Karin Norgard: Warum Führen nicht schwieriger ist als Folgen



Wieder einmal habe ich ein sehr interessantes, englischsprachiges Blog entdeckt, welches – wohl vor allem wegen der Sprachbarriere – hierzulande kaum bekannt sein dürfte. Es enthält eine Reihe hochinteressanter Beiträge der Trainerin, Tänzerin und Autorin Karin Norgard.

Im folgenden Text beschäftigt sie sich mit der Aussage, das Erlernen der Führung sei in improvisierten Paartänzen wie dem Tango weit schwieriger als das des Folgens – eine Ansicht, die auch bei uns weit verbreitet ist – vor allem durch Männer, die sich ja gerne in der „Heldenrolle“ gefallen.

Dieser falsche Glaube, so die Schreiberin, verzerre die wahre Natur des Führens und Folgens und erzeuge negative Auswirkungen in unseren Tanzpartnerschaften und Szenen.

Der Artikel trägt daher den Titel:
„Warum Führen nicht schwieriger ist als Folgen – und wie man das wahr macht“

Die „großen Vier“ des Paartanzes sind nach der Autorin „Vokabular, Musikalität, Improvisation und Navigation“. Leider würden diese Fähigkeiten oft nur aus der Sicht der Führenden betrachtet.

Von diesen werde zwar mehr Initiative erwartet, aber es gebe drei Bereiche, in welchen für Folgende mehr zu tun sei.

„Folgende müssen mehr Vokabular beherrschen.“

Klar, sie müssen ja mit der „Sprache“ jedes Führenden zurechtkommen – diese aber können sich auf die Choreografie beschränken, welche sie beherrschen.

„Folgende haben mehr Bewegungs-, Balance- und Timing-Anforderungen.“

Folgende müssen in den Paartänzen mehr Drehungen und andere anspruchsvolle Elemente hinbekommen – und zwar in Umsetzung der Ideen des Führenden und nicht ihrer eigenen.
„Ginger Rogers machte alles, was Fred Astaire tat, aber rückwärts und in High Heels.“

„Folgende müssen mehr Fähigkeiten der Einschränkung und Interpretation entwickeln.“

Von ihnen werde die schwierige Balance erwartet, sich einerseits aktiv zu bewegen, andererseits jedoch (wegen der Führung) auf viele eigene Aktionen, Ideen und Vorlieben zu verzichten. „Denke nicht“ bedeute für Tänzerinnen ein hohes Maß an Zuhören und die Fähigkeit, die Ideen eines anderen zu interpretieren.

Tatsächlich gebe es für Führende anfangs eine „steilere Lernkurve“. Daraus dürfe aber nicht geschlossen werden, dass dieser Part „von Natur aus schwieriger“ sei. Drei verborgene Faktoren ließen es lediglich so aussehen:

„Männer haben im Durchschnitt weniger Tanzerfahrung und sind unsicherer.“

„Der Hauptgrund, warum die Lernkurve bei Führenden steiler ist, liegt nicht darin, dass Führen von vornherein schwieriger ist, sondern weil es hauptsächlich Männer sind, die führen.“

Die Herren belaste ein kulturelles Gepäck, wonach expressive Bewegungen im Namen der „Männlichkeit“ entmutigt, lächerlich gemacht, ja verboten würden. So häuften sich im Laufe des Lebens physische sowie emotionale Rückschläge.

„Wir haben eine kulturelle Einstellung, dass Führen wichtiger, komplizierter und schwieriger ist.“

„Führen“ werde in unserer Kultur als wertvoll betrachtet, „Folgen“ dagegen als schwach und unattraktiv. Der Fokus in Kursen richte sich auf die Führenden, während Folgende in die passive Rolle, ja gar „Faulheit“ gedrängt würden.

„In den Kursen fordern wir die Führenden zur Entwicklung ihrer primären Fähigkeiten heraus, nicht die Folgenden.“

Der Tanzunterricht sei zu stark auf die Führenden zugeschnitten: „Da die Folgenden in den drei oben genannten Kompetenzbereichen nicht herausgefordert werden, scheinen sie im Kurs weitaus erfolgreicher zu sein, als sie tatsächlich in der realen Welt des sozialen Tanzes sind, was die Missverständnisse verstärkt, dass Folgen einfacher als Führen ist.“

„Und das Ergebnis?“

„Wegen dieser drei Dinge scheint nicht nur das Führen schwieriger zu sein, es wird auch schwieriger. Unsere Denkweise schafft die Realität, die wir jeden Tag in unseren Kursen und Szenen sehen:“

Anfänger würden als Führende überbelastet und gestresst, während man Folgende unterfordere. Das führe oft dazu, dass Frauen ihr Tanzen nicht über einen bestimmten Standard hinaus entwickelten. Allenfalls lernten einige zusätzlich das Führen – der umgekehrte Fall sei bei Männern sehr selten. Dennoch würden männlichen Lehrern mehr Fähigkeiten zugetraut, obwohl sie die folgende Rolle meist weniger beherrschten als Lehrerinnen die führende.

