Glauben, was sich richtig anfühlt


Nach einer Umfrage im Jahr 2017 fürchten sich die Deutschen vor nichts mehr als Terrorismus: 71 Prozent (einer der höchsten je gemessenen Werte) nennen diese Gefahrenquelle. An zweiter Stelle liegt politischer Extremismus (62 %), an dritter das Ausländerproblem (61 %). Auch Schadstoffe in Nahrungsmitteln (Platz 5) und Naturkatastrophen (Platz 7) gehören mit 58 und 56 Prozent noch zu den großen Angstmachern.   

Die Statistik gibt das nicht direkt her. Zu den Todesopfern durch Terror gibt es für Deutschland keine genauen Zahlen, da dieser Begriff nicht eindeutig definierbar ist. Unter 10 pro Jahr dürfte die Zahl liegen – und damit im Bereich der Toten durch Blitzschlag (jährlich etwa 8).

Doch nehmen wir getrost einmal die ganzen „unnatürlichen Todesursachen“ zusammen: Naturkatastrophen, Tod durch giftige Tiere und Pflanzen, Lebensmittelvergiftungen, Stromunfälle und Silvesterböller!
Von 1980 bis 2014 kostete das gut 4000 Menschen das Leben – gerade einmal 0,15 Promille der jährlich in Deutschland Verstorbenen (zirka 800000). Und bei der stetig steigenden Lebenserwartung kann es mit dem Gift in der Nahrung nicht so weit her sein… Getoppt wird das locker von einer einzigen Todesursache: Durch den Sturz von einer Leiter verloren im selben Zeitraum fast 5000 Personen ihr Leben!    

Noch schlimmer wird es, wenn wir die Zahl der Unfälle im Haushalt insgesamt betrachten: Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts gibt es über drei Millionen im Jahr mit körperlichen Folgen – und fast 10000 Menschen kommen jährlich dabei ums Leben. Tendenz steigend, da die Menschen immer älter werden und daher zunehmend Rentner beim Fensterputzen oder Ästeabsägen zu Boden gehen.

Aber hören und lesen wir nicht ständig von den schrecklichen, immer mehr zunehmenden Verkehrstoten durch die rücksichtslose Raserei? Nope: Deren Zahl ging von 1991 (11300) bis 2017 (3177) um 72 Prozent zurück (was aber wohl nicht an der verbesserten Moral der Fahrer, sondern der zunehmenden technischen Sicherheit der Fahrzeuge und dem besseren Straßenausbau liegt)!

An der Realität orientiert müssten also die Deutschen eine panische Angst vor riskanten Arbeiten im Haushalt haben. Aber nein: Der deutsche Rentner fürchtet Terroristen weit mehr als Leiter und Kettensäge!

Dies gilt für viele gefühlte Bedrohungen:

Mord und Totschlag nehmen doch bei uns immer mehr zu, oder?
Nein, nicht direkt: Zwar ist ab 2016 wieder eine Steigerung der Mordtaten zu verzeichnen (2017: 405 Fälle) – es war aber im Jahr 2000 mit 497 Opfern schon mal schlimmer. Zwischendurch registrierte man eine deutliche Abnahme auf 291 Verbrechen im Jahr 2012.

Aber die Kinderschänder schlagen doch immer häufiger zu? Auch das ist eine gefühlte Wirklichkeit: Waren es im Jahr 2000 noch 52 Mordopfer unter 14 Jahren, so beobachtet man im Trend inzwischen eine deutliche Abnahme (Minimum 16 Taten im Jahr 2015). Letztes Jahr gab es 32 Fälle.

Bei den polizeilich registrierten Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern ein ähnliches Bild: Hier lag der Spitzenwert im Jahr 2002 mit 20389 Delikten. Letztes Jahr erreichte man ein Rekord-Tief von 13539 Taten – mithin eine Abnahme von gut 33 Prozent.

Aber Frauen müssen doch hierzulande immer mehr Angst vor Vergewaltigung haben? Auch da sprechen die Zahlen eine etwas andere Sprache: An die 9000 Anzeigen wegen dieses Delikts gab es in den Jahren 2002 bis 2004; nach einem Rückgang bis auf 7000 im Jahr 2015 registrierte man 2016 wieder über 8000 Fälle. Ob dieser Effekt auf die Zuwanderung oder eine steigende Anzeigebereitschaft zurückgeht, ist Spekulation.

