Kommentare gestern und heute

 

Mein Blog zeigt mir jeden Tag die 20 Artikel an, welche in den letzten 24 Stunden am häufigsten aufgerufen wurden. Oft sind das Texte, zu denen es auch viele Kommentare gibt.

Eine Tendenz fällt mir dabei immer wieder auf: Bis zirka 2020 waren die Zuschriften meist mit dem (echten) Verfasser-Namen gezeichnet und bewegten sich im Rahmen eines halbwegs höflichen und zugewandten Stils. Ich habe einmal drei typische Beispiele herausgesucht:   

Annette5. Februar 2016 um 21:19

„Es scheint in der Tangoszene einige Leute zu geben, die den Tango offensichtlich für ihre Bestätigung und zur Pflege ihres Egos brauchen. Solche Leute haben zu wenig Humor und verderben anderen den Spaß! Geht es nicht darum, den Tango zu genießen und zwar gemeinsam? Mit allen?

Stattdessen malt sich jemand aus, dass einige Tänzer rausgemobbt werden sollten. Es reicht doch, wenn er sich seine Partnerinnen aussucht, nein, er will auch noch andere Tänzer niedermachen.

Tango ist eine schöne Freizeitbeschäftigung, zum Zweck, dass es einem gut geht. Natürlich ist es ganz schön, Ehrgeiz zu haben, aber das bleibt jedem selbst überlassen. (…)“

https://milongafuehrer.blogspot.com/2016/08/das-beatrice-syndrom.html?showComment=1471936460673#c3786233873880903797

Anonym23. August 2016 um 09:14

„Eine Beatrice ist also in jeder Hinsicht sehr attraktiv und wird von den Tangueros umschwärmt - oh Wunder. Wenn sie auch den Tango heiligen und Tandas für Herren freihalten würde, denen die sie im Bus den Sitz freimachen würde, wäre sie perfekt. Ich glaube, wir haben in unserer Szene derzeit keine Beatrice - schade eigentlich. Aber einige attraktive Damen ersetzen zusammen letztendlich eine Beatrice.

Das männliche Gegenstück hier ist der schmerzbefreite Allestänzer, der stur der Reihe nach auffordert. Er kommt bei vielen im Alter fortgeschrittenen Damen sehr gut an. Wenn er wegbleibt haben sie ein Problem.“
::wirdschonwerden (alias Martin Ziemer)

https://milongafuehrer.blogspot.com/2016/08/das-beatrice-syndrom.html?showComment=1471936460673#c3786233873880903797

Renate29. November 2014 um 10:50

„Lieber Gerhard,
hiermit lade ich ganz herzlich ein, zu unserer Milonga nach Würzburg zu kommen.

Für viele unserer immer wieder kommenden und sich offensichtlich sehr wohl fühlenden Gäste liegen diese in (deiner selbst erdachten) Punktskala zwischen 20 und 30; das Tango-Cafè am ersten Sonntag im Monat erreicht locker 25 Punkte.

Ich erkenne dich sicher wieder und begrüße dich gerne...
herzlichst“

(Renate Koch)

https://milongafuehrer.blogspot.com/2014/10/der-groe-milonga-test_16.html?showComment=1417254652372#c1763697585024877539

Die Beiträge waren also sicherlich nicht unkritisch, bewegten sich aber in einem Rahmen, der auch ein persönliches Gespräch gekennzeichnet hätte.

Was in den letzten 5 oder 6 Jahren kam, war zunehmend von einer anderen Qualität: Häufig scherte man sich kaum um das Thema eines Textes, sondern nahm sofort meine Person auf die Hörner:

„Ach herrje, jetzt kommt wieder die Jammerwalze. Wie arm der ständig anonym angepöbelte Riedl doch ist! Und dann behauptet er auch noch, anonyme Kommentare nicht zu veröffentlichen, obwohl er es eigentlich gerne tun würde. Echt jetzt? Das ist wohl satierisch gemeint. Der Blog ist voll mit anonymen Kommentaren! Da sollten Sie doch glatt einmal die Fakten tschecken ….“

https://milongafuehrer.blogspot.com/2024/12/wie-war-doch-gleich-der-name.html?showComment=1734451260173#c3011378950056500165

