Musikschulung für Anfänger
Klaus Wendel hat nun in einem bemerkenswerten Artikel dargetan, welche Musik er in seinem Tangounterricht einsetzt. Er scheint dabei Böses geahnt zu haben, denn er betont rauf und runter, diese Aufstellung sei halt das Ergebnis seiner eigenen Unterrichtspraxis – „kein Almanach, kein Kanon, kein Lehrbuch darüber, wie Unterrichtsmusik zu sein hätte“.
Alles klar – keine Empfehlung, es nachzumachen. Das finde ich auch.
Der Autor hat sich mit der Zusammenstellung (inklusive vieler Hörbeispiele) eine Riesen-Arbeit gemacht. Das ist anzuerkennen.
Kommen wir nun zur „Tragödie zweiter Teil“. Wendel verwendet also für seinen Unterricht Musik folgender Orchesterleiter:
Edgardo Donato (1867-1963)
https://de.wikipedia.org/wiki/Edgardo_Donato
Francisco Canaro (1880-1964)
https://de.wikipedia.org/wiki/Francisco_Canaro
Juan D’Arienzo (1900-1976)
https://de.wikipedia.org/wiki/Juan_D%E2%80%99Arienzo
Rodolfo Biagi (1906-1969)
https://de.wikipedia.org/wiki/Rodolfo_Biagi
Angel D’Agostino (1900-1991)
https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%81ngel_D%E2%80%99Agostino
Carlos Di Sarli (1903-1960)
https://de.wikipedia.org/wiki/Carlos_Di_Sarli
Ricardo Malerba (1905-1974)
https://de.wikipedia.org/wiki/Ricardo_Malerba
Osvaldo Pugliese (1905-1995)
https://de.wikipedia.org/wiki/Osvaldo_Pugliese
Die Herren sind also alle im 19. oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts geboren. Ihre wesentliche Schaffensperiode lag in der „Goldenen Tangoepoche“ bis zirka 1960.
Pugliese bildet da eine gewisse Ausnahme, er wird in der konservativen Tangoszene derzeit als eine Art „Ersatz-Piazzolla“ gehandelt – als Ausweis, dass man doch „schwierigerer“ Musik nicht abhold sei. Gut – schon mal ein Anfang. Mehr auch nicht.
Ich habe, wie gesagt, verstanden: Diese Empfehlungen seien „kein Qualitätsurteil“ – lediglich eine Dokumentation, was der Autor in seinem Tanzunterricht verwendet. Keine einzige Aufnahme stammt von noch lebenden Musikern. Die meisten Einspielungen sind über ein halbes Jahrhundert alt.
Aber genau das ist ja das Schlimme: Landauf, landab werden die Schülerinnen und Schüler auf diesen historischen Musikstil geprägt wie die Lorenzschen Graugans-Jungen. Ist es ein Wunder, wenn sie später bei aktueller Tangomusik irritiert sind? Lieber Milongas besuchen, die Ihnen das Vertraute bieten?
Man konnte auch in der Ex-DDR nach jahrelangem Pflichtstudium des Marxismus-Leninismus keine Anhänger der sozialen Marktwirtschaft erwarten. Was das Regime zum Einsturz brachte, waren nicht ideologische Zweifel, sondern die fehlenden Reisemöglichkeiten und der Mangel an Autos sowie Bananen. Im Tango hat man erreicht, dass der Kundschaft die Musik eh Banane ist. Hauptsache, es dudelt in vertrauter Weise.
Eine alte Tangofreundin pflegte den Unterschied früherer Milongas so zu beschreiben: „Da geht der Punk ab“ und „Da hängt der Hund tot überm Zaun“. Diese Wahl haben wir heute – dank konsequenter „Musik-Schulung“, kaum mehr.
Dann geben wir uns halt noch einen Malerba – dieses Orchester hatte ich bislang noch nicht auf dem Schirm. Außerdem ist es eh schon egal:
https://www.youtube.com/watch?v=RPkeCcSyBgE&list=RDRPkeCcSyBgE&start_radio=1
Quelle: https://www.tangocompas.co/gedanken-ueber-tango-musik-5-teil/
P.S. Zugriffe 16.2.: 996

Klaus Wendel hat nun auf meinen obigen Artikel ziemlich giftig reagiert. Selber habe er versucht, sachlich über „Musik, Unterricht und deren Bedeutung“ zu schreiben. Das habe ich nicht bezweifelt. Es gehe ihm „nicht um Personen und nicht um Musikgeschmack“.
AntwortenLöschenDoch – natürlich tut es das: Er beschreibt, welche Musik er selber in seinem Tangounterricht verwendet: ausschließlich Orchester mit dem Schaffens-Schwerpunkt bis etwa 1960, also in der viel gerühmten EdO.
