Hoch das Bein?

Im Tango vollziehen sich momentan Veränderungen in derart rasendem Tempo, dass ich morgens kaum noch dazu komme, mein Frühstück zu beenden!

„Fliegende Beine“ (Boleos, Ganchos), so die bislang herrschende Doktrin, waren auf konservativen Veranstaltungen – gar auf Encuentros – äußerst ungern gesehen und konnten schon mal zum Rausschmiss führen:

„Auf der Milonga sollen die Füße in der Nähe des Bodens bleiben, hohe Boleos oder Ganchos erhöhen die Verletzungsgefahr.“

https://presentango.com/die-regeln-und-gebrauche-auf-der-milonga

„keine hohen Boleos oder Ganchos – die Füße bleiben am Boden“

https://nochedepasion.de/ueber-uns/

Na eben – und mit den Füßen am Boden erübrigt sich ja jede störende Fortbewegung!

Nun – kaum zu glauben – kündigt eine Münchner DJane, die man getrost als „Urmutter des traditionellen Tango“ bezeichnen darf, auf Facebook einen „Themenworkshop Boleos“ an:

„Es ist nicht der Effekt des fliegenden Beins, was den Boleo ausmacht. Der Boleo ist eine Ganzkörper-Aktion, bei der die im Oberkörper stattfindende Führungs-Aktion eine Bewegungskette über das Becken ins Bein und den Fuß bei der folgenden Person auslöst, unter Ausnutzung der Elastizität ihres Körpers. (…)

Wir üben Boleos rückwärts und vorwärts mit diesen beiden Varianten. Und wir trainieren natürlich nicht nur die zweckmäßige Führung ohne Kraftausübung, sondern auch die Organisation des Körpers der folgenden Person, damit der Boleo locker und zugleich kontrolliert entstehen kann.“

Quelle: https://www.facebook.com/groups/tangomuenchen/permalink/10162073102791186

Boleos rückwärts? Herr du meine Güte! Und was ist dann mit der Verletzungsgefahr, die auf den Milongas immer wieder zum Einsatz des Rettungsdienstes führt? Kann das wirklich ihr Ernst sein?

Wie weit kann der Sittenverfall noch gehen? Eines Tages wird man in München noch Piazzolla auflegen!

Okay, Spaß…

Aber ich möchte nicht, dass man dann wieder behaupten kann, ich stünde mit meinem 70er Jahre-Musikgeschmack den aktuellen Reformen im Wege!

Daher nur zu – und hoch das Bein!

P.S. Ich habe die KI nach dem Begriff „Encuentros fliegende Beine“ befragt. Hier deren Angebot:

„‘Encuentros fliegende Beine‘ scheint sich auf das Restless-Legs-Syndrom (RLS), auch bekannt als Syndrom der ‚unruhigen Beine‘, zu beziehen. 

Es handelt sich dabei um eine chronische neurologische Erkrankung, die durch folgende Merkmale gekennzeichnet ist: 

  • Ein intensiver, unangenehmer Bewegungsdrang in den Beinen (seltener auch in anderen Körperregionen).
  • Unangenehme Empfindungen wie Kribbeln, Schmerzen, Druck oder inneres Jucken, die oft als ‚schwere‘ oder ‚kraftlose‘ Beine beschrieben werden.
  • Die Symptome treten meist in Ruhe oder am Abend/in der Nacht auf und bessern sich durch Bewegung. 

Das deutsche Wort ‚fliegende Beine‘ ist wahrscheinlich eine metaphorische oder wörtliche Übersetzung des spanischen Wortes ‚encuentros‘, um das Phänomen der unkontrollierbaren und oft spontanen Bewegungen oder Empfindungen in den Beinen zu beschreiben.“

Toll – wer würde es wagen, der KI zu widersprechen?

Und fliegende Beine gab es ja schon bei dieser 1830 entstandenen Chacarera-Vorstufe:

https://www.youtube.com/watch?v=Y7vV9xwgtKg

Kommentare

  1. Klaus Wendel musste sich auch von diesem Artikel wieder provozieren lassen. Obwohl er beim Thema „fliegende Beine“ nun wirklich nicht vorkommt.
    Dabei hat es ihm doch neulich eine Kommentatorin so schön erklärt: Einfach mal nix dazu schreiben! Und Kollege Yokoito macht einen auf Prozesshansel – ebenfalls mit Getöse.
    Ich kann mich daher nur herzlich für die Aufmerksamkeit bedanken, welche man meinen Texten verschafft. Nur weiter so!

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    1. Gerade gelesen: Klaus Wendel gibt zu, eine Software zu verwenden, die ihm die IP-Adressen von Besuchern seines Blogs anzeigt. Sollte man wissen, wenn man seine Seite besucht!
      https://www.tangocompas.co/gedanken-ueber-tango-unterricht-und-das-bloggen-30-teil/#comments (18.32)
      Auf meinem Blog gibt es eine solche Software nicht. Ich habe mich noch nie um IP-Adressen meiner Besucher gekümmert!

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