„Wie man es verwirklicht: Im Unterricht eine Balance der Rollen schaffen!“

Dazu macht die Autorin sechs Vorschläge:

„Das Feedback für beide Rollen ausgleichen“

Sie zitiert hierzu den Lindy Hop-Lehrer Nathan Bugh:
„Wenn es darum geht, Lead/Follow-Skills zu erlernen und zu lehren, hat die Technik der Folgenden eine viel höhere Priorität als die der Führenden. Erstere (…) sind die Elemente, aus denen ihre eigenen Fähigkeiten und die des Führenden hervorgehen. Das Folgen ist der Beginn der Logik im Tanz. Im Unterricht befähigen die Folgenden die Führenden zum Lernen. (…) Folgende sind der Fokus des Lead/Follow-Prozesses, und sie müssen folgen, bevor die Führenden führen können.

„Schaffe eine Balance der Verben für beide Rollen!“

„Mit anderen Worten, betonen Sie den führenden Aspekt des Folgens und den folgenden Aspekt des Führens. Wenn ich meine Sprache auf diese Weise ausbalanciere, bemerke ich eine viel größere Verbindung zwischen den Partnern.“

Beispielsweise trainiere die Autorin Führende häufig mit der Anweisung, sie sollten dem Partner „in einen Schritt folgen“.

„Vermeiden Sie es, unveränderliche Schrittmuster zu lehren, die Folgende nicht herausfordern.

„Das Unterrichten einfacher und überschaubarer Variationen einer Bewegung oder ihrer zeitlichen oder räumlichen Parameter ist für Folgende wichtig, um Fähigkeiten der Einschränkung und Interpretation zu entwickeln, anstatt zu antizipieren. Es ist auch eine effektivere Methode, Führenden beizubringen, wirklich zu führen.“

So nehme man den Männern den Druck und aktiviere die Frauen zu mehr Eigeninitiative.

„Verwenden Sie Übungen, bei denen die Folgenden Timing oder Bewegung bestimmen.“

Sie erwähnt hierzu ein Beispiel, die sie bei Homer und Cristina Ladas gesehen hatte: Die Folgenden sollten als „Fehler“ ein nicht geführtes Kreuz tanzen:

„Als ich anfing, diese einfache Übung zu benutzen, bevor ich das volle Kreuz als geführte und verfolgte Bewegung lehrte, bemerkte ich, dass das Kreuz sowohl von Führenden als auch von Folgenden schneller und effektiver gelernt wurde. Die Führenden hörten ihren Partnern zu und führten das Kreuz eher organisch als mechanisch.

„Vorsicht bei den üblichen Aussagen über Macht und Verantwortung!“

„Der Führende hat immer Schuld“ beispielsweise bedeute, dieser habe stets die Kontrolle und der Geführte weder Macht noch Verantwortung.

Statt „denke nicht, folge nur“ könne man ebenso berechtigt sagen „führe nur, denke nicht“.

„Führende sind verantwortlich für die Navigation“ ignoriere, dass der Partner sehr wohl viel dazu beitragen könne.

Insgesamt sei es besser, sich auf spezielle Fähigkeiten zu konzentrieren als pauschale Rollen-Aussagen zu zementieren.

„Erwarten Sie mehr Fähigkeiten im Folgen von einem führenden Lehrer!“

Tanzlehrer, die führen, aber wenig Ahnung von der folgenden Rolle haben, würden völlig akzeptiert, Lehrerinnen, die folgen, aber auch gut führen könnten, hingegen eher unterbewertet. Diese „Doppelmoral“, so Karin Norgard abschließend, gelte es zu überdenken.

Mir hat dieser Text sehr viele neue Erkenntnisse gebracht und mich auch in meiner Auffassung bestärkt, was eine Hauptursache tänzerischen Elends darstellt: Solange in den Gehirnen von Anfängern ab der ersten Stunde die Gleichung „Führen = Dominieren“ und „Folgen = Gehorchen“ festgedübelt wird, kann es nicht viel mit dem Tango werden. Das einzige Gleichmäßige in beiden Rollen ist dann die Verkrampfung.

