Sehr persönliche Antwort

Lieber Herr Wendel,

Sie haben am 13.8. einen „sehr persönlichen Brief“ an mich gerichtet:

https://www.tangocompas.co/ein-sehr-persoenlicher-brief-an-gerhard-riedl/

Nachdem die tagesaktuellen Themen derzeit ein wenig pausieren, habe ich nun die Zeit, ihn ausführlicher zu beantworten:

Sie bekunden, dass Ihnen längst die Hoffnung fehle, mich „in einer Sachfrage zu überzeugen“.

Heute wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Möglicherweise werden danach sehr unterschiedliche Parteien sich zusammentun, um die AfD aus einer Regierung herauszuhalten.

Glauben Sie, dass Koalitionen in der Hoffnung geschmiedet werden, die anderen „in einer Sachfrage zu überzeugen“? Nein – man muss halt zusammenarbeiten, damit der ganze Laden nicht den Bach runtergeht! Dazu muss jede Seite auf einiges verzichten, was ihr durchaus wichtig ist. Sonst wird das nämlich nichts.

Ich habe eine ganze Reihe Ihrer Texte vorwiegend positiv besprochen – habe Ihnen also sachlich häufig Recht gegeben. Sie haben das immer wieder empört zurückgewiesen, mir unterstellt, ich hätte Sie völlig falsch verstanden. Selbst, wenn das so wäre, halte ich es für keine gute Idee, stets das Trennende statt des Verbindenden zu betonen.

Sie behaupten, ich würde „erstaunlich selten Belege liefern“. Na, immerhin arbeite ich sehr häufig mit Zitaten und Quellen. Sie dagegen schildern Eindrücke. Selber geben Sie zu, es mit den zitierten Formulierungen nicht so genau nehmen. Warum eigentlich nicht? Wieso ist es derartig schwierig, den Lesenden zuerst mal mitzuteilen, was der Andere wörtlich geschrieben hat? In Ihren „Zitaten“ schwingt meist schon die Richtung mit, die Sie einer Sache geben wollen.

Was bleibt mir dann anderes übrig, als zu dementieren, was ich nie geschrieben habe? Sie behaupten, ich würde „unangeleitetes Lernen durch Ausprobieren“ propagieren. Sorry, aber wenn ich vorschlage, erfahrene Tänzerinnen und Tänzer könnten mit Neulingen üben, ist das sehr wohl „angeleitet“. Es ist halt eine andere Form des Lernens als in den üblichen Kursen.

Sie fragen, ob Sie zu jedem meiner Sätze ein „juristisches Gutachten“ anfertigen sollten. Selbst wenn Sie es könnten: nein. Eine noch schlechtere Idee ist es aber, mir wiederholt mit rechtlichen Schritten zu drohen, ohne das jemals in die Tat umzusetzen. So nährt man das Gerücht, der Andere verhielte sich ungesetzlich, ohne jemals einen Beweis antreten zu müssen.

Abgesehen davon ist es für das Image des Tango katastrophal, wenn man mit dem Anwalt droht.

Sie fordern nun, ich solle konkrete Beispiele von Leuten nennen, die nach meinen Vorstellungen Tango gelernt hätten. Gut – da fänden Sie anscheinend nichts dabei, Persönlichkeitsrechte zu verletzen, während ich selber per Kommentar haufenweise mit Fake-Identitäten beliefert werde! Und klar, ich habe nie die gesamte „Ausbildung“ von Schülern unternommen. Meine wirklichen Erfahrungen mit Lernenden habe ich in zahlreichen Texten beschrieben.

Sie selber dürften sich entschieden dagegen wehren, Namen Ihrer Schülerinnen und Schüler preiszugeben.

Nachweislich falsch behaupten Sie, von mir gäbe es im Netz nur ein Tanzvideo:

https://milongafuehrer.blogspot.com/2026/08/von-den-gefahren-des-kostenlosen-lernens.html?showComment=1786648586651#c2377530541206120176

Und was das Geld betrifft: Vieles ist heute beim Tango auf Gewinnerzielung ausgerichtet. Gut – kann man machen. Dann ist es aber keine „Frechheit“, zu fragen, ob sich der finanzielle Aufwand für die Lernenden lohnt. Ich finde, Tangoschaffende sollten sich entscheiden, ob sie sich als Unternehmer oder Wohltäter der Menschheit verstehen. Und sollte beides zutreffen, wäre das erst recht erklärungsbedürftig!

