Traurig und tzau doof



Die gescheiten und die dummen Leute erkennt man unter anderem auch daran,
dass die Dummen das verehren, was in ihrer eigenen Richtung liegt,
die Gescheiten aber, was sie fühlen, dass es ihnen abgeht.
(Franz Grillparzer)

Über die jüngsten Zwistigkeiten in der Facebook-Gruppe „Tango München“ habe ich kürzlich berichtet:

Diese scheinen inzwischen nach einem festen Schema zu verlaufen:

1.    Jemand postet etwas Kritisches über den eigenen Haufen.
2.    Aus Rede und Gegenrede entwickelt sich binnen Kurzem die schönste Keilerei.
3.    Irgendwer fürchtet dann, der „Blogger aus Pörnbach“ könnte darüber berichten.
4.    Sobald genug satirefähiges Material vorliegt, tut er das auch.
5.    Irgendwer verlinkt diesen Beitrag in der eigenen Gruppe, auf dass ihn alle lesen und sich aufregen können.
6.    Vereint und alle Gegensätze vergessend schlägt man anschließend auf den Blogger ein.

Was man natürlich sorgfältig zu vermeiden weiß, ist die auch nur annähernde Beschäftigung mit den Inhalten meiner Artikel – offenbar in der Furcht, man könnte auf der Suche nach Gegenargumenten erfolglos bleiben.

Stattdessen ist kein Klischee zu billig und kein Thema zu entfernt, als dass man es nicht missbrauchen könnte:

So schreibt Klaus Hörberg: „Unterschätz die Leute nicht, wer sich tatsächlich die Beiträge des Herrn Riedl ernsthaft durchliest, weiß das dann schon einzuordnen ...“
Eigene Einordnungsvorschläge bleibt er allerdings schuldig.

Dafür liegt ihm wohl im Tango die „Sippenhaftung“ am Herzen: „Also, seine Frau muss ja sowas schreiben als Amazon Buchbesprechung...“
Von der Themaverfehlung einmal abgesehen: Wie viele Männer laufen eigentlich heute noch im Tango herum, welche die Rolle einer Ehefrau vorwiegend in der Wahrung der Interessen des Gatten sehen?
„Der Mann führt“ gilt für solche Zeitgenossen wohl weit über den Tango hinaus…

Warum dieser Vertreter der tangopolitischen Logik mich jedoch als Person beschreibt, die „keine Verhaltensregeln auf Milongas akzeptiert“, kann ich nur vermuten: vielleicht der unbezwingbare Drang, sich öffentlich zu blamieren?  

Michael Tausch macht es sich (wenn das möglich ist) noch einfacher. Wie üblich schreibt er auf, was ihm spontan einfällt (und das ist üblicherweise nicht viel):
„Der Teufel schei... immer auf dem selben Haufen. Jetzt werden wir alle im allergrößten Milongaführer verewigt... bei so viel ‚Satire‘ wird mir schlecht“.

Und mir bei diesen Kraftausdrücken!

Noch ein Zitat dieses Autors:
„Wenigstens hat der Herr wie immer nur Quatsch geschrieben und bleibt in der Kategorie Yello Press.“

Hier nun freilich streifte den Schreiber ein Hauch von Zusammenhang:

Ja, liebe Münchner, ihr solltet zur Kenntnis nehmen: Ich inszeniere – wie ein guter Klatschreporter – die Skandale nicht, sondern berichte lediglich darüber. Aber es soll ja auch echte Promis geben, welche nachts um Zwei in der „Nobel-Disco“ eine Keilerei anfangen und sich dann frühmorgens (nach Verabschiedung des Katers) höchlich darüber beschweren, dass dies nun in der Zeitung zu lesen steht…

Und ebenso wie Journalisten habe ich ein Interesse dran, möglichst viele Leser zu finden. Was wiederum Michael Tausch konstatiert, ist somit der Normalfall: „Ein Autor mit dem Ziel, möglichst viele Besucher auf seine Seite zu locken!“ Da ihm nichts Neues einfällt, kommt diese Aussage gleich noch einmal: „sonst gehen ja die Zugriffszahlen in den Keller“.

Aber vielleicht wurden ja die ganzen Reklame-Anzeigen, welche auf „Tango München“ täglich auf uns hereinprasseln, in der Hoffnung verfasst, dass sie keiner lese… nicht, dass dann noch Besucher oder Tangoschüler kommen!

Den Vogel schoss aber wieder mal Oliver Fleidl ab, dem anscheinend wirklich kein Klischee zu billig ist: „ACH DER IST LEHRER GEWESEN?? Jetzt wird mir einiges klar.“

Nun gut, als Tanzlehrer muss er sich ja in diesem Metier auskennen – und er ist, ausweislich der Selbstbeschreibung auf der Website seiner Schule, unter anderem ja auch noch
·         Business-Knigge-Coach
·         Gründungsmitglied des Bundesverbandes Knigge
·         im Fachgebiet: „Umgangsformen“ tätig
und schließlich als Inhaber der „Tanzschule am Deutschen Theater in München“ zudem ein Nachfolger der legendären Thea Sämmer.     
Das sind so die Momente, wo mir mein Alter im Hinblick auf das Näherkommen des Todes als Gnade erscheint…

Daher, um nochmal meinen Lieblingskritiker Michael Tausch zu zitieren: „Immerhin gibt sich ein Blogger aus Pörnbach die größte Mühe uns möglichst ins schlechte Licht zu stellen.“

Nein, mein Lieber, das besorgt ihr selber am besten – und zwar in übertriebener Weise: So mies ist die Münchner Szene nun wirklich nicht.

