jedoch, sich mal wieder am Autor persönlich abzuarbeiten.“

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    4. Gut, dann zur Sache: Es geht um meine Besprechung des Werkes von Birgit Faschinger-Reitsam. Die hat, was ich verstehe, der Autorin nicht gefallen. Daraufhin hat sie sich zu persönlichen Abwertungen entschlossen: Ich sei ein alter, nicht einladender einsamer Mann.

      Hätte ich die Rezension nur unter „Gerhard“ verfasst, hätte ich durchaus verstanden, wenn ihr der volle Name lieber gewesen wäre, um vielleicht meine Qualifikation als Autor zu beurteilen. Das hätte sie gerne tun können – ich wäre ihr sogar dabei behilflich gewesen: Steht bei mir alles auf meiner Website.

      Übrigens wird man in meiner Buchkritik keine einzelne Zeile finden, in der ich mich über die Person der Autorin geäußert hätte – und schon gar nicht abwertend. Es ging mir nur um den Inhalt, also das Buch selber. Sicherlich kann sie es dennoch auf sich beziehen, sie hat’s ja geschrieben.

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    5. (Ich habe meinen Kommentar bei ihrem Facebookposting aktualisiert).
      Herr Riedl, ich beziehe mich hier auf Ihren letzten Kommentar als Antwort auf meinen Kommentar in Ihrem Blog.
      Sie mögen es offensichtlich auch nicht, wenn man sich nicht am Inhalt eines Autors, sondern an seiner Person abarbeitet.
      Ihre Worte: (aus einem Beitrag vom Juli 2020)

      […]Man hätte auf meine Rezension natürlich inhaltlich eingehen können. Viel einfacher ist es jedoch, sich mal wieder am Autor persönlich abzuarbeiten[….]

      https://milongafuehrer.blogspot.com/2020/07/miss-vergnugen.html

      Bei diesem Zitat geht es mir nicht um die Quelle selbst. Ich habe es aus dem Zusammenhang gerissen, damit sie sehen, wie aufwändig es ist, alte Zitate zu rechtfertigen. Aber das ist ein Mittel, zu dem sowie des Öfteren gegriffen haben. Sie haben es bei mir gemacht, in dem Sie Facebook-Kommentare von mir aus dem Zusaamenhang gerissen haben, um mich als Person zu diskreditieren. Aber das ist längst verzeihen, ich war da auch nicht zimperlich.

      Offensichtlich ist es Ihnen bei einem Beitrag in Thomas Kröters genannten Blogbeitrag wichtig, den Nachnamen von einem „Robert“ zu erfahren, um besser über seine Qualifikation recherchieren zu können. Die Frage ist auch, ob Sie das nur anhand von Google machen möchten oder auch mittels wissenschaftlicher Zeitschriften. Ich will hier nicht die Aussagen von diesem Robert beurteilen - das kann ich garnicht - sondern nur in Frage stellen, ob Sie die Kommunikationsregeln, (in diesem Fall „offenes Visier“ durch Namensnennung - das haben sie ja) auf die Sie sich beziehen, auch auf andere Kriterien anwenden. Z.B.:
      Die Vermeidung von
      • aus dem Zusammenhang gezogenen Zitaten in anderen Diskussionen (was ich ja auch gerade gemacht habe!), • Recherchen über einen Diskussionsgegner in ge“google“ten Quellen,
      • Rechtschreibkorrekturen bei Flüchtigkeitsfehlern (der Lehrer),
      • Verwechselung von Meinung und Fakten und
      • rhetorischem Sophismus.
      Ich könnte mit etwas Fleiß, (und erheblichem schriftlichen Aufwand) diese Makel in Ihren Kommentaren und Diskussionen herausfischen und anprangern. Das Sie liegt mit jedoch fern, weil zwar inhaltlich sehr gut argumentieren, aber bei Gegenwehr einiger Diskussionsteilnehmer auch nicht immer auf der inhaltlichen Linie bleiben. (Ich auch nicht! Bin manches Mal zu polemisch.)
      Aber eins ist mit aufgefallen: Dass Sie sehr oft bei Diskussionsgegnern auch auf die Personen losgehen, während Sie selbst bei Bedarf - vielleicht um nicht Ihr Gesicht zu verlieren - persönlich werden. Das ist menschlich, aber wäre viel sympathischer, wenn Sie sich nicht selbst häufig den Heiligenschein der „Fairness“ verpassen würden. Denn in vielen Beiträgen (z.B. die Corona-Artikeln u.a. ) schreiben Sie hervorragend gut, sachlich und satirisch. Unbeliebt sind bei Ihren Artikeln und Kommentaren oft nur die oben genannten Instrumentarien bei Diskussionsgegnern.

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    6. Ich habe das auf Facebook beantwortet.

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