Der Schritt in den freien Raum
Ich bin begeistert – endlich sagts mal einer! Nachdem man auf traditioneller Seite den Tango meist als Tanz beschreibt, bei dem kaum Platz ist, ja sogar kaum einer sein sollte, räumt Klaus Wendel nun schonungslos mit diesen Vorstellungen auf!
Etwas verwunderlich, da der Autor selber bislang immer wieder die räumliche Enge unseres Tanzes beschworen hat: In einem früheren Text aus seiner Feder habe ich schon mal ganze 15 Formulierungen zusammengestellt, mit denen er den mangelnden Platz beim Tango thematisierte:
https://milongafuehrer.blogspot.com/2026/05/auf-vollen-pisten.html
Vielleicht mit einem Seitenblick auf einen polnisch-australisch-amerikanischen Autor entflieht der Schreiber nun der räumlichen Enge und fängt „wieder bei den einfachsten Dingen“ an:
Tango sei ein Gesellschaftstanz, daher teilten sich mehrere Paare einen Tanzraum. Gut – ist uns annähernd bekannt.
Da herrsche „einfache Geometrie“: „Je mehr Paare auf der Tanzfläche sind, desto kleiner wird zwangsläufig der Raum, der dem einzelnen Paar zur Verfügung steht.“
Das erinnert mich an ein frühes Solo des Kabarettisten Dieter Hildebrandt, der in der Rolle eines Schlafwagenschaffners mit dem Publikum sein Fachwissen teilte: „Je mehr Betten belegt sind, desto weniger sind frei.“
Enge sei kein Qualitätsmerkmal. Na klar, weder auf dem Parkett noch auf der Autobahn, im Supermarkt oder dem Schädelinneren. Möglicherweise im Swingerclub, aber der ist ja hier kein Thema!
Klar, ein guter Tänzer (übrigens auch eine im Artikel unerwähnte Tänzerin) kann sich räumlich anpassen. Ob es Spaß macht, sei dahingestellt. Jedenfalls lesen wir nun, der kleine Raum bilde „keine Qualität des Tango“. Na also!
So werde unser Tanz zu einem „permanenten räumlichen Aushandlungsprozess“. Persönlich würde ich lieber entspannt agieren als auf dem Parkett in Verhandlungen einzutreten.
Die „tänzerische Qualität“ zeige sich darin, dass man „seine Bewegungen an den tatsächlich vorhandenen Raum anpassen“ könne. Na ja, ein bisschen auch daran, was man hinbekommt, wenn einem gerade niemand im Weg steht.
Auf einer fast leeren Tanzfläche könne ein Paar größere Bewegungen tanzen – werde es voller, müssten diese kleiner werden. Das klinge, so der Autor, „geradezu lächerlich banal“. Die Frage ist, warum er es dann schreibt.
Als „Unsinn“ bezeichnet es Wendel, dass „eine vollkommen überfüllte Tanzfläche zwangsläufig der ideale Ort für Tango“ sei.
Recht so – nur schreibe ich das seit vielen Jahren.
Sicher, man könne „nicht einfach dort hintreten, wo ich gerne hintreten möchte“. Das gilt auch für meine Begegnungen mit gewissen Kommentatoren.
„Woran erkennt man eigentlich einen guten Tänzer?“ Bei dieser Frage gibt sich der Autor urliberal: Einige seiner wichtigsten Qualitäten lägen auf Ebenen, die ein Zuschauer kaum beurteilen könne.
„Wie fühlt sich dieser Tanz für die beiden Menschen an, die ihn gerade tanzen?“ Das ließe sich von außen kaum messen: „Die Qualität der gemeinsamen Bewegung kann letztlich nur derjenige wirklich beurteilen, der sie fühlt.“
Na ja – mit Ausnahme unserer Tanzvideos, die ich im Internet veröffentlicht habe. Da kanns der Außenstehende offenbar sehr wohl erkennen… Gut – der Himmel freut sich über reuige Sünder.
Die Event-Kultur der Encuentros sieht Wendel grundsätzlich positiv, schränkt aber ein: Sie habe einen „elitären Beigeschmack“ erzeugt: „Eine Gruppe erfahrener Tänzer schuf sich ihre eigene kleine Tango-Gesellschaft und bestimmte selbst, wer hineinpasste. Dass ein solches System außerhalb dieser Gemeinschaft nicht überall auf Begeisterung stieß, ist kaum überraschend.“
In Buenos Aires sei „auffälliges Tanzen auf Kosten der anderen aus unterschiedlichen Gründen verpönt“. Na ja, da habe ich zur Tango-Frühzeit schon anderes gelesen: Man wollte sich mit seinem Tanzstil von der Konkurrenz absetzen und ließ es entsprechend krachen.
Die Raumbegrenzung selbst dürfe nicht zum Maßstab für Tango-Qualität werden. Die schwierigere soziale Leistung bestehe darin, eine Milonga zu schaffen, in der unterschiedliche Menschen miteinander zurechtkämen. Vielleicht sogar mit vielfältiger Musik – aber davon ist nicht die Rede.
Wieder mal muss ein Straßenverkehrs-Gleichnis her: Mit schwierigen Verkehrsbedingungen müsse man umgehen können, sie bildeten aber nicht den Idealzustand des Autofahrens. Na also!
Klaus Wendels Text enthält sehr viel Zutreffendes, so dass ich ihn gerne empfehle. Auch, wenn der Autor nun vielleicht findet, ich hätte seine Ansichten grob verfälscht. Also lesen Sie lieber selber:
https://www.tangocompas.co/tango-als-gesellschaftstanz/
Und meine Person? Nach über einem Vierteljahrhundert Tango glaube ich schon, mit beengten Verhältnissen auf der Piste einigermaßen zurechtzukommen. Spaß macht mir das kaum – aber das ist beim Tango ja inzwischen eh ein verpöntes Wort…
Gefreut habe ich mich über den Schlusssatz:
„Aber manchmal sind die einfachsten Erklärungen eben die plausibelsten.“
Getreu diesem Motto blogge ich nun seit 2013.
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| Wenn kaum Platz ist... |



... und wieder muss Ihr Freund Wendel herhalten. Natürlich darf auch das Erbsenzählen nicht fehlen. Schade, das Ihnen nichts Besseres einfäĺlt.
AntwortenLöschenSo lange Ihnen nichts Besseres einfällt, als rumzunölen, bin ich beruhigt. Geben Sie doch Ihrem ereignislosen Leben einen neuen Impuls, statt sich auf Blogs rumzutreiben, die Ihnen nicht gefallen! Stelle ich mir wahnsinnig öde vor.
LöschenKlaus Wendel kümmert sich nicht mehr um mich. Sagt er.
AntwortenLöschenIn einem aktuellen Kommentar schreibt er:
„Aber das ist eben der Tango als Gesellschaftstanz. Also Realität. Genau das versteht Riedl nicht.
Und er scheint sowieso nicht mehr dazuzulernen. Lassen wir ihn wie er ist: Ein sturer Mann, der auf seinem Kissen auf dem Fensterbrett auf die Straße schaut, herummeckert und anderen die böse Tango-Welt erklären will, weil er selbst darin gescheitert ist.“
Ich freue mich über die liebevolle Anteilnahme!
https://www.tangocompas.co/tango-als-gesellschaftstanz/#comments