Noch im Großhirn oder schon im Körper?
Die Fürther Tangolehrerin Steffi Stenzel möge es nicht als böswillige Verfolgung ansehen, dass sie nun schon wieder in einem meiner Artikel vorkommt!
Tatsächlich veröffentlicht sie immer wieder Ideen, die sie von der öden Masse ihrer Kolleginnen und Kollegen abheben. In einem aktuellen Facebook-Beitrag geht es ihr um die „Kunst des Loslassens“ – „Vom Sicherheitsnetz zum echten Dialog“: Vertrauen beim Folgen bedeute nicht, die Kontrolle abzugeben. Da hat sie schon mal recht.
Ob sich was ändert, wenn man statt von „Führenden“ und „Folgenden“ über „Caller“ und „Responder“ spricht, weiß ich nicht. Ich wurde beide eher „Gesprächspartner“ nennen. Oder halt „Tanzende“. Aber Namen lösen keine Probleme.
„Welche Schritte muss ich da jetzt tanzen?“ „Wohin muss ich genau?“ oder gar „Wie heißt die Figur?“: Dass im Tangounterricht „Folgende“ immer noch solche Fragen stellen, zeigt halt, dass Tango heute weitgehend ebenso schulmäßig unterrichtet wird wie jeder andere Gesellschaftstanz – vom „Improvisieren“ wird zwar gerne geredet, es kommt in der Praxis aber wenig vor.
Klar, meist sind es die Frauen, die auf „Muster-Erkennung“ dressiert werden. Ziel ist stets dieses verdammte „Richtigmachen“ per auswendig gelernter Schablone.
„Der Tanz, der als fantastisches Erlebnis in Erinnerung bleibt, ist selten der fehlerfreieste. Es ist der, in dem der Drang verschwindet, ein Ergebnis mit dem Kopf erzwingen zu wollen.“ Da kann ich nur begeistert zustimmen.
„Noch im Großhirn oder schon im Körper?“ Endlich fragts mal eine…
Wobei man hinzufügen sollte, dass auch das Großhirn Teil des Körpers ist – nur halt nicht umgekehrt! Obwohl man es bei Tango-Diskussionen manchmal glauben könnte.
Klar, Vertrauen heißt nicht, auf die eigene Kontrolle zu verzichten: Stabilität, Präsenz, Achse und Bewegungsqualität wechseln nicht den Besitzer. Und dennoch entsteht ein Miteinander, das theoretisch schwer erklärbar ist. Schon gar nicht durch längelange, abgehobene Blogtexte.
Steffi fragt mit Recht: Wie solle man bei der Verschiedenheit zweier Menschen alle möglichen Antworten abspeichern? Daher solle man aufs „Erraten von Mustern“ verzichten. Niemand müsse mehr „alles alleine machen“.
Für mich ist das Endziel, dass die beiden Rollen sich angleichen: Beide machen mal Vorschläge oder reagieren auf die des anderen. Führt das ins Chaos, wie uns Tanzlehrer gerne warnen?
Nein, nur wird es bei jedem Gespräch Missverständnisse geben – oder der Faden reißt mal ab. Mit der Zeit wird man lernen, darauf nicht mit Panik zu reagieren. Die Amygdala, also die hierfür zuständige Gehirnregion, darf mal bis zur nächsten Begegnung mit einem Krokodil (oder einem Blog-Kommentator) Ruhe geben. Es ist nur ein Tanz – wir schweben nicht in Lebensgefahr!
Und klar – nicht nur in der Politik oder gar der Paarbeziehung, wird bei Gesprächen einiges schiefgehen. Aber das darf einen nicht davon abhalten, dranzubleiben und es weiter zu versuchen. Diese Routine kann man in keinem Kurs lernen – sie entsteht vorwiegend auf dem Milonga-Parkett.
Und das ist ja – jedenfalls in meiner Sicht – der zentrale Lernort.
Mich hat Steffis Text sehr angesprochen. Doch Bilder sagen mehr als tausend Worte: Warum erfahren wir im beigefügten Video einmal mehr, dass Steffi und Petra sehr gut tanzen können? Wissen wir! Warum habt ihr euch zu dem Behufe nicht zwei Schüler geschnappt und mal gnadenlos rumimprovisiert? Hätte ich interessanter gefunden!
Na gut – kann ja noch kommen. Vielleicht hat ja die Amygdala keine Ruhe gegeben…
Quelle: https://www.facebook.com/watch/?ref=saved&v=39319838167614772
Na, dann lassen wir Steffi und Petra noch tanzen (das Paar im Vordergrund) – „Ronda de los maestros“…hüstel…:
https://www.youtube.com/watch?v=32fqoAKJY34&list=RD32fqoAKJY34&start_radio=1


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