Was liegt, liegt

„Quod scripsi, scripsi“ (Pontius Pilatus)

„Quod lumen, lumen“ – „was liecht, liecht“ – alte Skatregel

Vor seinen letzten Artikel vom 14.4.26 hatte Klaus Wendel zwei Beiträge gesetzt, in denen er (mal wieder) äußerst scharf mit mir abrechnete. Ich habe darauf reagiert:   

https://milongafuehrer.blogspot.com/2026/04/wendel-die-letzte.html

Mir erschien es sinnlos, dazu die große Moral-Symphonie anzustimmen – im Gegenteil: Wenn sich jemand unbedingt um Kopf und Kragen schreiben will, sollte man ihn nicht daran hindern. Der Unterhaltungswert ist ja unbestreitbar.

Ich habe bei diversen Auseinandersetzungen immer wieder erlebt, dass man gerne die ethische Verurteilung anstrebt. Das erzeugt großen Radau, bringt aber ungefähr so viel wie das kirchliche Verbot von vorehelichem Sex: Es wird sich gegen natürlichere Tendenzen nicht durchsetzen.

Die beste Methode, um manchen Konkurrenten zu schaden, ist: sie zu zitieren. Das Material kommt oft wie bestellt nicht von mir, sondern von ihnen.

Man kann darüber streiten, ob die oben erwähnte Philippika – jenseits des großen Getöses – sinnvoll war. Es gibt jedenfalls eine einzige Möglichkeit, Fehlgriffe noch zu toppen: Man löscht solche Texte anschließend wieder.

Leider hat der Kollege genau das getan und schreibt dazu: „Einige Leser haben mich darauf hingewiesen, dass diese Person – direkt oder indirekt – in meinen Texten inzwischen zu viel Raum einnimmt.“ Er wolle nicht „immer wieder den gleichen Schwachsinn widerlegen.“

Echt – darauf muss man ihn hinweisen? Nach Dutzenden einschlägiger Artikel und (über die Jahre) Hunderten von Kommentaren, mit denen er sich mit meinen Auffassungen auseinandersetzte? Man kann ihm nicht vorwerfen, sich an mir zu wenig abgearbeitet zu haben.

Kann man den Fehler, einen unüberlegten Verriss zu veröffentlichen, noch toppen? Klar – indem man signalisiert, man stehe nicht mehr zum selbst Verfassten. Noch dazu auf Anraten anderer.

Wenn ich in all den Jahren meines Bloggens auf die vielen Ratschläge reagiert hätte, wie und worüber ich schreiben solle, wäre meine Seite längst untergegangen.

Leser nennt man deshalb so, weil sie lesen sollen. Wenn sie anfangen, sich als Blog-Gestaltungs-Klugscheißer aufzuspielen, weise ich zart darauf hin, dass es meine Verantwortung ist, so und nicht anders zu schreiben. Ich mir die Themen selber heraussuche. Wenn sie es besser können, bitte: Sollen sie ihr eigenes Blog aufmachen! Aber die Rolle des heimlichen Einflüsterers ist natürlich bequemer: Mag der Andere sich Mühe geben – selber bleibt man diskret im Hintergrund.

Meist gibt es zwei Personen, auf deren Urteil zu meinen Texten ich großen Wert lege. Aber auch die kriegen meine Artikel erst nach Veröffentlichung zu lesen. Wenn Einwände kommen – ob generell oder zu einzelnen Passagen – nehme ich die sehr ernst und überdenke das Geschriebene noch einmal genau. Änderungen nehme ich nur selten vor, und wenn, dann punktuell und in kürzester Zeit. Selten werde ich per Kommentar auf sachliche Fehler hingewiesen, die ich natürlich umgehend korrigiere.

Beim Schreiben habe ich die Erfahrung gemacht, dass die erste Idee meist die beste ist. Nachträgliches Herumschrauben macht den Text oft schwieriger und weniger direkt. Der anfängliche Schwung wird ausgebremst. Meine größten Erfolge waren meist Beiträge, die „wie von selber“ in weniger als einer Stunde entstanden. Einfach, weil das „Material“ so gut war.

In über 12 Jahren sind nun auf meinem Blog fast 2300 Posts erschienen. Die Zugriffszahl nähert sich den 2 Millionen. Ich kann also nicht alles falsch gemacht haben.

Daher kann ich jedem, der mit dem Bloggen (egal ob über Tango oder Karnickelzucht) beginnen möchte, nur dringend raten: Verlassen Sie sich auf den eigenen Instinkt, die persönliche Schreibe! Wenn, dann haben Sie nur damit Erfolg – und nicht, dass Sie sich von diversen Ratgebern steuern lassen, sozusagen „deren Artikel“ veröffentlichen.

Mir wurde oft vorgeworfen, ständig auf meine Person zu fokussieren. Ja klar, worauf denn sonst? Ein „Web-Log“ ist von seiner Entstehung her ein individuelles Tagebuch – und ich maße mir nicht an, allgemeine Wahrheiten zu verkünden, sondern persönliche Eindrücke, Meinungen und Erfahrungen. Ich glaube, genau das macht ein Blog für andere interessant – und nicht abgehobene Theorien und Beschreibungen. Die gibt es auch im Tango genug, nicht aber Sichtweisen aus subjektiven Blickwinkeln. Und meiner wird stets die des „Tango-Kunden“ sein, der berichtet, wie hochmögende Ideen vor Ort ankommen. Journalisten, so habe ich gelernt, interessieren sich nicht für allgemeine Abhandlungen, die sie sonst wo googeln können, sondern für persönliche Erlebnisse und Ansichten. Sie werden wissen, warum!

Sollte Wendels Blog scheitern, dann an einer Prämisse, die nicht funktioniert: Wer ihm widerspricht, müsse „von der Sache mehr verstehen“. Mit anderen Worten: Jeder, der dies unternimmt, kann damit rechnen, dass ihm die „Kompetenz“ abgesprochen wird. Das steigert nicht gerade die Lust, es zu versuchen.   

Dennoch hoffe ich, dass auch in Zukunft wieder andere Tangoblogs entstehen werden. Vielfalt ist besser als Einfalt. Ich freue mich auf neue Artikel und Ideen.    

Aber nochmal die herzliche Bitte: Cards on the table – aber was liegt, liegt. Ändern Sie im Nachgang nicht mehr viel – lassen Sie den Text so stehen! Egal, wie schlecht Ihr anfänglicher Artikel war: Es gibt immer noch Luft nach unten…

Quelle der Zitate:

https://www.tangocompas.co/musikalitaet-im-tango-warum-menschen-musik-so-unterschiedlich-hoeren/

Kommentare

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