Meine Zauber-Videos

 

Die Corona-Pandemie ist für Zauberkünstler und Tangotänzer eine ziemliche Katastrophe. Glücklicherweise muss ich von beiden Beschäftigungen nicht leben. In jungen Jahren träumt man schon einmal von einer magischen oder tänzerischen Berufskarriere, aber unterm Strich wäre mir beides viel zu unsicher gewesen. Daher habe ich lieber etwas Krisenfestes gelernt und zwei wunderschöne Hobbys (mit dem Schreiben sogar drei) behalten.

Dennoch ist es natürlich nervig, wenn geplante Auftrittstermine reihenweise abgesagt werden. Umso mehr Zeit blieb mir aber übrig, endlich einmal meine sehr umfangreiche Sammlung aller möglichen Zaubereffekte zu durchforsten. Dabei erlebte ich manche Überraschung – beispielsweise, wenn ich ein Requisit entdeckte, von dem ich nicht mehr wusste, dass ich es überhaupt besaß! Es machte viel Spaß, längst vergessene oder noch nie ausprobierte Routinen meiner nächsten Umgebung vorzuführen!

Zu Weihnachten erreichte mich eine Anregung meiner treuen Leserin Dunja Robin: Warum ich nicht zum Zaubern einen Youtube-Kanal aufmache? Das würde doch sicherlich einige Fans interessieren!

Vor einigen Wochen begann ich daher mit der Produktion von Zauber-Videos. Wegen der Kontaktbeschränkungen reduzierte sich das „Publikum“ auf genau zwei Personen aus verschiedenen Haushalten: meine Frau Karin und die Illustratorin meiner Bücher und Blogs, Manuela Bößel. 

Dazu sollte man wissen: Meine Gattin hat mir zwar bei den meisten meiner annähernd 1100 Auftritte assistiert und weiß daher auch einiges über die technischen Hintergründe. Ich habe aber stets versucht, sie nicht hinter jedes Geheimnis kommen zu lassen. Warum auch?

Karin spielt in den Videos also nicht nur die Rolle der unbefangenen Zuschauerin, sie ist es in vielen Fällen auch. Und beim Rest befolgte sie meine Bitte, sich so zu verhalten, wie es ein Laie tun würde, den ich zur Mitwirkung auswähle. Bei den Aufnahmen gab es also in dieser Beziehung keinerlei Vorabsprachen – im Gegenteil: Meine Frau wusste meist nicht mal, welche Routine ich als nächstes vorführen würde.

Passend zur den Aufnahmebedingungen habe ich Kunststücke aus dem Bereich der Mikromagie, der Tisch- und Partyzauberei ausgesucht. Bühneneffekte hätten den Rahmen gesprengt. Allerdings habe ich auf diesem Blog bereits früher Videos mit der Flaschenvermehrung und mit dem Ringspiel eingestellt:

https://diemagiedesgr.blogspot.com/2018/04/egon.html

https://diemagiedesgr.blogspot.com/2018/05/symphony-of-rings.html

Dabei habe ich mich bemüht, vor allem Effekte zu zeigen, von denen es auf YouTube noch kein Video gibt. Ausnahmen inklusive, wenn ich meinte, meine Vorführart weiche von der üblichen stark ab. Ansonsten ist es eine sehr bunte Mischung von Kunststücken, die ich seit vielen Jahren zeige und solchen, die nur selten im Programm waren oder gar bei der Videoaufnahme eine Premiere erlebten.

Da diese Plattform wegen des Urheberrechts öfters recht zieselig reagiert, habe ich auf Beispiele verzichtet, bei denen ich normalerweise eine Begleitmusik aus der „Konserve“ verwende. Ersatzweise durfte Karin meist zu Beginn und am Ende eine putzige Mini-Drehorgel bedienen, welche die „Kennmelodie“ ’O sole mio intoniert.

Im Gegensatz zu vielen Videos von Kollegen wollte ich auf Schnitte völlig verzichten. Die Routinen werden in voller Länge so gezeigt, wie sie in „Echtzeit“ vor Publikum ablaufen. Da muss es ja auch beim ersten Mal klappen. Wie bei einer analogen Vorstellung gibt es folglich Versprecher, nicht ganz elegante Bewegungsabläufe und kleine Patzer inklusive. Die Untergrenze bestand natürlich darin, keine wirklichen Pannen von Zauberer oder Kamera der Nachwelt zu erhalten. In solchen, glücklicherweise seltenen Fällen haben wir das Ganze nochmal aufgenommen. Meist aber konnten wir den ersten Take verwenden.

Sind die gezeigten Effekte wirklich völlig „unerklärlich“? Natürlich nicht! Ich weiß, dass viele Magierkollegen vor allem die Heidenangst steuert, Zuschauer könnten hinter das Geheimnis kommen. Dabei gerät öfters das zentrale Ziel aus den Augen: die Unterhaltung des Publikums. 

