Ein ermutigender Erfahrungsbericht



Derzeit scheine ich ein wichtiges Thema aufgetan zu haben. Es kommen viele Rückmeldungen!

Eine Leserin meines Blogs wollte eigentlich nur einen Kommentar zu meinem letzten Artikel schreiben. Für dieses Format geriet er allerdings etwas lang, und so schickte sie ihn mir per Mail.

Ich war so angetan von dem Text, dass ich ihr spontan anbot, ihn als eigenen Beitrag zu veröffentlichen. Mit ihrem freundlichen Einverständnis hier nun ein Erfahrungsbericht von Christina Walloch:

Nach unserem ersten Tangokursjahr trauten wir uns auf die auch explizit für Anfänger gedachte Milonga, die von der Tanzschule unseres Vertrauens ausgerichtet wurde. Mit großen Augen staunten wir über getanzte, „schön aussehende“ Elemente und versuchten, mit unserem geringen Repertoire auf der kleinen Tanzfläche zu bestehen. Die Navigation in der Ronda, die Wahrnehmung der Musik und deren Ausgestaltung mit den wenigen Elementen, die wir bis dahin schon kannten, verlangten uns alles an Konzentration und Selbstvertrauen ab. Wir waren trotzdem stark eingeschüchtert, weil wir nur die Fortgeschrittenen und alles, was wir noch nicht konnten wahrnahmen, und viele Rempler von Ellbogen, Schultern und Füßen einstecken mussten (vielleicht auch unbeabsichtigt verteilt haben).

Ein gutes halbes Jahr später versuchten wir es erneut. Wir hatten mehr Möglichkeiten der Navigation kennengelernt und glaubten, nun weniger zum Hindernis für andere Paare zu werden. Die Erfahrungen waren so ziemlich die gleichen wie beim ersten Mal. Doch nach dieser Milonga beschlossen wir, uns der Herausforderung Tango ernsthaft zu stellen und, dem Rat unseres Tanzlehrers folgend, regelmäßig „auswärts“ zu tanzen.

Wir besuchten wohnortnahe Milongas und steigerten deren Häufigkeit (und den Veranstaltungsradius) von zunächst monatlich auf wöchentlich und öfter. Mit dem wachsenden Sicherheitsgefühl auf der Tanzfläche nahmen auch die schönen Tanzerlebnisse zu. Wir hörten mehr Facetten der Musik, und das Ausdrücken der gehörten Empfindungen in kleine tänzerische Elemente gelang flüssiger.

Schnell tat sich die nächste Hürde auf: Tanzen mit einem fremden Partner. Klar gab es immer wieder Partnerwechsel im Tanzkurs, aber eine völlig fremde Person ist nun wieder etwas ganz anderes. Das Sich-Fallen-Lassen und locker Bleiben hört sich ja schön an, aber die Selbstzweifel überwiegen dann leider doch. (Ist man schon gut genug für den anderen? Langweilt er/sie sich vielleicht mit mir? Wie viele Elemente habe ich schon falsch verstanden/geführt?)

Nach nun gut dreieinhalb Jahren regelmäßigen Tanzens, Arbeit an der Grundlagentechnik in unserem Tangokurs, dem Besuch einiger Themen- und Technikworkshops sind wir mit unserer bisherigen Entwicklung zufrieden. Es hat zwar viel Frustration und Durchhaltevermögen gekostet, aber es hat sich definitiv gelohnt, und da muss man als Anfänger meiner Ansicht nach eben einfach durch. Die Bewegungen werden fließender, der Mut zur Kreativität steigt, und die Bereitschaft, sich fremden Tanzpartnern zu öffnen, ist nun da. Mittlerweile ist das Tanzen für uns nicht mehr nur bloßes Führen & Folgen, sondern tatsächlich ein Tanz, den zwei Menschen gemeinsam zu der jeweils gerade „gehörten“ Facette der gespielten Musik gestalten.