Ich habe schon viele Männer erlebt, die unterirdisch führen – jedoch kaum Frauen. Warum? Weil diese begabter sind? Ich meine eher, weil auf einer Tanguera, die führt, weniger Druck lastet. Niemand erwartet eine besondere Souveränität in ihrer neuen Rolle. Und den Damen liegt es eh nicht, irgendwelche Figuren „durchzudrücken“ – das entsprechende maskuline „Bullshit-Bingo“ können sie auslassen.

Vielleicht sollte man – anstatt des nächsten argentinischen Duos aus einem sehr wichtigen Mann und einer devot folgenden, stummen Partnerin – einmal Karin Norgard zu Kursen nach Deutschland einladen. Aber bitte nicht zu einer Tangolehrer-Fortbildung, das hat sie nicht verdient…  

Zur Person: Karin Norgard war als Autorin und Tanzlehrerin in Anchorage (Alaska) tätig und lebt nun in Portland (Oregon), wo sie auch Tango unterrichtet. Ihr erster Tanz war Salsa, heute beschäftigt sie sich vorwiegend mit Tango argentino und lernt West Coast Swing. Sie hat Erfahrungen mit einer Reihe weiterer Tänze und unterrichtete in der Latein-Sektion.

An der Universität von Anchorage erwarb sie den Bachelor-Grad in Spanisch und Russisch und arbeitete zehn Jahre lang als Trainerin im sportlichen Bereich. Ende 2007 begann sie mit der Herausgabe eines Newsletters für ihre Schüler, der dann in ihr Blog „Joy in Motion“ mündete. Wichtig sind ihr Konzepte, die „Geist und
Bewegung vereinen“ – so der Untertitel ihrer Seite.

Hier der Originaltext:
http://joymotiondance.com/balancing-lead-follow/

Kommentare

  1. Hm ...

    Führen mag vielleicht nicht schwieriger als Folgen sein (wie auch immer man "schwierier" definiert), aber die Lernkurve ist sehr viel steiler (es ist vielleicht etwas überspitzt, aber ich hab schon gehört: das Level, das man als Folgender nach 3 Monaten erreicht, erreicht man beim Führen nach 3 Jahren).
    Ich habe eigentlich die Steilheit der Lernkurve immer für ein Maß der "Schwierigkeit" gehalten.

    Und (zumindest) für mich war Führen bei entsprechend gleichem Level (in meinem Fall: frühes Anfängerniveau, weiter bin ich im Folgen nicht gekommen) immer sehr viel schweisstreibender, also anstrengender.

    Natürlich sind die Anforderungen völlig unterschiedlich, aber wenn du im Artikel schreibst:
    „*Folgende müssen mehr Vokabular beherrschen.*
    Klar, sie müssen ja mit der „Sprache“ jedes Führenden zurechtkommen – diese aber können sich auf die Choreografie beschränken, welche sie beherrschen."
    Dann finde ich das etwas zu kurz gedacht, ein Führender muss nämlich auch noch gleichzeitig auf die Musik, das Wohlbefinden seines Partners, die anderen Paare achten, sowie mithilfe seines AKTIVEN Figurengedächtnis die nächsten Figuren planen. Der Punkt geht im Artikel völlig unter.

    PS: kennst du den Spruch "Ich wusste gar nicht, dass ich das Tanzen kann!" nicht? Ich hab den schon ein paarmal gehört. Ein "Ich wusste gar nicht, dass ich das schon Führen kann" ist doch wesentlich seltener ...

    Und noch ein PS: dass Folgen natürlich nicht total einfach ist, ist klar. Ansonsten gäbe es auch bei den Frauen nicht so dermassen unterschiedliche Niveaus ...


    Ciao, Robert

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    1. Das mit den „3 Monaten und 3 Jahren“ kenne ich auch. Ist sicherlich eine (etwas übertriebene) Beschreibung des Status quo.

      Der Ansatz der Autorin ist halt ein anderer: Sie sieht das als „self fulfilling prophecy“, da man den Unterricht zu sehr auf die Führenden konzentriert – und das vor allem Männer sind, mit all ihren „hausgemachten Problemen“.

      Die Zitate sind übrigens von Karin Norgard (siehe Originaltext). Ich stimme ihr aber weitgehend zu: Auch Folgende müssen „auf die Musik, das Wohlbefinden des Partners, die anderen Paare achten“.

      Und übrigens: Wer „mithilfe seines AKTIVEN Figurengedächtnis die nächsten Figuren planen“ muss, geht eben von einem sehr traditionellen Verständnis dieses Themas aus. Die Autorin bietet hier interessante alternative Ansätze.