Ich bin in dieser Hinsicht ziemlich entspannt. Zauberei ist heutzutage keine „Geheimwissenschaft“ mehr – im Internet und auch in der Literatur werden reihenweise Trickerklärungen veröffentlicht. Wer also wissen will, wie es geht, kriegt es auch heraus. Und wer nur deshalb eine Zaubervorstellung besucht, um hinterher sich und seiner Umwelt zu offenbaren, er könne die „Wunder“ erklären, hat ein Problem, mit dem er selber fertigwerden muss. 

Neulich erhielt ich die Nachricht einer Zuschauerin, die mir mitteilte, sie habe den Effekt in einem Video durchschaut. Sie erhielt meine übliche Antwort: „Gut, merken Sie sich das!“

Ich zaubere am liebsten für Menschen, die es gar nicht wissen wollen – sich stattdessen einen Moment der Träumerei, der Illusion gönnen möchten. Denen bin ich behilflich, indem ich die Sachen so präsentiere, dass ich sie nicht mit der Nase auf die Erklärung stoße. Zauberei ist ein amüsantes Spiel und kein Tummelplatz für Besserwisser – auf allen Seiten.

In den kleinen Texten, mit denen ich die Videos hier auf dem Blog vorstelle, verrate ich den technischen Hintergrund nicht. Gelegentlich erlaube ich mir Hinweise für Insider, die aber so kryptisch formuliert sind, dass sie Laien nichts sagen. Was mir noch wichtiger ist, sind allgemeine Tipps für Zauberkollegen, die über den konkreten Effekt hinausgehen.

Ich habe mich in zirka 35 Jahren Zauberei kaum um Fotos oder Videos meiner Auftritte bemüht. Dennoch erhält man in der langen Zeit von netten Gastgebern oder Zuschauern eine Menge solcher Bilddokumente. Ehrlich gesagt war ich meist nicht sehr angetan von dem, was ich da sah. Vielleicht liegt es an meiner generellen Abneigung, mich abgebildet zu sehen. 

Allerdings war ich manchmal schon verblüfft, dass auch professionelle Videofilmer sich teilweise schlimme handwerkliche Schnitzer leisten – beispielsweise, wenn man eine Minute lang gar nicht merkt, dass ich aus dem Bild bin. Oder, wenn die Kamera ausgerechnet beim Höhepunkt eines Effekts mein Gesicht oder gar einen Schwenk ins Publikum zeigt.

Daher bin ich sehr glücklich, dass für das Bildmaterial seit Jahren meine Illustratorin Manuela Bößel verantwortlich zeichnet. Mit dem Blick aus ihrer Kamera fühlte ich mich immer gut getroffen. Durch die lange Zusammenarbeit weiß sie stets, wie „der Herr Zauberer“ gerne gesehen werden möchte. Und ich habe inzwischen (meist) gelernt, mich in Geduld zu üben, bis die Kamerafrau mit Beleuchtung, Bildausschnitt und Hintergrund zufrieden ist.

Ich kann den beiden Damen daher nur herzlich für ihre Bereitschaft danken, stets zur Verfügung zu stehen, wenn der „große Magier“ mal wieder etwas vorführen möchte. Sie haben es verdient, auch einmal im Bilde zu sein:

Karin und Manuela

Auf meinem YouTube-Kanal finden sich momentan zirka 50 Videos – genug also, sich einmal einen kleinen „Zauberabend“ zusammenzustellen:

https://www.youtube.com/channel/UCNQxzjgEVdis00XYsrU0sWg

Momentan kommt täglich ein neues hinzu. Wie lange noch? Keine Ahnung – wir lassen uns vom Spaß leiten, den wir damit haben.

Ein Video, das mir sehr am Herzen liegt, findet man auf meinem Kanal nicht. Daher will ich es hier noch einmal extra vorstellen:


https://www.youtube.com/watch?v=z41zo5UERo0&t=30s

Auf jeden Fall bereitet es mir große Freude, eine kleine Sammlung meiner magischen Produktionen zusammenzustellen. Obwohl wir uns sehr bemüht haben, erheben wir keinen „professionellen“ Anspruch. Es gibt hierzulande wahrlich genug „internationale Profi-Magier“. Ich sehe mich dagegen eher als „Hobbyzauberer vom Dorf“.

Der Autor des deutschsprachigen Standardwerks über Zauberkunst, Jochen Zmeck, hat einmal seine Kriterien für die Beurteilung einer Vorstellung so formuliert:

·         Wie ist der Unterhaltungswert für das Publikum?

·         Fingerfertigkeit spielt für mich keine Rolle, weil die Zuschauer das nicht würdigen können.

·         Unterhaltung muss auch eine kunstvolle sein, es geht nicht um „schenkelklopfende Witze.“

http://www.zauber-pedia.de/index.php?title=Jochen_Zmeck

 

Mit dieser Sichtweise kann ich gut leben.

Kommentare

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