Kleiner Milonga-Führer



Nachdem bei meinen Tangobüchern immer wieder (irrtümlich) vermutet wurde, es handle sich um eine Auflistung und Bewertung realer Tangoveranstaltungen, möchte ich dies nun hier nachholen. Natürlich geschieht das – ganz im Geiste dieses Blogs – nur in positiver Hinsicht: Aus meiner Sicht gute Veranstaltungen werden genannt, der Rest erscheint mir nicht erwähnenswert. Die Aufzählung ist alphabetisch und daher nicht als „Ranking“ zu verstehen. Die Empfehlungen beschränken sich fast ausschließlich auf meinen üblichen „Aktionsradius“ von bis zu 130 km rund um meinen Wohnort.

Meine Kriterien bei der Auswahl dürften Lesern meiner Texte klar sein; ich kann mich daher kurz fassen:

Für mich steht und fällt die Qualität eines Tangoabends mit abwechslungsreicher, gut gemischter Musik aus möglichst vielen Epochen, von möglichst unterschiedlichen Interpreten des Tango. Events, welche nur auf eine historisch begrenzte Auswahl, einen ganz speziellen Musikstil zugeschnitten sind, reizen mich eher weniger zu einem Besuch. Daher wird man hier weder hundertprozentig traditionelle Milongas noch solche finden, welche unter dem Alibi „Tango“ im Wesentlichen Discoklänge verbreiten. Voraussetzung ist natürlich stets, dass die Beschallung lauter ist als das Gegacker des hoffentlich nicht zu zahlreich vertretenen „Tango-Event-People“.

Dass ich einen gewissen Komfort schätze, ist ebenfalls bekannt: So ist mir ein guter Parkettboden lieber als eine talkumbestäubte Gummimatte, ein freier Kleiderbügel in der Garderobe, eine Abstellmöglichkeit für Getränke sowie Sitzgelegenheiten jenseits von Plastikstühlchen oder Bierbänken sind auch nicht zu verachten. Zudem kann man mich mit einem freien Parkplatz in zumutbarer Entfernung so friedlich stimmen, dass bei mir selbst bei einer anfänglichen Canaro-Tanda nicht gleich Schnappatmung einsetzt.

Gute Tänzer/innen sind für mich stets eine Inspiration – unbedingt nötig ist deren Anwesenheit jedoch nicht, da ich mir notfalls selber welche mitbringe!

Welche Milongas können nun unter solch snobistischen Gesichtspunkten überhaupt noch mithalten?



Cantina Charlotta

Hannes Rieger kenne ich schon aus der Zeit, als man in Landsberg noch Tango tanzen konnte. Der stets freundliche und bescheidene DJ wirkt heutzutage geradezu als Antithese seiner Star-Kollegen und bleibt daher vom „angesagten“ Teil der Tangoszene verschont. Nachdem er früher eher klassisch aufgelegt hat, bietet er inzwischen (wieder?) eine tolle Mischung der verschiedensten Tangostile. Die Milonga findet zweimal im Monat in der Cantina Charlotta, Iglinger Str. 1, 86916 Kaufering statt.
weitere Infos: http://www.tangobayern.de/modules.php?name=Tango_Argentino&file=index&func=zeige_event&t_op=00028972&akt_dat=1505282880&FixTheme=Muc11

El Farolito
Diese Ausnahme-Milonga habe ich bereits früher beschrieben:
Nach wie vor kann man die Musikauswahl von Alfredo Foulkes nur als genial bezeichnen: höchst abwechslungsreich und immer wieder zum Tanzen motivierend. Seine Frau Angelika und er schaffen es in ihrer charmanten, herzlichen Art jedes Mal, eine ganz besondere Stimmung zu verbreiten, die einen auf den Heimweg begleitet.
Man muss allerdings wissen, dass ihre monatlich stattfindenden Tangofeste ziemlich überlaufen sind und die schwachbrüstige Tonanlage mit dem Lärm der Gäste oft nicht mithalten kann. Daher möglichst früh oder sehr spät erscheinen (aber natürlich vor der legendären Verlosung des „Laternchens“)!
Gesundheitszentrum Gröbenzell, Danziger Str. 28, 82194 Gröbenzell
einmal im Monat samstags ab 21 Uhr

