Garantiert KI-frei
„Ach, das Wort, worauf am Ende
Er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein.“
(J.W. von Goethe: „Der Zauberlehrling“, 1797)
Ich gestehe, dass mir jegliche Fachkenntnisse fehlen, um die „Künstliche Intelligenz“ alias „KI“ beurteilen zu können, ja mit ihr umzugehen.
Als das Thema vor einiger Zeit – auch in der Tangoblogger-Szene – aufkam, war ich von Anfang an skeptisch: Wieso sollte ich eine Maschine mit Blogtexten beauftragen? Ich bilde mir ein, selber schreiben zu können – übrigens ein Argument, das auch Altblogger Cassiel damals in einem Kommentar verwendete.
Also ergänzte ich den Untertitel meines Blogs: „Gerhard Riedls garantiert unanonymes und KI-freies Blog zum Tango argentino“.
Die Konkurrenz war da optimistischer: Vor allem Kollege Yokoito amüsierte sich über meine Rückständigkeit. Noch heute ist auf seinem Blog eine riesige KI-generierte Inhaltsangabe vieler meiner Texte zu finden:
Na gut – ich habe nie etwas gegen Werbung. Soll er doch!
Allerdings amüsiere ich mich beträchtlich, dass nun ganz aktuell – von Fachleuten – ziemlich heftig vor den Gefahren der außermenschlichen Intelligenz-Maschine gewarnt wird. Ich zitiere aus zuverlässiger Quelle – Titel: „Ein Hochrisiko-Experiment, dessen Ausgang niemand kennt“.
So schreibt der Experte Jacob Coxon:
„Die Leute, die KI entwickeln, glauben ernsthaft, dass sie zum Ende des Jahrzehnts alle töten könnte.“
Das ZDF befragte den im Silicon Valley ansässigen KI-Berater Patrick Swanson: „Die KI-Labs bekommen es mit der Angst zu tun". Unabhängige Forscher fanden beispielsweise heraus, dass beim viel beachteten Angriff auf die Plattform „Hugging Face“ die KI-Agenten von OpenAI teilweise sogar Methoden anwendeten, die ihre Angriffe verschleiern sollten.
Zitat Swanson: „Wir haben KI-Agenten, die nicht vollständig kontrollierbar sind, die aus Test-Umgebungen ausbrechen. Wir können uns jetzt an konkreten Beispielen überlegen, wie automatisierte Cyberangriffe ablaufen könnten. Oder was im Bereich von Biowaffen möglich sein könnte".
Gleichzeitig, so das ZDF, werde klar, „dass selbst Entwickler der Technologie das Verhalten ihrer Modelle und Agenten nicht bis ins letzte Detail verstehen und sie nicht vollends kontrollieren können.“
Wie gesagt: Ich war beim Thema KI von Anfang an skeptisch. Nicht wegen der nun aktuellen Gefahren, sondern einfach deshalb, weil ich eine weitere geistige Verarmung fürchtete. Die ganzen vermeintlichen Wohltaten der digitalen Welt gaukeln uns vor, nicht mehr selber denken zu müssen – für manche Zeitgenossen eine glückbringende Verheißung.
Ich muss bei solchen Themen an die „Zeitmaschine“ von H.G.Wells denken, wo in ferner Zukunft die Bibliotheken verstauben und die kindlichen „Eloi“ eine Art sorgen- und geistfreies Disneyland bewohnen. Weniger schön ist es, dass sie nicht alt werden, da sie von den unterirdisch hausenden „Morlocken“ als Nahrung gehalten werden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Zeitmaschine
Welch schöne Zukunftsperspektive! Wird es uns, wie dem Hexenmeister in Goethes Gedicht, noch gelingen, den Besen einzufangen?
Wollen wir es hoffen – weil sonst…
„Und sie laufen! Nass und nässer
Wird's im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen! –
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
Werd ich nun nicht los.“


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