Schlimm ist allerdings weiterhin, dass betroffene Frauen zu oft den Weg zum Staatsanwalt scheuen – und wegen der schwierigen Beweislage unter 10 Prozent der Anzeigen zu einer Verurteilung führen. Übrigens liegt der Anteil der Falschbeschuldigungen nach diversen Statistiken auf jedem Fall im einstelligen Prozentbereich.

Und natürlich ist jedes Opfer – ob Naturkatastrophe oder Verbrechen – eines zu viel. Was ich aber ungeheuer interessant finde: In vielen Fällen liegen Wirklichkeit und das, was wir für plausibel, ja selbstverständlich halten, Lichtjahre auseinander.

Treue Leser werden es längst gemerkt haben – dieses Thema habe ich schon einmal aufgegriffen, als ich das hervorragende Buch von Sebastian Herrmann besprach:

Heute versorgen uns die Medien mit fast jeder Gräuel- und Mordtat – und wenn sie spektakulär ist, gerne auch von der anderen Seite des Globus. Und im Internet lesen wir hunderte von Kommentaren zum Sitten- und Moralverfall. Sodom und Gomorra, wohin man blickt – es sei denn, man schaut auf die Tatsachen. Aber was viele sagen, muss ja richtig sein („social proof“)!

Ich habe im obigen Artikel zwei Behauptungen gegenübergestellt:

Der Tango stammt aus Buenos Aires, was bei dort aufgewachsenen Menschen bewirkt, dass sie diesen Tanz quasi „mit der Muttermilch“ mitbekamen und daher besonders geeignet dafür sind, ihn zu lehren.

Der Tango ist ein Konglomerat verschiedenster kultureller Einflüsse. Die heutigen argentinischen Tangolehrer stammen aus einer Generation, in welcher der Tango eine Randerscheinung war. Ihre Herkunft sagt überhaupt nichts über ihre Lehrqualifikation aus.

Das Resultat: Obwohl sich die zweite Feststellung deutlich mit Tatsachen belegen lässt, werden mit der ersten Sentenz nach wie vor fröhlich Kurse und Workshops vertickt. Warum? Es fühlt sich einfach besser an, dies zu glauben.

Oder wie wäre es damit?

Die traditionelle Milonga ist eine aus Argentinien stammende Veranstaltungsform, welche dort mindestens seit den 1930-er Jahren existiert. Die Musik wird in Tandas und Cortinas aufgelegt. Gespielt werden lediglich Tangoaufnahmen aus der Època de Oro. Aufgefordert wurde schon immer per Mirada und Cabeceo.

Auflegen (per Schallplatte) war bis weit in die 1950-er Jahre nur in kleinen Veranstaltungen möglich, da die nötige Verstärkertechnik fehlte. In den größeren Milongas gab es Livemusik, oft von zwei Orchestern, da neben Tango bis Anfang dieses Jahrhunderts auch andere Rhythmen (wie Latino-Musik, Rock’n Roll oder Swing) geboten wurden. Die Mode der „rein traditionellen Milonga“ kam bei uns erst ab zirka 2007 auf. Die Aufforderungsweisen variieren selbst in Argentinien; auch hierzulande gibt es viele Veranstaltungen, wo in erster Linie verbal zum Tanz gebeten wird.

Das Problem ist auch hier wieder, dass es sich besser anfühlt, „Teil einer großen Tradition“ zu sein, als halt lediglich seinen persönlichen Tangogeschmack umzusetzen. Wieviel schöner wäre es, wenn Schuhplattler, Sirtaki, Dirndl, Schottenrock und Vuvuzela auf uralten historischen Bräuchen fußten… Tun sie aber nicht:
  
Letztlich kann man den Menschen etwas auf genau zwei Arten verkaufen: Es muss sich gut anfühlen oder uns die Angst vor Schlimmem nehmen. Doch die Realität ist häufig „unsexy“ – auch beim Tango: Seit ich über dieses Thema schreibe, habe ich eine dreistellige Zahl von Klagen über diverse Missstände vernommen – doch in sicherlich 90 Prozent der Fälle verbunden mit der Rückversicherung: Man sage dies nur privat und möchte daher nicht öffentlich zitiert werden. In der Szene ist die Furcht, sozial ausgegrenzt zu werden, riesig. Oft genug habe ich erlebt, dass diese auf mich projiziert wurde: Ich würde mit solchen Ansichten sicherlich keine Tanzpartnerinnen mehr finden, ja zu manchen Milongas gar keinen Zutritt mehr erhalten.

