Kommentar-Gedöns
Seit einiger Zeit ist mein Blog zu einem intellektuellen Treffpunkt geworden. So erhielt ich in den letzten Wochen teils mehrfache Zuschriften folgender Persönlichkeiten:
Prof. Dr. Claudius Kneif-Rückzieher
Prof. Dr. Ansgar Vorausschau
Prof. Dr. phil. mus. Amadeus von Wolkenstein-Klangfort
Prof. Dr. phil. nat. Wendelin von Schlaubitz
Dr. phil. habil. Alexander von Humboldt-Schönhausen
Prof. Dr. mult. Oisín O'Sullivan
Univ.-Prof. Dr. phil. Dr. h.c. Korbinian Moosbrugger-Gamsbeutler
Prof. Dr. mult. Dr. h.c. Jan-Gerrit van de Overvloed
Prof. Dr. phil. habil. Wolfgang Berger
Dr. med. Rainer Lux
Dr. rer. nat. Cordula Smetana
Sabine Heller, Fachärztin für Innere Medizin, Oberärztin (Na ja, die Weiber eher ein bisschen weniger dekoriert, typisch Tango, aber immerhin!)
Es entbrannte ein regelrechter Wettstreit im gescheit Daherreden.
Da ich früher bei meinen Zauber-Auftritten öfters Gast bei privaten Geburtstagsfeiern war, erlebte ich öfters Texte dieser Art, wenn irgendein Onkel Erwin meinte, etwas selbst Geschriebenes, das er lustig fand, zum Vortrag bringen zu sollen – und dabei die deutsche Sprache weit hinter die Gebrüder Grimm zurückwarf.
Kostprobe aus meinem Kommentar-Archiv:
„Im Zuge unseres laufenden Langzeit-Forschungsprojekts zur Klassifizierung eristischer Bundestags- und Stammtisch-Rhetorik ist den Kolleginnen und Kollegen Ihr jüngster Blogbeitrag auf den Tisch wehenschwerer Analyse gefallen. (…) Bislang ging die moderne Argumentationstheorie davon aus, dass das bewusste Aus-dem-Zusammenhang-Reißen von Zitaten (…) zwingend mit einer gewissen intellektuellen Rest-Schärfe maskiert werden muss, um beim Publikum zu verfangen. Sie jedoch haben diese jahrtausendealte Praxis revolutioniert: Sie kombinieren das mutwillige Entkontextualisieren von Leserkommentaren mit einem derart flachen, unfreiwillig komischen und im Kern schlichtweg schlechten Pennäler-Humor, dass jegliche argumentative Substanz implodiert.“
Fürwahr eine „wehenschwere Analyse“ aus dem Kreischsaal… Implosion inklusive!
Dass solche Kommentare meist gen Mitternacht eintreffen, habe ich schon berichtet. Auch, dass die Verfasser sich wohl, wenn überhaupt, zu hundert Prozent falscher Namen bedienen. Klar, wer wollte schon für einen solchen Mist die persönliche Verantwortung übernehmen?
Was mir ebenfalls auffällt: Solche Zuschriften treffen oft in Cluster-Form ein – also mehrere in ganz kurzer Zeit. Daher vermute ich, dass hinter solchen Serien oft nur ein einziger Autor steckt. Aber klar: Man möchte natürlich einen „Massenprotest“ vortäuschen. Die ganze Tangowelt ist gegen mich! Und speziell die „Studierten“ müssen es ja wissen!
Die Argumentation fällt widersprüchlich aus: Einerseits stellt man mich als senilen Altblogger dar, der seinen „Verfall zum Spektakel“ mache. Auf der anderen Seite charakterisiert man mich als größte Gefahr für den heimischen Tango, da ich die gläubigen Seelen bei der Verehrung von Sankt Ocho verderben könnte.
Ja, was denn nun? Beides geht kaum.
Beispielsweise hätte ich mir nie erträumt, dass meine harmlose Veralberung eines Tango-Lehrvideos eine solche Zahl und Art von Kommentaren provozieren könnte. Und auch die Gründe für die Kritik daran sind oft satirisch verwertbar. So teilt Herr Wendel mit, er sei schließlich mit dem Veralberten tango-befreundet. Das schließt natürlich eine solche Behandlung aus!
Um es nochmal zu sagen: Ich habe hier keinen Menschen und seine Lebensleistung bewertet, sondern lediglich ein (aus meiner Sicht) ziemlich bescheuertes Video karikiert. Und das rechtfertigt ein solches Tamtam?
Daher empfehle ich allen Tango-Empörten, ihre zorngetränkte Empathie von misshandelten Tangolehrern abzuwenden und sie, da ergiebiger, auf gestrandete Buckelwale zu richten. Da geht es doch wenigstens um Leben und Tod!
Hätte man Timmy nicht reanimieren sollen? Wir haben die Qual des Wals:
https://www.youtube.com/watch?v=ey69SCm5hPI
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Herr Riedl,
AntwortenLöschenmit der Fortsetzung Ihres ADA-Textes und dem Schwenk auf die Kommentatoren versuchen Sie nun eine Rechtfertigung, die nach demselben Prinzip funktioniert wie der ursprüngliche Beitrag: Nicht die eigentliche Kritik beantworten, sondern mit Nebenschauplätzen davon wegführen.
