Die Tangonauten-Sage

„Warum sollte man trotz Tango doch lachen können?“
(Münchner Tangolehrer auf Facebook)

 
Der Münchner Tangolehrer Andreas Thun (alias „Tangonautics Andi“ oder nunmehr hispanisiert „Andreas de Ángela“) hat es schon lange einmal verdient, einen eigenen Beitrag zu erhalten. Jüngst veröffentlichte er auf seiner Website sowie Facebook einen Text, bei dem er stellenweise sogar beinahe recht hat. Da er nach meiner Einschätzung jedoch sicher gerne völlig recht hätte, habe ich seinen Artikel etwas bearbeitet.

Zum Vergleich hier der Originaltext:


Soziales Tango Tanzen:

Woher sollen Menschen, die neu zum Tango kommen, wissen was sich auf einer Tango-Tanzveranstaltung (Milonga) gehört und was nicht? Nun, obwohl es vielleicht nicht dem Selbstbild des Autors entspricht: Die meisten Leute im Tangoalter sind nicht gestern aus dem Urwald eingewandert, sondern verfügen häufig über Erziehung, Erfahrung und Umgangsformen. Die spezielle „Tango-Kultur“ ist den meisten hierzulande eh wurst, sie wollen einfach tanzen, Leute kennenlernen und Spaß haben. Auch der Mehrzahl in Argentinien ist der Tango (damals wie heute) eher fremd, sofern sie nicht in Metropolen wie Buenos Aires aufwachsen.

Braucht es also einen „Vermittler“ zwischen dem richtigen Leben und der Tangowelt? Nun, wenn überhaupt, dann nicht den Tangolehrer, weil ihm einfach die tänzerische Praxis auf den Milongas fehlt, da er bei diesen herumsitzt, höchstens mit „Alpha-Tangueras“ tanzt und sich manchmal aufführt wie der Elefant im Porzellanladen. Und wer schon Anfängern mit Regeln und Vorschriften kommt, wird diese eher abschrecken als ermutigen! Wichtig wäre es vor allem, sie zum häufigen Auffordern zu animieren – wie galant auch immer.

Unter sozialem Tanzen verstehen wir das achtsame Miteinander aller Gäste auf der Milonga. Wie sich dies jeweils konkretisiert, hängt von vielen Faktoren ab. Auf jeden Fall sollte man sich bemühen, andere auf dem Parkett nicht zu behindern und freie Räume zu nutzen. Die „Ronda“, in der die Paare in gleichen Abständen hintereinander her dackeln, ist eher dem kirchlichen oder militärischen Bereich zuzuordnen, nicht einem lebendigen Tanz wie dem Tango.

Das heißt konkret, dass ich auf andere nicht zu nah auftanze. Erfahrene Tanzende sollten genug Ressourcen haben, um auch die Dynamik der unmittelbar sie umgebenden Paare (tanzende UND nicht tanzende) im Auge zu behalten. Ähnlich wie im Straßenverkehr gilt: vorausschauend fahren respektive tanzen! Anfänger können das noch nicht, daher muss man ihnen im Zweifel ausweichen.

Wir tanzen auf einer Milonga also in unserer Komfortzone, wir machen das, was wir gut können, also wenig.

Die Aufgabe der Tangolehrer wäre es, diese Zusammenhänge vorzuleben, aber nicht durch Theoretisieren, sondern durch eigenes Tanzen, auch auf den Milongas und mit Anfängern – ob diese nun deren Schüler sind oder nicht…

Soziales Tanzen bedeutet zusammengefasst die Berücksichtigung aller Grundsätze guten Benehmens, ob nun beim Tango oder anderen Aktivitäten auf dem Parkett.

Aber nicht nur die gerade aktiven Paare sind gefragt, sondern alle Mitglieder der Tangoszene: Sein erwachsenes Umfeld mit Besserwisserei und aufgesetzten Regeln zu nerven, zeugt von einer unterirdischen sozialen Einstellung!
 
WENN jedoch einmal ein Zusammenstoß vorkommt (das kann ja passieren), dann sollte auf jeden Fall Blickkontakt gesucht werden, und ggf. ist eine Entschuldigung fällig. Dies jedoch als „Hauen und Stechen“ zu bezeichnen und die vermeintlichen Verursacher als „Täter“ (wenn auch in Anführungszeichen), zeugt von wenig Feingefühl.

Wenn sich der überwiegende Teil der Gäste sozial verhält, dann stellt sich auf einer Milonga eine schöne Stimmung durch das achtsame Miteinander ein. Die gelegentlichen kleinen Ungeschicklichkeiten auf dem Parkett mit den jährlich fast 3500 Toten sowie beinahe 400000 Verletzten im Straßenverkehr zu vergleichen, ist jedoch geschmacklos.

Eine Milonga hat dann ein hohes Niveau, wenn möglichst viele gute Tanzende anwesend sind und diese es auch öfters mit Anfängern probieren, in welcher Choreografie auch immer. Das würde ich gerne öfters sehen!

Das Hauptthema des Tanzunterrichts sollte Tanzen sein. Würde doch reichen, oder?

P.S. Und das kann man dort wohl ganz gut lernen:

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