Aus den frühen Wende(l)jahren
Vorbemerkung: Obwohl ich inzwischen im Fach „Wendelkunde" wirklich sehr erfahren bin, fällt es auch mir nicht leicht, den ständigen Umräumarbeiten des Meisters zu folgen,
Die derzeitige Lage: Sein über 30-seitiges „Enthüllungs-PDF" zu meiner Person ist nicht mehr auffindbar. Die „giftigen Sachen" erreicht man nun über die Rubrik „Bloggerwelt". „Radio Riedl-Wahn" ist noch greifbar, wenn man weiß, wonach man sucht. Aber all das kann sich stündlich ändern: Texte erscheinen und verschwinden nach Gutdünken.
Da erscheinen die Wühlarbeiten eines Feldhamsters vergeichsweise übersichtlich.
Zum Thema:
In den über 25 Jahren, in denen ich die Tangoszene hierzulande ein wenig überblicke, hat sich die Musikauswahl drastisch verändert: In der großen Mehrzahl der Milongas werden fast ausschließlich Aufnahmen der EdO aufgelegt – bestenfalls spielt man gelegentlich Orchester, welche die Arrangements bis 1955 mehr oder weniger gut interpretieren.
Ein DJ, der Stücke von Piazzolla und anderen Musikern des Tango nuevo auflegt, riskiert heftige Beschwerden und läuft Gefahr, nie mehr engagiert zu werden. Dieses Wagnis wird nur höchst selten eingegangen.
Das Standard-Argument für diese Entwicklung, das auch Kollege Wendel gerne bemüht: Es habe sozusagen eine „Abstimmung mit den Füßen“ stattgefunden. Zu den historischen Aufnahmen ließe sich eben viel leichter und besser tanzen.
Ich habe öfters Beispiele beschrieben, wo der Sinneswandel nicht ganz so freiwillig erfolgte. Stets wird das, wenn überhaupt, als „Einzelfall“ abgetan, der nicht die Entwicklung der Szene wiedergebe.
Klaus Wendel hat nun in seinem neuen Artikel interessante Geschichten aus seinem persönlichen Erfahrungsbereich erzählt. Motto: „Wie die Beliebigkeit auf die Piste kam". Obertitel: „Tango, Neo-Tango und die Freiheit, die manchmal keine war“.
Ab Ende der 1980er Jahre unterrichtete der Autor in verschiedenen Städten. Es gab kleinere Lerrngruppen, und die Musik Piazzollas war bei denen häufig schwer in Mode. Tänzerisch sei das oft „eine ziemliche Baustelle“ gewesen. Als der Chef dann EdO-Musik mitbrachte, gab es heftige Irritationen:
„Plötzlich war da ein klarer Puls. Ein Rhythmus. Eine Struktur. Eine Musik, die nicht nur Stimmung erzeugte, sondern Entscheidungen verlangte. Und genau daran scheiterten viele.“ So blieb man lieber auf der „vertrauten Spielwiese“.
„Man konnte ausprobieren, schweben, drehen, suchen, herumspielen. Und weil alle anderen es ähnlich machten, fiel es auch nicht weiter auf.“
Zweifellos durfte dieses Chaos nicht so bleiben!
Wendel erzählt vom Gastspiel des argentinischen Tangolehrerpaars Esteban Moreno und Claudia Bodega (?), die Mitte der 1990er Jahre in Kassel Unterricht geben sollten.
Angeblich weigerte sich der Dolmetscher, gewisse Sentenzen zu traditionellen Ideen zu übersetzen. Erst als die beiden mit Abreise drohten und ein neuer Zweisprachler gefunden wurde, konnten sie Kurse geben. Aber die Stimmung sei schlecht geblieben.
Auch in einer anderen Stadt erlebte Wendel Abwehr, die nur durch eine argentinische Tangolehrerin überwunden wurde: „Ich konnte erklären, was ich wollte. Ich konnte zeigen, was ich wollte. Ich konnte über Takt, Musik und Führung reden, bis mir die Zunge trocken wurde. Es blieb Widerstand.“
Und wo doch Tangolehrer so ungern reden...
