An meine Kritiker von einst
In den ersten Jahren nach Erscheinen meines Tangobuches wurden wir immer wieder zu Präsentationen des „Milonga-Führers" eingeladen. Teils wurde uns die Möglichkeit eröffnet, einen Büchertisch aufzubauen und signierte Exemplare zu verkaufen – oft sollte ich auch in einer Tanzpause Auszüge aus meinem Buch vorlesen.
Ein besonderer Sympathiebeweis für den „Milonga-Führer“ war das nicht unbedingt. Veranstalter sind halt froh, mal etwas „Besonderes“ bieten zu können – und dass die Konkurrenz dann gerne Ideen abkupfert, ist ja nichts Neues.
Auf der Suche nach neuem Material gegen meine Person hat nun Klaus Wendel offenbar einige „Zeitzeugen“ von einst aufgetan, die Schlechtes über eine Buchlesung von mir zu berichten wussten:
„Dazu kommt ein Ton, den ich häufig als herablassend empfinde. Und seine Selbstherrlichkeit, diese penetrante Arroganz! Genau dieser Eindruck wurde mir auch von einigen Gästen seiner damaligen Buchvorstellung bestätigt, die ihn als unerträglich schilderten.“
Das sei laut Wendel zwar „kein Beweis für irgendetwas“, aber es beruhige seine Seele, weil er „seinen eigenen Eindruck bestätigt“ sehe.
Dann ist es doch zumindest zu schön, um wahr zu sein: Diffuses aus der Gerüchte-Küche – zwar kein Beweis, aber durchaus ein Mittel, den anderen schlecht aussehen zu lassen.
https://www.tangocompas.co/der-gerhard-blog-bewohner-eine-reflexion/
Was die damaligen Zuhörer betrifft: Wenn etwas „unerträglich“ ist, könnte man ja rausgehen, aber dann hätte man eine schöne Geschichte verpasst, die man – nach nun 15 Jahren – nochmal verwursten kann!
Zu den Buchvorstellungen sollte man noch wissen: Wir wurden stets eingeladen, ohne uns um einen solchen Termin beworben zu haben. Honorar haben wir nie verlangt und bekommen, auch keine Erstattung der Reise- und Hotelkosten. Wir sahen das Ganze stets als Chance, andere Szenen kennenzulernen. Einnahmen erzielten wir lediglich dadurch, dass wir ein paar Bücher verkauften.
Nach Durchsicht meiner Unterlagen bin ich ziemlich sicher, dass es sich um einen Auftritt Anfang 2011 handelt. So oft waren wir nämlich nicht in Wendels Gegend zu Gast. Ich habe damals bei einer Milonga nicht nur mein Buch vorgestellt, sondern auch aufgelegt. Natürlich ebenfalls honorarfrei.
Immerhin scheint mein damaliger Auftritt so eindrucksvoll gewesen zu sein, dass man sich nach 15 Jahren noch daran erinnert!
Ein, zwei dumme Sprüche reichen mir dazu aber nicht. Daher möchte ich an meine Damen und (wohl eher) Herren Kritiker einige Zeilen richten:
Liebe Leute,
es ist völlig normal, dass einem ein Buch nicht gefällt – auch wenn man es noch nicht gelesen haben sollte. Oberflächlichkeit ist weder verboten noch gar strafbar.
Etwas schwieriger wird es schon, wenn es gar nicht um das Buch, sondern den Autor geht. Gut, den kann man natürlich arrogant und selbstherrlich finden. Nur sollte es bei Lesungen eher um das gehen, was er geschrieben hat – ob man das zutreffend oder abwegig, amüsant, langweilig oder nervig einschätzt.
Davon habe ich in den Worten des Berichterstatters nichts gefunden. Es würde mich wirklich interessieren, ob Sie zum Inhalt meines Buches auch etwas zu sagen haben. Sie können es ja wieder Herrn Wendel erzählen, wobei ich es vorziehen würde, wenn Sie mit mir persönlich in Kontakt träten.
Ich biete Ihnen gern eine Buchbesprechung an (Umfang zwischen 500 und 1500 Wörtern) die ich auf meinem Blog veröffentlichen würde. Oder beschreiben Sie doch mal detailliert Ihre Eindrücke der damaligen Lesung (Länge wie oben)!
Aber bitte nicht anonym, sondern mit Namen und Adresse – so wie ich ja ebenfalls mit diesen Daten via Impressum aufzufinden bin.
Und bitte reden Sie sich nicht damit heraus, das sei „Schnee von gestern“. Ich habe den ja nicht aufgewirbelt. Aber Ihnen war es anscheinend wichtig, nochmal alte Geschichten aufzutischen.
Wer Kritik übt, sollte persönlich dazu stehen. Ich tue das – und Sie?
Mit besten Grüßen
Ihr Gerhard Riedl

Klaus Wendel hat zu meinem Artikel einen bemerkenswerten Text veröffentlicht:
AntwortenLöschenhttps://www.tangocompas.co/eine-einladung-die-keine-ist/
Es freut mich, dass er den „Milonga-Führer“ nicht weggeworfen, sondern behalten hat. Er versucht sich nun an einer punktuellen Buchkritik. Selbst mit der ist er heillos überfordert. Für keines der Zitate, die er aufführt, gibt er eine genaue Quelle an. Somit muss man glauben, was er behauptet.