Nach beinahe zehn Jahren persönlicher und publizierter Häresie kann ich nur berichten: Diese Furcht ist lachhaft. Ich bin inzwischen besser in der Tangoszene integriert als noch 2008. Und wenn doch mal einer mit glasigem Blick an mir vorbeirennt, kann ich mir immer noch einbilden, es wäre wegen meiner Veröffentlichungen und nicht deshalb, dass ich schlicht zu unbedeutend bin…

Meine Tangofreundin Manuela Bößel pflegt zu Frauen, die sich nicht trauen, mit einer Dame zu tanzen oder von sich aus einen Mann aufzufordern, zu sagen: „Glaubst du, es fährt ein Blitz vom Himmel hernieder, wenn du das machst?“

Na, und wenn: Bei durchschnittlich 8 Todesopfern pro Jahr wäre das ein kalkulierbares Risiko

Kommentare

  1. Gerade erreichte mich ein Kommentar von Matthias Botzenhardt:

    Die Schlussfolgerung, bestimmte Dinge ließen sich erfolgreicher vermarkten, wenn positive Gefühle damit assoziiert werden, ist wohl unbestritten.
    Diese grundlegende Erkenntnis steht hinter jeder erfolgreichen Marketingstrategie. Genau daraus lassen sich erst die notwendigen Methoden ableiten, um erfolgreiche Propaganda zu betreiben. Diese Instrumente wurden ja so weit verfeinert, dass sich im Namen positiv besetzter Meme (Demokratie, Menschenrechte, Frauenrechte - oder durch den Aufbau von erfundenen Feindbildern usw.) völkerrechtswidrige Kriege führen lassen. Andernfalls würden sich vermutlich viel mehr Menschen zum Protest auf den Straßen zusammenfinden.
    Genau hierzu rufe ich bei dieser Gelegenheit im Übrigen gerne auf: Nehmt zahlreich an Friedensdemonstrationen teil!

    Wen solche Zusammenhänge interessieren, dem empfehle ich eine Dokumentation über das Wirken von Edward Bernays, die kürzlich auf arte zu sehen war. Inzwischen steht diese Doku leider nicht mehr in der Mediathek – man kann sie aber immer noch bei YouTube finden: „Edward Bernays und die Wissenschaft der Meinungsmache“.

    Dass im Umfeld des getanzten argentinischen Tangos (von gewissen Alphatieren) eine gezielte Meinungsmache betrieben wird, deren Intention darauf abzielt, die eigenen Aussichten auf finanzielle Mehrerträge zu steigern, halte ich für falsch.
    Damit will ich jedoch nicht behaupten, dass es KEINE Meinungsmache im Tango gäbe.

    Ich vertrete die Ansicht, dass wir es üblicherweise mit absoluten „Überzeugungstätern“ zu tun haben.
    Ein ggf. extremes Sendungsbewusstsein wird vermutlich dadurch verursacht, dass diese Menschen auch allen anderen Tanzenden ihr selbst empfundenes und erlebtes Glück ermöglichen-, ja notfalls sogar gelegentlich aufzwingen wollen. Ihr Scheitern ist bei vielen Tanzenden vorprogrammiert.

    Da das Abweichen von Gewissen Normen (Códigos, etc.) diesen Überzeugungstätern das eigene Glücksempfinden ggf. schmälert, sind sie sicherlich versucht, ihre persönlichen Präferenzen zu propagieren. Dabei ist es eigentlich logisch, dass es in der Folge zu „speziellen“ Veranstaltungen führt, in denen diese persönlichen Präferenzen möglichst vollumfänglich und ungestört ausgelebt werden können.

    Genau den Impulsen zu folgen, die einem die größte Befriedigung bereiten, ist ja schließlich nicht nur für Kinder verlockend.
    Offenbar gab es in den letzten Jahren eine (mehr oder weniger erfolgreiche) Meinungsmache. Um dies genau beurteilen zu können, tanze ich vielleicht noch nicht lange genug.

    Sie, Herr Riedl, haben jedoch stets versucht, tapfer gegen gewisse Ansichten anzuschreiben.
    Es gibt wenige Menschen, die bereit sind, sich gegen eine erfolgreich produzierte Meinungsmacht zu stellen. Sich gegen ein von der Mehrheit akzeptiertes System zu stellen fällt schwerer, als sich ihm anzuschließen. Besonders dann, wenn zu befürchten ist, dass sich einem dadurch Nachteile ergeben. Heute beurteilen wir die Geschwister Scholl und deren mutige Taten (durchaus auch lautstark und in der Öffentlichkeit!) vollkommen anders, als es noch im Jahr 1943 die Mehrheit der Deutschen getan hätte.