      Als ich es in meiner Anfangszeit mit Super-Tänzerinnen zu tun bekam, war ich durchaus überrascht, „dass ich das schon führen kann"!

      Danke und beste Grüße!

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  2. "Wer „mithilfe seines AKTIVEN Figurengedächtnis die nächsten Figuren planen“ muss, geht eben von einem sehr traditionellen Verständnis dieses Themas aus."

    naja, sagen wir mal so: Als Führender solltest du schon wissen, was du führen willst und kannst (du musst also abschätzen, was aktuell grad geht - mit der jeweiligen Partnerin, dem Platzangebot, der laufenden Musik etc.).
    Und dazu musst du wissen, was du für Möglichkeiten hast und aus diesen Möglichkeiten geeignet auswählen (das ist das, was ich mit "aktivem Figurengedächtnis" meine. Das ist so ähnlich wie mit dem aktiven und passiven Wortschatz bei Sprachen. Bei beiden Gebieten ist der "passive Wortschatz" um einiges grösser als der aktive ...).
    Ich habe natürlich auch Phasen, wo ich rein intuitiv tanze, ohne groß nachzudenken oder vorauszuplanen. Bei einer eher passiven Partnerin (wie es leider viel zu viele gibt) kann das dann schon mal (insbesondere für mich selber) ätzend langweilig werden, weil ich halt dann "immer wieder das gleiche führe" ;-) ).
    Und bei einer wirklich aktiven Partnerin (oder "Partner", hab ja auch schon Männer geführt ;-) ) hat man das Konzept "Führen/Folgen" sowieso schon verlassen (und das sind dann auch die m.M.n. schönsten Tänze ...)

    Fazit, was mir schon öfters aufgefallen ist: ich glaub, wir beide haben so ab und zu mal ein "Sprachproblem", wo wir mit der aktuellen Formulierung des anderen grad nicht so ganz einverstanden sind bzw. diese in die falsche Richtung hin interpretieren ;-) Oder was meinst du?

    Ciao, Robert

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    1. Lieber Robert,

      ja, die Sprache ist eine Quelle vieler Missverständnisse…

      Es hat nur bei neuen Konzepten wie dem der Autorin wenig Sinn, sie vom hergebrachten Standpunkt aus zu bewerten.

      Muss ich als Führender immer wissen, wie es weitergeht? Kann ich nicht auch der Partnerin, wie in dem Artikel angedeutet, „in einen Schritt folgen“? Du deutest ja selber an, dass man das Konzept „Führen und Folgen“ verlassen kann. Ich halte das für einen spannenden Ansatz. Dann bräuchten wir auch nicht mehr zwischen einem „aktiven und passiven Figurengedächtnis“ zu unterscheiden.

      Wäre interessant, einmal die Folgen zu beobachten, wenn man Anfängern das Ziel des „miteinander Tanzens“ vorgibt und nicht die alte Aufgabenteilung zwischen dem Mann, der alles planen muss und der Frau, die es umzusetzen hat.

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  3. Ach noch was:
    "da man den Unterricht zu sehr auf die Führenden konzentriert – und das vor allem Männer sind, mit all ihren „hausgemachten Problemen“."

    Die Autorin behauptet doch auch, dass insbesondere die Männer im Durchschnitt mehr Schwierigkeiten mit dem Tanzen an sich hätten.
    Das stimmt wahrscheinlich sogar.
    Aber dann ist es doch auch normal, dass man sich eher auf die Probleme der "Schwächeren" im Kurs konzentriert, insbesondere auch, wenn deren "Lernkurve" noch dazu die steilere ist, oder nicht? ;-)

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    1. Guten Abend!

      Jetzt gebe ich als Frau auch mal meinen Senf dazu ab ;-).

      Trotzdem Karin Norgard eine Lanze für die Frauen/Folgenden bricht, bewundere ich dennoch die Männer/Führenden, welche soviele Dinge gleichzeitig unter einen Hut bringen müssen/sollen.

      Aber womit sie definitiv recht hat ist, dass es zuweilen schon schwierig ist, ich ständig auf verschiedene Partner einzustellen. Und jedem Führenden das (schöne) Gefühl zu geben, dass man als Folgender genau weiß, was geführt wird, was man tanzen soll, ist nicht wirklich einfach.

      Wenn man als Frau an einem Abend mit sehr unterschiedlichen Partnern tanzt, dann ist es mit Fortschritt des Abends schon weitaus schwieriger, sich ständig erneut einzustellen. Am Schwierigsten empfinde ich als Folgende es, sich von einem "Proposer" auf einen "klassischen Leader" umzustellen.