Genau an dem Punkt knüpfe ich nun wieder an das Thema deines Tagebucheintrags 40 an. Auf kleinen Milongas empfinde ich die Chance, mit mir fremden Tanzpartnern zu tanzen, ebenfalls als deutlich höher. Da sind die Cliquen kleiner, und wenn man nicht ausschließlich mit dem eigenen Partner tanzen möchte, dann bieten sich dort logischerweise mehr Gelegenheiten. Wenn wir auf die „großen“ Milongas nach Frankfurt oder Heidelberg fahren, dann kommen für mich persönlich meistens nur Tänze mit mir schon bekannten Partnern zustande, sofern welche anwesend sind, und ansonsten eben nur mit dem eigenen Partner. Klappt es denn tatsächlich mal mit einem „Fremden“, so sind dies meistens einmalige Besucher auf der Durchreise.

Am Wochenende vor Rosenmontag machten wir diese Erfahrung ebenfalls, als wir drei Tage zu Besuch in München waren und eine einzige kleinere Milonga in der Innenstadt gefunden und besucht hatten. An diesem Samstagabend hatte ich neben meinem eigenen ganze drei weitere Tanzpartner. (Wir kannten dort ja niemanden.) Davon waren zwei ebenfalls nur als Touristen in München und ein Einheimischer, der wohl nicht zur dortigen Clique gehörte. An der Neolonga, die am folgenden Nachmittag in einer anderen Location stattfand, hatte ich einen einzigen weiteren Tanzpartner (sogar einheimisch). (Schade für die fehlende Erfahrung, wie die Münchner Tango tanzen. ;-))

Mein Eindruck ist, dass sich die meisten Tänzerinnen und Tänzer über Jahre ihre Wohlfühlpartner fürs Tanzen ausgekundschaftet haben und diese Komfortzone selten verlassen wollen. Die Befürchtung, sich wie ein Anfänger zu fühlen, wenn es mit einem fremden Tanzpartner nicht in gewohnter Weise klappt und man das als Zuschauender womöglich sogar noch wahrnimmt (man hat wohl einen Ruf zu verlieren), ist scheinbar größer als der Wunsch nach einer neuen Erfahrung, was ich als verpasste Chance sehe.

Schlechtes Benehmen während des Tanzens ist mir leider auch schon zu Genüge untergekommen, z.B. das ungehaltene Anzischen, nachdem die geführte Lieblingsfigur auch beim dritten Mal aus Unkenntnis des Elements „falsch“ von mir interpretiert wurde, oder die verbalen Auseinandersetzungen zwischen den Führenden, wenn Hengst A Hengst B oder Bella B versehentlich anrempelt, oder auch ausbleibende Entschuldigungen, wenn man von einem hohen Boleo oder einer weit ausholenden Sacada getroffen wird. Schlimm finde ich auch, wenn man es mal wagt, sich irgendwo kurz hinzusetzen, wo offenkundig „besetzt“ ist, die „Besetzer“ aber gerade tanzen und man umgehend nicht besonders höflich darauf hingewiesen wird.

Aber es gibt sie, die

·         Höflichen, die sich freudig bedanken, auch wenn die Kommunikation im Tanz anfangs nicht ganz einfach war und beide brav bis zum Schluss durchgehalten haben und darüber lachen können.
·         Besonnenen, die sich mit Geduld und Feingefühl auch mal einem Anfänger stellen und diesem ohne Belehrung ein schönes Tanzerlebnis bereiten.
·         Experimentierfreudigen, die mit Kreativität und Achtsamkeit nicht nur ihre eigene Choreografie durchdrücken, sondern für einen ausgewogenen, unvergesslichen Tanz sorgen, zu dem beide Partner beitragen.
·         Verwegenen, die auch mal höflich verbal auffordern oder „blicklich“ dranbleiben, wenn sie merken, dass der erwählte Partner den Blickkontakt möglicherweise nicht bemerkt oder erwartungsgemäß erwidert. Es soll neben denen, die nicht wissen, wie man „ordnungsgemäß“ zum Tanz bittet, ja auch vorkommen, dass Lichtverhältnisse, Distanzen oder Grenzen des eigenen Sehvermögens oder Selbstvertrauens nicht zu der gewünschten Aufforderung/Zusage führen.