    Aus dieser Erkenntnis, Herr Riedl, respektiere ich ihre seit Jahren unveränderte Haltung zu bestimmten Tangothemen (Musikauswahl, Aufforderungsmethoden, Tanzstil, usw.) in Ihrem Blog in höchstem Maße.

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  2. (Fortsetzung:)

    Über das Lesen der Texte in der „tangoplauderei“ stieß ich seinerzeit auf Ihren Blog. Damals teilte ich nahezu KEINE Ihrer Positionen (mehr). Wenige Jahre zuvor wäre dies sicherlich noch anders gewesen. Subjektiv betrachtete ich Sie damals als einen „in seiner Entwicklung steckengebliebenen“ Tänzer, der es nur (noch?) nicht fertig gebracht hatte, sich auf meine (damalige) subjektive „Stufe“ weiterzuentwickeln.

    Auch heute Teile ich zwar längst nicht jede der von Ihnen vertretenen Positionen…
    …doch muss ich zugeben, dass ich mehr und mehr beginne, gewisse Korsagen traditioneller Milongas zu hinterfragen. Auch mich verdrießen inzwischen bestimmte Wiederholungsmuster. Auch ich wäre bzw. bin inzwischen viel offener gegenüber einem größeren Musikspektrum.

    Die Zeiten, in denen ich ausschließlich die Titel der Edo verfocht, sind inzwischen passé. Die unkalkulierbare Richtung, in die sich MEINE eigene Tangowahrheit in Zukunft möglicherweise noch entwickeln wird - aber auch mein eigenes Beginnertum im Tango - bestärken mich deshalb darin, dass ich es für SEHR WICHTIG halte, dass die Diversität im Tango erhalten bleibt, bzw. gefördert wird!
    Tangogemeinschaften, die zu klein sind, um spezialisierte Spartenmilongas zu etablieren, sollten ein möglichst großes Spektrum der Inklusion anstreben. Verachtung gegenüber anderen Stilen, Musikvorlieben oder ähnlichem, sind dem Großen und Ganzen im Tango abträglich.

    Mein eigener Weg im Tangotanz begann bei einem „nicht traditionellen“ Lehrerpaar vor ca. 10 Jahren.
    Dass es sich bei dem Kurs um Tango handelte, war (mir) damals vollkommen egal. Aus meiner damaligen Wahrnehmung hätte es nahezu jeder beliebige andere Tanz und ganz sicher nahezu jede Musik sein können. Wäre ich damals sofort unter die Fittiche sehr traditioneller Lehrer geraten, hätte ich vermutlich bereits nach wenigen Unterrichtsstunden versucht, mich dem Klang digitalisierter Schellackaufnahmen wieder zu entziehen.

    Der damalige „Basiskurs - Tango I (Anfänger)“ bestand jedoch aus eher mehr als weniger definierten Schrittfolgen, die Musik bestand aus Elektro-Tango, Weltmusik sowie etwas traditionellerem Tango und getanzt wurde fast ausschließlich in einer offenen „Umarmung“.

    All diese Umstände erlaubten es mir seinerzeit, überhaupt peu à peu in die ozeanischen Weiten des „traditionellen“ Tangos hinüber zu segeln.
    Auch wenn ich heutzutage die enge Umarmung eindeutig vorziehe, so hat es mir die weite „Umarmung“ doch erst ermöglicht, im Tango Fuß zu fassen. Um die Musik eines De Caro, Troilo oder Salgán bzw. die Stimme eines Roberto Goyeneche heute genießen zu können, bedurfte es seinerzeit den Einstieg über Otros Aires, Gotan Project und La Chicana, bzw. den Stimmen von Daniel Melingo und Juan Carlos Cáceres.

