Von unfreundlichen Veranstaltungen
Der Tango-Aktivist Dimitris Bronowski hat kürzlich einen Text von Jürgen Schnitzler veröffentlicht. Nach meinen Recherchen ist der im Raum Köln aktiv, er unterrichtet auch Tango.
Doch nun zum Inhalt:
Zunächst wird „das Unaussprechliche“ ausgesprochen: Veranstaltungen würden als „unfreundlich“ bezeichnet, wenn Menschen dort nur mit denen tanzten, von denen sie wüssten, dass es Spaß mache. Unangenehme Erfahrungen würden vermieden.
Schlechte Tänzer oder den Einheimischen Unbekannte bezeichneten dann die anderen als „unfreundlich“.
Der Autor gibt zu, solche negativen Emotionen an sich selber zu kennen. Aber auf Festivals finde man früher oder später genug Tanzpartner.
Wenn nicht, dann fehlten einem offenbar einige Eigenschaften, die andere attraktiv fänden. Oder Parfüm respektive Körpergeruch hielten die Menschen fern.
Wirklich guten Tänzern mache es keinen Spaß, „nur der beliebte Partner zu sein“, aber selber keine guten Erfahrungen zu machen. Sehr gut Tanzende – gar „Maestros und Maestras“ – gingen zum Tanzen, um sich zu entspannen, „und nicht, um sich durch ungeschickte oder unangenehme Tanzpartner noch mehr Stress aufzuhalsen.“ Die Vorstellung irgendeiner „Verpflichtung“ sei Unsinn.
Tango sei ein „Gesellschaftstanz“, aber glücklicherweise sei die Wahl des Partners frei. Stichwort: Mirada und Cabeceo.
Glücklicherweise wird uns abschließend versichert, dass wir anderer Meinung sein dürften. Wenn uns solche Beiträge allerdings verärgerten, seien wir wahrscheinlich „Teil (oder die Ursache) des Problems.“
Na, da fühle ich mich doch ganz und gar angesprochen – schließlich gelte ich im Tango geradezu als „Vater aller Probleme“…
Alsdann: Klar, niemand ist beim Tango gezwungen, eine Aufforderung anzunehmen. Dafür mag es ein oder zwei gute Gründe geben. Persönlich aber sage ich: Eine Frau wegzuschicken, die sich traut, mich aufzufordern (in welcher Weise auch immer) würde ich oberpeinlich finden. Gesundheitlich schaffe ich, je nach Tagesform, vielleicht keine vier Tänze. Aber das kann man kommunizieren – und findet damit stets Verständnis.
Ich meine, man zahlt damit auch etwas zurück, was man in seiner Anfangszeit gerne angenommen hat: Unterstützung durch routinierter Tanzende. Auch wenn das für die kein reines Vergnügen war.
Manche Zeitgenossen scheint das nicht zu bekümmern. Ich kenne Kollegen, die in ihrer Anfangszeit (und die konnte Jahre dauern) auf dem Parkett wie ein Mehlsack herumfielen – und heute auf Milongas einen unsäglich arroganten Auftritt hinlegen. Na gut, wer’s nötig hat…
Riechen Frauen, die kaum aufgefordert werden, schlecht? Ich habe es ausprobiert – die riechen ganz normal. Und überraschenderweise tanzen die oft ganz gut. Dennoch habe ich häufig gelesen, man säße gerade auf Festivals und Encuentros lange herum, wenn man den führenden Herrschaften unbekannt sei oder alters- und aufputzmäßig nicht den Erwartungen entspreche.
Außerdem wartet der Könner, bis er eine fremde Dame mal tanzen gesehen hat. Männer wollen zwar im Bett der Erste sein, aber nicht auf der Tanzfläche.
Von Tänzerinnen wird erwartet, dass sie sich erstmal „hochdienen“ – nur nichts überstürzen!
Und auf die Gefahr hin, es schon öfters geschrieben zu haben: Der Cabeceo schützt nicht die Frauen vor unliebsamen Aufforderungen, sondern die Männer!
Wundert es jemanden, dass der Tango in der Tanzszene einen schlechten Ruf hat, als hochnäsig und elitär gilt?
Für die Verkommenheit der Tangoszene spricht, dass der Beitrag auf Facebook über 50 „Gefällt mir“-Angaben aufweist.
Klar: Die Veranstaltenden bestimmen ganz wesentlich den Charakter einer Milonga. Vor dieser Verantwortung können sie sich nicht drücken.
Abschließend wiederhole ich meinen festen Vorsatz: Meine Begleiterinnen und ich werden das uns mögliche tun, dass elitären Events ein bisschen Geld fehlt – indem wir sie nicht besuchen. Und ich werde all meinen Einfluss ausüben, dass auch andere solche Veranstaltungen meiden, wo man Anfängerinnen und Anfänger oder unbekannte Gäste wie den letzten Dreck behandelt.
Versprochen!
Zum Weiterlesen: https://milongafuehrer.blogspot.com/2023/05/tango-wahrheiten-warum-manner-tanzen.html
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| Das hohe Ross (www.tangofish.de) |


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