Sie fragen: „Wer bezahlt die Räume?“ Nun, das haben wir jahrelang selber getan – und sind dafür mit Hohn und Spott überzogen worden:

„KOSTENLOSER TANGO-UNTERRICHT – Gerhard Riedl in Pörnbach – Vielleicht übt er ja mit euch!“

https://www.tangocompas.co/vielleicht-uebt-er-ja-mit-euch/

Und ja – ich bleibe bei meinem Fahrschul-Vergleich: Im konventionellen Gruppenunterricht sitzen vorn im Auto zwei Fahranfänger und erhalten von der Person auf dem Rücksitz Anweisungen.

Erfreulicherweise gibt es nun Ansätze, von diesem Konzept wegzukommen:

https://milongafuehrer.blogspot.com/2026/09/kurse-mit-dem-tanz-barenfuhrer.html

In Ihrem Offenem Brief betonen Sie ganz richtig, man müsse nicht ständig auf alles reagieren, was einem falsch vorkomme. Kabarettreif ist allerdings die Formulierung, man solle gefälligst „richtig“ widersprechen.

Es wird eine Diskussion nicht befördern, wenn einer meint, die Spielregeln bestimmen zu können. Das Problem ist Ihre Weigerung, auf Augenhöhe zu kommunizieren: Ja, der Andere darf sich äußern, sofern er die fachliche Überlegenheit des Kontrahenten anerkennt. Sonst entstünde die Gefahr einer „false balance“…

So wird das nix.

Interessant ist Ihr Postskriptum, dass Sie einer Verständigung gar nicht näherkommen wollten. Sie wollten nur erklären, woran sie seit Jahren scheitere.

Es bringt den Tango nicht weiter, wenn wir in Offenen Briefen erklären, warum es nichts Verbindendes mehr gebe.

Ich hoffe, die Politikerinnen und Politiker in Sachsen-Anhalt sind heute Abend klüger.

Mit besten Grüßen

Gerhard Riedl

Auf dem Wohnzimmer-Parkett

Kommentare

  1. Es ist alles gesagt:
    https://www.tangocompas.co/wp-content/uploads/2026/09/Gerhard-Riedl-und-die-Debatte-als-Buehne-06.09.2026.pdf
    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Wendel

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    1. Na, bei 33 Seiten könnte man es vermuten. Aber ich bin sicher: Da kommt noch was!

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  2. Wie ein Geier warten Sie darauf, das da noch was kommt. Ob es Sie betrifft oder Wendel ein neues Thema anschneidet: Sie werden es hier umgehend kommentieren. Ohne Ihren Freund Wendel können Sie nicht überleben.

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    1. Na ja, Geier ernähren sich oft von totem Material. Das wollen wir doch bei Wendels Veröffentlichungen nicht hoffen!
      Ansonsten: Mein Blog gab es schon jahrelang, bevor der Kollege anfing, Artikel zu schreiben. Und solange er Anhänger wie Sie hat, ist mir nicht bange.

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    2. Schade, das Sie schon wieder Ihren eigenen Grundsatz gebrochen haben und einen anonymen Beitrag veröffentlichen. Aber so sind Sie halt.

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    3. Wenn Sie's nicht veröffentlicht haben wollen, dann kommentieren Sie halt nicht.
      So ein Volldepp!

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  3. Menschen, wie Sie und wir, sind übrigens -bezüglich Fleischkonsum- auch Aas(fr)esser, das müssten Sie als Biologe doch eigentlich wissen. Sie als Blogger übrigens auch: Sie schreiben nur noch über Verwertbares aus der Blogger- oder Feuilletonwelt, aber nichts mehr, das aus eigener Kreativität entsprungen ist. Aber das ist nachvollziehbar und verzeihlich, denn mit Ihren bisherigen kreativen Versuchen waren Sie mehr in der Fantasiewelt unterwegs.

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    1. Mein Staatsexamen in Biologie ist zwar schon etwas länger her, aber immerhin stammt es nicht von der Google-Universität.
      Nein, der Mensch ist kein Aasfresser (mag beim Tango anders sein). Wenn schon, ernährt er sich räuberisch.
      Sie scheinen als Kommensale zu leben - Sie ernähren sich von den Resten, die auf Blogs runterfallen.
      Und ja: Ich habe Fantasie. Die ist leider im Tango nicht mehr gern gesehen.

