Vom gegnerischen Unterlassen
Wer wollte, konnte es zur Kenntnis nehmen:
Am 20.3. dieses Jahres erhielt ich – für mein Blog nach über 12 Jahren eine Premiere – die „strafbewehrte Unterlassungserklärung“ einer Anwaltskanzlei. Der Grund: Ein, äh, Kollege fühlte sich durch mein ruchloses Tun in seiner Ehre verletzt. Da Anwälte zwar manchmal vergeblich, aber nie umsonst arbeiten, wollte man schlappe 572,21 € von mir haben.
Ich habe den Betrag innerhalb von 3 Tagen überwiesen und die verlangte Erklärung übersandt. Warum? Weil ich nicht vorhatte, mich die nächsten paar Jahre mit juristischen Haarspaltereien zu beschäftigen, welche dicke Aktenordner füllen. Ich schreibe lieber gute Artikel.
Wer den damaligen Stand nachlesen möchte:
https://milongafuehrer.blogspot.com/2026/05/vom-strafbewehrten-unterlassen.html
Seither hüllt sich die gegnerische Seite in Schweigen. Seit über 2 Monaten also. Weder erhielt ich eine Bestätigung noch die angebotene Gegenerklärung ihres Mandanten, die für ihn wohl kostenlos war. Also – gar nix. Klar, das Geld haben sie ja. Und vom Beschwerdeführer kam erst recht nichts.
In einem Begleitschreiben an den gegnerischen Anwalt habe ich damals angemerkt:
„Wenn die Maßstäbe, die Sie in Ihrem Schriftsatz anlegen, auch für Fernsehsendungen wie die ‚Heute Show‘ gelten würden, müsste das an jedem Sendetermin zu einer ganzen Serie von Abmahnungen führen. Die äußerst liberale ständige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts in Sachen Meinungs- und Pressefreiheit ist Ihnen ja sicherlich geläufig.“
Keine Reaktion. Na gut, dann halt nicht… Ich amüsiere mich nur köstlich, wenn im Tango mal wieder jemand vom „achtsamen Umgang“ schwobelt…
Interessant finde ich die damalige Einschätzung des gegnerischen Anwalts:
„Die betreffenden Äußerungen sind geeignet, das Ansehen unseres Mandanten nachhaltig zu beschädigen und sein berufliches Wirken in der Öffentlichkeit zu beschädigen.“
Hierzulande scheint es also verboten zu sein, Geschäfte zu stören. Auch im Tango. Hatten wir uns ja gleich gedacht…
Ich kann dazu nur sagen: Das ganze Geschrei begann ja sintemalen mit meinem Tangobuch, in dem sich nicht ein einziger persönlicher Angriff findet. Die Folge: Ganze Serien von öffentlichen Attacken, die sich gegen meine Person richteten. Die gipfelten vor einiger Zeit in dem unsäglichen Vorschlag, mein Buch zu verbrennen. Das mit historischen Ereignissen in Verbindung zu bringen scheint ein Grund für Unterlassungs-Verlangen zu sein.
In meinen Veröffentlichungen habe ich mich stets bemüht, die Sache und nicht die Person in den Vordergrund zu stellen. Das zu trennen ist manchmal schwierig und gelingt nicht immer.
Ich überlege mir stets sehr genau, was ich schreibe. Daher habe ich es auch nicht nötig, ständig „Nachträge“ und andere Ergänzungen vorzunehmen oder Artikel immer wieder aus dem Verkehr zu ziehen.
Wenn man aber sogar versucht, die Justiz gegen mich in Stellung zu bringen, macht mich das erst richtig munter. Man wird mein Blog nicht kleinkriegen. Niemals.
Kommt da noch was? Sicherlich gilt die alte Anwalts-Formel:
„Schaun wir mal, was der Gegner schreibt.“![]() |
| Foto: www.tangofish.de |

Lieber Herr Riedl,
AntwortenLöschenda Sie in Ihrer letzten Antwort angeregt haben, man könne Herrn Wendel auch einmal loben, möchte ich diesem Wunsch gern entsprechen. Ich lobe ihn dafür, dass sein PDF „Gerhard Riedl und die Debatte als Bühne – Eine persönliche Einordnung seines öffentlichen Kommunikationsstils“ ein erstaunlich präzises Instrument zur Beschreibung Ihres öffentlichen Kommunikationsverhaltens bietet.
Als ich erstmals darauf stieß, war ich zunächst skeptisch. Ich wollte selbst prüfen, ob die dort beschriebenen Muster tatsächlich nachweisbar sind. Diese Prüfung hat sich allerdings schnell erledigt. Die Bestätigung liefern Sie fortlaufend selbst – zuletzt in Ihrer Kommentarspalte.
