Wendels Resümee

Klaus Wendel hat nun zu seinen bisherigen über 30 Artikeln über den Tango-Unterricht ein Resümee veröffentlicht, das ich für sehr gut halte:Gedanken über Tango-Unterricht (und das Bloggen) | 30.Teil“

Ich schreibe das im Bewusstsein, dass ihn mein Lob wieder ziemlich ärgern dürfte und er Ähnlichkeiten unserer Auffassungen heftig bestreiten wird.

Seine Attacken auf mich begannen vor fast 15 Jahren und wurden durch das Erscheinen meines Tangobuches ausgelöst, haben also nicht mal direkt mit meinem Blog zu tun, mit dem ich erst später begann. Seither bemühte sich der Kollege in einer dreistelligen Zahl von Zuschriften, mich immer wieder als fachlich unterbelichteten Tango-Laien hinzustellen, dessen Veröffentlichungen man nicht ernstnehmen könne. Sein Tonfall ist häufig von einer Art, in welcher man durchaus die „Schulhofschlägereien“ sehen kann, die er ansonsten (auch im vorliegenden Text) ablehnt. Gerne verschaffte er auch anderen verbalen Grobianen eine Gelegenheit zur Veröffentlichung. Hauptsache, es geht gegen mich – die schriftlichen Mittel sind fast beliebig.

Klar, wer psychisch entsprechend gestrickt ist, wird an solchen Querelen seine Freude haben, für den ist der Inhalt völlig egal – interessant sind lediglich die Personen.

Mir sind solche Bezüge unwichtig, es geht um die Sache. Auch wenn ich Autoren für völlig irre halten sollte. Natürlich dürfen Argumente witzig und pointiert sein – der Holzhammer erscheint mir aber als Werkzeug ungeeignet.

Es gab übrigens keine Phase, in der es unmöglich war, meine Texte zu kommentieren: Ich habe ein Impressum mit Mail- und Postadresse. Aber das ist sprachlichen Kraftprotzen wohl zu umständlich. Ich bin ganz froh darum.

Zu Wendels neuem Text gibt es bislang keine Kommentare, was mich nicht wundert: Er ist zwar sehr gut geschrieben, enthält aber viele Einsichten, die man in der Tangoszene ungern zur Kenntnis nimmt.

Der Autor möchte nach eigenem Bekunden ebenfalls niemanden in der Tangoszene persönlich angreifen, sondern bittet darum, genauer hinzusehen: „Wer sich die heile Tango-Welt zu schön malt, sollte sich fragen, ob er sich nicht selbst täuscht.“ Im Tango gebe es „genauso viele Blender, Aufschneider und Eitelkeiten wie überall sonst“.

Ich vermute: sogar einige mehr!

Mitten in der Szene habe man nicht denselben Überblick wie von außen. Wendel bekennt: „Aber auch ich steckte mal mitten in der Tango-Szene und deren Sichtweisen und habe so manche Dinge kritiklos übernommen. Bis ich feststellte, wie bescheuert sie eigentlich sind.“

In aller Bescheidenheit darf ich anmerken: Ich gehöre zu den wenigen, die in über einem Vierteljahrhundert nie versucht haben, aus dem Tango ein Geschäft zu machen. Vielleicht hält das den Blick klarer. Sicherlich: Wendel kann auf über 40 Jahre Tango zurückblicken – das ist schon eine Menge! Es ehrt ihn, dass er bekennt, manches irrtümlich kritiklos übernommen zu haben.

Wendel verwundert und amüsiert die „dogmatische Treue zu bestimmten Glaubenssätzen“. Es werde an „Ritualen, Regeln und Gewohnheiten“ festgehalten, als seien sie heilig. Oft fehle es an der Auseinandersetzung mit „soziologischen Gegebenheiten und gesellschaftlichen Umgangsformen“ der Tango-Ursprungsländer. Klar – wir leben in Berlin, München oder Pörnbach – und nicht in Buenos Aires! So würden manche Regeln unkritisch übernommen.

