Als man mich mal tanzen sehen wollte
Meine Kritik an einem inzwischen deutlich bejahrten argentinischen Tangolehrer hat hohe Wellen geschlagen: Hätte der Maestro sintemalen die Einladung zu einer Tanzvorführung annehmen sollen oder schlug er sie mit Recht aus? Dass diese hochwichtige Frage ein solches Echo hervorrufen würde, hätte ich mir nie erträumt:
https://milongafuehrer.blogspot.com/2026/10/wie-es-bei-den-maestros-zugeht.html
Aktuell war sie für Klaus Wendel Anlass für eine Zusammenstauche der Extraklasse:
https://www.tangocompas.co/wenn-der-milongafuehrer-dem-maestro-tango-erklaert/ (Update 24.10.)
In diesen Kriegswirren fiel mir ein eigenes Erlebnis ein, an das ich mich nur noch ansatzweise erinnern kann – wahrscheinlich habe ich da manches verdrängt:
Sicher bin ich mir, dass wir bei einer Art „Atelierfest“ eines Kunstladens zu einer Buchlesung eingeladen waren. Meines Wissens wurden Tangobilder ausgestellt. Das Publikum bestand aus Kundinnen und Kunden des Geschäfts – Tangobezug hatten die wenigsten. Ob mir das hätte vorher klar sein sollen, weiß ich nicht mehr.
Nach meinem Auftritt, der eher mäßig ankam, wurde ich von einem Tangobekannten, der das Ganze eingefädelt hatte, coram publico gefragt, ob ich denn nicht mal einen Tango vortanzen wolle.
Meiner Erinnerung nach ging der Tonfall in die Richtung: „Wenn du schon so gescheit daherredest…“
Klar – die Anwesenden waren neugierig. Schon deshalb, weil viele vom Tango keine Ahnung hatten und diesen exotischen Tanz endlich mal sehen wollten. Und mir war bewusst: Ich konnte nicht kneifen, ohne unglaubwürdig zu erscheinen. Wen ich zu meiner Tanzpartnerin ausersehen hatte, weiß ich nicht mehr. Viel spricht dafür, dass meine Gemahlin dazu herhalten musste.
Zur Erinnerung: Wir befanden uns in einer Zeit, wo im Zweifel jedes rhythmische Geräusch notfalls als Tango verstanden wurde. Was mein Tangobekannter seiner Klangbox entlockte, gehörte jedenfalls zu dieser Musikgattung. Ob ihn dabei böse Absichten trieben, weiß ich nicht.
Immerhin wurde ich gefragt, ob das angespielte Stück passe. Hoffnungsvoll fragte ich nach einer Alternative, die jedoch ähnlich schrecklich klang. Mir war nun klar: Den dritten Titel durfte ich nicht ablehnen, ohne Zweifel an meinen Fähigkeiten zu säen! Leider war es ein ähnlich hektisches Gequietsche.
Die nächsten paar Minuten haben sich unauslöschlich in mein Gedächtnis gebrannt: Wir versuchten, Tangobewegungen bei Klängen zu verüben, die sich anhörten, als ob die Hauskatze auf einem Keyboard herumhüpft.
Der Erfolg unserer Darbietung war überschaubar: Wahrscheinlich blieb bei den Neulingen im Publikum der Eindruck, Tango sei ein Tanz, bei dem Irre in Richtung Stockhausen hasteten. Folglich war an Buchverkauf nicht mehr zu denken.
Wir machten uns dann alsbald aus dem Staub und auf den ziemlich langen Heimweg. Man kann halt nicht immer gewinnen!
Ich habe über dieses Erlebnis öfters nachgedacht: Hätte ich damals ein Vortanzen zu solcher Musik kategorisch ablehnen sollen? Bei diesen Klängen hätten das viele Anwesende wohl verstanden.
War es Ehrgeiz, der mich trieb, mich auf ein solches Gedöns einzulassen? Wahrscheinlich wollte ich zeigen, dass man mich auch damit nicht aus der Bahn werfen konnte. Hoffentlich blieb wenigstens der Eindruck einer gewissen Tapferkeit!