Milonga Lagerhäusle
Zu diesem außergewöhnlichen Tangoabend sind wir schon mehrfach 250 km weit gefahren. Auf einem Dorf im badischen Linzgau findet einmal im Monat in einem umgebauten Baywa-Lagerhaus eine der schönsten Milongas statt, die ich kenne. Zur Musikauswahl kann ich nur die Veranstalter Barbara Dintinger und Michael Schnell zitieren: „Es erwarten Euch spannende Abende auf dem Fundament traditioneller Tangomusik, mit der Frische neuer Tangokompositionen, der Wärme schönster World ‚Tangos‘ und den Glanzlichtern aus der Tango-Avantgarde. Die Atmosphäre im ‚Lager‘ erfreut sich ungezwungener Lockerheit und Offenheit für die speziellen Gestaltungswünsche aller Tänzer!“
Anzufügen wäre noch die herzliche Umgangsweise, dank der man sich als „Gast von weither“ stets sofort angenommen fühlt. Näheres habe ich schon einmal in einem Blogbeitrag beschrieben:
Milonga Lagerhäusle, Schulstr. 4, 88699 Frickingen-Altheim
einmal im Monat meist freitags ab 20 Uhr
weitere Infos: www.tango-con-brio.de

Tango Café Schloss Blumenthal
Seit einiger Zeit veranstaltet die Tangolehrerin Simone Schumacher inzwischen alle zwei Wochen (jeweils Sonntags ab 16 Uhr) eine Milonga in dem malerischen Schloss nahe Aichach. Bereits der „Genius Loci“ sorgt wohl für einen Teil der Tangostimmung – wichtiger noch ist aber die Musikauswahl, für welche Ehemann Hans-Jürgen verantwortlich zeichnet: Von sehr gut zusammengestellten traditionellen Stücken geht es dann im Laufe des Nachmittags in die Moderne mit öfters ziemlich genialen Aufnahmen.
Es passt dazu, dass sich beide Gastgeber aufopfernd um das Wohl ihrer Besucher kümmern und – auch selber hervorragend tanzen. Vom "Geheimtipp" hat sich Bluementhal inzwischen zu einer recht angesagten Milonga entwickelt, in der sich fallweise einige Dutzend Gäste tummeln.
Tango Café im Schloss Blumenthal, Blumenthal 1, 86551 Aichach
monatlich sonntags ab 16.00 Uhr

Tango de Neostalgia
Am kommenden Freitag feiern Monika Fischer-Ripota und Peter Ripota immerhin schon das achtjährige Jubiläum ihrer monatlich stattfindenden Milonga. In den sehr edlen, großzügigen Räumlichkeiten einer Tanzschule am Stadtrand von Freising kann man äußerst komfortabel tanzen (oder auch an der Bar plaudern).
Die beiden Veranstalter kümmern sich stets sehr aufmerksam um alle ihre Gäste und bieten (meist zu Jubiläen) auch originelle Auftritte und Einlagen. Peter lässt sich – trotz gelegentlicher „Durststrecken“ – nicht beirren, in seiner ganz eigenen Weise aufzulegen: ohne Tandas und Cortinas, und oft genug mit Musikstücken so zwischen Neo und Nostalgie, die ich (zumindest auf Milongas) noch nie gehört habe. Nach meinem Eindruck geht sein Trend neuerdings wieder etwas mehr zum „Tango im engeren Sinne“, was ich nicht verkehrt finde.
Auch über Peter Ripota habe ich auf diesem Blog bereits geschrieben:
Tango de Neostalgia, Tanzschule TWS, Am Lohmühlbach 10, 85356 Freising
einmal im Monat freitags ab 21 Uhr

