Wenn man zu Piazzolla tanzt…

 

Durch puren Zufall stieß ich heute auf ein fast 8 Jahre altes Tanzvideo. Ob mich gerade am Karfreitag ein religiöses Thema angesprochen hat, weiß ich nicht. Jedenfalls weckte es bei mir Erinnerungen an einen anderen Tanz dieses Paars, der damals im Netz fast so runtergemacht wurde wie unser eigenes „berühmtes“ Vortanzvideo aus dem Jahr 2015.

Bei den Akteuren handelt es sich um Caroline Roling und Jürgen Kühne – beides meines Wissens lupenreine Tango-Amateure. Als sie sich dereinst an Piazzollas Oblivion” versuchten, hagelte es auf Facebook Kritik in dieser Preislage:

„Wenn man sich nicht von ihr stören lässt, kann man zu jeder Musik tanzen.“

„Oh Göttin, ist das furchtbar. Nach was tanzen die beiden denn da? Ist es wirklich ‚Oblivion‘, oder wurde die Musik nachträglich nur untergelegt?“

„Nett anzuschauen – aber die Frage, ob die beiden beim Tanzen Musik gehört haben, bewegt mich auch.“

Ich habe das Paar damals in einem Artikel verteidigt – nicht, weil ich ihren Tanz für eine künstlerische Meisterleistung hielt, sondern weil es mich ärgerte, wie man eine Menge Arbeit in zwei Zeilen heruntermachte. In meinem Text kann man das Video immer noch ansehen – und ich habe es heute nach etlichen Jahren ohne Beeinträchtigung meines Wohlbefindens getan:

https://milongafuehrer.blogspot.com/2019/09/die-eunuchen-entdecken-den-missstand.html

Daher möchte ich heute an einen weiteren Tanz dieses Paars erinnern:

„Tanti anni prima“ („Viele Jahre früher“) alias „Ave Maria“ ist eine wunderschöne Ballade Piazzollas – vergleichbar mit „Oblivion“, aber noch weit seltener aufgelegt. Obwohl es wie dieses ziemlich einfach zu tanzen ist. Es hat also rein „ideologische“ Gründe, warum man diesen Titel den Tanzenden vorenthält.

Hier habe ich das Stück ausführlich besprochen:

https://milongafuehrer.blogspot.com/2024/10/piazzolla-zum-tanzen-13.html

Mich hat der Tanz des oben genannten Paars ziemlich angerührt – schon, weil es heute sehr selten ist, dass man sich als Laie an die Interpretation eines Tango nuevo-Themas wagt. Dann ist die Gefahr, dass öffentlich dumm dahergeredet wird, ziemlich real.

Wer einmal sechs ruhige Minuten hat, sollte sich die Aufnahme ansehen. Und dann vielleicht überlegen, was aus dem Tango werden würde, wenn es nicht Amateure gäbe, die ihr Herzblut auf diesen Tanz verwenden.

Mich erinnert diese Musik an bessere Zeiten, die wir im Tango noch erleben durften.

 

https://www.youtube.com/watch?v=S-C2gaZ6-Yg

Allen meinen Leserinnen und Lesern frohe Ostern!

Kommentare

  1. Neuester Scherz auf „Radio Riedl-Wahn“:
    „Stimmt es, dass ein gewisser Blogger mit recycelten Artikeln seine aktuelle Schreibkrise kaschiert?“
    Bilanz meines Blogs 2016:
    Januar: 27 Artikel
    Februar: 24 Artikel
    März: 25 Artikel
    Ich glaube, eine solche „Schreibkrise“ hätte der Kollege auch gern…

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