Wendel hält sich als Blogger – im Gegensatz zu anderen – nicht für unfehlbar. Auch das haben wir gemeinsam. Aber klar, wir vertreten beide unsere Ansichten mit Nachdruck und Überzeugung. Unsere Blogs sind kein Refugium für Hypersensible. Aber im Netz findet man doch zum Tango jede Menge Weichgespültes – da sollte man doch bei Bedarf fündig werden!

Viele verwechselten „Tango-Wissen“ leider mit „Tango-Erfahrung“. Klar, Wissen ist objektiv, Erfahrung subjektiv. Da setzen Wendel und ich sicherlich unterschiedliche Schwerpunkte. Aber auch der Kollege bekennt: „Ich habe früher vieles geglaubt zu wissen und wurde oft genug widerlegt.“ Daher versuche ich erst gar nicht, mit „Wahrheiten“ hausieren zu gehen. Es gebe keine „endgültigen Formeln“, so der Autor. Da treffen sich unsere Ansichten wieder.

Auch an Wendels Fazit mache ich gerne einen Haken: Wer sich beim Bloggen um Zugriffszahlen und Kommentar-Frequenzen sorgt, sollte diese Beschäftigung lieber aufgeben. Und – hurra – der Kollege spricht endlich einmal vom Spaß, den ihn das Schreiben macht. Da ist er auf der richtigen Spur!

Der Autor hat mit seinem Text der Tangoszene ziemlich gnadenlos den Spiegel vorgehalten. Da sollte man nicht auf jubelnde Kommentare hoffen. Aber ich finde, das ist es wert.

Er hat aber vielleicht den einen oder anderen tief enttäuschten Absturz von Anfängerinnen und Anfängern vermieden – oder eine pseudoreligiöse Sekten Verirrung.

Das macht seinen Text so wichtig. Daher nochmal die dringende Lese-Empfehlung:

https://www.tangocompas.co/gedanken-ueber-tango-unterricht-und-das-bloggen-30-teil/

Kommentare

  1. Klaus Wendel hat nun seinen Artikel um einen Nachtrag ergänzt, in welchem er meinen Text kommentiert.
    Leider schreibt er darin wieder einmal über seine Lieblingsthemen: meine Person und – natürlich – seine. Soweit ich das verstanden habe, ist es wohl meine Schwäche, zu selten Irrtümer zuzugeben. Vielleicht sollte ich in meine Texte zukünftig mehr Widersprüchliches einbauen, damit ich es anschließend korrigieren kann und so zeige, dass ich ein besserer Mensch bin.
    Mich hätte es mehr interessiert, wenn er auf seine doch ziemlich kritische und pessimistische Sichtweise auf die Tangoszene eingegangen wäre. Aber dazu kam nichts.
    Wer möchte, kann Wendels Anmerkungen hier nachlesen:
    https://www.tangocompas.co/gedanken-ueber-tango-unterricht-und-das-bloggen-30-teil/

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    1. Auf Wendels Blog hat sich nun der bekannte Tangokritiker Christian Birkholz zu Wort gemeldet:
      „Wahrscheinlich weiß er gar nicht, wie sich ein echter Dialog anfühlt, weil er seine Lehrerperspektive nie verlassen konnte. Dafür tut er mir echt leid. Stell dir vor, Du kannst nie gemeinsam mit anderen Menschen eine gemeinsame Idee entwickeln, weil Du der Meinung bist, schon alles zu wissen, und die anderen dann mit harschen Worten abkanzelst – traurig eigentlich. Diese Lehrertypen kenne ich auch aus dem privaten Umfeld. Sobald die Leute merken, was Sache ist, verziehen sie sich, weil keiner Bock hat, belehrt zu werden und mit jemandem zu diskutieren, der meint, immer recht zu haben.“
      https://www.tangocompas.co/gedanken-ueber-tango-unterricht-und-das-bloggen-30-teil/#comments
      Na ja, ich finde, auch einen Tangolehrer sollte man nicht mit solchen Klischees abkanzeln. Das hat Klaus Wendel echt nicht verdient!
      Nochmal gelesen: Ach so, Birkholz meint wohl mich… dann ist ja alles in Ordnung!

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