Ich habe lediglich festgestellt, dass mir dabei modernere Interpretationen – also aus der Zeit danach – fehlen.
Wendel behauptet, es gebe „genügend Milongas mit moderner Musik“. Ich dagegen behaupte: In weiten Landstrichen muss man die mit der Lupe suchen. So zum Beispiel in meiner Heimatstadt, wo seit vielen Jahren fast ausschließlich der traditionelle Stil bedient wird.
„Moralisieren“ ist überhaupt nicht mein Ding – nicht mal im Tango. Und ich habe niemandem attestiert, „geschmacklich unterlegen“ zu sein. Für mich gilt aber weiterhin: Wenn man Lernende im Tango ausschließlich auf „alte“ Musik konditioniert, wird das Hör- und Tanzgewohnheiten prägen. Milongas mit modernerem Programm haben es dann schwerer, Gäste anzuziehen.
Wie man daraus eine „soziale Herabsetzung“ konstruieren kann, bleibt das Geheimnis des Autors. Ich kämpfe nicht gegen Menschen, die „anders empfinden“. Ich stelle nur fest, dass Empfindungen nicht selten von außen gesteuert sind. Das gilt nicht nur für Fußball-Fans.
Ich will überhaupt niemanden „umerziehen“. Ich wünsche mir nur, dass auch andere es lassen.
Niemals habe ich behauptet, wachsende Zugriffszahlen würden mehr Zustimmung bedeuten. Woher soll ich das wissen? Das Einzige, was sie anzeigen, ist wachsendes Interesse. Nur darauf kommt es mir an.
Dass ausgerechnet Klaus Wendel meinen „herablassenden Ton“ kritisiert, finde ich originell. Ich habe ihm nie attestiert, nicht tanzen zu können, keine Ahnung vom Tango zu haben oder ihn aufgefordert, sich etwas „hinter die Ohren zu schreiben“.
Da frage ich mich nur, wer von uns beiden dem „Oberlehrer“ näherkommt.
Quelle: https://www.tangocompas.co/gedanken-ueber-tango-musik-5-teil-nachtrag/
Neueste Meldung: „Radio Riedl-Wahn“ ist vorläufig eingestellt. Offenbar hat sich nun doch die Erkenntnis durchgesetzt, dass dämliche Sprüche nicht gerade einer inhaltlichen Auseinandersetzung dienen, sondern die Seriosität des Herausgebers schädigen. Immerhin…
AntwortenLöschenhttps://www.tangocompas.co/radio-riedl-wahn-antwortet/
Klaus Wendel hat seinem neuesten Artikel nun ein Postskriptum hinzugefügt, in dem er Pörnbach als meine „Heimatstadt“ betitelt und sich an die dortigen „Veranstalter“ wendet.
AntwortenLöschenZur Information: Pörnbach ist eine Gemeinde im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm und gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Reichertshofen. Pörnbach hat etwas über 2000 Einwohner. Wir wohnen dort seit 1990. Tangoveranstalter gibt es dort aktuell keine.
Mit meiner „Heimatstadt“ habe ich das etwa 20 km entfernte Ingolstadt gemeint, wo meine Eltern seit 1953 lebten und ich bis zum Beginn meiner Berufstätigkeit aufgewachsen bin.
Dort ist – nach anderen Initiativen vorher – seit 2014 der Verein „Tango in Ingolstadt e.V.“ aktiv, der inzwischen fast das gesamte dortige Tangoleben gestaltet. Die Ausrichtung ist fast zu hundert Prozent traditionell. Ich kenne viele Mitglieder seit Jahren und nehme auch öfters an den Milongas teil. Konflikte mit dem Verein habe ich keine, obwohl ich mir natürlich eine andere Ausrichtung wünschen würde.
An Wendels Nachtrag stimmt also so gut wie nichts. Ich bin seine Arbeitsweise gewöhnt. Da er sowieso stets Recht hat, kommt es auf Details nicht an. Daher wird aus dem Stand und ohne Recherche irgendein Käse veröffentlicht.
Quelle: https://www.tangocompas.co/gedanken-ueber-tango-musik-5-teil-nachtrag/
Klaus Wendel hat inwischen seinen "Nachtrag" kommentarlos gelöscht. Offenbar ist ihm selber aufgegangen, welchen Quatsch er da publiziert hat - oder man hat es ihm von außerhalb erklärt.
LöschenIch empfehle stets, zunächst zu recherchieren, dann nachzudenken und erst danach zu schreiben.
Jetzt hat Klaus Wendel seinen „Nachtrag“ verändert wieder eingestellt und tut nun so, als sei ich für seine falschen Angaben verantwortlich. Nein, an seinen Recherche-Schlampereien bin ich wirklich nicht schuld!
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