Mit Schwindel zum Führen
Seit gestern stehen vor dem Landgericht Heilbronn fünf Männer, die des bandenmäßigen Betrugs bei der theoretischen Führerschein-Prüfung beschuldigt werden.
Zwei davon sind Besitzer einer Fahrschule, welche das Drumherum organisierten, die anderen drei sorgten für Doppelgänger, die statt der wirklichen Kandidaten zur Prüfung antraten. Die Staatsanwaltschaft fordert dafür drei bis fünf Jahre Haft.
Die Stellvertreter werden mit Perücken und Schminke so verändert, dass sie den echten Prüflingen ähnlichsehen. Das Honorar beträgt jeweils mehrere tausend Euro.
Das Problem bei dieser Methode ist natürlich, dass die Doubles den Stoff beherrschen müssen. Das gelingt nicht in allen Fällen.
Für einen der Doppelgänger setzte es bereits dreieinhalb Jahre Haft.
Die Schwindeleien greifen immer mehr um sich. Nach Angaben der dpa wurden allein in Baden-Württemberg letztes Jahr fast 400 Betrugsversuche gemeldet. 800 bis 2000 Euro kostet der „Stellvertreter-Trick“ dem Prüfling.
„Tübingen ist sehr gut. Da habe ich schon über 500 Leute gemacht“ (aus einem Chatverlauf). Und das in der Radfahrer-Vorzeigestadt!
Jährlich werden hierzulande 1,8 Millionen theoretische Prüfungen abgelegt. Etwa 2000 bis 3000 Schwindeleien werden erkannt. Man geht aber von einer hohen Dunkelziffer aus.
Die häufigste Masche ist der „Technikbetrug“: Minikameras und winzige Kopfhörer sorgen für eine Verbindung zu einer Person außerhalb des Prüfungsraums, welche die richtigen Lösungen übermittelt.
Ist das Tricksen für den Prüfling strafbar?
Im Grundsatz nein, da Betrug die Verschaffung eines illegalen Vermögensvorteils voraussetzt. Na ja, aber man spart sich doch eine längere Ausbildungszeit, oder? Immerhin ist die Konsequenz, dass man die nächste Theorieprüfung erst in neun Monaten (früher: nach nur sechs Wochen) ablegen darf.
Ist die Täuschung massiv, kann man wegen „mangelnder persönlicher Eignung“ zur MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung) geschickt werden.
Aber es geht noch einfacher: In Kassel soll ein ehemaliger Behörden-Mitarbeiter Führerscheine an über 100 Personen verkauft haben, die keine Prüfung gemacht hatten.
https://www1.wdr.de/nachrichten/fuehrerschein-betrug-100.html
Das erinnert mich an einen Spruch des „Remstal-Rebellen“ Helmut Palmer: „Beamter sucht Nebenbeschäftigung – ganztags!“
Der TÜV rüstet technisch mit Gegenmaßnahmen auf. So werden beispielsweise Detektoren verwendet, um Funkverbindungen bei der Prüfung aufzuspüren.
https://www.youtube.com/watch?v=f-d0uZiam6c
Die Folge ist, dass die Zahl von Verkehrsteilnehmern steigt, die von den Regeln und Bestimmungen keine Ahnung haben. Nun gut – diesen Eindruck haben wir ja schon lange…
Heute ist kein Prüfungsbogen mehr auszufüllen – das Ganze läuft online, was kompliziertere Aufgabenstellungen ermöglicht. Ich habe solche Tests mehrfach probiert und wäre jedes Mal gescheitert. Probieren Sie doch mal selber Ihr Glück:
https://www.ifuhrerscheintest.de/test.aspx
Kein Wunder, dass die Durchfallquote aktuell bei zirka 45 Prozent liegt! Bundesverkehrsminister Schnieder will nun die Anforderungen reduzieren.
Beim Tango steht die Einführung eines Führerscheins noch aus. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass manche satirische Erfindung von mir einige Jahre später Realität wurde – beispielsweise das „Ronda-Training“ oder „Cabeceo-Kurse“.
Für die theoretische Prüfung im Tango habe ich schon einige Fragenkataloge erstellt. Mit Sicherheit werden dann fachliche Kenntnisse zu den historischen Orchestern verlangt. Bereits vor sieben Jahren habe ich dazu ein Quiz entworfen:
https://milongafuehrer.blogspot.com/2019/04/quiz-edo-tangos.html
P.S. Und wem sowas Spaß macht: Auf meinem Blog finden Sie 19 weitere Sammlungen von Quizfragen: https://milongafuehrer.blogspot.com/search/label/Quiz
Klaus Wendel teilt nun mit, er habe die Online-Führerscheinprüfung zweimal gemacht und bestanden. Toll! Ich bin wirklich beeindruckt, was meine Artikel alles bewirken können.
AntwortenLöschenOb er auch das Tango-Quiz versucht hat, gibt er leider nicht an.
https://www.tangocompas.co/radio-riedl-wahn-antwortet/ (10.4.26)
Entgegen einer anderen Behauptung stammen die Fakten aus dem erwähnten Quiz aus dem Buch „Tango-Geschichten – Was die Musik erzählt“ von Michael Lavocah. Bei den Lösungen sind die entsprechenden Seitenzahlen angegeben.
AntwortenLöschenhttps://milongafuehrer.blogspot.com/2019/04/quiz-edo-tangos.html