      Oder von Führenden, die sehr - sagen wir mal akzentuiert - führen, auf jemanden, der nur kleine Signale gibt. Da wurde durch die vorherige Tanda nämlich das Hirn ein wenig "lätschert", wie der Bayer so schön sagt.

      Aber ok, das ist nunmal die Herausforderung der Folgenden. Vielleicht hat man nach 3 Monaten die Figuren/Schritte drauf, die der Führende erst nach 3 Jahren vollständig intus hat - aber vergnügt und entspannt tanzen kann man deswegen noch lange nicht mit jedem!

      Liebe Grüße
      Sandra

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    2. Lieber Robert,

      Ich verweise da auf einen Artikel, den du ja schon gelesen hast:
      http://milongafuehrer.blogspot.de/2017/08/was-ihnen-ihr-tangolehrer-nicht-erzahlt.html

      Es hatte sicherlich vernünftige Gründe (jenseits des damaligen Frauenmangels), dass zu Tango-Urzeiten die Männer zuerst die folgende Rolle erlernten. Wäre hierzulande sicher ein herber Kulturschock, würde aber die ernsthaft Interessierten schneller voranbringen.

      Oder, was die Autorin ja vorschlägt: Sich mehr um die Frauen zu kümmern, damit diese aktiver tanzen. Ich habe es selber erlebt, dass man sich als männlicher Anfänger dann leichter tut. Wenn man die Frauen weiterhin nur darauf dressiert, „zu warten, was kommt“, bleibt der Druck auf die Männer hoch.

      Übrigens eine interessante Parallele zu meinem früheren Beruf: Ich habe mich immer geweigert, einen Großteil der Unterrichtszeit den „Problemschülern“ zu widmen. Letztlich verliert man dann die Begabten und Motivierten, die sich nicht mehr angesprochen fühlen. Wenn ich aber die Spitzengruppe fördere, erzeugt das ein anderes Lernklima, von dem auch die Schwächeren profitieren.

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    3. Liebe Sandra,

      wie schon gesagt: Wenn ich die Folgenden aktiviere, müssen die Führenden nicht mehr so viel „unter einen Hut bringen“.

      Dass man als Frau immer weiß, „was geführt wird, was man tanzen soll“, halte ich nicht für unbedingt nötig. Ich beantworte Fragen von Tanzpartnerinnen in der Art von „War das jetzt so richtig?“ meist mit dem Satz: „Tanz doch, was dir bequem erscheint“.

      Sich immer wieder auf einen Partner neu einzustellen, weil der halt „anders tanzt“, ist die Anforderung an beide. Ich stimme dir zu: Nach drei Monaten kann man davon noch sehr wenig, egal ob als Tänzerin oder Tänzer.

      Danke und liebe Grüße
      Gerhard

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  4. Ein viel schreibender Kommentator auf dem Forum www.tanzmitmir.net klärte uns heute über die Grundlagen des Tango argentino auf:

    „Geschlechterrollen im Tango Argentino

    Liebe Leute!
    Für mich als konservativer „Tango-Otto Normalverbraucher“ sind die Rollen im TAngo des Führenden und der Folgenden - geschlechterspezifisch angelegt!

    Fern aller Einwände was sich diesbezüglich in der Frühzeit des Tangos abgespielt hat, vom Queer Tango bis zu anderen Gepflogenheiten und Spielarten. Für mich führt der Mann und die Frau folgt seinen Anzeigen und Impulsen.
    Nach meiner Ansicht führt eine Frau nie wie ein Mann und folgt kein Mann wie eine Frau – dieses liegt in der Natur der Sache. So einfach ist die Sache aus meiner Sicht.

    Diese klare persönliche Aussage soll aber nicht den Eindruck erwecken, dass ich der Meinung wäre, man sollte nicht über die jeweils andere Rolle Bescheid wissen. Doch auch bei bloßen Tanzübungen mit gleichgeschlechtlichen Partnern, bin ich äußerst zurückhaltend. Vielleicht hat das auch mit meiner heterosexuellen Disposition zu tun.

    Etwas vereinfacht ausgedrückt - TAngo ist für mich das Zusammentreffen zweier verschiedener Pole, die sich auch im unterschiedlichen Geschlecht - spiegeln.“

    Oh mei‘, da hab ich was verpasst – Sex auf der Tanzfläche – ich dachte bisher, das wäre nur ein Tanz… Vielleicht hab ich's nicht erkannt, weil ich auf Milongas zu selten mein Monokel benutze!

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