Von Friedrich Dürrenmatt stammt der Satz:
„Im Grunde ist jede künstlerische Arbeit ein Wagnis, und man muss auch das Scheitern wagen. Wer das Scheitern nicht wagt, der soll die Hände von der Kunst lassen.“
P.S. Sollte es „Zeitzeugen“ geben, die damals dabei waren und sich noch an Konkreteres erinnern können, wäre ich für eine Nachricht sehr dankbar!![]() |
| Illustration: www.tangofish.de |


Na ja, diese „Zusammenstauche“ scheint Ihnen ja schlaflose Nächte zu bereiten, wenn Sie noch um drei Uhr morgens darüber brüten.
AntwortenLöschenÜbrigens scheint mir das der erste Anflug von Selbstzweifeln zu sein, den ich jemals bei Ihnen gelesen habe. Der Unterschied zu einem Profi wie Eduardo Arquimbau besteht offenbar darin, dass Sie der Verlockung eines öffentlichen Auftritts nicht widerstehen konnten, obwohl Sie damit ein Scheitern riskierten. Und genau so kam es dann auch.
Klaus Wendel
Ich habe das Ganze damals nicht als „Scheitern“ empfunden, sondern als Erfahrung, wie man auch unbequeme Situationen durchstehen kann.
LöschenWas mir bei Ihnen immer wieder auffällt: Sie scheinen von riesigen Versagensängsten geplagt zu sein. Ständig diese Furcht, sich zu „blamieren“, die Sie dann auf andere projizieren.
Seien Sie halt mal locker – Tango ist nur ein Tanz, er bedeutet keine Lebensgefahr!
Das nenne ich gelungene Satire: "Ich habe das Ganze damals nicht als „Scheitern“ empfunden, sondern als Erfahrung, wie man auch unbequeme Situationen durchstehen kann." Dann weiter: "Ständig diese Furcht, sich zu „blamieren…[.]“ - Natürlich, was denn sonst? Und das sagt ausgerechnet die Person, die in ihrer gesamten Bloggerlaufbahn aus Angst vor Blamage noch nicht einen einzigen Fehler eingestehen konnte. Sie sind wirklich manchmal komisch, aber leider dann unfreiwillig.
LöschenWerner Pispers
Wenn Sie den Text (das sind die Buchstaben über den Kommentaren) gelesen hätten: Es war sicherlich ein Fehler, sich auf diese Einladung einzulassen.
LöschenAber wenn Sie noch einen Fehler finden - nur zu. Ich werde ihn - Ihnen zuliebe - einfach zugeben. Ich kann nämlich Krokodile nicht weinen sehen.
Also, Herr Riedl, Sie projizieren jetzt auf mich, dass ich Ihre Versagensängste auf Sie projiziere?
AntwortenLöschenMerken Sie eigentlich noch, wie absurd das wird?
Klaus Wendel
Wenn man seit vielen Jahren ein Blog wie dieses führt, darf man garantiert keine „Versagensängste" haben. Sonst steht man die Reaktionen nicht durch.
LöschenIch denke in Ihrem Blog sind eher die Leser die Leidtragenden.
AntwortenLöschenAch, Sie Armer - welcher böse Mensch hat Sie gezwungen, mein Blog anzusehen? Skandal!
LöschenSchade, das Ihnen die angebotene Musik nicht gepasst hat. War wohl zu modern, gell? Oder war sie zu kompliziert? Auf jeden Fall für Herrn Riedl untanzbar.
AntwortenLöschenDämmert es Ihnen, Herr Riedl? Ich fürchte, nein.
Wir haben ja zu der Musik getanzt! Ich konnte unmöglich kneifen - bin ja kein argentinischer Tangostar...
LöschenWährend der Musik, Herr Riedl nicht zu der Musik!
LöschenWaren Sie damals dabei? Oder sind das Reflexe aus dem "Reptiliengehirn"?
LöschenOh, jetzt muss man also dabei gewesen sein, um etwas beurteilen zu können? Sie scheinen dazuzulernen, Herr Riedl. Das ist doch genau das, um das man Sie ständig bittet.
AntwortenLöschenBei manchen Kommentatoren würde es mir schon reichen, wenn sie bei sich wären.
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