Bei diesen Tänzerinnen und Tänzern möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Danke für eure Geduld und das Teilen eurer Erfahrung, danke, dass ihr mir das Gefühl gegeben habt, es wert zu sein, und danke, dass es euch gibt. Ohne euch wäre ich um viele schöne Erfahrungen ärmer.

Mittlerweile sehe ich den Tango als Lebensprojekt. Es gibt so viel zu lernen und zu entdecken. Mit jeder neuen Erfahrung fühlt sich das bisher Gelernte wieder anders an und muss neu ergründet werden. Plötzlich „versteht“ man ein Element und ein Stück Musik – oder glaubt es zumindest bis zur nächsten neuen Erkenntnis.

Live-Musik finde ich an sich schöner als aufgelegte Musik. Zwischen den Musikern und den Tänzern gibt es theoretisch einen Dialog. Ein Violinist oder ein Bandoneonist spürt nach meiner Vorstellung die Stimmung und Energie der Tanzenden – nur ist das zu spielende Programm in der Regel bereits festgelegt – Stimmung hin oder her. Allerdings ist das auf den meisten bisher besuchten Milongas auch nicht anders. Gespielt werden vorzugsweise rhythmische Titel und ab und zu sogar mal was von Piazzolla, aber eher so gegen Ende, wenn die meisten die Lokation bereits verlassen haben.

Herzliche Grüße aus Wiesbaden
Christina Walloch

***

Mich hat dieser Text sehr beeindruckt.
Neben den üblichen (und oft vermeidbaren) „Leiden“ der Anfänger betont er auch das Positive:

·         Tangolehrer, welche ihre Schüler bewusst „auswildern“, sie also auf neue, unbekannte Milongas schicken anstatt sie lediglich zur Komplettierung ihres „Hofstaats“ einzusetzen.
·         Einfühlsame Tanzpartner, welche sich nicht „zu gut“ sind, es öfters mit weniger Geübten zu probieren ohne sie zu belehren.
·         Gäste, welche die Possessivpronomina nicht mit auf die Milonga nehmen („mein Stuhl, meine Tänzerin, meine Musik“) und auch Verschuldensfragen ungeklärt lassen.
·         Ebenso aber auch Anfänger, die nicht bei den ersten Problemen aufstecken, sondern die Neugier gegenüber der Angst vor Unbekanntem überwiegen lassen.

Ob der Tango ein „Lebensprojekt“ sein muss, wie die Autorin schreibt, sei dahingestellt – einen beachtlichen Teil des Lebens aber sollte er sicherlich einnehmen, um mit ihm glücklich zu werden.

Ich glaube, der zentrale Begriff hinter all dem ist Mut: sich auf neue Lehrende, Milongas, Musik und vor allem Tanzpartner einzulassen, Selbstbewusstsein zu erhalten – ja zu entwickeln, Kontakte zu knüpfen und seinen eigenen Weg zum Tango zu finden. Wenn der vom Naserümpfen anderer begleitet wird, muss er deswegen nicht falsch sein.

Und wenn dann noch der Mut hinzukommt, seine eigenen Erfahrungen so offen zu schildern, bleibt nur noch eins: der Verfasserin Christina Walloch ganz herzlich für diesen Beitrag zu danken!

Kommentare

  1. Danke für diesen durch und durch positiven Beitrag, der mich nach einem dreiviertel Jahr Tango Argentino bestärkt, auch dorthin zu kommen, wo Christina heute ist!!!!

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    1. Das ist die richtige Einstellung!

      Ich freue mich sehr über diesen Erfahrungsaustausch, der im Endeffekt zu gegenseitiger Ermutigung führt.