    Da mein derzeitiges Lieblingstanzpaar (ich jubelte damals innerlich, als die beiden sich „fanden“) durchaus dazu in der Lage ist, zu verschiedenen Arten von Musik, in teilweise verschiedenen Bewegungs- und Umarmungsmustern zu tanzen:

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  3. (Fortsetzung:)

    • (2014) “Hasta Siempre Amor” D’Arienzo, sung by Jorge Valdez [https://www.youtube.com/watch?v=BzbDVLCefrs]
    • (2015) “Tiernamente” Astor Piazzolla [https://www.youtube.com/watch?v=zS6C5iXA8zw]
    • (2015) “La Maza” Mercedes Sosa [https://youtu.be/DmZdUXkLKDQ?t=79]
    • (2016) “Rhapsodie” (Julien Queriaud) GALEON TANGO [https://www.youtube.com/watch?v=axbo07lxq9s]
    • (2017) “Milonga para as Missões” (Renato Borghetti) [https://www.youtube.com/watch?v=LPquZDq2wzQ]
    • (2017) “Gloria” Alfredo De Angelis, sung by Carlos Dante [https://www.youtube.com/watch?v=3fSr3eO-Ie8]
    • (2017) “El Bazar de los juguetes” Los Auténticos Reyes [https://www.youtube.com/watch?v=i6bBrfvXdRU]
    • (2017) “Desencuentro” Rubén Juárez [https://www.youtube.com/watch?v=3OtD5vGOAQE]
    • (2018) “Un momento” Aníbal Troilo, sung by Raúl Berón [https://www.youtube.com/watch?v=H7ndb_eehHQ]
    • (2018) “Sin palabras” Walter ‘Chino’ Laborde & Diego ‘Dipi’ Kvitko [https://www.youtube.com/watch?v=C7JkRCzhsVs]
    • (2018) “Yapeyú” Juan D'Arienzo [https://www.youtube.com/watch?v=Uqf9b0CxO54]

    …strebe ich an, dies eines Tages vielleicht ebenfalls zu können!

    Um am Ende noch einmal auf den ersten Satz (Furcht vor Terrorismus: 71 Prozent) des Blogbeitrages zurück zu kommen: Vielleicht interessiert sich die eine oder der andere für einen im Netz verfügbaren Vortrag des Komponisten Elias Davidson im Scala Basel?

    Viele Grüße,
    Matthias Botzenhardt

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    1. Lieber Matthias Botzenhardt,

      herzlichen Dank für die umfangreichen Betrachtungen!

      In vielen Punkten stimme ich mit Ihnen überein.

      Das Problem der „Meinungsmache“ sehe ich nicht bei den Veranstaltern und Tangolehrern, sondern bei gewissen Personen, die seit vielen Jahren (auch) im Internet für die „Rolle rückwärts“ trommeln – und der Tatsache, dass die oft reduzierte traditionelle Tangomusik halt leichter zu tanzen ist als moderne Arrangements. „Untanzbarkeit“ war ja lange eine Kampfparole.

      DJs, Tangolehrern und Veranstaltern halte ich allerdings ein gerütteltes Maß an Opportunismus vor. Ich könnte viele Personen namentlich aufzählen, die sich vor zehn und mehr Jahren heftig für modernen Tango eingesetzt haben und nun davon nichts mehr wissen wollen. „Überzeugungstäter“ gibt es eher unter langgedienten Tänzer/innen.

      Klar, man kann heute mit den alten Aufnahmen (und dem Unterricht dazu) mehr verdienen als durch eine Milonga mit „freier“ Musikgestaltung. Und ein konservativer, defensiv denkender Menschenschlag ist froh über klare Gesetzmäßigkeiten.

      Der Vergleich mit der „Weißen Rose“ hat mich erröten lassen. Es stellt kein Heldentum dar, im Tango vom Mainstream abweichende Ansichten zu vertreten. Ich staune aber immer wieder, wie gering in der Szene die Zivilcourage vertreten ist, dies – auch noch mit Realnamen – zu tun. Man wird dafür weder vor einen „Volksgerichtshof“ gestellt und schon gar nicht hingerichtet. Im Gegenteil: Das Alleinstellungsmerkmal „Rebell“ hat durchaus Vorteile, welche ich aber gerne mit noch mehr anderen teilen würde.

      Und klar kann man sich im Tango – auch ohne teure Kurse und Workshops – weiterentwickeln. Beispielsweise lerne ich auf jeder Milonga – von guten Tänzerinnen und anspruchsvoller Musik. In welche Richtung die Evolution beim Einzelnen geht, muss er selber herauskriegen. Der Tango ist der Tanz, welcher sich am wenigsten von allen für „Regeln“ und „absolute Wahrheiten“ eignet.

      Mit besten Grüßen
      Ihr Gerhard Riedl

      P.S. Herzlichen Dank auch für die Musikbeispiele!

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