Tango in Pörnbach: Unser neues Konzept


Liebe Tangofreunde,

gestern fand unsere 54. Wohnzimmer-Milonga statt. Seit Anfang 2015 haben wir damit bewiesen, dass kleine, private Veranstaltungen mit vergleichsweise ungewöhnlicher, eher zeitgenössischer Tangomusik durchaus Gäste anlocken: Im Schnitt 15 Personen haben sich jeweils auf dem Pörnbacher Parkett getummelt – und viel mehr dürften es bei unseren räumlichen Verhältnissen auch nicht sein. Daher verlangten wir verbindliche Anmeldungen und verschickten bei Erreichen der Höchstzahl auch Ablehnungen – für mich die meistgehasste Tätigkeit.

Für den Erfolg muss man aber auch viel tun: Das beginnt schon mit der Schwierigkeit, jeden Monat einen Termin zu finden, an dem zumindest unser „Kern-Team“ Zeit hat – und vor allem Milongas mit ähnlichem Musikangebot in mindestens 50 km Umfeld möglichst nicht in die Quere zu kommen.

Die Gestaltung des Musikprogramms kostet mich jedes Mal einen vollen Arbeitstag: Finden und Kaufen von Neuerscheinungen, Recherche und Auswahl eines „musikalischen Specials“, Gestaltung einer Playlist und deren Veröffentlichung. Dazu Einladungen, per Mail und in sozialen Medien, Bestätigung von Anmeldungen, bei Absagen die Warteliste abarbeiten. Dass auch Karin, welche die Hauptlast der „gastronomischen Seite“ trägt, gut beschäftigt ist, kann man sich vorstellen.

Neben vielen positiven Erfahrungen mit unserem Konzept haben wir ein Problem bis heute nicht in den Griff bekommen: Unser Bestreben, Termine möglichst frühzeitig anzukündigen, um unseren Gästen eine Planung zu ermöglichen, kollidiert immer wieder mit der Schwierigkeit, sich so bald festzulegen – oft kommt eben doch kurzfristig etwas dazwischen, was zu einer Absage führt. Und „Nachrücker“, die man dann noch informiert, haben meist schon etwas anderes vor.

Daher haben wir uns entschlossen, unser Konzept zurück zu den Wurzeln zu verändern: Wir hatten nie vor, eine bestens organisierte „Tango-Party“ zu veranstalten, sondern schlicht einigen „Tango-Verrückten“ Gelegenheit zu geben, mit uns zu einer Musik zu tanzen, welche uns inspiriert und die wir woanders eher selten geboten bekommen.

Daher wird sich Folgendes verändern:

Zu unseren Veranstaltungen ist keine Anmeldung mehr nötig: Wer kommt, kommt – und inzwischen hat sich die Besucherzahl ziemlich stabil eingependelt, so dass größere „Ausreißer“ eher unwahrscheinlich sind. Und wenn: Die kommen auf anderen Milongas ebenso vor.   

Es gibt keine öffentlichen Ankündigungen mehr. Inzwischen ist der Pörnbacher Tango von Flensburg bis Rosenheim (und sogar in der lokalen Szene) hinreichend bekannt, und über 90 Prozent der Besucher kommen aufgrund persönlicher Einladungen. Wer die bislang per Mail erhielt, kriegt sie (sofern er nicht widerspricht) auch weiterhin – und ihr könnt diese gerne an Tangofreunde weiterleiten, unsere Milonga anderweitig empfehlen oder einfach jemand Neuen mitbringen.

Ich werde zukünftig spontan auflegen und daher auch keine Playlists mehr veröffentlichen (auf meinem Blog gibt es über 60 Beispiele, das sollte reichen). Dort werde ich aber gelegentlich musikalische „Specials“ publizieren, indem ich einen Künstler oder ein Ensemble ausführlich vorstelle. (Meine Hoffnung ist, auf diese Weise noch mehr tanzen zu können – auch wenn gerade eine Folge läuft, die ich nicht unbedingt bekannt machen würde…)

Wir werden unsere Planung lockerer gestalten – es wird also vielleicht in einem Monat gar keine, dafür im nächsten zwei oder mehr Milongas  geben, je nach unserer persönlichen, auch veränderlichen Terminsituation. Daher werden die Einladungen eher kurzfristig erfolgen – es kann sich also lohnen, einmal täglich in seine Mail-Box zu schauen!

Zukünftig werden wir nur noch eine Uhrzeit für den Beginn nennen – die Dauer hängt dann von Lust und Laune unserer Gäste ab (wir werden aber sicherlich nicht aufhören, wenn noch einige Leute tanzen wollen…).

Wie es mit unseren „Wohnzimmer-Practicas“ weitergeht, werden wir sehen. Bislang gibt es sehr positive Erfahrungen. Meine Idee ist, sie vielleicht an die Milongas zu hängen – also zirka eine Stunde davor oder danach. Das würde Interessenten zusätzliche Anfahrten ersparen. Aber auch da orientieren wir uns am Feedback unserer Besucher!

Das alles stellt keine endgültige Entscheidung dar; von Anfang an haben wir experimentiert und werden es auch weiter tun. Und eure Rückmeldungen sind stets sehr wichtig für uns.

Eines allerdings wird mir immer klarer: Die Spaltung der Tangoszene lässt sich nicht mehr umkehren. Auf der einen Seite stehen die zahlreichen traditionellen Milongas, wo die Musik strengen Reglements unterliegt und ja nicht Zeichen von Modernität aufweisen darf. Und auf der Mehrzahl der „fortschrittlichen“ Veranstaltungen gilt es fast schon als Fauxpas, wirkliche Tangomusik zu spielen. Den Raum dazwischen hat man weitgehend aufgegeben: Zirka 60 Jahre modernen Tangoschaffens, welches man immer seltener zum Tanzen geboten bekommt.

Nun gut. Das erhöht unseren „Alleinstellungs-Charakter“: Weiterhin werden wir uns keiner „Fraktion“ zuordnen lassen und einfach das spielen, was den Tango in über 100 Jahren weltweit erfolgreich gemacht hat – mit dem Schwerpunkt auf Stücken ab den 1960-er Jahren.      

Liebe Gäste, unser Konzept bedeutet daher mitnichten, dass es zukünftig in Pörnbach weniger Tango geben wird – vielleicht sogar im Gegenteil! Wir wollen uns jedoch wieder mehr auf das für uns Wichtigste konzentrieren: Musik und Tanz – und nicht einen ausufernden Organisationsaufwand.

Wir danken euch herzlich für eure Besuche, die wunderbaren Tänze und die Sympathie, die wir erfahren haben. Und wir hoffen, euch auch in Zukunft oft in Pörnbach begrüßen zu dürfen!

Mit lieben Grüße vom „WoZi-Tango-Team“
Euer Gerhard

P.S. Weiterhin freuen wir uns natürlich über neue Gäste! Wer uns eine Mail schickt, kann gerne Einladungen erhalten: mamuta-kg(at)web.de


Foto: www.tangofish.de

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