      Das ist es, was ich mit meinem Blog anstrebe!

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  2. Robert Wachinger3. Juni 2017 um 11:32

    @Gerhard: "Mich hat dieser Text sehr beeindruckt."
    Ja, mich auch. Der Text hat mein "Idealbild als Tanguero" (d.h. so wie ich sein und tanzen will) dann doch bestätigt.
    Nebenbei: ich wurde schon mal vorgestellt sinngemäß mit "das ist der Robert, der hat schon mit mir getanzt, als ich noch gar nichts konnte". Nicht mit Anfängern zu tanzen bringt einen um solch schöne Momente ;-)

    Zu "mein Platz": ich habe seit meiner Anfängerzeit quasi verinnerlicht, dass es im Tango die Konzepte "fester Tanzpartner" sowie "fester Platz" nicht gibt (ich brauch höchstens ne Stelle, wo ich mein Wein- oder Wasserglas hinstellen kann. Ansonsten sitzt man eh nur mal kurz irgendwo zum Ausruhen und ist bald wieder weg beim Tanzen ... Das mag auf Veranstaltungen mit Tischchen ein bisserl anders sein).

    Und noch ne Anmerkung zum Tanzen mit Fremden: Ich mach das gerne (allerdings muss ich mich von der Dame quasi "eingeladen" fühlen, bin halt halt doch ein Sensibelchen ;-) ). Manchmal reicht aber die Zeit nicht, bis ich mit allen Bekannten getanzt habe, mit denen ich halt auch gerne tanze. Und manchmal bin ich mit einer Partnerin unterwegs, die halt Priorität hat.

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    1. Markus Betz, WI4. Juni 2017 um 02:29

      Hi Robert, eine Wellenlänge und die gleichen Situationsbedingten Probleme.

      Es ist auch immer ein Thema der Tagesform.

      Um einen meiner Tanzlehrer zu zitieren:"Frauen lernen als folgende viel schneller die Rolle des Führenden, da sie bereits um die Nöte als Folgende wissen und somit die Notwendigen Techniken besser verstehen... Ihr wisst worauf dies hinausläuft ;-) Auch hier benötigt ihr uns eigentlich gar nicht, :'-( Zumal es sich vor 70 Jahren ebenfalls nicht schickte als unverheiratete Frau mit einem Mann tanzen zu lernen. Zu dieser Zeit war es ja üblich gleichgeschlechtlich tanzen zu lernen....

      Aber das Rad dreht sich ja bekanntlich weiter und ich durfte dahingehend bereits einige großartige Momente erleben ;-)

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    2. Vielen Dank, lieber Robert, da sind wir völlig auf einer Linie.

      Tanzen mit Anfängern und/oder Fremden gehört elementar zum Tango-Sozialverhalten. Sicherlich gibt es Einschränkungen (z.B. eine Begleitung, der natürlich mehr als ein Tanz gebührt).

      Wir dürfen jedoch keinesfalls den Blick auf die Umgebung verlieren. Wenn eine Frau längere Zeit herumsitzt, hat man ihr als "Gentleman" eine Gelegenheit zum Tanz anzubieten. Solche Probleme zu übersehen ist unterirdisch!

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    3. Robert Wachinger4. Juni 2017 um 14:35

      Hm, mir ist schon (öfters) passiert, dass ich eine Frau rumsitzen sehen habe, als ich selber getanzt habe. Und als ich dann bereit war, diese Frau aufzufordern, war sie grad kurz vorher gegangen ...
      Nun ja...

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    4. Kenn ich auch: "Betriebsunfall". Sollte halt nicht zur Regel werden.

      Aber auch für Frauen gilt: Wer zu früh geht, den bestraft das Tangoleben!