Um wenigstens am Schluss zum eigentlichen Thema zurückzukommen: Fabián Lugo darf ja seit Neuestem auch wieder in der FB-Gruppe „Tango Bayern“ werben. Ob die Susanne Mühlhaus im Gegenzug im „Schlachthof“ tanzen darf, wird nicht ersichtlich. Ich jedenfalls finde ihren damaligen Ausschluss (wenn es sich denn so zugetragen hat) von unterirdischer Qualität!

Hausverbote (außer das höchst theoretische von Cassiel) kenne ich bislang nur aus meiner Tango-Frühzeit von unseren damaligen Lehrern. Die ereilten dort alle, welche es wagten, in hundert Kilometern Umkreis überhaupt eine Milonga zu veranstalten oder für Konkurrenten zu werben. Gelegentlich wurde das sogar von einem professionellen Sicherheitsdienst am Eingang überwacht. Einige Jahre später brachen die Gestrengen dann über Nacht alle Zelte ab und entschwanden. Das muss doch nicht sein... 

„I have a dream“: Welch positives Bild vom Tango wäre schon vor Jahren in München entstanden, wenn diese Herrschaften sich mal gegenseitig auf ihren Milongas besucht, ja eventuell sogar ein gemeinsames Tänzchen absolviert hätten?

Stattdessen bleibt der Eindruck, den die Veranstalterin Sylvia Viñez (der ich hier erstmals Recht geben muss) so treffend beschrieben hat, dass ich ihr Zitat als Titel meines Beitrags verwendet habe:

Traurig und tzau doof“

P.S. Auch Franz Grillparzer hatte mit seinem Drama „Weh dem, der lügt!“ keinen Erfolg. Die Uraufführung am Wiener Burgtheater 1838 war ein Reinfall: Für viele Zuseher war der Stoff wohl intellektuell zu hoch, und die Aristokraten empörten sich über die „Kritik an den Reichen“ – ebenso wie die Kleriker. Dass ein Bischof die Sünde der Lüge in versöhnlichem Licht sehen konnte, widersprach wohl den katholischen Códigos…
Der empfindsame Autor zog sich anschließend völlig aus der Öffentlichkeit zurück. Erst in seinem Nachlass entdeckte man spätere Meisterwerke wie „Ein Bruderzwist in Habsburg“ und „Die Jüdin von Toledo“.
Ich veröffentliche lieber zu Lebzeiten…

P.P.S. Nach eigenem Bekunden ist offenbar auch der Münchner Tangoveranstalter Levent Göksu seit drei Jahren von einem Hausverbot der Firma Lugo betroffen.
Levent, der Schelm hat nun auf FB eine neue Gruppe gegründet: Tango Kummerkasten München" - für alle, die sich mal auskotzen" wollen: https://www.facebook.com/groups/1788857211337533/ 

Neuester Stand: Inzwischen sind die Posts von Levent auf Tango München" wieder verschwunden. Selber gelöscht oder zensiert? Fragen über Fragen...

Kommentare

  1. Zum Thema Klischee habe ich neulich gelesen "cliches are valid first order approximations". Womit ich auf das Klischee der intriganten Münchner Bussi-Schickeria anspiele. Danke, Münchner, für so viel Unterhaltsames, und danke,Gerhard...ich könnte sowas auf Facebook nie ausgraben, Du weißt was ich meine....

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    1. Vielen Dank - und: Einer muss es ja machen, gell?

      Klar, Klischees und Vorurteile sind als erste, schnelle Näherung oft lebensrettend. Wenn man jedoch Zeit hat, ist weiteres Nachdenken nicht verboten!

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  2. Markus Betz, WI8. Mai 2017 um 17:26

    Puuhhh, es wissen aber schon noch alle, daß es hier weiterhin lediglich "nur" um einen Tanzstil, zwar sehr intensiven und anspruchsvollen, und Musik geht?

    Wunderbar, welche Luxusprobleme wir haben, dann ist die Welt im kleinen im Prinzip ja in Ordnung...
    George Martin weiß warum er schreibt, was er schreibt, life at its best ;-P

    Wenn das Thema, "im Prinzip" nicht so banal wäre...
    Solange sich diese Protagonisten in anderen, wesentlich wichtigeren Bereichen ebenfalls engagieren, ist es ja in Ordnung wenn man sich auf diese Art Luft verschafft.

    Aber dies ist ja der Grund warum man sich köstlich amüsieren und lachen kann, und nicht weinen muß :-)

    Meine Lebensgefährtin und ich fanden es bei unserem Vida! Wochenende bei Oscar und auch bei Susanne, einfach nur toll, auch wenn ich selbst nicht viel gewechselt hatte, ich war vom FlixBus mitfahren noch platt.
    In der Salsa Bar wurde zwar durch die Bar Beleuchtung die Atmosphäre auf der Tanzfläche ein bisschen kaputt gemacht, aber naja, so what...
    Die Location der SUR Bar war überraschend toll, da ich zunächst die Befürchtung hatte, in einer miefigen Turnhalle aufzuschlagen, aber dieses Gemeinde/Turnhaus war nach meinem Geschmack einfach nur toll eingerichtet.
    Wir wären gerne zur Osterveranstaltung gekommen :-)
    Hier nochmal einen ganz lieben Gruß an Susanne und ihren Partner, die beide sehr Warmherzig und Menschlich sind :-)

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