Ich kann nicht beurteilen, wie gefärbt diese Erzählungen sind. Fest scheint aber zu stehen: Den Lernenden sollte ein bestimmter Tanzstil aufgedrückt werden, den sie nicht wollten.
Wer da „recht“ hatte, ist irrelevant. Aber wenn man als Lehrer mit dem, was man anbietet, nicht durchdringt, ist es eine schlechte Idee, seine eigenen Vorstellungen anderen aufzuzwingen. Und sich das auch noch bezahlen zu lassen. Wir sind ja nicht in der Schule, sondern in einem Kurs, welcher der Freizeitgestaltung dient.
Aber klar: Im Tango haben die Lernenden gefälligst das zu fressen, was man ihnen hinwirft! Wozu gibt es Maestros?
Was das Übersetzen betrifft: Man könnte ja, wenn man in einem anderen Land Unterricht anbietet, auf die verwegene Idee kommen, die dortige Sprache zu lernen. Aber auch Inländer beherrschen sie oft nicht.
Und wenn Argentinier behaupten, zu Piazzolla könne man nicht tanzen, haben wir das gefälligst so hinzunehmen: „In der sozialen Tangowelt war er, vorsichtig gesagt, nicht der Standard für die Tanzfläche. Für manche war er sogar ein rotes Tuch.“ Um es deutlicher zu sagen: Die argentinische Tangoszene tat alles, um den Schöpfer des Tango nuevo aus der Öffentlichkeit zu verdrängen: Rundfunksender spielten seine Musik nicht, er und seine Angehörigen wurden auf der Straße angegangen und beleidigt. Eine große Anerkennung erreichte Piazzolla erst auf dem Umweg über das Ausland.
Wendel schreibt zu den hiesigen Problemen: „Was in Buenos Aires auf der Milonga tatsächlich passierte, spielte kaum eine Rolle.“ Na und? Tango ist Weltkulturerbe und nicht das Eigentum von nationalen Traditionsbewahrern! Wir alle haben es in der Hand (und in den Füßen), wie er sich weiterentwickelt.
Schön, dass der Autor bereits Erwartungen hegt: „Aber wie ich ihn kenne, wird unser gewisser Blogger nach diesem Kapitel lieber in die Luft gehen, anstatt es mal zu reflektieren.“
Nein, warum sollte ich? Das Rumpelstilzchen lasse ich gern andere spielen. Im Gegenteil bin ich Klaus Wendel sehr dankbar, dass er uns aus erster Hand berichtet hat, wie „freiwillig“ der Umschwung zum „traditionellen Tango“ vor sich ging!
Halten wir uns also an seine Expertise: „Freiheit beginnt nicht dort, wo der Takt verschwindet.“
Aber Takt ist nicht nur in Partituren wichtig…
Dann soll das oben erwähnte Tangopaar noch vortanzen! Ich hoffe, es sind die beiden oben Genannten. Gut, die Dame hier heißt nicht ganz so wie im besprochenen Text. Aber bei Frauennamen… gut, lassen wir das!
https://www.youtube.com/watch?v=DgeR9JUap20
Quelle: https://www.tangocompas.co/tango-neo-tango-und-die-freiheit-die-manchmal-keine-war/


(Nach-)Forschung via KI: Claudia Codega (oft fälschlicherweise als Bodega notiert).
AntwortenLöschenJa, mit Frauennamen hat's der Meister nicht so... Herzlichen Dank!
LöschenNun hat's der Meister korrigiert. "Bodega" heißt ja auch "Weinkeller"...
LöschenHerr Riedl,
AntwortenLöschender Name Codega wurde heute Nacht bereits um 00:23 Uhr korrigiert, nachdem meine Autokorrektur mehrmals wieder auf „Bodega“ zurückspringen wollte. Da müssen Sie Ihren Beitrag offenbar schon längst geschrieben haben.