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  3. Lieber Gerhard,

    interessanterweise hatten wir dieses Thema genau gestern in einem kleinen Gespräch auf der Milonga. Die Frage danach, wo eigentlich die Anfänger auf den Milongas abgeblieben sind.
    Ich habe darüber auch schon länger nachgedacht und zumindest in unserer Szene ist mir das aufgefallen:

    Als ich die ersten Jahre tanzte und dann auch Milongas besuchte (also vor ca. 12-13 Jahren), da hatte ich den Eindruck, dass das tänzerische Niveau vergleichsweise gemischt war. Zumindest bei uns. Zum Tanzen zu gehen und nicht nur den Kurs zu besuchen war für die meisten etwas Selbstverständliches. Und so hatte man Gelegenheit, mal mit einem etwas fortgeschritteneren Partner / Partnerin, mal auch andersherum zu tanzen. Die Unterschiede waren nicht sooo eklatant.

    Dann gab es auch eine kleine Gruppe der "Super-Tänzer", die auch unter sich blieben. Nun gut, denen schaute man ehrfürchtig zu und wünschte, man könnte auch so über’s Parkett schweben.

    Als ich vor gut anderthalb Jahren nach längerer Pause wieder in der Tango-Szene ankam, da war ich erstaunt, wie hoch in der Zwischenzeit das Niveau war und ich traute mich anfangs auf bestimmte Milongas gar nicht gehen.

    Jetzt weiß ich, dass nicht generell das Niveau gestiegen ist, sondern vor allem die breite Anfänger/Mittelschicht fehlt. Und ich denke auch, unter anderem aus bereits genannten Gründen.

    Anfänger/innen gehen mehr als früher die ersten Jahre durch eine harte ("Tanz?"-) Schule. Frauen bleiben Tanda für Tanda sitzen und Männer werden nicht selten nach dem ersten Tango höflich, aber bestimmt "abgedankt".
    Da gehört schon eine gehörige Portion Selbstbewusstsein dazu, dies längere Zeit über sich ergehen zu lassen. Vor allem für jene, welche keinen festen Tanzpartner haben.

    So ist es wahrscheinlich nicht verwunderlich, dass so viele Leute Kurs für Kurs Jahr für Jahr besuchen, selten tanzen und wenn, dann nur in einem bestimmten, geschützten Rahmen (z.B. auf der Practica), weil sie meinen, irgendwann wären sie dann endlich gut genug für den Besuch einer Milonga.
    Aber das ist eben der Trugschluss: Tanzen lernt man nur durch tanzen. Viel tanzen. Und so hab ich schon beobachtet, dass Anfängerpaare auf der Milonga eine Stunde lang zuschauten und unverrichteter Dinge wieder nach Hause gingen, weil sie sich nicht auf die Tanzfläche wagten. So wird das natürlich nix.

    Außer einer besseren Willkommenskultur in den Tango-Szenen kann ich aus Erfahrung Anfängern nur noch empfehlen, eine kleine Gruppe Gleichgesinnter um sich zu scharen und sich gezielt zu verabreden. So hat man an einem Abend ein paar garantierte Aufforderungen oder Nicht-Körbe, dazwischen vielleicht von Mal zu Mal ein paar Bonustänze mehr. Nach und nach werden andere Tanzpartner dazu kommen. Und damit verbunden auch eine gewisse Sicherheit und stetig wachsende Freude an diesem wunderbaren Tanz.

    Liebe Grüße
    Sandra


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    1. Liebe Sandra,

      vor mehr als zehn Jahren gab es vor allem viele individuelle Tanzstile. Ich fand es stets sehr interessant, zuzusehen und mir natürlich von Tanzweisen, die mir gefielen, etwas abzugucken. Und mir fielen interessante Tänzerinnen auf, mit denen ich es unbedingt einmal probieren wollte.

      Von alledem ist heute nicht viel geblieben. Das mag auch an einer gewissen „Sättigung“ liegen, die sich nach so vielen Tangojahren einstellt. Dennoch: Wenn ich heute auf eine Milonga gehe, habe ich nach zehn Minuten schon alles gesehen. Die paar (sicher gelegentlich perfekten) „ronda-kompatiblen“ Schrittchen sind bei fast allen Paaren zum Verwechseln ähnlich.

