Workshops nach Wunsch
Eine Veranstalterin, die ich für ihre unkonventionelle und entgegenkommende Art durchaus schätze, plant für ihr 5-jähriges Jubiläum im kommenden Jahr eine Reihe von Workshops. Die Neuigkeit: Nun dürfen wir uns sogar Themen dafür raussuchen!
Also, wenn das nichts ist…
Zunächst mal die gesamten Vorschläge in der Übersicht:
„I. Jetzt geht's rund!
Raus aus der Molineten-Routine, rein ins Vergnügen:
1. Struktur der Molinete: Geschwindigkeitswechsel, Interpretationsmöglichkeiten
2. Dynamik für verschiedene Rhythmisierungen im Körper erzeugen/transportieren/umsetzen
3. Molinete mit Sacadas
4. Molinete mit Ganchos
5. Überraschende Richtungswechsel
II. Tango ist Musik, also lasst uns im Orchester mit’spielen‘:
1. Di Sarli, el Señor del Tango
2. D'Arienzo, el Rey del Compas
3. Pugliese, el Maestro del Drama
4. Troilo, el Generoso
5. Biagi, las Manos Brujas
III. Lasst uns umarmen! Aber wie?!?
1. Impulse und Dynamik transportieren, reagieren auf den Partner, schnell/langsam/hochenergetisch/sanft...
2. Tanzt du Milonguero, Salon oder ‚Neo‘? Was ist der Unterschied zwischen einer engen und einer geschlossenen Umarmung?
3. Spielen mit Achsen und Ebenen: dreidimensionaler Tango!
IV. Milongatanzen, aber bitte mit Schwung!!!
V. Valses zum Schwelgen... hach...“
Puh, „Molinete mit Sacadas“ oder „Ganchos“? Klingt irgendwie nach der Karte italienischer Teigwaren-Lieferdienste: „Pizza mit alles“!
Und ja, „überraschende Richtungswechsel“ bin ich gewohnt, wenn der Depp vor mir mal wieder auf seine Füße statt die Umgebung schaut. Ist eigentlich im Tango eine Standard-Überlebenstechnik!
Schade, dass mir im Musikprogramm nur tote Kapellmeister angeboten werden – da wirken dann auch „Hexenhände“ ein wenig knochig. Und Piazzolla? Fehlt natürlich, man will sich ja das Geschäft nicht ruinieren… Zudem wäre wohl das Parkett so leer, dass man mal ernsthaft über eigentliches Tanzen reden müsste!
Dynamik transportieren? Im heutigen Tango? In der Ronda? Wie jetzt?
Umarmen, aber wie? Auf jeden Fall aber eng oder geschlossen – offen ist anscheinend nicht im Programm. Oder mal gar nicht umarmen, sondern frei tanzen – illusorisch!
Und unter „dreidimensionalem Tango“ können wir uns ja alle was vorstellen, kein Problem!
„Milonguero, Salon oder ‚Neo‘?“ Ich tanze einfach Tango. Wo kann man das ankreuzen?
Milonga tanzen – geht das auch ohne Schwung? Okay, heutzutage wohl schon.
Aber Valses mit „hach“… unbedingt! Falls mal ein solches Stück aufgelegt wird.
Ach Mönsch, was soll ich denn jetzt ankreuzen?
Doch da fällt mir ein: Mist, ich mag ja gar keine Workshops – als Pensionist klingt mir das zu viel nach Arbeit. Lieber einfach tanzen gehen!
Und Umfragen bringen nicht immer verlässliche Ergebnisse:
https://www.youtube.com/watch?v=MPDDqKBdRGc
Quelle und Fragebogen: : https://www.facebook.com/groups/1952424008478712/posts/2886847651703005/
Lieber Gerhard, mir gefällt die Liste - und ich kann mir auch zu allen Vorschlägen tolle Übungen vorstellen. Sogar, dass da nur die übllche 5-er Bande an Orchestern vorkommt, kann ich nachvollziehen. Die haben durchaus schöne Musik gemacht, lohnt sich schon, sich da mal reinzuhören oder zu tanzen. Aber natürlich gibt es auch hunderte andere, auch hunderte andere zeitgenössische Tango-Orchester, die auch schöne, gute, spannende Tango-Musik bieten! Eventuell wäre ein Ausblick auf die weitere Entwicklung schön.
AntwortenLöschenFazit: Mich hat die Liste positiv angesprochen. Ich würde überlegen, mitzumachen, weil gut durchdachte Übungen mit kompetenter Anleitung - guteR LehrerIn - ordentlich was bringen können im Sport, in Mathe, beim Zeichnen oder beim Tanzen.
Natürlich ist das Tanzengehen, tanzen, tanzen beim Tango-Lernen das Wichtigste. Wer nur Seminare oder Workshops besucht, kanns auch bleiben lassen, oder?
Ähnlich wie beim Sprachen lernen: sprechen, zuhören, reden, hin und wieder kompetente Tipps schaden auch nicht.
Lieber Martin,
Löschenich nehme an, die Veranstalterin wird meinen Artikel als Werbung nehmen und meine kleinen Spötteleien ertragen.
Es ist ja schon mal gut, dass die Kundschaft überhaupt nach ihren Wünschen gefragt wird. Hat man im Tango nicht oft!
Selber – sorry – bin ich für das Unterrichts-Geschäft nicht mehr zu haben. Aber das soll andere ja nicht hindern. Ich rege nur an, hinterher einmal Bilanz zu ziehen, was solche Workshops wirklich dauerhaft gebracht haben. Aber Videos, bei denen man die Lernenden nachher tanzen sieht, sind sehr selten.
Danke und liebe Grüße
Gerhard