Das andere Rechts
In einer englischsprachigen Diskussions-Plattform fand ich eine sehr amüsante Anfrage eines Tanzschülers:
„Ich war in einer Gruppe von absoluten Anfängern, und die Tanzlehrerin brachte uns einen einfachen Walzer bei. Mir fiel jedoch schnell auf, dass das, was sie uns sagte, sich von ihren tatsächlichen Bewegungen unterschied. Ich bemerkte, dass mehrere Schüler zusammenstießen, weil einige von ihnen ihr zuschauten und sie nachahmten, während andere auf ihre Anweisungen hörten.
Außerdem fiel mir auf, dass sie die ‚Kombinationen‘ (…) plötzlich änderte, was dazu führte, dass noch mehr Leute zusammenstießen, weil sie an die Bewegungen der vorherigen Runden gewöhnt waren.
Ich möchte ihr nicht vorwerfen, schlecht oder böswillig zu sein, aber ich weiß, was ich gehört habe, und mir fiel auf, dass mehrere andere Schüler sie nur beobachteten, anstatt nach vorne zu schauen und auf ihre Anweisungen zu hören.
Hat jemand anderes so etwas schon einmal erlebt? Die ganze Situation war mir äußerst unangenehm.“
Zusammenstöße nicht nur auf der üblichen Piste, sondern sogar im Kurs? Heilige Ronda – wie kann das sein?
Ein Kommentator bringt etwas mehr Licht auf die Fläche:
„Ob man nun ungewollt ‚links‘ und ‚rechts‘ beim Sprechen und beim Tun verwechselt, die Anweisungen zum ‚Führen‘ und ‚Folgen‘ durcheinanderbringt oder nicht weiß, was im Spiegel und was im Raum vor sich geht – es gibt unzählige Möglichkeiten, wie ein Tanzlehrer Fehler machen kann, ohne dass er es böse meint
Ich war nicht dabei, daher kann ich dir keine definitive Aussage treffen; ich wollte nur sagen, dass es manchmal einfach schwierig ist, zu unterrichten. Ich würde gerne glauben, dass es sich um eine erfahrene Tänzerin handelt, die einfach noch nicht sehr lange unterrichtet und daher noch nicht daran gewöhnt ist, die Dinge aus der anderen Perspektive zu erklären, und die noch dabei ist, ein Gespür dafür zu entwickeln, wann und wie sie die Abläufe in einem Kurs ändern sollte
(Ich hatte auch schon mehr als einen guten Lehrer, der unter einer gewissen Form von Legasthenie litt und trotz seiner langjährigen Erfahrung als Lehrer immer wieder Probleme hatte, die Begriffe ‚links‘ und ‚rechts‘ richtig zu verwenden.)“
Quelle: https://www.reddit.com/r/ballroom/comments/1aizsr1/had_an_uncomfortable_experience_with_a_dance/
Dazu kommt, dass sich auf dem Weg von der Netzhaut zu den Sehfeldern der Großhirnrinde die Sehbahnen noch teilweise überkreuzen. Es ist echt kompliziert!
Die Verwechslung der Richtungen kenne ich auch als Beifahrer, wenn eine Frau am Steuer sitzt. Wenn sie dann rechts abbiegt, obwohl ich „links“ vorschlug, korrigiere ich das gerne mit der Bemerkung: „Ich meinte das ‚andere Rechts‘.“
Nun wollen wir uns natürlich von sexistischen Kommentaren fernhalten. Weibliche Fahrer reagieren in der Regel wenigstens auf Ratschläge, während Männer am Steuer sie meist komplett ignorieren.
Aber der Text gibt mir Gelegenheit, wieder einmal herzlich darum zu bitten, beim Vorführen auf das ellenlange Gequatsche zu verzichten. Im Tanzunterricht fühlen sich gerade Männer meist eh überfordert. Dann noch zwei Sinne gleichzeitig zu aktivieren, stürzt der Herren meist vollends ins Chaos. Da ist es fast schon egal, dass die Tanzlehrerin dann auch noch die Richtungen verwechselt! Vielleicht auch, weil sie die Schritte ausnahmsweise mal aus der weiblichen Perspektive beschreibt.
In Kurzform: Klappe halten, zugucken, selber probieren!
Als Beifahrer kann man Frauen am Steuer auch auf elegantere Weise nerven. Bei unserem Navi kann man wahlweise eine Männer- oder Frauenstimme einstellen. Fahrerinnen teile ich dann gerne mit, wieso ich den männlichen Sprecher bevorzuge: Der gibt jede Anweisung nur einmal!
Weitere 148 Artikel zum Thema „Frauen und Männer“ finden Sie auf dem Blog in der Sidebar links… nein, das andere Links!
P.S. Da freut sich natürlich der Macho…
https://www.youtube.com/shorts/V_Zt_tTp2Ds
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