Nun also dieser Satz:
„In meinen Veröffentlichungen habe ich mich stets bemüht, die Sache und nicht die Person in den Vordergrund zu stellen. Das zu trennen ist manchmal schwierig und gelingt nicht immer.“
Schon diese Formulierung enthält den inneren Widerspruch Ihrer Selbstbeschreibung. Einerseits reklamieren Sie Sachorientierung, andererseits räumen Sie ein, dass Ihnen die Trennung von Sache und Person nicht immer gelingt. Genau dort setzt die Kritik an Ihrem Kommunikationsstil an.
Wer Wendels PDF gelesen hat, findet dort eine Analyse wiederkehrender Verfahren: Verschiebung von der Sache auf die Person, ironische Delegitimierung von Kritikern, Zuschreibung fragwürdiger Motive, Umdeutung von Einwänden in Befindlichkeiten und nachträgliche Absicherung problematischer Zuspitzungen durch den Verweis auf Satire, Unterhaltung oder Meinungsfreiheit.
Das Entscheidende ist: Diese Analyse muss man nicht künstlich konstruieren. Ihre eigenen Texte liefern das Material.
Ich habe mir inzwischen auch den ursprünglichen Zusammenhang Ihres „Bücherverbrennungs“-Szenarios angesehen. Nach meiner Einschätzung als promovierter Jurist – wobei ich auf den Titel hier keinen Wert lege – war die anwaltliche Reaktion keineswegs abwegig. Wer eine polemische Bemerkung über ein Buch in die Nähe historisch schwer belasteter Vorgänge rückt, verlässt die Ebene bloßer Sachkritik und berührt die persönliche Reputation des Betroffenen.
Sie haben die Erklärung abgegeben und den Betrag gezahlt. Ob Sie das als Vernunftentscheidung darstellen oder nicht, ändert nichts daran, dass Sie die Angelegenheit faktisch akzeptiert und beendet haben.
Dass Sie nun beklagen, die gegnerische Anwaltskanzlei habe auf Ihr Gegenschreiben nicht reagiert, wirkt eher naiv. Ein gegnerischer Anwalt ist nicht dazu da, mit Ihnen eine öffentliche Grundsatzdebatte über Meinungsfreiheit und Satire zu führen. Er vertritt seinen Mandanten. Zudem liegt bei Ihrer publizistischen Arbeitsweise der Verdacht nahe, dass jede weitere Korrespondenz wieder als Material für einen Blogartikel gedient hätte. Ihr aktueller Beitrag bestätigt diese Erwartung eher, als dass er sie entkräftet.
Auch Ihre Darstellung, man wolle Ihr Blog „kleinkriegen“, folgt einem bekannten Muster der Selbststilisierung. Aus einer konkreten Reaktion auf eine konkrete Äußerung wird die Erzählung vom bedrohten Autor. Niemand muss Ihr Blog kleinkriegen. Es würde genügen, wenn Sie die Grundregeln fairer Kommunikation konsequenter beachteten.
Der Widerstand gegen Ihre Texte richtet sich nach meiner Wahrnehmung nicht primär gegen abweichende Meinungen. Er richtet sich gegen Tonfall, persönliche Rahmungen, Herabsetzungen und die Art, wie Sie mit Kritikern umgehen. Wer Ihnen widerspricht, wird häufig nicht argumentativ beantwortet, sondern kommunikativ einsortiert: als humorlos, empfindlich, geschäftlich motiviert oder sonst wie nicht satisfaktionsfähig.
Genau darin liegt das Problem.
Mit freundlichen Grüßen
Paul Haug
Nun erreichte mich via E-Mail ein Kommentar von Paul Haug:
AntwortenLöschenLieber Herr Riedl,
Ich benutze ich diese Email-Adresse, die Sie ja als weitere Option der Kontaktaufnahme in Ihrem Blog zur Verfügung stellen.
Obendrein, weil ich zur Kenntnis nehme, dass Sie meinen Kommentar zu Ihrem Artikel nicht veröffentlicht haben
Das ist selbstverständlich Ihr gutes Recht. Es passt allerdings nur mäßig zu der Großspurigkeit, mit der Sie sonst Ihre publizistische Unerschrockenheit, Ihre Meinungsfreiheit und Ihre Bereitschaft zur Debatte ins Schaufenster stellen.
Mein Kommentar war kein persönlicher Angriff, sondern eine sachliche Replik auf genau das Thema, das Sie selbst öffentlich eröffnet haben: die Abmahnung, das Verhalten des gegnerischen Anwalts, Ihre Deutung dieses Vorgangs und vor allem Ihre Behauptung, man wolle Ihr Blog „kleinkriegen“.