Tango Germering
(Fast) jeden Samstag veranstaltet Wolfgang Gerle einen „Tango argentino-Übungsabend“, zu dem höchstens 20 Besucher kommen. Was soll daran so toll sein?
Ich kenne kaum eine andere Milonga, bei der mit solchem Spaß, in einer bemerkenswerten Lockerheit getanzt wird. So muss es wohl zu Tango-Urzeiten gewesen sein: Man traf sich ganz ungezwungen, jeder half jedem, und so kamen alle weiter.
Der Gastgeber ist stets ansprechbar, kümmert sich um seine Besucher und schafft es, aus einem kleinen Stapel CDs und unter konsequenter Missachtung aller „hochwichtigen“ Regeln fürs Auflegen eine schöne musikalische Stimmung zu zaubern. Ein absoluter Gegenpol zur „großstädtischen Edel-Milonga“!
Übungsabend im ZenJA MehrGenerationenHaus - 2.OG. Raum 201
Planegger Str. 9 82110 Germering (Eingang in der Passage rechts)

Tango im Fluss
Schon seit 15 Jahren gibt es diese von Christiane Solf und Sven Frais veranstaltete Milonga in der „Pustetpassage“ der Regensburger Innenstadt (Achtung, parkplatzfreie Zone;  meistens findet man noch freie Parkhäuser in der Umgebung). Bereits der Abgang in den großen Tanzsaal mit Parkett im Souterrain verbreitet dank der abblätternden Wandfarbe echte Tangoatmosphäre.
Sympathisch wirkt die lockere, freundliche Stimmung; meist wird „kreuz und quer“ aufgefordert und mit viel Spaß getanzt.
Seit geraumer Zeit differenzieren die Gastgeber die Musik und laden zu Milogas mit rein traditionellen, „gemischten“ und manchmal sogar dezidiert modernen Klängen ein – so ist für jeden etwas dabei!
Tango im Fluss, Gesandtenstraße 6, 93047 Regensburg
wöchentliche Milongas freitags oder samstags ab 20.30 Uhr
weitere Infos: http://www.tangoimfluss.de

Tango im Landshuter Netzwerk
Schon ziemlich lange veranstaltet der Verein „Tangomanía“ zirka einmal im Monat eine Milonga.
Nachdem ich früher die Musikauswahl als reichlich öde empfand, bringt man inzwischen durch wechselnde DJs mehr frischen Wind in die Beschallung. Es bleibt spannend, welche „Fraktion“ sich im Verein längerfristig durchsetzen wird…
Sehr freundliche Gastgeber, ein überwiegend aufgeschlossenes Publikum und geräumiges Parkett: Wir haben die Veranstaltung schon oft besucht und werden es sicherlich weiter tun!
Landshuter Netzwerk, Bahnhofsplatz 1, 84032 Landshut – einmal im Monat am Samstag ab 21.00 Uhr
https://www.tangomuenchen.de/modules.php?name=Tango_Argentino&file=index&func=zeige_event&t_op=00032044&akt_dat=1526710080&FixTheme=Muc11

Anzumerken wäre noch, dass ich diesen Beitrag immer wieder aktualisieren werde, und daher meine Empfehlungen meist auf dem neuesten Stand sind.
Diese Aufstellung bedeutet kein negatives Qualitätsurteil über hier nicht genannte Veranstaltungen – vielleicht kenne ich sie ja noch nicht. In dem Fall würde ich mich über Vorschläge per Kommentar freuen!

P.S. Jetzt habe ich ganz vergessen, unsere eigene „Wohnzimmer-Milonga“… nein, war nur Spaß, Schluss jetzt!

Kommentare

  1. Sehr schmeichelhaft, in der Tat. Doch die eigene "Wohnzimmer-Milonga", nur für Auserwählte, in den vier Wänden des Eigenhauses, ist auch nicht ohne. Uneingeschränkte Empfehlung empfiehlt sich aber nicht, sonst haben wir keinen Platz mehr zum Tanzen ...

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    1. Vielen Dank! Aber kein Grund zur Sorge: Die Begrenzung auf ca. ein Dutzend Gäste wird eingehalten - und außerdem können gute Tänzer mit dem Platz sehr kreativ umgehen. (Und überdies wollen wir schon lange einen neuen Fernseher und warten daher auf einen Besucher mit Gancho und guter Haftpflichtversicherung...)

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  2. Hinweis: Der Beitrag wurde heute von mir aktualisiert.

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