Tango-Lyrik


„Der Mensch zerfällt in zwei Teile:
In einen männlichen, der nicht denken will, und in einen weiblichen, der nicht denken kann. Beide haben sogenannte Gefühle: man ruft diese am sichersten dadurch hervor, daß man gewisse Nervenpunkte des Organismus in Funktion setzt. In diesen Fällen sondern manche Menschen Lyrik ab.“

(Kurt Tucholsky: „Der Mensch“, 1931)

Im Internet findet man immer wieder leuchtende Karfunkel der Tangolyrik. So lässt uns der argentinische Tangolehrer Jorge Manganelli  am 2.2.14 via Facebook wissen:
 
A veces se me da por escribir: Jorge Manganelli. "" QUIERO ""
QUIERO BAILARTE E INSPIRARTE, PARA QUE TUS PIES DIBUJEN
PAISAJES EN ELPISO, BAILARTE EN ESA BELLA TRILOGÍA QUE
ES LA ESENCIA DE MI BAILE, MÚSICA, HOMBRE, MUJER, DONDE
LO DEMÁS NO EXISTE,,,, DONDE LOS DEMÁS NO
EXISTEN,,,, QUIERO BAILARTE EN EL ESPACIO QUE ENTR
 EL ABRAZO DE UN HOMBRE Y UNA MUJER .- La última frase
( de bailarte en el espacio----- ) pertenece a Carlos Alberto Estevez,
"PETROLEO" P'a los amigos
 
Glücklicherweise liefert uns die Google-Übersetzungsmaschine
gleich eine kongeniale Umsetzung ins Pluster-Deutsch:
 
Manchmal gibt es für mich schreiben: Jorge Lorenzo. "" ich will ""
Ich bailarte und inspirieren, damit deine Füße zeichnen Landschaften
auf dem Boden, Bailarte in diese schöne Trilogie, dass ist die Essenz
von meinem Tanz, Musik, Mann, Frau, wo alles andere gibt es nicht,,,,
wo alle anderen gibt es nicht,,,, Ich bailarte in den Raum,
den tritt die Umarmung eines Mannes und einer Frau.- 
der letzte Satz (Bailarte im Weltraum-----) gehört zu Carlos Alberto,
gelte "Öl" S ' zu den Freunden
 
Das Ganze wird dann noch garniert mit einem Pfoto des an seinen
Lackschuhen riechenden Tanzidols Carlos Gavito und dessen Zitat:
 
El hombre debe saber que baila para ella, y al hacerlo hace que ella
se vea como una reina. Sólo así será el rey.
 
Auch hier liefert uns Google die passende Translation in den
heiligen deutschen Tangoernst:
 
Man muss wissen, für sie zu tanzen, und dabei macht sie wie
eine Königin aussehen. Nur dann wird der König.
 
Na ja, ist mir schon so ungefähr klar – nur: Was ist, wenn ich weder
ein König sein noch mit einer Königin tanzen will (weil ich nicht über
ihre Schleppe fallen oder mich von der Korone pieksen lassen möchte)?
Und – gesetzt den Fall – über wen würden wir dann herrschen?
(Quelle)

Ach, ein bisschen Original-Deutsch täte dem Tango sicher gut!
 
Daher hier der Refrain meines derzeitigen Lieblingstangos. Er stammt von
dem legendären Trio „Die drei Travellers“ und erschien im Fast-noch-
EdO-Jahr 1956:

Sachsen Tango (Fred Oldörp, Erika Brüning)
 
Ja, ja in Sachsen,
ja, ja in Sachsen,
da sind die Mädchen zuckersüß und gut gewachsen.
So scheen wie Pinien sind ihre Linien,
so’n Panorama gibt’s nicht mal in Argentinien!
 
Ja, ja in Sachsen,
ja, ja in Sachsen,
da sind die Mädchen wie im Paradies gewachsen.
Doch wenn ihr Kuss auch noch so herrlich schmeckt – 
Das Allerschönste ist und bleibt ihr Dialekt!
 
(Fred Oldörp war übrigens der Bandoneonspieler des Trios, und Erika Brüning
eine Schlagersängerin, die oft mit den „Schöneberger Sängerknaben" auftrat.)
 
Na eben – da weiß man doch gleich wo und wie…
 


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