Tanz- und Bananenverordnungen

„Tango-Regeln… Wozu dienen sie?“ ist der Titel einer sehr interessanten Zusammenstellung, die offenbar von der argentinischen Tangolehrerin Laura Grandi stammt, welche für sich über 20 Jahre Tango-Erfahrung reklamiert und in Boston (USA) aktiv ist:

https://www.tangograndi.com/

In einer Art Präambel sagt uns Frau Grandi schon mal, was wir nicht meinen sollten:

„Sicherlich denken viele von euch, dass es altmodisch und unhöflich ist, aber viele dieser Regeln entspringen dem gesunden Menschenverstand und helfen den Tänzern, den Raum, den wir gemeinsam nutzen, zu organisieren. Die Regeln sind zu hundert Prozent funktional und können uns das Leben erleichtern, wenn wir sie richtig anwenden.“

Nun also zum Vorschriften-Katalog (von mir übersetzt):

„Führende, welche die Tanzfläche betreten, während andere tanzen, sollten Blickkontakt mit dem Führenden aufnehmen, vor dem sie sich einreihen möchten.

• Teilt euch die Tanzfläche verantwortungsbewusst.

• Führende sollten auf die Paare in ihrer Umgebung achten.

• Tanzt im gleichen Tempo wie das Paar vor euch.

• Haltet Abstand zum Paar vor euch; wenn möglich, lasst zwei Schritte Abstand zwischen euch und dem Paar vor euch.

• Nutzt jede Lücke vor Ihnen, damit die Paare hinter euch Platz haben, vorwärts zu kommen.

• Passt den Platzbedarf an die Belegung der Tanzfläche an.

• Wenn die Tanzfläche sehr voll ist, macht kleine Schritte, haltet die Füße auf dem Boden (z.B. keine hohen Boleos) und lasst keine großen Lücken zwischen euch und anderen Paaren. Wenn die Tanzfläche weniger überfüllt ist, vergrößere den Abstand zwischen den Paaren, und du kannst Schritte wählen, die mehr Platz beanspruchen.

• Längere Pausen einzulegen, um zahlreiche Tanzfiguren auszuführen, ist unhöflich, da dies den Tanzfluss unterbricht und die Führenden hinter dir frustriert.“

Überholt ein Paar nur unter extremen Umständen.

• Wenn ein Paar vor euch stehen bleibt, seid geduldig und tanzt auf der Stelle, bis es weitergeht. Wechselt nicht die Tanzreihe. Kurvt nicht nicht zwischen den Reihen hin und her.

• Quert niemals die Tanzfläche. Geht niemals rückwärts gegen die Tanzreihe.“

Es folgen „Codes Tips“ – in einem noch längeren Text. Bei Interesse die Quelle benutzen!

Nehmen wir noch die abschließende Ermahnung zur Kenntnis:

„Heutzutage hört man oft, dass die Regeln sexistisch seien oder keinen Sinn ergäben, aber wenn wir genau hinschauen, ermöglichen sie es uns, gemeinsam zu entscheiden, was beide (Führende und Folgende) tun möchten, und dabei die Entscheidung des anderen respektvoll zu berücksichtigen. Manche Regeln können je nach Kontext variieren, aber es ist immer gut zu wissen, dass es sie gibt und dass sie geschaffen wurden, um die Ordnung auf der Tanzfläche aufrechtzuerhalten und den gemeinsamen Moment respektvoll zu genießen.“

Quelle: https://www.tangograndi.com/tango-codes-what-are-they-for

Ach, sinnlos und sexistisch… nein.

Mich erschlägt nur die Fülle. Die biblischen Zehn Gebote – ich hab’s gerade durchgezählt – kommen mit zirka 80 Wörtern aus.

Die (bis jetzt) 29-seitige Abhandlung von Klaus Wendel über meine Fehler als Autor dürfte es auf knapp 15000 Wörter bringen.

Die „Verordnung (EWG) Nr. 404/93 des Rates vom 13. Februar 1993 über die gemeinsame Marktorganisation für Bananen“ ist ebenfalls höchst umfangreich. Wer will, kann ja mal nachzählen:

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:31993R0404

Der Spaß dürfte bei alledem begrenzt sein.

Wer sich – trotz des hohen Alters – noch an seinen ersten Kuss erinnert, wird wissen: Die schönsten Dinge im Leben sind sehr einfach.

Man kann es aber auch außerhalb des Tango wunderbar kompliziert machen, beispielsweise in einem „Kuss Workshop“. Original-Zitat:

„Massiert euch die Lippen, putzt die Zähne, holt das Mundspray raus. Diese Folge wird oral!“

https://konsenskultur.net/blog/podcast-knutschen-lecken-beissen/

Und sollte die Leidenschaft überkochen, empfehle ich das Studium der Tango-Regeln

Zum Abschluss und Thema einer meiner gefürchteten Lieblingswitze:

Das israelische Volk wartet am Fuße des Berges Sinai auf seinen Anführer Moses, der sich zu Verhandlungen mit dem lieben Gott auf den Gipfel begeben hat. Als er schließlich wieder herunten ist, wird er nach dem Stand der Dinge befragt: „Unmöglich, das sind über hundert Gebote“ – so die Auskunft. Man ist sich einig: Viel zu viele, also nachverhandeln!

Als Moses zum zweiten Mal abgestiegen ist, meldet er eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: „Ich hab ihn heruntergehandelt auf zehn.“ Und die schlechte? „Ehebruch ist immer noch dabei.“

Und hier noch ein Wettbewerb: „Wer küsst am schönsten?“ Der Sinngehalt entspricht etwa dem von „Tango-Meisterschaften“:

https://www.youtube.com/watch?v=i-g2S3dAZyw

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