Alternative: Taxitänzer

Erklärt habe ich diesen Begriff schon in früheren Artikeln: Es handelt sich zumeist um Herren, die in den 1920er und 30er Jahren hierzulande durchaus zur Grundausstattung von Schwofs zählten. Man konnte solche Tanzpartner mieten. Rekrutiert wurden diese Arbeitskräfte häufig aus Offiziers-Chargen und (verarmten) Adeligen, da dort der geeignete Typus im Angebot war: Man verfügte über einen Fundus akzeptabler Kleidung, konnte sich halbwegs in Gesellschaft bewegen und vor allem: tanzen. Weiter reichende Dienstleistungen nicht ausgeschlossen. Damals hörte man auf Bezeichnungen wie „Eintänzer“ oder „Gigolo“.

https://milongafuehrer.blogspot.com/2019/11/man-zahlt-und-du-musst-tanzen.html

https://milongafuehrer.blogspot.com/2022/12/die-nacht-der-gigolos.html

Im hiesigen Tango spielen sie heute kaum eine Rolle – schon, da sie elegant auftreten und mit jeder Auftraggeberin tanzen müssten.

In der argentinischen Heimat des Tango scheint es aber durchaus Männer zu geben, die gegen Geld Touristinnen durch die Milongas schwenken. Jedenfalls genug, um von einer Autorin besprochen zu werden, deren genauere Tangobezüge ich nicht eruieren konnte.

Sie sieht „mehrere stichhaltige Bedenken“ gegen die Nutzung bezahlter Tanzbegleiter:

·       Der Tango werde dadurch kommerzialisiert (na sowas aber auch!).

·       Diejenigen, welche zahlen könnten, erhielten mehr Aufmerksamkeit (ein gänzlich neuer Effekt).

·       Es führe zu „Elitismus“ (Ist der nicht schon da?).

·       Frauen könnten sich darauf verlassen, dass die Profis ihre tänzerischen Schwächen ausgleichen (völlig neu).

·       Absichten könnten „fehlinterpretiert“ werden. (Ach, die werden zumeist durchaus richtig verstanden!)

·       Taxitänzer böten eine „sichere Abkürzung“ – man lerne nicht, mit Ablehnungen umzugehen. (Und mit einem festen privaten Tanzpartner?)

·       Die „traditionelle Tangokultur“ (Etikette, Codes) würde untergraben. (Prima, dann her damit!)

·       Mögliche Ausbeutung der Taxitänzer (Da empfehle ich Vorkasse!).

·       Das „Gleichgewicht der Partnerrotation“ würde gestört. (Welche Rotation?)

·       Milongas könnten als „stärker kommerzialisiert“ wahrgenommen werden. (Super – der war gut!)

„Insgesamt lautet der Hauptkritikpunkt, dass Taxi-Tänzer den Tango von einer gemeinsamen sozialen Kunstform hin zu einem dienstleistungsorientierten Modell verlagern und damit möglicherweise das kulturelle, emotionale und gemeinschaftliche Wesen schwächen, das ihn ausmacht.“

Mir kommen die Tränen!

Leute, können wir mal kurz den Boden der Tatsachen betreten?

Anzunehmen, dass solche Einwände vorwiegend von Männern kommen, denen dann das Druckmittel fehlen würde, unliebsame Weiber einfach durch Sitzenlassen zu bestrafen. Da ginge doch die ganze gottgewollte Milonga-Ordnung verloren!

Ich könnte es jedenfalls gut verstehen, wenn Frauen sich einen bezahlten Begleiter leisten, statt sich den Hintern platt zu sitzen. Vermutlich kann der Partner sogar tanzen. Und sollte er auch anderes gut können, spare ich mir die moralische Entrüstung.

Gut ein Viertel der deutschen Männer hat schon einmal für Sex bezahlt. Darüber regt man sich nicht auf – bei Frauen aber schwingt man die Moralkeule!

https://de.statista.com/infografik/28711/anteil-der-maenner-die-bereits-fuer-sex-bezahlt-haben/

Und was die „hehren Tangotraditionen“ betrifft: Haben die Gründerväter des Tango wegen des einstigen Frauenmangels nicht die Tänzerinnen bezahlt – für welche Dienstleistungen auch immer?

Jedenfalls finde ich, dass es die werte Tangogesellschaft einen Dreck angeht, wie Frauen zu ihren Tanzpartnern kommen. Auch wenn man dann scheinheilige Texte verfasst.

Aber klar: Was den Männern erlaubt ist, sollten die Frauen nicht ebenfalls versuchen.

Diese Einstellung nennt man Sexismus.

Quelle: https://www.facebook.com/Shanti.tangOsa/posts/pfbid08HdVghsoJkaxxaEdSCiZamnWagB67ZCVSYK957w9DjfgXELyPJevbsngUCy9gLgdl

https://www.facebook.com/Shanti.tangOsa/posts/pfbid02C6ZiYbZcXSkkg7PjHEA7LaFtxKKvwXizepCX86tvnNAfq6cqyggkya9YkNmzGwkEl

Dann lassen wir doch mal einen Taxi-Tänzer erzählen (ab 2:00):

https://www.youtube.com/watch?v=6bpr9aGshM8 

P.S. Erschüttert hat mich, wie dort getanzt wurde. Und deshalb soll man nach Buenos Aires fliegen?

Zugriffe 22.4.: 1575 

Kommentare

Hinweis zum Kommentieren:

Bitte geben Sie im Kommentar Ihren vollen (und wahren) Namen an und beziehen Sie sich ausschließlich auf den Inhalt des jeweiligen Artikels. Unterlassen Sie herabsetzende persönliche Angriffe, gegen wen auch immer. Beiträge, welche diesen Vorgaben nicht entsprechen, werden – ohne Löschungsvermerk – nicht hochgeladen.
Sie können mir Ihre Anmerkungen gerne auch per Mail schicken: mamuta-kg(at)web.de – ich stelle sie dann für Sie ein.