Gerade diese Behauptung halte ich für falsch. Nach meinem Eindruck richtet sich die Kritik an Ihnen nicht gegen die Existenz Ihres Blogs und auch nicht gegen Ihr Recht, abweichende Meinungen zu vertreten. Sie richtet sich gegen Ihren Kommunikationsstil: gegen persönliche Rahmungen, gegen herabsetzende Seitenbemerkungen, gegen die Verschiebung von der Sache auf die Person und gegen die Art, wie Sie mit unbequemer Kritik umgehen.
In diesem Zusammenhang ist auch eine frühere Bemerkung von Ihnen aufschlussreich, die durch Ihr jetziges Verhalten eine eigene Pointe bekommt:
„…es ist schon komisch: Nun wird mir laufend in Kommentaren, die ich veröffentliche, vorgeworfen, keine Kommentare zu veröffentlichen:“
(https://milongafuehrer.blogspot.com/2026/05/von-einem-einzigartigen-geschaft.html?showComment=1779289722836#c7473908457622523097)
So ganz abwegig scheint dieser Vorwurf also nicht zu sein. Wenn solche Hinweise wiederholt auftauchen, könnte man auch einmal prüfen, ob dahinter nicht mehr steckt als bloße Böswilligkeit Ihrer Kritiker. Mein nicht veröffentlichter Kommentar fügt sich jedenfalls recht gut in dieses Bild.
Er widersprach keinem Nebenaspekt, sondern dem Kern Ihrer Darstellung. Er bezog sich auf Ihren Artikel, auf Ihre Argumentation und auf Ihre eigene Formulierung, Sie hätten sich stets bemüht, die Sache und nicht die Person in den Vordergrund zu stellen.
Wenn ein solcher Kommentar nicht erscheint, entsteht ein ziemlich klares Bild: Sie fordern Debatte, solange Sie die Bühne kontrollieren. Sie sprechen von Meinungsfreiheit, solange es um Ihre eigene Zuspitzung geht. Sie beklagen mangelnde Reaktionen anderer, lassen aber eine inhaltliche Gegenrede auf Ihrem eigenen Blog nicht zu.
Das ist nicht souverän.
Man kann einen Kommentar ablehnen, wenn er beleidigend, rechtswidrig oder völlig themenfremd ist. Mein Kommentar war nichts davon. Er war kritisch, aber zur Sache. Er nahm Ihr Thema auf und widersprach Ihrer Selbstdarstellung. Genau dafür sollte eine Kommentarspalte eigentlich da sein – jedenfalls dann, wenn man sie nicht nur als Kulisse für Zustimmung und gefällige Stichworte versteht.
Angesichts Ihrer öffentlichen Pose vom unbeugsamen Blogger wirkt dieses Ausweichen erstaunlich kleinmütig. Um es offen zu sagen: Wer so viel publizistische Tapferkeit behauptet, sollte auch das Rückgrat besitzen, einen sachbezogenen Widerspruch zu veröffentlichen.
Sie müssen sich nicht wundern, wenn der Eindruck entsteht, dass Sie Kritik vor allem dann mögen, wenn Sie sie anschließend nach Ihren eigenen Regeln verwerten können. Wo sie aber unmittelbar unter Ihrem Text steht und Ihre Darstellung korrigieren könnte, bleibt sie lieber draußen.
Das ist Ihr Hausrecht. Aber es ist eben auch eine Aussage über Ihr Verständnis von Debatte.
Mit freundlichen Grüßen
Paul Haug
Lieber Herr Haug,
Löschennun haben Sie für Ihren falschen Namen sogar eine GMX-Adresse eingerichtet. Das nenne ich sportlich!
Sie sind vielleicht alles Mögliche, aber bestimmt kein studierter Jurist! Sonst hätten Sie die Sache mit den Unterlassungserklärungen kapiert. Ich erwarte von der Gegenseite keine inhaltlichen Stellungnahmen, sondern lediglich die gegengezeichnete Ausgabe meiner Unterlassungserklärung. Erst dann ist die Sache nämlich juristisch ausgestanden.
Ihre weiteren Darlegungen stammen aus der Papageien-Abteilung. Ich habe auf solche Vorwürfe viele Male geantwortet. Daher spare ich mir neuerliche Richtigstellungen.
Mit besten Grüßen
Gerhard Riedl
Hier ein weiterer Kommentar von Paul Haug:
LöschenHerr Riedl,
das übliche Getue mit dem „Lieber Herr“ lassen wir an dieser Stelle besser einmal weg.
Das juristische Prozedere haben Sie in Ihrem Beitrag durchaus beschrieben. Mir war es allerdings auch vorher schon klar. Ich bezog mich nicht auf die technische Frage, wann eine Unterlassungserklärung juristisch abgeschlossen ist, sondern auf Ihre eigene Bemerkung zu Ihrem Begleitschreiben an den gegnerischen Anwalt.