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  4. Ihre Kraftwörter ekeln mich an, Herr Riedl.
    Rita Mögele

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    1. Liebe Rita,
      ich wüsste eine ganz tolle Lösung: Einfach nicht anschauen!
      Worüber ich nun grüble: Darf man im Mädchen-Internat schon ins Internet? Halte ich für verfrüht.
      Mit besten Wünschen für die weitere Entwicklung
      Gerhard Riedl

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  5. Lieber Kollege Riedl,
    Ihr jüngster Beitrag ist ein rhetorisches Gesamtkunstwerk der Selbstimmunisierung. Als Beobachter Ihrer Texte fallen mir dabei ein paar amüsante logische Kurzschlüsse auf, die man selbst an einer einfachen Volkshochschule im ersten Semester widerlegt:
    1. Das Koalitions-Dilemma: Sie loben die Kompromissbereitschaft in der Politik und fordern das „Verbindende statt des Trennenden“. Gleichzeitig keilen Sie bei der kleinsten Sachkritik im Blog aus, schränken Kommentarspalten ein und beschimpfen Leser. Fordern Sie die demokratische Debattenkultur nur für die Politik, oder gilt die auch für Ihr Pörnbacher Wohnzimmer?
    2. Der Zirkelschluss als Quelle: Sie werfen Kollegen Wendel vor, nur „Eindrücke“ zu schildern, während Sie „Zitate und Quellen“ liefern. Ein Blick auf Ihre Links zeigt: Sie verlinken fast ausschließlich auf sich selbst. Das ist wissenschaftlich originell: „Gerhard hat recht, weil Gerhard das vor Jahren schon mal auf Gerhards Blog behauptet hat.“ Chapeau, so spart man sich das Recherchieren.
    3. Das Bärenführer-Paradoxon: Jahrelang geißeln Sie den kommerziellen „Ocho-Ablasshandel“ der angeblich geldgierigen Tangoschulen. Nun organisiert eine Kollegin genau Ihr Konzept (Anfänger tanzt mit Fortgeschrittenem) auf Bezahlbasis, und plötzlich ist es „revolutionär“ und an der „Innovations-Front“. Ist Kommerz jetzt plötzlich genial, nur weil eine Ihrer Ideen genutzt wird?
    4. Das biologische Eigentor: Da pochen Sie stolz auf Ihr Staatsexamen und erklären dem geneigten Leser, der Mensch ernähre sich „räuberisch“ und nicht von Aas. Nun ja, Herr Kollege: Jedes Schnitzel und jede Salami, die Sie verzehren, stammt von einem Tier, das vor Tagen oder Wochen getötet wurde – rein biologisch ist der moderne Mensch beim Fleischkonsum ein Kultur-Aasfresser. Aber viel schöner ist Ihre Definition des „Kommensalen“: Sie ernähren sich seit Jahren publizistisch fast ausschließlich von den Texten der Kollegen Wendel und Schütt. Wer ist hier also der wahre Nutznieszer am Content anderer?Fazit: Wenn Ihnen die Argumente ausgehen, schalten Sie um auf akademische Abwertung („Google-Universität“) oder schlichte Beleidigungen („Volldepp“). Damit haben Sie das 33-seitige PDF von Klaus Wendel nicht widerlegt – Sie haben es in diesem einzigen Blogpost praktisch bewiesen.
    Mit kollegialen Grüßen
    Prof. Dr. phil. habil. Wolfgang Berger

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    1. Lieber Herr Professor,
      ich bin beeindruckt, welche akademischen Zelebritäten sich für mein Blog interessieren!
      Nur ein Tipp: Versuchen Sie bitte nicht, wie Klaus Wendel zu schreiben! Wir wollen doch keine komischen Verdächte nähren...
      Untertänigst
      Ihr Gerhard Riedl

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  6. Ich frage mich, ob Sie Ihrer Leserschaft "Volldepp" auch ins Gesicht sagen würden. Aber wie man sieht, machen Sie all jene Sachen, die Sie anderen vorwerfen, selbst.

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    1. Einer realen Person sicherlich nicht. Aber Sie sind ja ein namenloses Synthetik-Wesen.

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    2. Sie irren (wie so oft): Nur weil man anonym schreibt, ist man/frau immer noch ein realer Mensch. Oder beschimpfen Sie Personen auf der Straße, wenn sie anonym sind?

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    3. Auf der Straße würde ich die Person dann wenigstens sehen.
      Aber das ist ja genau das Problem. Die Wenigsten würden im realen Leben einem anderen mitteilen: „Aber so sind Sie halt. Weil Sie Ihren eigenen Grundsatz gebrochen haben.“ In der Anonymität des Internets aber werden sogar Feiglinge zu Helden.

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