Und nebenbei: Natürlich müsste ich den Namen kennen, wenn ich ihn schon erwähne., ich kenne dieses Paare ja schließlich persönlich. Der kleine Schreibfehler war kein Erkenntnisproblem, sondern ein technisches. Aber solche Kleinigkeiten sind Ihnen natürlich willkommen, wenn man daraus wieder einen Seitenhieb basteln kann.
Aber sie müssen sich wieder in die erste Reihe schieben, um dann – ganze der Kenner, obwohl Sie den Namen dieses Paars noch nie erwähnt haben (und ihn wahrscheinlich gar nicht kannten) – die Schreibweise korrigieren und ein Video durchreichen, "Riedl der Tango-Kenner" einfach lächerlich!
Interessanter ist aber etwas anderes:
Sie scheinen inzwischen nicht nur Ihren eigenen Blog weitgehend auf Klaus-Wendel-Bashing eingerichtet zu haben. Sie betrachten offenbar auch meinen Blog als eine Art Verlängerung Ihres Schreibtisches, auf dem alles gefälligst an dem Platz liegen soll, an dem Sie es zuletzt abgelegt haben.
Sie beschweren sich über Umstrukturierungen, behaupten, Texte seien verschwunden oder gelöscht, nur weil Sie sie nicht sofort finden. Dann sind Sie auch noch unzufrieden, wenn „Radio Riedl-Wahn“ nicht mehr prominent herumsteht — ausgerechnet jenes Stück, über das Sie sich vorher so ausführlich empört haben.
Nur mal zur Orientierung: Das ist mein Blog. Nicht Ihr Zündstoff-Archiv für das nächste Dauerfeuer in meine Richtung.
Diese Unterscheidung scheinen Sie häufiger zu verwechseln.
Sie halten sich als Leser auffällig oft auf meiner Seite auf, durchstöbern mein Archiv, verfolgen Änderungen, notieren offenbar Uhrzeiten, Rubriken und Verschiebungen, um daraus wieder Material für Ihre Bloggerschlacht zu gewinnen.
Das dürfen Sie natürlich alles tun. Öffentlich zugängliche Texte sind öffentlich zugänglich.
Aber normal wirkt es langsam nicht mehr.
Wenn jemand sich so dauerhaft mit einer fremden Seite beschäftigt, gleichzeitig jede Umstellung kommentiert und daraus den nächsten Angriff strickt, dann ist das keine normale Lektüre mehr. Das ist Beobachtung mit Kampfhund-Mentalität.
Und genau deshalb werde ich meinen Blog nicht danach organisieren, ob Herr Riedl seine Munition dort bequem wiederfindet.
Nochmal zur Orientierung: mein "Enthüllung-Artikiel" findet sich unter dem Menu "Beiträge". Es gibt auch eine Suchfunktion, die übrigens genauso schlecht funktioniert, wie auf Ihrem Blog.
Noch etwas: Weltkulturerbe Tango vom Rio de la Plata
Die Eintragung wurde gemeinsam von Argentinien und Uruguay eingebracht. Genauer: Der Tango wurde 2009 als binational nomination Argentiniens und Uruguays in die UNESCO-Liste aufgenommen.
Eine Fachveröffentlichung beschreibt, dass die zweite Bewerbung 2009 mit Unterstützung Argentiniens und Uruguays gemeinsam von Buenos Aires und Montevideo eingereicht wurde und Tango dabei als Ausdruck des Río de la Plata gefasst wurde.
Das heißt: Die UNESCO-Anerkennung bezieht sich vor allem auf den kulturellen Ursprung und die lebendige Praxis im Río-de-la-Plata-Raum, nicht auf eine beliebige weltweite Tango-Marke.
Dies nochmal zur Erinnerung, weil Ihnen Argentinien und Uruguay, seine Sitten und Gebräuche im Tango doch scheißegal sind, wie Sie immer wieder stolz bekennen.