Ich erinnere:
„Wenn die Maßstäbe, die Sie in Ihrem Schriftsatz anlegen, auch für Fernsehsendungen wie die ‚Heute Show‘ gelten würden, müsste das an jedem Sendetermin zu einer ganzen Serie von Abmahnungen führen. Die äußerst liberale ständige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts in Sachen Meinungs- und Pressefreiheit ist Ihnen ja sicherlich geläufig.“
Unmittelbar danach schreiben Sie: „Keine Reaktion.“
Das liest sich nun einmal so, als hätten Sie zumindest auf diesen Teil Ihres Begleitschreibens eine Reaktion erwartet. Wenn Sie jetzt behaupten, Sie hätten gar keine inhaltliche Stellungnahme erwartet, sondern lediglich die gegengezeichnete Unterlassungserklärung, dann steht das zumindest in einer gewissen Spannung zu Ihrer eigenen Darstellung.
Hinzu kommt, dass in Ihrem Text von einer Gegenerklärung die Rede ist. Auch das bleibt unklar. Gemeint war offenbar eine Erklärung des gegnerischen Mandanten. In der Darstellung wirkt es aber so, als sei auch diese Gegenerklärung Teil Ihres eigenen Erwartungshorizonts gewesen.
Vielleicht sollten Sie also etwas vorsichtiger sein, bevor Sie anderen erklären, was sie angeblich nicht verstanden haben.
Im Übrigen ist Ihre Unterstellung, ich hätte unter falschem Namen geschrieben und dafür eigens eine passende GMX-Adresse eingerichtet, keine harmlose Spitze. Sie unterstellen mir damit, unter falscher Identität aufzutreten. Das ist eine konkrete Behauptung über mich, und die sollten Sie im Zweifel auch belegen können.
Dass Sie anschließend auch noch meine Ausbildung in Frage stellen, passt allerdings gut ins Bild. Statt auf den Kern meiner Kritik einzugehen, verschieben Sie die Debatte wieder auf die Person des Kritikers. Genau dieses Muster hatte Herr Wendel beschrieben: weg von der Sache, hin zur Person, damit sich der Kritiker rechtfertigen soll.
Beinahe hätte es sogar funktioniert.
Aber ich sehe es inzwischen wie Herr Wendel, nur bin ich schneller einsichtig: Mit Ihnen zu diskutieren ist sinnlos. Sie reagieren nicht auf das eigentliche Argument, sondern erzeugen Nebenkriegsschauplätze.
Meine Kritik war klar: Es geht nicht darum, Ihr Blog „kleinzukriegen“. Es geht um Ihren Kommunikationsstil. Und Ihre Antwort hat diesen Punkt eher bestätigt als widerlegt.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weiterhin viel Vergnügen beim Zählen Ihrer Zugriffe und bei den Schlussfolgerungen, die Sie daraus ziehen. Ich weiß aus beruflichen Erfahrungen, dass vor allem die Analyse von Blogspot da sehr viel Raum für "optimistische Rückschlüsse" bietet. Die wollen ja ihre Kunden schließlich nicht verlieren. Aber ist doch auch egal: Sie freuen sich und das Publikum auch, aber vermutlich über etwas anderes…
Mit verbindlichen Grüßen
Paul Haug
P. S.: Im Übrigen sind Sie und Ihr Blog Gegenstand einer Internet-Studie. Sie werden noch von mir hören, allerdings in anderem Zusammenhang.
Lieber Herr Haug,
Löschenvon einem promovierten Juristen Ihres (angeblichen) Namens findet sich im Internet nicht die geringste Spur. Von einer solchen Person gäbe es doch sicherlich irgendwelche Texte und Abhandlungen.
Weiterhin wäre es Ihrer behaupteten Stellung schon sehr erklärungsbedürftig, dass Sie sich derartig intensiv mit einem Tangoblog abgeben. Warum denn? Gibt es bei Ihnen überhaupt einen Bezug zum Tango? Das ist schon alles sehr nebulös.
Daher bleibe ich bei der Einschätzung, dass Sie hier – wie zahlreiche andere Kritiker – unter einem Fake-Namen schreiben.
Ja, ich möchte den persönlichen Hintergrund wissen – schon, weil ich dann die Aussagen einschätzen kann.
Gut, dass Sie nun zum Ergebnis gekommen sind, Diskussionen mit mir seien sinnlos. Da stimme ich voll zu und werde daher weitere Kommentare von Ihnen nicht mehr veröffentlichen.
Beste Grüße
Gerhard Riedl