Was man von mir spricht

 

„Wer seine Einzelmeinung wirklich als Privileg empfindet, müsste sie nicht ununterbrochen gegen die Mehrheit in Stellung bringen.“ (Klaus Wendel)

Der Kollege hat nun eine wunderbare Strategie gefunden, um sich mit mir weiter auseinanderzusetzen: Seite 34 seines Abrechnungs-PDF schließt aktuell mit dem letzten Wort: „Es ist wohl alles gesagt.“ Auf Seite 1 lesen wir jedoch: „Dieses PDF wird eventuell gelegentlich noch überarbeitet.“

Ich glaube nicht an Wendels „Ausstieg“. Er wird immer wieder Gründe finden, nachzulegen (aktuell ist Hugo Strasser dran). Und andere auch. Weil man es untragbar findet, mein häretisches Zeug unwidersprochen stehenzulassen. Das ist ja auch in Ordnung.

 Wendels Manuskript finde ich rundum empfehlenswert. Der Autor hat sich tatsächlich eine riesige Mühe gegeben, meinen „öffentlichen Kommunikationsstil“ in aller Länge und Breite zu zerlegen. Ich war selber beeindruckt von meinen finsteren Winkelzügen. Darüber muss das naive Tangovolk aufgeklärt werden!

Nun hatte „Aufklärung“ ja mal eine andere Bedeutung. Kant meinte: „Sapere aude – habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Den Lesenden wird also zugemutet, selber zu denken. Das gilt natürlich nur außerhalb von Glaubensgemeinschaften.

In Klaus Wendels Abhandlung gibt es einen interessanten Absatz (S. 24):

„Am Ende bleibt für mich eine einfache Erkenntnis: Nicht jede öffentliche Auseinandersetzung ist eine Diskussion. Eine Diskussion braucht Widerspruch, aber sie braucht auch die Möglichkeit, dass Widerspruch etwas verändert. Sie braucht die Bereitschaft, Argumente aufzunehmen, Fehler einzuräumen, Begriffe zu klären und die eigene Position dort zu überprüfen, wo sie nicht mehr trägt.“

Das erinnert mich an meine Zeit bei der Katholischen Jugend:

Unsere Arbeit endete damit, dass uns der örtliche Pfarrer aus den kirchlichen Jugendräumen warf (wir hatten es gewagt, nach 21 Uhr noch Tischtennis zu spielen – so jedenfalls die offizielle Begründung). Hausverbot – kennen wir ja vom Tango… Dass wir dann eine Flugblattaktion sowie Unterschriftensammlung organisierten, fand man nicht so prickelnd.

Wir kamen damals mit vielen Geistlichen ins Gespräch, bis hinauf zum Domkapitular. Die meisten waren schlauer: Anbrüllen und Rausschmiss hatten sich nicht bewährt. Man gab sich liberal: Klar könne man diskutieren. Im Endeffekt kam aber stets heraus, dass sie uns auf die kirchen-offizielle Schiene bringen wollten. Mit genau diesem Argument: Es müsse doch etwas „Konstruktives“ herauskommen. Ansonsten ließ die Zuwendung rasch nach.

Auch auf Grund solcher Erfahrungen sage ich: Eine Diskussion dient dem Austausch von Standpunkten. Die Beobachter sollen wissen, wo jede Seite steht, wie sie ihre Auffassungen begründet. Dann kann man sich sein eigenes Bild machen. Aber nicht jede These und Antithese muss zu einer Synthese führen. Schon gar nicht, wenn eine Seite halt ihre Vorstellungen durchdrücken will, weil sie sich für „kompetenter“ hält. Das Ergebnis kann sogar sein, dass die Gegensätze größer sind als vermutet. Auch das dient der Aufklärung.

Man hat lange Zeit versucht, meine Positionen mit Grobheiten zu bekämpfen, mir mit sozialem Ausschluss zu drohen. Vor allem meine Tanzvideos wurden ultimativ abqualifiziert. Auch Juristisches wurde gegen mich in Stellung gebracht. Nachdem das alles nichts geholfen hat, kriegt man nun den Moralischen: Man müsse doch irgendwie auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

Nein, müssen wir nicht!

Wo Standpunkte nicht zur Deckung zu bringen sind, muss man sie nebeneinander stehenlassen. Das sollte in einer pluralistischen Gesellschaft möglich sein. Ich sehe jedenfalls nichts Schlimmes daran.

 Wendel schreibt, ich sei „in vielen Sachfragen längst widerlegt“ – sogar durch die Realität. (S. 2). Wozu dann noch dieser Aufwand?

 Eine Diskussionspartnerin des Kollegen (die ihren Namen vorsichtshalber verschweigt) schreibt:

„Es geht Gerhard ausschließlich um sich selbst und seine Selbstdarstellung, und er

nimmt alles Geschriebene aus der Tangowelt her, um seine Besserwisserei, Schlagfertigkeit, Witzigkeit etc. darin zu betätigen. Jede noch so logische Widerlegung prallt an ihm ab, denn er findet immer einen dummen Witz dazu, um sie abzutun.“

Die Dame hat damit Zutreffendes erkannt: Ich betreibe ein sehr persönliches Blog, das meine individuellen Erfahrungen und Sichtweisen darstellt. Aber offenbar macht man sich im Tango weniger verdächtig, wenn man das nachplappert, was „alle sagen“. Wenn’s geht, anonym.

Und ja: Ich möchte meine Leser zum Lachen bringen. Dass dies nicht bei allen gelingt, liegt auch an dem Bierernst, mit dem man hierzulande Tangofragen erörtert. Gut – damit hat mein Blog ein Alleinstellungsmerkmal.

Man wirft mir vor, „nicht debattieren“ zu wollen. Da ist was dran: In erster Linie möchte ich unterhalten. Ich meine, das tut dem Tango besser als endlose Debatten – zumal mit Leuten, die eh behaupten, die große Mehrheit hinter sich zu haben. Selber beruft man sich auf die „normale Milonga“. Damit ist klar, wer die Normen setzt. Es wird so getan, als seien die heutigen Veranstaltungen Resultat eines natürlichen Evolutionsprozesses. Da ich dabei war, sage ich: Da wurde der Selektion öfters kräftig nachgeholfen. Eines der vielen Beispiele wird hier beschrieben:

https://milongafuehrer.blogspot.com/2016/06/gastbeitrag-von-peter-und-alessandra.html

Gut – nun wurden wir auf bislang 34 Seiten über meinen bösen Charakter aufgeklärt. Weiteres ist zu befürchten. Über eine zu schwache Verbreitung muss sich niemand sorgen. Im April hat mein Blog mit über 37000 Aufrufen einen neuen Rekord aufgestellt.

Daher kann ich nur sagen: Weiter so!

Quelle: https://www.tangocompas.co/wp-content/uploads/2026/05/Gerhard-Riedl-und-die-Debatte-als-Buehne-02.05.2026.pdf

Se dice de mí  was man von mir spricht: Auch Tita Merello meint: „Yo soi así“ – „So bin ich halt“!

 

https://www.youtube.com/watch?v=x9fVFf0X7lY

Kommentare

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