Meine Hypothese: Und in diesen beiden Ländern wäre man sicherlich nicht stolz auf Sie!
Lieber Herr Wendel,
AntwortenLöschenSie brauchen ziemlich viel Text, um einen Patzer zu rechtfertigen.
Und ja, ich habe den Artikel gestern Abend entworfen.
Das mit dem „Weltkulturerbe“ hatten wir schon. Ich zitiere mal:
„Als eine der bekanntesten Erscheinungsformen dieser Identität verkörpern und fördern Musik, Tanz und Poesie des Tangos Vielfalt und kulturellen Dialog. Sie werden in den traditionellen Tanzlokalen von Buenos Aires und Montevideo praktiziert und verbreiten den Geist seiner Gemeinschaft auf der ganzen Welt, auch wenn sie sich an neue Umgebungen und sich ändernde Zeiten anpassen.“
https://ich.unesco.org/en/RL/tango-00258
https://milongafuehrer.blogspot.com/2020/05/heute-schon-gespendet.html
Ansonsten rate ich: Das mit der „Autokorrektur“ ist gefährlich. Daher verfasse ich meine Texte per Word auf dem Computer – und nicht mit dem Smartphone. Merke: Technische Fehler entstehen stets im Hirn.
P.S. Den wievielten Frauennamen haben Sie inzwischen falsch geschrieben? Ich hab nicht mitgezählt.
Neueste Nachricht: Wendels Enthüllungs-PDF zu meiner Person findet man nun unter "Beiträge - Riedls Kommunikations-Stil". Muss man erstmal drauf kommen...
LöschenKlaus Wendel beschwert sich nun wieder einmal, dass ich mich zu viel mit ihm befasse. Inklusive einer gruseligen Karikatur.
Löschenhttps://www.tangocompas.co/wenn-der-gegner-im-archiv-wohnt/
Ich weise darauf hin, dass ich mich nicht um einen Kontakt mit ihm bemüht habe. Es war umgekehrt: Zirka 2011 bestellte er einen „Milonga-Führer“ und beschimpfte mich anschließend. Er fühle sich vom Buch „betrogen“ und wolle sein Geld zurück. Als mein Blog herauskam, bedachte er mich mit einer Flut von Kommentaren, die fast stets negativ waren und teilweise heftige verbale Grobheiten enthielten.
In vielen seiner Artikel macht er negative Anmerkungen zu meinen Texten. Gleichzeitig möchte er von mir in Ruhe gelassen werden.
Wenn ich seine eigene Praxis kritisiere, ständig Umschichtungen und Löschungen vorzunehmen, dann nur aus einem Grund: Ich laufe halt Gefahr, mich auf Aussagen zu beziehen, die schon wieder verschwunden sind. Dann kommt das Argument, ich dürfe mich nicht mehr darauf beziehen.
Etwas mühsam, das Ganze!
Ansonsten ist es mir egal, welches Durcheinander der Kollege auf seinem Blog anrichtet.
Plötzlich war da ein klarer Puls. Ein Rhythmus. Eine Struktur. Eine Musik, die nicht nur Stimmung erzeugte, sondern Entscheidungen verlangte. Und genau daran scheiterten viele.“ So blieb man lieber auf der „vertrauten Spielwiese.
AntwortenLöschenSehr gut geschrieben, das spricht mir aus dem Herzen. Danke.
Peter Schwenker St. Ingbert
Da haben Sie sich leider in der Adresse geirrt - der Text stammt von Klaus Wendel. Kommentieren Sie doch auf seinem Blog. Da mangelt es derzeit an Publikumsbeteiligung. Er wird sich freuen!
LöschenMensch, das ist mir doch auch klar. Ich danke Ihnen, dass Sie mir den Text zugänglich gemacht haben.
AntwortenLöschenP. Schwenker
Danke für die Anrede "Mensch"! Verwenden nicht alle Kommentatoren...
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