Was war denn ursprünglich überhaupt Ihr Punkt? Jetzt ist das Video plötzlich einfach „bescheuert“. Für mich war es vor allem deshalb interessant für Sie, weil es sich scheinbar ideal als Futter für Ihre ohnehin vorgeprägte Vorstellung vom heutigen Tangounterricht eignete. Nur schade, dass sich diese Ferndiagnose sehr schnell durch Leute relativieren ließ, die die Zusammenhänge und die Arbeitsweise des dargestellten Lehrers in seinen Practicas tatsächlich kennen.
Genau da liegt doch das Problem: Sie haben aus einem kurzen Ausschnitt weitreichende Schlüsse gezogen und sind damit ziemlich ins Blaue geschossen. Statt diesen Fehlschluss einzuräumen, schreiben Sie nun einen neuen Beitrag über die Kritiker.
Dann noch Ihr Strohmann mit meiner Freundschaft zu Sven Elze. Ich habe keineswegs behauptet, man dürfe ihn nicht kritisieren, weil er mein Freund sei. Ich habe gesagt, dass ich seine Arbeitsweise besser kenne als Sie mit Ihrer Ultrakurz-Video-Ferndiagnose. Das ist ein Unterschied.
Besonders hübsch wird es dort, wo Sie beklagen, man arbeite sich mehr an Ihrer Person als an Ihren Inhalten ab. Was machen Sie denn in diesem Beitrag mit den Kommentatoren? Sie erklären aufgrund ihrer satirischen Namen ihre „Nicht-Existenz“, spekulieren über einen einzigen Urheber, über angeblichen „Massenprotest“ und beschäftigen sich ausführlich mit Uhrzeiten, Titeln und Schreibweise.
Nur der Inhalt stört offenbar weiter.
Denn ausgerechnet Ihre eigene „Kostprobe“ trifft den Kern ziemlich genau:
„Sie kombinieren das mutwillige Entkontextualisieren von Leserkommentaren mit einem derart flachen, unfreiwillig komischen und im Kern schlichtweg schlechten Pennäler-Humor, dass jegliche argumentative Substanz implodiert.“
Sie zitieren das, um sich darüber lustig zu machen. Dabei beschreiben Sie damit versehentlich ziemlich präzise das Verfahren Ihres neuen Beitrags.
Lieber Herr Wendel,
Löschenich hätte nie gedacht, dass ich mit meiner Verblödelung eines Zweieinhalb-Minuten-Videos einen derartigen Sturm der Entrüstung auslöse.
Ja, Tangolehrer sollte man nicht veralbern – grenzt an Gotteslästerung!
Aber nochmal: Ich habe mich über eine kurze Aufnahme amüsiert, nicht über eine Lebensleistung. Oder behauptet, der Herr könne nicht tanzen. Da ist der Betreffende – im Vergleich mit mir – doch ganz gut weggekommen!
Herr Riedl,
Löschenich kenne das Muster inzwischen: erst kräftig austeilen, und wenn die Reaktionen heftig werden, war alles nur Veralberung, Satire oder „viel Lärm um nichts“.
Dabei geht es gar nicht darum, dass man einen Tangolehrer nicht veralbern dürfte. Es geht um Ihren Ton. „Stummes Weibchen“, „Gequatsche“, „zusammengeklöppelt“ – das sind keine harmlosen Beobachtungen. Sie urteilen über Menschen und über deren Unterricht und wundern sich anschließend über die Reaktion.
Auffällig ist nur: Sobald derselbe Ton gegen Sie zurückkommt, wird er plötzlich zur „Unverschämtheit“, „Anmaßung“ oder zum „Kasernenhofton“.
Ein Beispiel: In dem von Ihnen verlinkten früheren Beitrag machen Sie sich über Sven Elzes weißen Gürtel lustig. Ich könnte nun umgekehrt Ihre babyfarbenen Pullover auf den Titelbildern vom 22. und 24. September kommentieren und daraus irgendeine spöttische Charakterdeutung basteln. Tue ich aber nicht. Warum auch? Kleidung ist Kleidung.
Genau diesen Unterschied meine ich. Sie greifen solche Äußerlichkeiten auf, machen daraus eine Pointe und wundern sich anschließend, dass andere Ihren Ton nicht als niedliche Veralberung empfinden.
Vielleicht sollten Sie deshalb nicht immer nur die Empfindlichkeit der anderen untersuchen, sondern gelegentlich auch die Wirkung Ihrer eigenen Formulierungen. Wenn solche Reaktionen ständig entstehen, liegt es womöglich nicht nur an den anderen.
Lieber Herr Wendel,
Löschenmit „Gequatsche“ habe ich das störende Gerede im Hintergrund des Unterrichts bezeichnet, gell?
Wenn es Ihnen guttut, können Sie gerne über meine Pullover herziehen. Und immerhin wollen Sie ja nun – auf vielfachen Wunsch – auf die bescheuerten KI-Illustrationen zu meiner Person verzichten.
Ansonsten vielen Dank für Ihre Mithilfe, meine Artikel so populär zu machen! Ich wüsste nicht, was ich ohne Sie täte.
Irgendwie ging mir der weiße Gürtel nicht aus dem Kopf – nun ist’s mir eingefallen: Ich habe diesen Tangolehrer schon einmal veralbert. Da tanzt er schon wieder redend vor – diesmal sogar auf Englisch:
AntwortenLöschenhttps://milongafuehrer.blogspot.com/2025/08/ich-mach-vor.html
Ich rate zur zweiten Empörungsstufe…