Vom gefährlichen Klospülen

Ich gestehe, gestern Nacht wieder mal „Nuhr im Ersten“ geguckt zu haben. In einer seiner Moderationen sprach der Kabarettist ein Thema an, das uns allen zu denken geben sollte: das richtige Verhalten auf dem Klo. Denn, so sein Hinweis auf die alarmierende Botschaft eines Experten: Wir spülen falsch!

Ich habe das natürlich sofort recherchiert:

Die Belehrung kommt vom gelernten Förster Peter Wohlleben, der seit 2007 Bücher veröffentlicht, die wie „Das geheime Leben der Bäume“ Bestseller wurden. Der wissenschaftliche Gehalt seiner Werke wird teilweise bezweifelt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Wohlleben

Derzeit gibt er dem „stillen Örtchen“ eine Stimme.

Aktuell titelt die WELT: „Die meisten Leute spülen auf der Toilette falsch“. Laut Wohlleben der Hintergrund: Beim Spülen stiegen Luftbläschen auf, und in diesen Aerosolen blieben Bakterien bis zu sechs Stunden aktiv. Das ist wohl Material für das neueste Buch des Autors: „Bakterien – die heimlichen Helden“.

Als wirksame Maßnahme empfiehlt der Experte das Schließen des Klodeckels vor dem Spülgang: „Das reduziert die Belastung um das 14‑Fache.“

https://www.welt.de/vermischtes/article6a041b91761b8b46253f047a/peter-wohlleben-bestseller-autor-warnt-vor-hygienischem-super-gau-auf-oeffentlichen-toiletten-die-meisten-spuelen-falsch.html 

Na ja, streng genommen kann man gar nichts um das Mehrfache reduzieren – aber der Mann ist ja Förster und kein Germanist.

Von der Sensationsmeldung bin ich nicht so ganz überzeugt: Wenn man derartig spült, bleibt die Pampe halt auf der Innenseite des Klodeckels kleben, den man dann erstmal desinfizieren sollte. Es ist alles sehr schwierig...

Immerhin könnte man sich ja die Hände waschen – und falls Seife da ist, diese auch verwenden. Das scheint aber unbeliebt zu sein, so Untersuchungen der „Klo-Festspüle“:

Nach einer aktuellen Studie britischer Wissenschaftler in einem dänischen Krankenhaus verzichten 43,7 Prozent der Toiletten-Gäste auf das nachherige Händewaschen.

Das bestätigt auch Annette Eichhof-Muley, die in NRW Toilettenwagen vermietet und auch selber als Klofrau arbeitet, und fügt hinzu: „Das liegt natürlich schon auch an der Veranstaltung, aber im Großen und Ganzen würde ich sagen: Die Männer benutzen das Waschbecken wesentlich weniger als die Frauen."

https://www1.wdr.de/nrw/toilette-haendewaschen-hygiene-bakterien-100.html

Tangotänzerinnen empfehle ich dringend, bei der kuscheligen Umarmung solche Tatsachen zu verdrängen! „Sauber“ und „Saubär“ unterscheiden sich nicht nur in der Schreibweise.

Selber benutze ich höchst ungern öffentliche Toiletten. Deren Beschaffenheit lässt auch auf Tangoveranstaltungen noch sehr viel Luft nach oben. Ich will hier nicht ins Detail gehen – aber es ist schon bizarr, dass angeblich Tangoschritte exakt beherrscht werden, aber der Wurf des benutzten Papierhandtuchs neben dem Abfallkorb landet. Da will man über die sonstige Zielgenauigkeit lieber nicht spekulieren…

Und dass Männer die Klobrille für fest arretiert halten, ist ja Allgemeingut.

Dennoch geht mir der um sich greifende Belehrungs-Journalismus gewaltig auf den Zeiger. Es häufen sich Artikel der Preislage: „Was Sie beim Nudelkochen schon immer falsch gemacht haben“ oder „Drei Fehler beim Salatanrichten“.

Aber dass wir für jeden Scheiß Unterweisung benötigen, ist beim Tango ja Mehrheitsmeinung.

Weitere Quelle:

https://www.noz.de/lebenswelten/gesundheit-fitness/artikel/bakterien-auf-dem-klo-dieser-ort-ist-viel-unhygienischer-50628116

Da könnte man, wie im folgenden Video, zum Schluss kommen: „Hände weg von Männerhänden!“

Doch auch für Tangueros gibt es eine schlechte Nachricht: Das edle Outfit der Damen sagt nichts über ihre hygienischen Maßstäbe aus!


https://www.youtube.com/watch?v=Mu_4OIQIpdg

Kommentare

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