Was aus den Wiesen steiget
Tanzen Tangolehrkräfte auch mal mit ihren Schülerinnen und Schülern? Ich habe das nur selten erlebt. Lieber zeigen sie in zahllosen Videos, dass sie es selber können.
Vom Blogger-Kollegen Helge Schütt wurde ich kürzlich belehrt, diese meine Behauptung habe „nichts mit der Realität zu tun“. Dazu nennt er einige Paare aus seiner Region, die auf den Milongas sehr wohl mit den Lernenden tanzten.
Wenn dem so ist, freut es mich natürlich. Bildmaterial bietet Herr Schütt dazu nicht an.
Jedenfalls behauptet Helge, er schreibe deshalb so wenig auf seinem Blog, weil er nicht genug Fantasie habe, sich ständig einen solchen Unsinn auszudenken wie ich. Nun, das wäre ja nicht Bedingung. Er könnte ja auch mal etwas Sinnvolles publizieren. Vielleicht findet er ja sogar ein Thema, das nichts mit mir zu tun hat.
https://helgestangoblog.blogspot.com/2026/05/kurznotiz-44-nachrichten-aus-einem.html
Und schon gar nicht erblickt man Kursteilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Fläche, weder mit noch ohne Lehrende. Sie halten meist nur am Rand ihr Smartphone hoch – falls die Lehrkräfte nicht überhaupt auf diese Staffage verzichten.
Gestern habe ich ein wahrhaft innovatives Tango-Lehrvideo entdeckt: Der Kursleiter tanzt nicht nur (mit einem stummen Weibchen) vor, sondern redet auch noch dabei. Da sind doch beide Kernkompetenzen verwirklicht!
Der Text, den er in Dauerschleife wiederholt, gibt allerdings Rätsel auf. Da bei mir laut Diagnose der HNO-Ärztin eine gering- bis mittelgradige Schwerhörigkeit vorliegt (für die ich auf vielen Milongas dankbar bin), habe ich das Ganze auch zwei gut hörenden Frauen vorgespielt. Das Näherungsergebnis der Damen: „Forward, Saite, backward an die Wand“.
Aber sehen und hören Sie selbst:
https://www.facebook.com/watch/?ref=saved&v=2711441692569525
Bei solchen Sinneseindrücken kann man sich allerdings gewaltig irren. Der Autor Axel Hacke hat das wunderbar in einem Buch beschrieben: „Der weiße Neger Wumbaba“. Es handelt sich um die Verballhornung der berühmten Zeilen des Gedichts „Abendlied“ von Matthias Claudius (1779):
„Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.“
Oder eben: „Der weiße Neger Wumbaba“.
Na gut, immerhin hält sich der Rassismus in Grenzen: Der Schwarze ist ja weiß.
https://de.wikipedia.org/wiki/Abendlied_(Matthias_Claudius)
Zu seinem „Handbuch des Verhörens“ sagt der Autor:
„Im Grunde versteht kaum ein Mensch je einen Liedtext richtig, ja Liedtexte sind überhaupt nur dazu da, falsch verstanden zu werden. Aufgabe eines Liedtexters ist es, den Menschen Material zu liefern, damit ihre Phantasie wirken kann …"
https://www.amazon.de/wei%C3%9Fe-Neger-Wumbaba-Axel-Hacke/dp/3888973678
Solche sprachlichen Verwechsler sind nicht selten: Beispielsweise „brummt“ die Konjunktur heute – statt zu „boomen“. Oder es kommt einem was „nicht aufs Tablett“ (alias „Tapet“). Die Redewendung leitet sich vom französischen „tapis“ (Teppich, Tuch) ab, mit dem früher Verhandlungstische überzogen waren. Nur was auf diesen Tisch kam, wurde offiziell besprochen.
Manche bringen auch etwas „aufs Trapez“.
Pflegen wir daher weiter die hohen Traditionen des „Carpazeo“ und „Abruzzo“ und meiden wir zu hohe „Voleos“. Auf dass der Tango brummt…
Zur zwischenzeitlichen Entspannung empfehle ich Helmut Kohls Vortrag des „Abendlieds“ – genial dargestellt von Dieter Hildebrandt:
https://www.youtube.com/watch?v=dnqKwGetjz4
Zugriffe 28.5.26: 1249

O je, als neuen Kommentator habe ich mir jetzt wohl einen Möchtegern-Psychoanalytiker zugezogen: Gleich drei Zuschriften aus seiner Feder erreichten mich gestern – so aus dem Segment „Küchenpsychologie für Fortgeschrittene“…
AntwortenLöschenLeider blieb er nicht konsistent bei der Schreibweise seines falschen Nachnamens („Heimbrand“ oder „Heimbrandt“).
Solche Kontraste zum supergescheiten Geschwätz kitzeln mein Satire-Gen erheblich!