Anonym10. Dezember 2024 um 18:00

„Warum muss Riedel immer das letzte Wort haben? Sein fehlender musikalischer Geschmack ist längst bekannt – es wird Zeit, seinen Blog einfach zu ignorieren und ihn mit seinem endlosen Gesuder alleine zu lassen.“

https://milongafuehrer.blogspot.com/2024/12/fakten-check-wohnzimmer-playlists.html?showComment=1733850010830#c2164294446216583564

„Gerhard, dein Text liest sich wie das Tagebuch eines selbsternannten Hüters von Anstand und Moral. Da steht einer vor Gericht, weil er einen Oberstaatsanwalt beleidigt hat, und du kannst es nicht lassen, diesen völlig unbedeutenden Vorfall zu einem Leuchtturm für deine Lieblingsagenda aufzublasen: die ach so verkommene Welt der sozialen Medien und – natürlich – des Tangos. Hast du eigentlich mal darüber nachgedacht, wie oft du dich selbst in der Rolle des beleidigten Moralapostels wiederfindest? Wahrscheinlich nicht, sonst würdest du diesen Artikel vielleicht mit etwas mehr Selbstironie würzen und weniger Selbstgefälligkeit. (…)“

https://milongafuehrer.blogspot.com/2024/11/von-geschlossenen-gruppen-und-zellen.html?showComment=1732365241658#c161999782302324960

Ich habe mir natürlich die Frage gestellt, ob meine Artikel in den letzten Jahren schärfer geworden sind. Tatsächlich habe ich eher den gegenteiligen Eindruck: Mit der Zeit lernte ich, meine Ansichten eher in feine Ironie zu verpacken, Anspielungen statt Angriffe zu nutzen.

Natürlich dürfen das meine Leserinnen und Leser selber beurteilen. Die Links sind ja angegeben. Und mein Archiv (Sidebar links) bietet – nach Jahr und Monat geordnet – Lesestoff ohne Ende.

Ich meine, es hat sich gesellschaftlich etwas zum Negativen verändert. Der Ton ist rauer geworden, und die Suchmaschinen bevorzugen Texte, in denen es hoch hergeht. Und im Tango nähert man sich immer mehr einer Sekte, in der man vieles zu glauben hat. Kritische Nachprüfung unerwünscht!  

In einem Text der Bundeszentrale für politische Bildung heißt es:

„Hassrede (engl. Hate Speech) ist ein Ausdruck gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und kann verstanden werden als „Form (…) extremer und schädigender kommunikativer Angriffe auf Personen aufgrund ihrer (wahrgenommenen) Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe“. (…) Es geht also darum, dass Menschen nicht aufgrund ihrer individuellen Eigenschaften abgewertet werden, sondern aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Religion, sexuellen Orientierung oder anderer gruppendefinierender Merkmale. Hassrede kann sowohl gegen Einzelpersonen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit als auch gegen ganze Gruppen pauschal gerichtet sein. Die konkrete Ausgestaltung ist vielfältig und reicht von direkten Beleidigungen und Gewaltandrohungen über negative Stereotypisierung und Falschinformationen (…) bis hin zu subtilen und impliziten Formen, die oft schwer zu erkennen sind.“

https://www.bpb.de/themen/parteien/rechtspopulismus/562042/diskussionsraeume-und-radikalisierungsprozesse-in-sozialen-medien/

Das Schlimme ist: Lässt man böse Sprüche stehen, ermuntert das andere, es noch ärger zu treiben.

Ich hätte nie vermutet, einmal dazu gezwungen zu sein, die direkte Kommentarmöglichkeit meines Blogs abzuschalten. Das war ein Wagnis. Glücklicherweise hat es die Zugriffszahlen nicht verringert, sondern sogar erhöht. Welche Motive dahinterstehen, weiß ich nicht.

Dafür zieht man auf Konkurrenz-Blogs heftig über mich her. So durfte ich aktuell lesen, ich sei ein „kleiner Tango-Revolutionär“ mit seiner „Mao-Bibel unterm Arm“.

https://www.tangocompas.co/musikalitaet-im-tango-warum-menschen-musik-so-unterschiedlich-hoeren/

Nein, wirklich nicht! Das Nachbeten der Sprüche „großer Vorsitzender“ liegt mir fern. Mao Zedong wird insgesamt für bis zu 40–80 Millionen Tote verantwortlich gemacht, die aufgrund von vermeidbaren Hungersnöten, Bestrafungsaktionen und politischen Säuberungen starben.

https://de.wikipedia.org/wiki/Mao_Zedong

Geht’s vielleicht eine Nummer kleiner?

Evolution * www.tangofish.de

 

Kommentare

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