      Insofern, so finde ich, ist das Niveau nicht gestiegen, jedoch hat die Angepasstheit zugenommen – bei der landauf, landab gespielten, gleichförmigen Musik kein Wunder.

      Ansonsten hast völlig recht: Tango ist heute zu etwas geworden, was man verbissen in Kursen zu lernen hat, um dann irgendwann mal eine „Reife“ zu entwickeln, welche bei den Meinungsmachern und „Experten“ die Mundwinkel oben lässt und so eventuell mal zu einer Aufforderung führt.

      Einfach so tanzen gehen? Das ist wohl in weite Ferne gerückt…

      Danke für den Beitrag und liebe Grüße
      Gerhard

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    2. Peter Schubert5. Juni 2017 um 21:15

      Ich finde nach den vergangenen 6 Monaten im Tango die dazugehörige Szene ebenfalls nicht einladend, wobei ich am Tanz an sich viel Freude habe.

      Meine erste Tanzpartnerin und ich sind praktisch vom ersten Tag weg regelmäßig auf alle nur erdenklichen Milongas gegangen, da man (ich) mit ihr so etwas glücklicherweise machen konnte, und haben es dort einfach versucht.

      Dabei hatte ich aber nirgendwo den Eindruck (bis auf ganz ganz seltene Ausnahmen durch Einzelpersonen, keine Organisatoren) als Tanzpaar über ggf. eine Willkommens-Begrüßung hinaus integriert werden zu sollen (also z.B. im Sinne von "schön, dass ihr das als Anfänger macht", "ich stelle euch da mal xy vor" o.ä.).

      Meine Tanzpartnerin (Anfang 20) wurde zu einem gewissen Teil integriert und hatte auf einer bestimmten Milonga ein paar ältere Semester, die sie regelmäßig aufforderten und sie Ganchos o.ä. auf der Tanzfläche lehrten (was diese bei älteren und fortgeschrittenen Damen weder lehrten noch führten). Ich selbst fühlte mich aber ehrlich gesagt nicht wohl genug, um fremde und ggf. fortgeschrittene Tänzerinnen aufzufordern. Deswegen strebte ich an, eine kleine Anfängergruppe zusammenzubekommen, die regelmäßig zusammen ausgeht und sich unterstützt.

      Letztlich blieb es aber weitgehend dabei, dass wir das absolut einzige Tanzpaar blieben, das als Anfänger regelmäßig die unterschiedlichen Milongas besucht hat.

      Aus der Sicht eines relativen Einsteigers finde ich es daher irgendwie zumindest ganz beruhigend, dass ich nicht der Einzige bin, der die Szene nicht sehr einladend empfindet.

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    3. Lieber Peter Schubert,

      herzlichen Dank für den Erfahrungsbericht – erst wenn sich die Betroffenen selber rühren, wird sich im Tango etwas verbessern.

      Die Tangoszene reagiert äußerst langsam: Erst im Laufe längerer Zeit wird die Integration zunehmen, also nicht verzagen und dranbleiben!

      Allerdings würde ich als Mann möglichst bald damit beginnen, auch andere Frauen aufzufordern. Dann entstehen ziemlich schnell neue Bekanntschaften. Die meisten Tänzerinnen reagieren auf Anfänger sehr positiv – und wenn nicht: merken und nie mehr auffordern!

      Alles Gute und schöne Tangos!
      Gerhard Riedl

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  4. Markus Betz, WI4. Juni 2017 um 02:18

    Hach schön :-) Gern geschehen Meine Liebe ;-) Es freut mich so sehr dir dies geschenkt zu haben... <3 :-*

    Und allen anderen, nur Mut, aber habt auch Geduld und Nachsicht mit den "Un"mutigen, es benötigt viel Zeit und Geduld, umso mehr, je weniger Frau/Mann/Anleitende/Annehmende sich dem Fremden anvertrauen, also traut euch ;-)

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