So kann man natürlich jedes Buch verreißen. Und nur darauf kommt es ihm an.
Was ich spannend finde – er schreibt nun: „Ich hatte beschrieben, welchen Eindruck der Autor dort auf mich und einige andere Besucher gemacht hatte.“
Huch, war Wendel damals wirklich selber Gast auf dieser Veranstaltung? Warum bezieht er sich dann erstmal auf andere?
Und klar: Es geht ihm nicht um das Buch, sondern um den Autor. Mir nicht. Ich beabsichtigte damals, dass man sich mit dem Inhalt des „Milonga-Führers“ befasst. Zumindest die, welche gern lesen.
Fassen wir zusammen: Meinen Gegnern ist und war das Buch scheißegal. Man mochte halt den Verfasser nicht und ließ ihn das spüren. Oder schlug vor, das Buch lieber zu verbrennen.
Und ja: Mein Angebot, eine umfassende Buchkritik zu schreiben, die ich dann veröffentlichen würde, war ernst gemeint. Dass sowas noch kommt, ist nicht zu befürchten. Da dürfte man allseits kneifen.
Glücklicherweise gibt es so einen Text bereits. Er stammt von einer Tangotänzerin, die ich vor vielen Jahren einmal kennengelernt hatte. Eine sehr umfangreiche Abhandlung, die Licht- und Schattenseiten des Buches bewertet. Auch wer wissen möchte, wie sowas geht, darf sie gerne lesen:
https://milongafuehrer.blogspot.com/2016/11/buchbesprechung-der-noch-groere-milonga.html
Werter Herr Riedl, wenn man Zitate verlinken soll, sollten diese zumindest online zu finden sein und nicht in einem Druckwerk. Oder sollten Sie iIhre eigenen Texte nicht wiederkennen? Verlangen Sie dann auch noch zur Auflagensteigerung, dass man sich das Buch kaufen soll?
AntwortenLöschenVom „Verlinken“ habe ich nichts geschrieben.
LöschenFür alle Jüngeren, die noch nie wissenschaftlich gearbeitet haben: Früher gab es so genannte Bücher. Aus denen konnte man mit Quellenangabe zitieren. Man gab also Buchtitel, Verfasser, Verlag, Erscheinungsjahr und Seitenzahl an.
Und die schlechte Nachricht: Wenn man ein Buch besprechen will, muss man es kaufen oder ausleihen.
Noch schlimmer: Zum Golfen benötigt man Bälle und Schläger...
Auf meinem Blog finden sich 76 Gastbeiträge ganz verschiedener Autoren. Nicht alle sind nur positiv. Mein Angebot, einen solchen Artikel zu schreiben, ist also sehr realistisch!
AntwortenLöschenhttps://milongafuehrer.blogspot.com/search/label/Gastbeitr%C3%A4ge
Als Quellenangabe reicht es Ihnen also nicht, wenn ich schreibe: „Zum Beispiel beginnt sein Kapitel über ‚Tango-Technik‘ mit der Feststellung: ‚Ich bin kein Tangolehrer, habe keinerlei derartige Ausbildung …‘“?
AntwortenLöschenDas Zitat steht im Kapitel „Tango-Technik“. Dafür gibt es in Ihrem Buch sogar ein Inhaltsverzeichnis. Vielleicht sollten Sie Ihr Gedächtnis über das eigene Werk gelegentlich auffrischen.
Wenn Sie nun aus einer normalen Buchbesprechung plötzlich eine wissenschaftliche Arbeit mit vollständigem bibliografischem Apparat machen wollen, kann ich damit allerdings nicht dienen. Das wirkt eher wie die nächste Nebelkerze, um vom Inhalt wegzukommen und über Formalien zu diskutieren.
Und genau unter solchen Bedingungen fordern Sie jetzt Ihre Leser zu Buchbesprechungen auf: bitte mit Namen und Adresse, vollständigen Quellenangaben, möglichst fehlerfreier Grammatik, Rechtschreibung und Formulierung wie im Deutschlehrbuch.
Da wundert es mich ehrlich gesagt nicht, wenn niemand große Lust verspürt, sich darauf einzulassen.
Bücher haben Seitenzahlen. Ich weiß nicht, was schwierig daran ist, die anzugeben.
LöschenAber davon ist Ihre „Buchkritik“ meilenweit entfernt. Bei den meisten Zitaten ist überhaupt keine Stelle angegeben. Sie faseln irgendwas zusammen, wie es Ihnen gerade passt.
Auch zu den Gastbeiträgen erzählen Sie Quatsch. Ich habe den Autoren immer eine sprachliche Bearbeitung angeboten, was stets sehr dankbar akzeptiert wurde. Selbstverständlich erhielten sie die Endfassung vor Veröffentlichung zur Genehmigung.
Aber das dürfte Ihnen völlig egal sein. Hauptsache, es findet sich wieder ein Skandälchen zum Aufblasen.
Und damit Schluss der Debatte. Schreiben Sie lieber noch einen weiteren Artikel für „Wendels Märchenstunde“.